Montag, 30. Dezember 2013

[Rezension] Wünsch dich ins Wunder-Weihnachtsland Band 6 – Martina Meier [Hrsg.]



 Titel: Wünsch dich ins Wunder-Weihnachtsland Band 6 [Anthologie]
Herausgeberin: Martina Meier
Verlag: Papierfresserchens MTM-Verlag
Erscheinungsdatum: 29. Oktober 2013
Einband: Softcover
Seiten: 211
ISBN: 978-3-861962-68-7
Preis: 11,90 € [D]

Klappentext:
Die Geschichten, Gedichte und Märchen von über 40 Autorinnen und Autoren steigern die Vorfreude und verkürzen das Warten auf Weihnachten.
Lustige und besinnliche, kurzweilige und lehrreiche Erzählungen entführen in die abenteuerliche und nicht selten märchenhafte Zauberwelt des Wunder-Weihnachtslandes.

Einordnung:
"Wünsch dich ins Wunder-Weihnachtsland Band 6" ist zwar das sechste Buch mit weihnachtlichen Kurzgeschichten, die Anthologien sind jedoch vollkommen unabhängig voneinander. Lediglich die Ausschreibung findet jedes Jahr erneut statt. Somit müssen die ersten fünf Bände nicht gelesen werden.

Rezension:
Um genau zu sein, sind es sogar 54 Autoren und Autorinnen, die in dieser Anthologie Geschichten und Gedichte rund um die schönste Zeit des Jahres veröffentlicht haben. Da die Kurzgeschichtensammlungen, die ich bisher von Papierfresserchens MTM-Verlag gelesen habe, qualitativ trotz der Vielzahl an Autoren immer gut waren, war meine Erwartung auch entsprechend hoch. Obwohl ich auch zu diesem Buch wieder viele positive Dinge anzumerken habe, hinkt es dennoch etwas hinter meinen Hoffnungen her.

Zunächst einmal hat mir die Vielfalt gut gefallen. Weihnachten wird in den Geschichten in den unterschiedlichsten Formen mit den verschiedensten Merkwürdigkeiten geschildert. So gibt es Weihnachten nicht nur bei den Menschen, sondern in vielen Geschichten auch bei den Tieren auf dem Bauernhof (in „Henne Henni und die Weihnachtsgeister“ von Ann-Kathrin Walz) und den Mäusen in der Speisekammer („Mäuseweihnacht“ von Sieglinde Seiler). Außerdem gibt es Geschichten mit sprechenden Schneeflocken, zum Leben erwachten Schneemännern, traurigen Zuckerstangen und streitenden Rentieren.

Doch auch die vielen Geschichten, die sich um Weihnachtsfeiern bei den Menschen drehen, sind nicht einseitig, denn Weihnachten ist interkulturell. Die Geschichte „Wer besucht dich an Weihnachten?“ (von Hermann Bauer) listet eine Reihe von Kindern aus unterschiedlichen Teilen der Welt auf und lässt sie erzählen, wer dort die Geschenke bringt. Der Weihnachtsmann, das Christkind, Santa Claus und vielleicht auch noch Väterchen Frost sind bekannt, doch dass die Geschenke in Italien von Befana, einer alten Witwe, und in Chile von einem Hirten namens Viejo Pasquero gebracht werden, wussten mit Sicherheit vorher nicht viele. Dagegen hat sich Renate Hemsen in „Mustafa backt Wüstensand“ mit der Türkei auseinander gesetzt, einem Land, in dem Weihnachten überhaupt nicht gefeiert wird.

Obwohl es nur selten der Fall gewesen ist, haben sich einige Geschichten dann doch nicht bloß um die Geschenke, sondern auch um die tatsächliche Weihnachtsgeschichte gedreht. Da ist insbesondere „Tobias geht nach Bethlehem“ (von Andrea Christ) zu erwähnen. Die Geschichte spielt zur Zeit von Jesu Geburt. Tobias ist, gemeinsam mit einem Engel, auf dem Weg nach Bethlehem, um dem Jesuskind Decken, Essen und etwas Geld zu bringen. Unterwegs jedoch trifft er immer wieder auf Menschen, die seine Hilfe nötig haben. Nun steht Tobias vor der Entscheidung, ob er ihnen hilft oder nicht.
Ähnlich ist es auch in Margret Küllmars Geschichte, in der „Der kleine Trommler“ dem Jesuskind eine Freude machen möchte. Ein Mädchen, auf das er trifft, sagt ihm jedoch, dass es Jesus genauso sehr freut, wenn er einem Menschenkind eine Freude macht.

Da es sich um ein Weihnachtsbuch für Kinder handelt, gibt es aber natürlich auch lehrreiche Geschichten, die zum Nachdenken anregen. Seit Jahren nimmt es immer mehr zu, dass Kinder mit ihren Geschenken schon nach wenigen Tagen nicht mehr spielen. Dann landen die Spielsachen in einer Ecke oder verstauben im Regal. „Die Weihnachtssabotage“ (von Oliver Lehnert) durch einen Helfer des Weihnachtsmannes ist da nur logisch.
Die meisten Kinder können Weihnachten auch immer kaum abwarten. Am liebsten würden sie die Geschenke schon vorher auspacken. Doch Brigitte Adam stellt ganz richtig fest, dass der „Blick durchs Schlüsselloch“ die Freude des Auspackens erheblich mildert. Kein Kribbeln mehr und die Überraschung ist auch dahin.
Besonders eindrucksvoll ist auch die Geschichte „Sandra und der Fernseher“ (von Sissi Schrei). Dort wünscht sich Sandra einen Fernseher zu Weihnachten, obwohl sie noch viel zu unvernünftig ist, um ihre Zeit vor dem Gerät zu kontrollieren. Und da das Christkind alles weiß, weiß es auch, dass dieser Fernseher für Sandra ein schlechtes Geschenk wäre, und denkt sich etwas anderes aus.

Diesmal war es leider erstaunlich leicht, die drei Kurzgeschichten zu finden, die mir am besten gefallen, denn so viele standen nicht zur Auswahl. Nur die Entscheidung über die Platzierung auf dem Treppchen ist mir so schwer gefallen, dass ich die Geschichten einfach chronologisch nach ihrem Platz in der Anthologie nennen möchte.

„Die Freude der Weihnacht“ von Renate Handge
„Schneeflöckchen“ von Nadin Hardwiger
„Die Rettung Weihnachtens“ von Astrid Jöll

Trotz allem gibt es auch negative Dinge anzumerken. Zunächst einmal sind es so viele Geschichten, dass es gegen Ende zwingend Wiederholungen gibt. Tiere als Weihnachtswunsch und arbeitslose bzw. verstorbene Eltern spielen immer häufiger eine Rolle. An einer Stelle heißen sogar die beiden aufeinander folgenden Geschichten komplett identisch.

Viele der Dinge, die mich gestört haben, sind nur ein einziges Mal aufgetreten, aber gerade dadurch sind sehr viele Geschichten eben nur durchschnittlich gut. Im Kopf geblieben ist mir ein ziemlich spannender Beitrag recht am Anfang. Ich war wirklich neugierig und habe der Auflösung entgegen gefiebert. Die kam aber leider nicht. In der Geschichte wird ein Rätsel aufgegeben, das nicht gelöst wird. Das finde ich wirklich schade, die übrige Handlung und der Schreibstil sind nämlich wirklich gut.

Im weiteren Verlauf des Buches habe ich dann ein Gedicht gelesen, bei dem ich tatsächlich ein Wörterbuch gebraucht habe. Sprachlich und stilistisch ist es sehr gelungen, allerdings für Kinder nicht nur an den Stellen zu anspruchsvoll, an denen auch ich ein Wörterbuch gebraucht habe.

Zusätzlich dazu finden sich immer wieder inhaltliche Fehler. Nur wenige sind wirklich gravierend, erst recht nicht für Kinder, sodass es durchaus als Fantasie der Autoren anzusehen ist. Irgendwann haben sich die Dinge aber gehäuft und ihren Höhepunkt schließlich in einer zehnmonatigen Schwangerschaft gefunden.

Fazit:
Die Anthologie hat ebenso Höhepunkte wie Tiefpunkte. Sie beinhaltet berührende Geschichten und lehrreiche Gedichte. Die Beiträge behandeln verschiedenste Themen, sind aber leider von sehr unterschiedlicher Qualität. Besonders gegen Ende häufen sich die Wiederholungen. Ich denke, es hätte dem Buch gut getan, nicht ganz so viele Geschichten aufzunehmen, sodass die wenigen sehr guten Beiträge nicht in einem Sog von Durchschnittlichkeit untergehen. Trotz allem und mit besonderem Blick auf die wunderschönen Geschichten bekommt „Wünsch dich ins Wunder-Weihnachtsland Band 6“ drei Schreibfedern von mir.


Freitag, 27. Dezember 2013

[Rezension] Verliebte Jungs – Schemajah Schuppmann [Hrsg.]



 Titel: Verliebte Jungs [Anthologie]
Herausgeber: Schemajah Schuppmann
Verlag: Wölfchen Verlag
Erscheinungsdatum: 11. November 2013
Einband: Softcover
Seiten: 169
ISBN: 978-3-943406-45-0
Preis: 11,90 € [D]

Klappentext:
Alle Jungen haben es nicht leicht, besonders in einem Alter, in dem sie weder Mann noch Kind sind. Sie entscheiden sich für eine Liebe, jagen ihr nach oder lernen die Tücken einer Beziehung kennen. Wenn sie Glück haben, dann treffen sie auf ein Mädchen, eine Frau oder einen anderen Jungen, die oder der ihre Liebe erwidern kann.
Wenn nicht, dann lernen sie daraus, manchmal schmerzhaft, manchmal lächeln sie im Nachhinein darüber und manchmal fordert die Liebe das Leben. Doch wenn die Liebe zuschlägt, dann fühlt sie sich oft großartig an, wie Schmetterlinge, wie tausend Federn oder wie Mentos in der Limo. Mal versteckt, mal ganz offen, mal ganz anders nähern sich Jungs ihrer Liebe und stellen sich dabei sehr ungeschickt an. Sie tun es, denn sie sind Verliebte Jungs.

Einordnung:
"Verliebte Jungs" ist eine unabhängige Anthologie und kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Insgesamt 24 sowohl männliche als auch weibliche Autoren aller Altersklassen haben einen Beitrag in dieser Anthologie veröffentlicht. So kommt es zu einer großen Vielfalt an Geschichten mit unterschiedlichem Ausgang.

Einleitend hat der Herausgeber der Anthologie ein Intro für das Buch geschrieben. Es hat ein wenig gedauert, bis ich herausgefunden habe, dass die Titel aller Geschichten in den Text eingebaut sind. Auch wenn die Geschichte an sich nicht herausragen ist, ist es schon nicht so leicht, die einzelnen Bruchstücke auch noch in der richtigen Reihenfolge einfließen zu lassen.

Der Großteil der eigentlichen Geschichten hat mir wirklich ausnehmend gut gefallen. Mit HIV, modernen Medien, Homosexualität und Stalkern werden Themen aufgegriffen, die in klassischen Liebesromanen eher selten eine Rolle spielen. So wundert sich der Junge aus „Liebe und Leere“ von Sabrina Schumacher beispielsweise, weshalb seine Angebetete ihn nicht mag, wo er doch alles über sie herausgefunden hat, selbst die Kontoverbindung. Ein Junge, der dagegen nur noch ein virtuelles und kein „echtes Leben“ (von Antje Haugg) mehr hat, stellt fest, dass die Kommunikation über moderne Medien leichter, aber auch viel weniger persönlich ist.

Auch die Verteilung der Geschichten auf das Buch ist gut gelöst. Gerade zu Beginn wechseln sich die Geschichten mit hetero- und homosexuellen Jungs immer ab, sodass es nicht zu einseitig wird. Manchmal sind die Charaktere noch relativ jung, manchmal schon fast erwachsen. Während „Cheap Charlie“ von Cathrin Kühl im Jahre 1922 spielt, hat Gabriele Schneider in ihrer Geschichte „Lappen!“ die heutige Jugendsprache wunderbar aufgegriffen und auf den Punkt gebracht. Der Klappentext verspricht also nicht zu viel Abwechslung.

Am meisten überrascht hat mich der fast durchweg gute Stil der Autoren. Es gab nur eine einzige Geschichte, die mir in dieser Hinsicht überhaupt nicht gefallen hat. Alle anderen sind sauber formuliert, haben ansprechende Beschreibungen oder verweben die wirklich nervenaufreibende Jugendsprache so eng mit der Handlung, dass anständiges Deutsch die Stimmung zerstören würde. Das habe ich bei einer so großen Anzahl von Autoren selten erlebt.

Mein eindeutiger Favorit in diesem Buch ist die Geschichte „Verschlossen“ von Chris P. Rolls. Der Hauptcharakter ist schwul - wie könnte es bei dieser Autorin auch anders sein. Dass Milo erst zarte dreizehn Jahre alt ist, macht einen besonders sensiblen Umgang mit dem Thema und mit Liebe allgemein notwendig. Chris P. Rolls hat alle Unsicherheiten wundervoll und sehr einfühlsam geschildert und es gleichzeitig nicht verpasst, auch eine Reaktion der Freunde darzustellen, die mich nicht nur zum Lachen gebracht hat, sondern auch wortwörtlich aus dem wahren Leben entnommen sein könnte. Diese Geschichte ist wirklich Gänsehaut pur und ganz großes Kino, auch wenn es nur sechs Seiten sind.

Fazit:
Die Sammlung an Kurzgeschichten zur ersten großen Liebe von Jungs ist gut gelungen. Fast alle Beiträge sind stilistisch sowie inhaltlich ansprechend, die Anthologie selbst ist vielfältig, was das Alter, die sexuelle Orientierung und den Erfolg oder Misserfolg der Annäherung angeht. Es gibt lediglich einige kleinere Dämpfer bei einzelnen Geschichten, bei denen die Formulierungen nicht stimmen oder der Ausgang einer Geschichte, die eigentlich spannend sein soll, schon nach wenigen Sätzen offensichtlich ist. Daher bekommt „Verliebte Jungs“ von mir vier Schreibfedern.


Donnerstag, 26. Dezember 2013

[Rezension] Sherlock Holmes: Das Zeichen der Vier – Sir Arthur Conan Doyle



Titel: Sherlock Holmes - Das Zeichen der Vier
Autor: Sir Arthur Conan Doyle
Verlag: Insel Verlag
Erscheinungsdatum: 26. November 2007 (5. Auflage)
Einband: Softcover
Seiten: 196
ISBN: 978-3-458350-14-9
Preis: 7,00 € [D]

Klappentext:
Endlich ein neuer Fall für Sherlock Holmes! Sieben Jahre sind seit seinem Zusammentreffen mit Dr. Watson und ihrem ersten gemeinsamen Fall vergangen. In dieser Zeit schienen die Verbrechen zu pausieren. Doch nun erreicht Holmes das verzweifelte Hilfegesuch einer jungen Frau, und Watson knüpft amouröse Bande…

Einordnung:
Eine Studie in Scharlachrot (Roman Nummer 1)
- Das Zeichen der Vier (Roman Nummer 2)
- Die Abenteuer des Sherlock Holmes (Kurzgeschichten Band 1)
- Die Memoiren des Sherlock Holmes (Kurzgeschichten Band 2)
- Der Hund von Baskerville (Roman Nummer 3)
- Die Rückkehr des Sherlock Holmes (Kurzgeschichten Band 3)
- Das Tal der Angst (Roman Nummer 4)
- Seine Abschiedsvorstellung (Kurzgeschichten Band 4)
- Sherlock Holmes' Buch der Fälle (Kurzgeschichten Band 5)

Rezension:
In der ersten Szene des Buches wird schon deutlich, dass Sherlock Holmes‘ bekannter überragender Verstand nicht nur Vorteile mit sich bringt. Wann immer er keinen Fall zu lösen hat, langweilt er sich so sehr, dass er auf Drogen zurückgreift, um seinen Geist anzuregen. Als Arzt ist Dr. John Watson, aus dessen Perspektive auch dieser Roman geschrieben ist, natürlich absolut nicht begeistert davon, dass Sherlock sich Kokain und Morphium in solchen Maßen spritzt, dass bereits sein ganzer Arm vernarbt ist.

Um ihn von weiterem Konsum abzuhalten, hinterfragt John die Theorien, die Sherlock aufstellt und lässt sich über die Werke informieren, die er geschrieben hat. So erhält der Leser einen tieferen Eindruck in die verschiedenen Bereiche, die den Detektiv besonders interessieren. Beispielsweise hat er Abhandlungen über die Asche verschiedener Tabaksorten, das Lesen von Fußspuren und die Form von Händen in unterschiedlichen Berufen geschrieben. Außerdem erklärt er ausführlich einige Deduktionen, die er an John vornimmt und die im ersten Moment vollkommen undurchsichtig, nach der Erklärung jedoch ziemlich offensichtlich sind.

Wenig später findet eine Klientin den Weg zur Baker Street. Ihr Vater ist vor beinahe zehn Jahren verschwunden. Seit sehr Jahren erhält die Klientin jährlich ein Päckchen, in dem sich immer eine wertvolle Perle befindet. In diesem Jahr jedoch hat sie einen Brief erhalten, in dem ein unbekannter Mann um ein Treffen bittet, um eine Ungerechtigkeit aus der Welt zu schaffen. Zur Sicherheit dürfen sie zwei Freunde begleiten – und sie entscheidet sich für Sherlock Holmes und John Watson.

Auch dieser Roman blickt wieder über die Grenzen Großbritanniens hinaus, auch wenn die aktuelle Handlung den britischen Boden nicht verlässt. Durch die Verknüpfung mit Indien bietet das Buch ganz nebenbei einen Einblick in die englische Geschichte und in Sitten und Lebensweisen anderer Völker. Der Leser erlebt so mehr Abwechslung, weil sich die Charaktere dadurch nicht bloß mit Schusswaffen gegenüber stehen.

Im Laufe der Geschichte wird deutlich, dass auch Sherlocks brillanter Verstand manchmal nicht ausreicht, um alle Details eines Falls vorauszusehen. Eine einzige falsche Schlussfolgerung treibt ihn fast in den Wahnsinn, auch wenn der Denkfehler nur sehr klein ist. Frustriert macht er sich selbst auf die Suche. Dabei verwendet er eines seiner Kostüme, mit denen er sein Aussehen so komplett verändern kann, dass nicht einmal John ihn erkennt. Durch die vielen Deduktionen, die Sherlock in seinem Leben schon gemacht hat, weiß er um alle verräterischen Details, sodass seine Verkleidung fast perfekt ist.

Ein kleiner Detailfehler, der Doyle in diesem Roman unterlaufen ist, ist die Tatsache, dass John Watson offenbar in den sieben Jahren zwischen diesem und dem letzten dokumentierten Fall vergessen hat, dass er aus dem Krieg eine Schussverletzung in der Schulter und nicht im Bein davongetragen hat. So sind längere Strecken in diesem Buch manchmal ein Problem für John und bei jedem Wetterumschwung hat er starke Schmerzen.

Außerdem ist ein Punkt, in dem ich Sherlocks Missfallen ganz und gar zustimme, John Watsons Hochzeit. Obwohl der Leser die Ereignisse aus Johns Journal erfährt, wird nur sehr wenig Wissen über seine zukünftige Frau vermittelt. Sie scheint eine bescheidene, ehrliche und freundliche Frau zu sein, tiefere Einblicke in ihr Wesen und Geschichten über ihr Leben gibt es jedoch nicht.
Allerdings muss ich hier anmerken, dass ich nach der Beschreibung einiger weiterer Beziehungen bzw. Ehen zu dem Schluss gekommen bin, dass es zur damaligen Zeit (Ende des 19. Jahrhunderts) normal gewesen zu sein scheint, sich eine Woche nach der ersten Begegnung zu verloben. Sherlock missfällt diese Entwicklung dennoch, auch wenn er denkt, dass sie die geeignete Frau für John ist, da die Liebe in seinen Augen zu sehr den Verstand beeinträchtigt.

Fazit:
Auch dieser Sherlock Holmes Fall ist wieder detailreich beschrieben. Es gibt mehr Schwierigkeiten als im ersten Roman, vor allem funktioniert nicht immer alles so, wie sich Sherlock das vorstellt. Natürlich sind auch die Deduktionen nach wie vor beeindruckend und mir gefällt die Freundschaft, die Sherlock und John verbindet. Daher bekommt auch „Sherlock Holmes: Das Zeichen der Vier“ fünf Schreibfedern.


Mittwoch, 25. Dezember 2013

[Rezension] Sherlock Holmes: Eine Studie in Scharlachrot - Sir Arthur Conan Doyle



Titel: Sherlock Holmes - Eine Studie in Scharlachrot
Autor: Sir Arthur Conan Doyle
Verlag: Insel Verlag
Erscheinungsdatum: 26. November 2007 (7. Auflage)
Einband: Softcover
Seiten: 189
ISBN: 978-3-458350-13-2
Preis: 7,00 € [D]


Klappentext:
Eine Studie in Scharlachrot erzählt von der ersten Begegnung zwischen Sherlock Holmes und Dr. Watson sowie ihrem ersten gemeinsamen Fall. Auf der Suche nach einer Unterkunft in London trifft Dr. Watson den „beratenden Detektiv“ Sherlock Holmes, und sie beziehen gemeinsam eine Wohnung. Holmes‘ exzentrische Art und seine geheimnisvolle Tätigkeit wecken Watsons Neugier. Kein Wunder also, dass er seinen neuen Freund bei dessen nächsten Auftrag begleitet. In einem verlassenen Haus wurde die unversehrte Leiche eines Amerikaners gefunden. An der Wand des Zimmers steht, mit Blut geschrieben, das deutsche Wort „Rache“. Trotz vieler Ungereimtheiten kommt Sherlock Holmes dem Mörder schon bald auf die Schliche.


Einordnung:
- Eine Studie in Scharlachrot (Roman Nummer 1)
- Das Zeichen der Vier (Roman Nummer 2)
- Die Abenteuer des Sherlock Holmes (Kurzgeschichten Band 1)
- Die Memoiren des Sherlock Holmes (Kurzgeschichten Band 2)
- Der Hund von Baskerville (Roman Nummer 3)
- Die Rückkehr des Sherlock Holmes (Kurzgeschichten Band 3)
- Das Tal der Angst (Roman Nummer 4)
- Seine Abschiedsvorstellung (Kurzgeschichten Band 4)
- Sherlock Holmes' Buch der Fälle (Kurzgeschichten Band 5)

Rezension:
Der Einstieg in die Geschichte fällt sehr leicht, da zunächst Dr. John H. Watsons Vergangenheit bei der Armee dargestellt wird. Seine Rückkehr nach London verdankt er einer Typhus-Erkrankung, die ihn kurz nach seiner Genesung von einer Schusswunde erlitten hat. Derart geschwächt versinkt er zunächst in Melancholie, bevor er neuen Lebensmut fasst und beschließt, seinem Leben wieder einen Sinn zu geben und nicht länger über seinen Möglichkeiten zu leben. In diesem Zustand trifft er auf einen alten Freund, Stamford, der einen jungen Mann kennt, der ebenfalls auf der Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft ist – Mr. Sherlock Holmes.

Bei seinem ersten Auftritt ist Sherlock gerade außer sich vor Freude, weil er eine eindeutige Möglichkeit entwickelt hat, sowohl alte als auch frische Blutflecke als solche zu identifizieren. Schon das zeugt von der ungewöhnlichen Intelligenz des Studenten, denn eine solche Methode ist ein großer wissenschaftlicher Fortschritt im Jahre 1880, besonders für die Kriminologie. Auch im weiteren Verlauf stellt John Watson, über dessen Journal der Leser das Geschehen verfolgt, immer wieder Sherlocks umfassende Kenntnisse in bestimmten Bereichen dar, während deutliche Lücken in andern Gebieten auftreten. So verfügt er beispielsweise über keinerlei Wissen bezüglich des Aufbaus des Sonnensystems.

Besonders die Begründung für diese Lücken in seiner Allgemeinbildung hat mir gefallen. Er beschreibt das Gehirn als eine Dachkammer, die jeder Mensch mit Möbeln versehen muss. Die meisten, gewöhnlichen Menschen nehmen alles mit hinein und finden das notwendige Wissen zwischen all den überflüssigen Sachen nicht wieder. Sie sind dem Irrglauben verfallen, die Kammer hätte elastische Wände. Dagegen selektiert Sherlock sein Wissen sehr sorgfältig und speichert nur diejenigen Informationen, die ihm bei seiner Arbeit helfen.

Ein Großteil der ersten Kapitel dreht sich um Johns Versuche, Sherlock zu enträtseln. Er beobachtet ihn genau und erstellt sogar eine Liste mit Sherlocks Fähigkeiten und Kenntnissen, um seinen Beruf zu erraten, da seine Studien im chemischen Labor offenbar rein der Befriedigung der eigenen Neugierde dienen. Obwohl natürlich bekannt ist, dass Sherlock Holmes ein Detektiv ist, ist es dennoch spannend, mehr über seinen Charakter zu erfahren. Er ist sehr von sich eingenommen und auf eine gewisse Weise schon überaus arrogant, doch seine manchmal fast kindliche Freude macht ihn trotz allem sympathisch. Mehr als einmal musste ich mit ihm lachen, wenn die Polizeidetektive Lestrade und Gregson zu intelligenten Schlussfolgerungen gelangt sind, Sherlock diese jedoch unter taktlosem Gelächter vollständig auseinander nimmt.

Die Deduktionen, die Sherlock im Laufe des Falls macht, sind wirklich faszinierend. Das liegt unter anderem an der Tatsache, dass immer zunächst die Erkenntnisse benannt werden und die Ergebnisse, zu denen er gekommen ist. Während man sich als Leser noch überlegt, wie er zu dieser Schlussfolgerung gekommen ist, klärt er den ebenso ahnungslosen Dr. Watson in einem mehrere Seiten langen Monolog über die einzelnen Schritte auf, die dadurch plötzlich erstaunlich nachvollziehbar erscheinen.

Ebenfalls gut gefallen hat mir, dass in Teil II die komplette Hintergrundgeschichte des Mordes erzählt wird. Anfangs war ich sehr verwirrt, worum es geht, da das Setting gewechselt hat, die Zeit offenbar auch und auch keine bekannten Namen mehr auftauchten. Im Laufe der Erzählung wurde dann aber deutlich, worum es geht. So artet das Geständnis nicht in einen langen Monolog aus, sondern ist interaktiver gestaltet.

Fazit:
Sherlock Holmes ist wirklich ein außergewöhnlicher Detektiv, der deutlich beweist, wie nah Genie und Wahnsinn beieinander liegen. Der erste Fall, den er zusammen mit John löst, ist nicht nur interessant, sondern auch in allen Einzelheiten beschrieben. Obwohl er ziemlich egozentrisch ist, ist mir Sherlock sofort ans Herz gewachsen. Seine Ausführungen zum Gedächtnis faszinieren mich ebenso wie seine Deduktionen. Daher bekommt „Sherlock Holmes: Eine Studie in Scharlachrot“ von mir fünf Schreibfedern.

Dienstag, 24. Dezember 2013

Neuzugänge #9

Als verfrühtes Weihnachtsgeschenk ist vor ein paar Tagen Teil 2 der Roboter-Saga von Wolfgang Bellaire als Rezensionsexemplar bei mir eingetroffen. Vielen Dank dafür!
Außerdem habe ich mir alle Sherlock Holmes Bücher von Sir Arthur Conan Doyle als E-Books zugelegt, um sie am PC lesen zu können, bis ich die Printexemplare habe. Da ich es vorrangig darauf abgesehen habe, mein (überquellendes) Bücherregal noch mehr zu füllen, stelle ich euch als Neuzugänge immer nur die Printbücher vor, die ich seit Neustem besitze.

"Die Roboter auf der Flucht" von Wolfgang Bellaire


Klappentext:
Die skrupellosen Pickersgill Detektive suchen nach den Wobotniks. Sie stecken einen Zirkus in Brand, um die menschenähnlichen Roboter in ihre Gewalt zu bekommen. Kann der 12-jährige Patrick seinen Freunden helfen? Können die Wobotniks ihm helfen? Denn auch Patrick hat ein riesengroßes Problem: Ältere Mitschüler erpressen und hetzen einen bissigen Hund auf ihn.


Nachdem mir der erste Teil der Geschichte um die Wobotniks so gefallen hat, freue ich mich wirklich, dass ich nun auch die Fortsetzung lesen darf. Ich bin schon gespannt, welche Abenteuer Patrick und seine Freunde diesmal erleben und wie sie die Probleme lösen, vor denen sie stehen.


Welches Kinderbuch hat euch zuletzt so begeistert,
dass ihr die Fortsetzung davon auch auf jeden Fall lesen musstet?


Montag, 23. Dezember 2013

[Statistik] November 2013

Dieser Monat ist so wenig erwähnenswert gewesen, dass ich schon fast vergessen habe, dass ich die Statistik noch gar nicht geschrieben habe. Ich bin wieder grandios viel zum Lesen gekommen. Aber immerhin halten sich meine Neuanschaffungen in Grenzen.

Neuzugänge
- "Sanctum" von Markus Heitz (gebraucht)
- "Dark River" von John Twelve Hawks (gebraucht)
- "Flieh" von Jamie Freveletti (gebraucht)


Gesamtanzahl: 3 Bücher





Gelesen und rezensiert
- "Die Roboter kommen" von Wolfgang Bellaire (214 Seiten) [5/5]


Bücher insgesamt: 1 Buch
Seiten insgesamt: 214 Seiten
durchschnittliche Bewertung: 5 von 5 Schreibfedern



Sonntag, 15. Dezember 2013

[Vorstellung] Wölfchen Verlag

Diesen Monat stelle ich euch wieder einen Verlag vor, der es eindeutig verdient hat, bekannter zu werden. Ich habe schon viele gute Erfahrungen gemacht mit dem Wölfchen Verlag.



 Die beiden Wölfe heißen Lulu und Lupinius und sind die Maskottchen des Verlags, der am 01.07.2011 gegründet wurde. Ziel des Verlags ist es, Bücher zu verlegen, die vom Mainstream abweichen, wobei es sich meist um Fantasygeschichten und Jugendbücher handelt.




Die Verlagsleitung hat Alfons Theodor Seeboth inne, der mit „William von Saargnagel und der purpurne Traum“ und „Rückkehr in das Tal der Silberwölfe“ auch bereits zwei Bücher veröffentlicht hat.





Neben den fünf bisher erschienenen Romanen beschäftigt sich der Verlag auch viel mit Anthologien. Bislang sind vier verschiedene Sammlungen erschienen, eine weitere Ausschreibung läuft im Moment noch.



"Dracheneiern werden magische Kräfte zugeschrieben. Sie verheißen Fruchtbarkeit, Macht, Reichtum und sogar kulinarische Sensationen. Kein Wunder, dass alle möglichen Kreaturen hinter ihnen her sind, allen voran Vertreter der Spezies Mensch. Drachen sind extrem langlebig, und so sind es auch ihre Eier. Oft dauert es Generationen, bis aus ihnen der Nachwuchs schlüpft. So bleibt viel Zeit für eine lange Reise mit vielen Abenteuern … Acht Autorinnen und Autoren der Gruppe „Geschichtenweber“ machten sich daran, die Geschichte eines Dracheneies zu erzählen. Das Ei geht dabei von Hand zu Hand, die durchaus auch Krallen haben kann. Jeder, der es haben will, verfolgt seine eigenen Ziele – sei es Heilung, Erleuchtung, Herrschaft oder Reichtum."
(Klappentext des Verlags)




"Weltenbaum, Lebensbaum, Weltesche – Yggdrasil hat viele Namen im Laufe der Jahrhunderte erhalten. Und Legenden, eine fantastischer als die andere, haben sich in und um ihn abgespielt. Ist die Geschichte um Thor und die Midgardschlange wirklich so abgelaufen? Was macht Nidhögg, falls er nicht gerade an den Baumwurzeln nagt? Hat Loki noch weitere Eigenschaften, außer seine Mitmenschen auszutricksen? Können die nordischen Götter in unsere Welt eingreifen? Was passiert, wenn ein Krieger nicht im Kampf fällt, sondern auf andere Art ums Leben kommt? Sind Hugin und Munin wirklich Raben? Und wo verstecken sich die Drachen auf Yggdrasil? Siebzehn Autoren gehen dem Mythos Lebensbaum auf den Grund und erzählen Geschichten, die niemandem bislang bekannt waren."
(Klappentext des Verlags)






Mädchen sind ein Mysterium.
Sie können Männer mit einem Wimpernschlag um den Finger wickeln, streiten sich mit ihren Freundinnen wie Furien über die banalsten Dinge, um im nächsten Moment in Kichern zu verfallen. Tanzen nackt im Mondschein, um ihren Liebsten für sich zu gewinnen. Und natürlich verschafft so manches Mädchen einem Jungen Kopfschmerzen, weil er diese Geschöpfe einfach nicht nachvollziehen kann.
Aber warum können und machen sie das alles?
Weil wir Mädchen sind.
(Klappentext des Verlags)






Alle Jungen haben es nicht leicht, besonders in einem Alter, in dem sie weder Mann noch Kind sind. Sie entscheiden sich für eine Liebe, jagen ihr nach oder lernen die Tücken einer Beziehung kennen. Wenn sie Glück haben, dann treffen sie auf ein Mädchen, eine Frau oder einen anderen Jungen, die oder der ihre Liebe erwidern kann. Wenn nicht, dann lernen sie daraus, manchmal schmerzhaft, manchmal lächeln sie im Nachhinein darüber und manchmal fordert die Liebe das Leben. Doch wenn die Liebe zuschlägt, dann fühlt sie sich oft großartig an, wie Schmetterlinge, wie tausend Federn oder wie Mentos in der Limo. Mal versteckt, mal offen, mal ganz anders nähern sich Jungs ihrer Liebe und stellen sich dabei sehr ungeschickt an. Sie tun es, denn sie sind Verliebte Jungs
(Klappentext des Verlags)




Die aktuelle Ausschreibung befasst sich mit der „Weihnachtlichen Märchenwelt“. Dort werden Weihnachtsgeschichten für Kinder ab sieben Jahren gesucht. Jeder, der eine Idee hat, darf mitmachen.


Projekt: Geschichtenerzähler

Eine weitere Besonderheit des Verlags ist das Angebot des Projekts Geschichtenerzähler. Dabei kommt Autorin Cornelia Franke in die Klasse und bringt den Kindern vier bis fünf Schulstunden lang die Grundkenntnisse des Schreibens bei. Vom Finden einer Idee bis hin zur Gestaltung des Covers erklärt sie alle wichtigen Schritte. Dabei können die Schüler ihre eigenen Geschichten schreiben, die zum Schluss gedruckt und als Buch gebunden werden, das jeder mit nach Hause bekommt.




Wenn ihr mehr über Lupinius, Lulu und den Verlag erfahren wollt, dann seht euch auf der Homepage des Verlags um, folgt ihm auf Twitter oder klickt bei Facebook auf „Gefällt mir“.

    





Sonntag, 24. November 2013

[Veröffentlichung] Wünsch dich ins Wunder-Weihnachtsland Band 6



Titel: Wünsch dich ins Wunder-Weihnachtsland Band 6 [Anthologie]
Herausgeber: Martina Meier
Verlag: Papierfresserchens MTM-Verlag
Erscheinungsdatum: 29. Oktober 2013
Seiten: 211 Seiten
ISBN: 978-3-861962-68-7
Preis: 11,90 € [D]

Klappentext:
Die Geschichten, Gedichte und Märchen von über 40 Autorinnen und Autoren steigern die Vorfreude und verkürzen das Warten auf Weihnachten.
Lustige und besinnliche, kurzweilige und lehrreiche Erzählungen entführen in die abenteuerliche und nicht selten märchenhafte Zauberwelt des Wunder-Weihnachtslandes.

Meine Geschichte:
„Hendrik hilft dem Weihnachtsmann“ ist eine Geschichte über den kleinen Hendrik, der über die Weihnachtsferien im Internat bleiben muss, weil seine Eltern kein Geld haben, um ihn nach Hause zu holen. Während er traurig auf einer Parkbank sitzt und den anderen Kindern bei der Abreise zusieht, gesellt sich eine alte Dame zu ihm. Und Oma Irene hat eine dicke Überraschung im Gepäck!

Freitag, 22. November 2013

[Rezension] Die Roboter kommen - Wolfgang Bellaire



Titel: Die Roboter kommen
Autor: Wolfgang Bellaire
Verlag: Nordfriesischer Kinderbuch Verlag
Erscheinungsdatum: 10. Oktober 2012
Einband: Hardcover
Seiten: 214
ISBN: 978-3-944243-10-8
Preis: 17,90 € [D]

Klappentext:
Die Wobotniks sind ganz besondere Roboter. Sie sehen aus wie Menschen, und über einen Emotionschip haben sie auch menschliche Gefühle. Als Roboterkrieger sind sie nicht mehr zu gebrauchen und müssen fliehen. Im Hamburg tauchen sie unter, aber ein fetter Detektiv ist ihnen hart auf den Fersen. In der städtischen Kanalisation kommt es zur Entscheidung.
Der 12-jährige Patrick erzählt ihre Geschichte – und die seine, die bald untrennbar mit dem Los der Wobotniks verbunden ist.

Einordnung:
- Die Roboter kommen (Teil 1)
- Die Roboter auf der Flucht (Teil 2)
- Die Roboter im Eis (Teil 3)
nach Neuauflage der gesamten Reihe gibt es außerdem demnächst

Rezension:
Das Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Obwohl der 12-jährige Patrick Niemann der Ich-Erzähler der Geschichte ist, berichtet im Prolog der Roboterwissenschaftlicher Yamamoto Hirochika. Die Tatsache, dass der Chef der Yamamoto Robotics Ltd., der weltweit führenden Firma zur Herstellung und Entwicklung von Robotern, ein Japaner ist, halte ich für sehr authentisch. Selbst die amerikanische Regierung wendet sich an Yamamoto, um für das Army und Marine Corps neue Kampfroboter zu bekommen.
Diese Details sind es, die mich von Anfang an beeindruckt haben. Obwohl es ein Kinderbuch ist, werden die Personen und Institutionen korrekt benannt und nicht vereinfacht. Das gefällt mir ausgesprochen gut. Es lässt sich schon aus dem Beginn der Geschichte viel lernen, auch über das Wesen der Japaner, denn da hier Yamamoto Hirochika der Ich-Erzähler ist, erfährt der Leser seine Gefühle und Gedanken hautnah.

Der Konflikt des Buches wird im Prolog ausführlich dargestellt. Yamamoto hatte die Aufgabe, für die U.S. Army Roboter zur Aufklärung, Spionage, Minenräumung und Zielbekämpfung zu entwickeln. Ausgestattet sollten sie sein mit künstlicher Intelligenz und der Fähigkeit, in Kampfsituationen zu entscheiden, auf wen sie zu schießen haben. Zu diesem Zweck hat der Japaner einen Emotionschip entwickelt. Bei einem Test der sieben existierenden Prototypen sollten sie Aufständische niederschießen, die ihre Waffen weggeworfen hatten. Der Oberst wollte, dass sie die Menschen trotzdem erschießen, doch der Emotionschip hat sie mit Gefühlen überflutet, sodass sie nicht dazu in der Lage waren.
Hier wird sehr schön deutlich, was Moral ist und dass die Roboter in gewisser Weise menschlicher sind als echte Menschen. Jedoch hat dieses Verhalten zur Folge, dass der Oberst befiehlt, sie zu verschrotten. Yamamoto hat jedoch Freundschaft mit den Robotern geschlossen und möchte sie nicht zerstören. So bleibt ihnen nur eine Chance: Flucht. So bekommen sie menschliches Aussehen, werden zu einer richtigen Familie mit allen zugehörigen Mitgliedern und machen sich auf den Weg.

Ab dem ersten Kapitel berichtet Patrick über das Geschehen. Er ist vollkommen begeistert von Robotern. Haushaltsroboter sind weit verbreitet und jede Stunde läuft ein Werbespot zu ihnen im Fernsehen. Patricks Mutter, die seit einiger Zeit Witwe ist, mag die Roboter dagegen überhaupt nicht, zumal die Familie kaum genug Geld zum Leben hat, sich also keinen Roboter leisten könnte. In diesen verschiedenen Einstellungen steckt sehr viel Konfliktpotenzial, das über das ganze Buch hinweg immer wieder aufgegriffen wird. Dass die Mutter, die als Krankenschwester arbeitet, oftmals mehrere Schichten nacheinander übernimmt, so kaum Zuhause ist und offensichtlich unter enormem psychischen Stress steht, verschärft die Situation nur noch weiter.

Eine weitere Figur, die mir sehr gefällt, ist Frau Carstensen. Sie wohnt in der Wohnung über Patrick und seiner Mutter. Die alte Dame sitzt den ganzen Tag am Fenster und späht durch die Vorhänge nach draußen. Ihr entgeht nichts. Obwohl das natürlich eine Menge Probleme verursacht, mochte ich sie sofort. Sie ist verschroben und sehr direkt, hat jedoch ein gutes Herz.

Schon bald, nachdem die Wobotniks in die riesige Villa gegenüber der Wohnung eingezogen sind, spricht der dicke Detektiv Duclot Patrick an und bietet ihm viel Geld dafür, dass er die Wobotniks ausspioniert. Doch Patrick, der von Jonathan, dem Jungen der Wobotniks, freundlich behandelt und nicht, wie von allen anderen, gemobbt wird, will seinen Freund nicht verraten, obwohl er bereits die Vermutung hat, dass mit der Familie etwas nicht stimmt.

Während Patricks Mutter immer seltener Zuhause ist und Patrick sich richtig mit Jonathan anfreundet, wird die Gefahr, die von Duclot ausgeht, immer größer. Die Spannung, die über die gesamte Geschichte aufrechterhalten wird, erreicht ihren Höhepunkt, als der Detektiv und Patrick allein in der Kanalisation sind. Letzterer hat sich dabei auch noch den Fuß gebrochen.

Das Buch ist von Anfang bis Ende durchdacht. Detailreiche Beschreibungen, ordentlich abgeschlossene Handlungsstränge und ausgearbeitete Konsequenzen erhöhen den Lesespaß, der allein schon aufgrund der schönen Geschichte besteht. Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen. Für die Handlung wichtige Dinge hat der Autor nicht bloß aneinander gereiht, sondern auch immer wieder unwichtige Alltagssituationen eingestreut, wie beispielsweise Patricks Schreck, als er feststellt, dass er die Kakaotüte versehentlich auf die heiße Herdplatte gestellt hat, sodass sie geschmolzen ist.

Fazit:
Das Buch vereint Spannung, schönen Schreibstil und eine gute Idee. Im Laufe der Geschichte lernt der Leser Charaktere zum Lieben und zum Hassen kennen, die manchmal viel tiefgründiger sind, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Traurige Augenblicke fließen in die Handlung ein, ebenso wie Momente zum Lachen. Ich finde, „Die Roboter kommen“ verdient auf jeden Fall alle fünf Schreibfedern.



Ich bedanke mich ganz herzlich bei Wolfgang Bellaire für dieses Rezensionsexemplar.

Freitag, 15. November 2013

[Vorstellung] Sperling Verlag


Nachdem ich letzten Monat die Autorin Iris Deitermann interviewt habe, stelle ich euch heute den Sperling Verlag vor, bei dem sie ihr erstes Buch veröffentlicht hat.



Bei vielen bekannten Verlagen handelt es sich um Druckkostenzuschussverlage, bei denen die Autoren dafür bezahlen müssen, dass ihre Geschichten veröffentlicht werden. Um Autoren eine Möglichkeit zu geben, ihre Werke kostenfrei an die Öffentlichkeit zu bringen, hat sich die Autorin Irina Piechulek dazu entschieden, einen eigenen Verlag zu gründen. Der 01. September 2009 war schließlich die Geburtsstunde des Sperling Verlags.


Zunächst ist ein Märchenbuch erschienen, auf das inzwischen viele weitere folgten. Dabei sind besonders in letzter Zeit viele Märchen aus fremden Ländern hinzugekommen. Auf „Wüstenlied – Orientalische Märchen“ folgte zu Beginn dieses Jahres „Terem – Russische Märchen“.

          


Ein weiterer Zweig des Verlags ist die Reihe „Fantasy aus dem Sperling-Verlag“. Sie besteht bislang  aus vier Bänden, in denen diverse Kurzgeschichten zusammengefasst sind.

               

Der fünfte Band wird sich mit dem Thema „Geister“ beschäftigen. Noch bis zum Februar läuft die öffentliche Ausschreibung, sodass jeder, der möchte, eine Geschichte einreichen kann.


Doch es werden nicht nur Geschichtensammlungen veröffentlicht, sondern auch Werke einzelner Autoren. Den Anfang gemacht hat damit im Oktober 2011 die Autorin Elisabeth Schwaha mit ihrem Roman „Urschl Untam in Midgard“.






Titel: Urschl Untam in Midgard
Text: Elisabeth Schwaha
Erscheinungsdatum: 20. Oktober 2011
Seiten: 350
ISBN: 978-3-942104-07-4
Preis: 13,95 € [D]









„Ein spannender Roman, der die uralten nordischen Legenden um die Weltenesche Yggdrasil und die Feindschaft zwischen Alben und Elfen und allen Nachbarvölkern, wieder auferstehen lässt.
(Inhaltsangabe von amazon)



Wollt ihr mehr über die Märchen aus fremden Ländern oder die Ausschreibung für die Anthologie über Geister erfahren? Dann seht euch auf der Homepage oder dem Blog des Verlags um oder klickt bei Facebook auf „Gefällt mir“.