Freitag, 26. Juli 2013

[Rezension] Es war einmal im Sommer – Martina Meier [Hrsg.]



Titel: Es war einmal im Sommer [Anthologie]
Herausgeberin: Martina Meier
Verlag: Papierfresserchens MTM-Verlag
Erscheinungsdatum: Juni 2013
Einband: Softcover
Seiten: 170
ISBN: 978-3-86196-220-5
Preis: 11,20 € [D]

Klappentext:
Die Tage werden wieder länger, die Temperaturen steigen stetig und die Sonne zeigt sich immer öfter. Das kann nur eines bedeuten: Der Sommer steht vor der Tür!
Daher hat sich das Papierfresserchen auf die Suche nach allen Geschichten rund um Sommer, Sonne und Strand gemacht. Und es ist fündig geworden! Die Autorinnen und Autoren haben ihrer Fantasie freien Lauf gelassen oder ihre schönsten Erlebnisse aus Urlaub oder Freizeit geschildert.
Eine wundervolle Einstimmung auf die sonnigste, heißeste und schönste Zeit des Jahres!

Einordnung:
Da es sich um eine Anthologie handelt, ist "Es war einmal im Sommer" ein einzelnes Buch und nicht Teil einer Reihe.

Rezension:
Nachdem das Buch es dann doch noch in meinen Briefkasten geschafft hat, dachte ich mir, ich packe es gleich mal ein und nehme es mit in meinen Kurzurlaub an den holländischen Strand. Da hat sich dann herausgestellt, dass das genau die richtige Entscheidung war. Die Poesie aus dem Gedicht „Meeresrauschen“ von Liliana Kremsner und die Atmosphäre der „Sonnentage am Meer“ von Annette Paul wurden umso greifbarer. Und auch sonst haben sich die kurzen Beiträge wunderbar dazu geeignet, zwischen dem Baden, einer Runde Frisbee und dem neuerlichen eincremen mit Sonnencreme gelesen zu werden.

In meinem Leseprozess habe ich jede einzelne Geschichte bewertet. Und ich muss sagen, dass wirklich alles dabei war. Einige Kurzgeschichten sind über eine oder zwei Schreibfedern nicht hinaus gekommen, da das Thema Sommer zwar immer erkennbar und der Stil meist noch recht angenehm zu lesen war, die Protagonisten jedoch schneller mit ihrer großen Liebe, die sie übrigens zwei Stunden vorher kennen gelernt haben, zusammen gekommen sind als ich „unrealistisch“ sagen konnte.
Auch die Gedichte sind zum Großteil nicht sonderlich gut weggekommen, fürchte ich. Mir hat sich der Sinn manchmal auch nach dreimaligem Lesen und intensiver Beratung mit meinen Freunden immer noch entzogen, sodass mein einziger Kommentar auf meinem Notizzettel ein großes Fragezeichen ist.

Viele der abgedruckten Beiträge sind eindeutig Sommererlebnisse der jeweiligen Autoren gewesen. So spielt die Geschichte „Die Jauchengrube“ von Waltraud Klaukin (*1939) an einem warmen Sonntag im Sommer 1949. Die Protagonistin ist zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre alt. Es hat mich gleichzeitig überrascht und berührt, wie viele Autoren und Autorinnen ihre eigenen Erinnerungen niedergeschrieben haben. Jedoch waren es gerade diese Geschichten, bei denen mir manchmal das Interesse und die Begeisterung fehlten. Für den jeweiligen Autoren mag es eine schöne Erinnerung an die Zeit gewesen sein, doch ich als unbeteiligte Leserin habe bemerkt, wie viel uninteressanter das Leben eines normalen Menschen im Vergleich zu dem einer Romanfigur ist.
Außerdem war ich mehr als einmal ordentlich verwirrt, als Joschi beim Gedanken an Louise ein Kribbeln im Bauch hat und sein Liebesbrief später aber plötzlich an deren Freundin Sophie gerichtet ist („Joschi und die Liebe“ von Klaudia Gräfin von Rank). Oder als Melissa mit Tom ein Eis essen geht, das dann plötzlich sie und Chris, in den sie eigentlich ziemlich unglücklich verliebt ist, bezahlen („Der fremde Hund im Teich“ von Dani Lorenz).

Doch natürlich gab es auch Höhepunkte, an denen ich sehr gerührt war oder herzlich lachen musste. So hat sich „Die Katze mit der grünen Sonnenbrille“ von Anne Reinéry als eine Frau herausgestellt, der eine Nachwuchsdetektivin einen Decknamen gegeben hat. Bei der Geschichte „Stille auf dem See“ von Thorsten Redlin bin ich mir auch nach mehrmaligem Lesen nicht sicher, ob die Protagonistin eine Frau oder ein schwuler Mann ist.
Durch die Vielzahl an abgedruckten Beiträgen entsteht außerdem eine ganz eigene Mischung aus Menschen und Emotionen. Neben einer Menge Liebesgeschichten gibt es philosophische und poetische Text, phantastische Ausflüge um die Welt und Begegnungen mit Göttern, sprechende Tiere, Urlaubsreisen im Kopf und jede Menge Sonne, Strand und Meer. Es gibt Momente zum Lachen, zum Weinen und zum Aufatmen, vorhersehbaren Kitsch und überraschende Wendungen, stilistische Meisterwerke und wahre Marathonsätze.

Kurzum, hier findet jeder eine Geschichte, die ihn anspricht.

Meine Top 3:
Die genaue Reihenfolge der Beiträge, die es auf mein persönliches Siegertreppchen geschafft haben, kann ich unmöglich festlegen. Es waren viele gute Geschichten und Gedichte, sodass es schon schwer genug war, aus den zwölf Kandidaten, denen ich fünf Schreibfedern verliehen habe, die besten drei Beiträge auszusuchen.

Daher hier meine Favoriten chronologisch nach ihrem Platz in der Anthologie:

Das Ömel und der Heldenspecht (Boris Schneider)
Die neuen ersten Sommerferien (Carina Troxler)
Flucht & Flut (Lena Schätte)

Fazit:
Es handelt sich wahrhaft um eine gute Sommerlektüre. Auch wenn die unterschiedliche Qualität der ausgewählten Geschichten und Gedichte der Grund dafür ist, dass diese Anthologie inhaltlich im Durchschnitt nur 3,5 Schreibfedern bekommt, ist die Vielfalt an Ideen und geschilderten Erlebnissen ganz klar ein Grund, auf jeden Fall aufzurunden. Insgesamt bekommt „Es war einmal im Sommer“ daher vier Schreibfedern von mir.

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