Freitag, 13. September 2013

[Rezension] Firewall - R. J. Pineiro



Titel: Firewall
Autor: R. J. Pineiro
Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsdatum: Februar 2005
Einband: Softcover
Seiten: 493
ISBN: 978-3-404152-68-1
Preis: 8,90 € [D]

Klappentext:
Als der CIA-Agent Bruce Tucker seine Familie bei einem Terroranschlag verliert, verlässt er den Geheimdienst und übernimmt eine Stelle bei der Computerfirma des Mortimer Fox, die auf künstliche Intelligenz spezialisiert ist. Ein Herzinfarkt rafft seinen Arbeitgeber dahin, doch zuvor flüstert ihm Fox noch zu, dass seine Tochter im Besitz eines Codes sei, der den weltweiten Start von Atomraketen veranlassen könnte. Und es gibt eine geheimnisvolle Macht, die mit allen Mitteln in den Besitz dieses Codes zu gelangen sucht. Bruce macht sich auf die Suche nach Monica Fox, und er muss schon bald feststellen, dass sich nicht nur die sizilianische Mafia, sondern auch der koreanische Geheimdienst an seine Fersen heftet...

Einordnung:
"Firewall" ist ein in sich abgeschlossener Thriller und kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Bruce Tucker arbeitet als Bodyguard für Mortimer Fox. Bevor er sich selbstständig gemacht hat, war er bei der CIA und dem Secret Service. Dadurch, dass er von einem Japaner, einem modernen Samurai, ausgebildet wurde und somit die Denkweise der Samurai vermittelt bekommen hat, ist er nicht nur sehr gut und größtenteils professionell, sondern würde auch für seinen Schützling sterben und empfindet Loyalität auch über den Tod hinaus. Damit ist er genau die Art von Protagonist, die ich in Thrillern absolut liebe.

Ziemlich zu Beginn wird jedoch schon deutlich, dass Professionalität allein nicht ausreicht, sondern immer auch eine Portion Glück notwendig ist. Als Chef einer Computerfirma sieht sich Mortimer Fox natürlich auf der Computermesse um. Bruce hat den gesamten Aufenthalt und alle Eventualitäten geplant. Tatsächlich versuchen Unbekannte, seinen Schützling zu entführen, doch Bruce verhält sich absolut richtig und schafft Fox unverletzt aus dem Gebäude – und dann stirbt dieser im Auto an einem Herzinfarkt.
Das ist jedoch erst der Anfang. Im Laufe der Geschichte geht unheimlich viel schief. Mehr als nur einmal wird Bruce überwältigt, unfähige CIA-Agenten sind nicht in der Lage, ihr Boot anständig vollzutanken, alle Parteien stehen sich durch ihre vermasselten Aktionen gegenseitig im Weg, der Chef der NSA handelt eigenmächtig und der Präsident lässt lieber eine Rakete auf Bruce Tucker und Monica Fox abfeuern, statt sie zu retten. Doch das macht die Authentizität der Geschichte aus. Trotz sehr guter Ausbildung läuft nicht immer alles perfekt. Wie gut ein Agent wirklich ist, zeichnet sich dadurch aus, wie er reagiert, wenn ein Plan schiefgeht. Es gibt im ganzen Buch keine Stelle, an der ich dachte, dass in Geschichten natürlich immer alles gut läuft.

Für Spannung wird jedoch auch durch viele andere Details gesorgt. Die Geschehnisse werden nicht ausschließlich aus Bruce Tuckers Perspektive geschildert. Es werden auch Blicke auf Monica Fox, ein UNICEF Flüchtlingslager, den CIA-Agenten Donald Bane, die Direktoren der CIA und der NSA, sowie auf die Terroristen und die Mafia geworfen. Der Leser ist somit über viel mehr informiert als der Protagonist. Teilweise bin ich wirklich durch die Seiten geflogen, weil ich unbedingt wissen wollte, wann Bruce die Gefahr erkennt, von der ich schon Kapitel vorher gelesen habe.
Auch spannend wird die Geschichte dadurch, dass nicht nur die Mafia und der nordkoreanische Geheimdienst hinter Bruce her sind, sondern auch die CIA, die NSA, die DIA, das FBI und sämtliche anderen amerikanischen Behörden. Von den Verbrechern ausgetrickst, findet sich der Bodyguard neben der Leiche eines hochrangigen CIA-Beamten wieder. Drei seiner Agenten sind ebenfalls erschossen worden – mit Bruce‘ Waffe. Daraufhin wird er von der CIA zu einem Geächteten erklärt. Somit ist er für alle Agenten amerikanischer Geheimdienste vogelfrei und darf bei Sichtkontakt erschossen werden.

So werden die meisten Charaktere der Regierung als ziemlich unsympathisch dargestellt und es verschafft mir eine gewisse Genugtuung, dass Bruce es tatsächlich fertig bringt, die Vereinigten Staaten von Amerika samt Präsidenten zu erpressen. Doch so sehr mit Geoff Hersh, der Direkter der NSA, auch abstößt, umso mehr gefällt mit der CIA-Agent Donald Bane. In diesem Buch gibt es ein breites Spektrum an Charakteren, sodass die gesamte emotionale Bandbreite von Hass bis Bewunderung abgedeckt wird.

Sehr gelungen finde ich auch die beiden mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Systemen „Firewall“ und „Creator“. An ihnen wird sowohl deutlich, dass Computer mit zu vielen menschlichen Zügen einfach nicht überlebensfähig sind, als auch, wie nah die Paranoia eines einzigen Mannes eine Weltmacht wie die USA an den Abgrund treiben kann.

Fazit:
Das Buch beinhaltet eine spannende Geschichte mit einer Vielfalt an Charakteren. Passagen voller Computer-Fachchinesisch schaffen gelungene Kunstpausen, um die über weite Strecken aufgebaute Spannung zu halten. Trotzdem fehlt dem Buch noch ein kleines Etwas, um ihm alle Schreibfedern zu geben. Der Aufbau und die Streuung der Charaktere sind ziemlich parallel zu den Tom Clancy Büchern, die ich liebe und denen aber auch diese Geschichte nicht das Wasser reichen kann. Deshalb bekommt „Firewall“ von mir vier Schreibfedern.



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