Samstag, 10. August 2013

[Rezension] Perfect Copy: Die zweite Schöpfung - Andreas Eschbach



Titel: Perfect Copy – Die zweite Schöpfung
Autor: Andreas Eschbach
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 2002
Einband: Hardcover
Seiten: 247
ISBN: 978-3-401054-25-4
Preis: 6,99 € [D]

Klappentext:
In Wolfgangs Klasse grassiert seit Wochen das Klon-Fieber. Ein kubanischer Wissenschaftler hat zugegeben, vor 16 Jahren zusammen mit einem deutschen Mediziner einen Menschen geklont zu haben. Nun sucht alle Welt nach dem Klon, der ungefähr in Wolfgangs Alter sein müsste. Und Wolfgangs Vater, Chefarzt der örtlichen Kurklinik, hat den Kubaner zur fraglichen Zeit gekannt. Als schließlich eine große Boulevardzeitung mit Wolfgangs Foto und der Schlagzeile „Ist das der deutsche Klon?“ auf der Titelseite erscheint, ist in dem idyllischen Kurstädtchen die Hölle los...

Einordnung:
"Perfect Copy: Die zweite Schöpfung" ist eine einzelne Geschichte und kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Im kleinen Dorf Schirntal im Schwarzwald herrscht „Klonomanie“. Der Unterricht von Wolfgangs Klasse ist in nahezu jedem Fach so abgewandelt worden, dass die Lehrer das Thema irgendwie besprechen können – in Englisch wird ein Buch gelesen, dass auf Kuba spielt, in Geschichte benennt die Lehrerin die historischen Gebäude, Mauern und Festungen, die im Hintergrund des Videos zu sehen sind, in dem der kubanische Wissenschaftler gesteht, einen Menschen geklont zu haben, in Religion behandeln sie die ethischen Fragen und in Biologie die Gentechnik.
Obwohl das Klonen heute kein Thema mehr ist, das alle Medien dauerhaft beschäftigt, sind die damit verbundenen Möglichkeiten und Probleme noch immer wichtig. Das Buch ist ausgewiesen als atemberaubender Thriller über die brisantesten Fragen zum Klonen, die schließlich auch zehn Jahre nach dem Erscheinungsdatum noch aktuell sind. Doch leider habe ich den Thriller in der Geschichte noch nicht gefunden und die wenigen konkreten Anspielungen auf die Chancen und Auswirkungen des Klonens gehen beinahe unter im breit ausgewälzten Alltagsleben der Familie Wedeberg.

Schon bevor er laufen konnte, hat Wolfgang Cello gespielt. Seine Eltern haben ihn immer gefördert und ihn zum Üben gedrängt, doch gleichzeitig haben sie ihn aus der Öffentlichkeit herausgehalten und ihm nicht einmal erlaubt, im Schulorchester zu spielen. Wolfgangs Talent sollte sich im Stillen entfalten. Eines Tages soll er dann ein weltbekannter Solo-Cellist werden.
Bis die Familie ein Konzert des Cello-Wunderkindes Hiruyoki Matsumoto besucht, macht sich auch Wolfgang keinerlei Sorgen deswegen. Als er den Japaner jedoch spielen hört, beginnt er, an seinem Talent zu zweifeln und fragt sich, ob eine Karriere als Solo-Cellist nicht bloß der Traum seines Vaters ist.
Nachdem er sich plötzlich nicht mehr mit den Wünschen seines Vaters identifiziert, fühlt sich Wolfgang überfordert mit den Erwartungen, die an ihn gestellt werden. Gleichzeitig tritt auch noch sein Mathelehrer an ihn heran und überreicht ihm Wettbewerbsaufgaben der Deutschen Mathematikstiftung – in der Annahme, Wolfgang sei ein Mathegenie.
An diesen Stellen erzählt das Buch leider nicht besonders einfühlsam, dass Spaß im Leben auch wichtig ist und fordert Kinder und Jugendliche dazu auf, sich den an sie gestellten Erwartungen zu widersetzen, wenn der Druck zu groß wird. Nicht immer wissen Eltern und Lehrer, was das Beste für das Kind ist.

Dicht daran knüpft die Feststellung an, dass Talent mehr als die richtige Anordnung von Genen ist. Wolfgangs Vater ist der festen Überzeugung, Wolfgang hätte die richtigen Gene, um einmal ein Solo-Cellist zu werden. Im Laufe der Geschichte wird deutlich, dass er in Bezug auf die Begabung Recht hat. Die vielen Stunden, die Wolfgang täglich üben muss, vervollständigen seine Fingerfertigkeiten. Doch er ist nicht der einzige, dem bewusst wird, dass die Liebe zum Instrument und die Leidenschaft ebenso zum Talent gehören wie die natürliche Begabung. Hier macht der Autor deutlich darauf aufmerksam, dass Spaß an der Tätigkeit wichtig, unabhängig davon, wie groß die Begabung ist.

Die vorherrschende Frage im Buch ist, ob Wolfgang nun ein Klon ist oder nicht. Dabei habe ich gelernt, dass es auch Verfahren gibt, das festzustellen, ohne eine DNA zum Vergleich zu haben. Alle anderen, auf ein Mindestmaß reduzierten biologischen Angaben zur Gentechnik werden mittlerweile im normalen Schulunterricht behandelt. Etwaige Erläuterungen nehmen kaum einmal eine halbe Seite ein. Da steckt viel mehr Potenzial in der Geschichte, um ganz nebenbei über das Klonen aufzuklären. Dafür, dass es sich dabei um das eigentliche Thema des Buches handelt, kommt es viel zu kurz.

Des Weiteren gibt es immer wieder versteckte Hinweise in der Geschichte, sodass der große Knall am Ende im Nachhinein nachvollzogen werden kann. Allerdings muss ich sagen, dass die Hinweise so gut versteckt waren wie eine Tomate im Eisbergsalat. Bis auf ein Detail, mit dem mich Andreas Eschbach tatsächlich noch zum Staunen bringen konnte, sind das Ergebnis und der weitere Verlauf der Geschichte sehr vorhersehbar. Daher fehlt die Spannung beinahe vollkommen.

Das kann auch durch die Charaktere nicht mehr aufgebessert werden, die fast alle nur durchschnittliche Eigenschaften haben, sodass ich sie weder zu lieben noch zu hassen gelernt habe. Sie sind schlicht und einfach notwendig für die Geschichte. Einzig Tommaso Contis Schicksal hat mich ein kleinwenig berührt. Jedoch nicht genug, dass ich Mitleid mit ihm empfinden würde, obwohl er das allemal verdient hat.

Fazit:
Hinter dem Buch stecken wichtige Aussagen zu außergewöhnlichem Talent und überspitzten Erwartungen, doch die grundsätzliche Idee und der Umgang mit dem Thema Klonen ist ausbaufähig. Ich konnte der Geschichte zwar eine neue Information über Gentechnik entnehmen, aber dafür war die Handlung größtenteils sehr vorhersehbar. Insgesamt mochte ich das Buch und es war angenehm zu lesen, aber es haut mich nicht vom Hocker und wird ab jetzt wohl im Regal sein Dasein fristen. Daher bekommt „Perfect Copy – Die zweite Schöpfung“ von mir nur drei Schreibfedern.

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