Dienstag, 24. September 2013

[Rezension] Hüte dich vor Caesars Rache - Lola Gándara



Titel: Hüte dich vor Caesars Rache
Autor: Lola Gándara
Verlag: dtv junior
Erscheinungsdatum: Mai 2000
Einband: Softcover
Seiten: 231
ISBN: 978-3-423705-98-1
Preis: 12,50 DM

Klappentext:
Rom, an den Iden des März, 44 v. Chr.: Die Nachricht von der Ermordung Caesars geht wie ein Lauffeuer durch die Stadt, sofort beginnt die Suche nach den Mördern. Der junge Patrizier Drusus muss erfahren, dass auch sein Onkel Manlius zu den Verschwörern gehörte. Und nicht nur das! Auf dem Totenbett vertraut Manlius seinem Neffen ein Dokument an, das Drusus in Lebensgefahr bringt. Jetzt gibt es für den 16-Jährigen nur noch eins: Flucht!

Einordnung:
"Hüte dich vor Caesars Rache" ist eine abgeschlossene Gesichte und nicht Teil einer Reihe.

Rezension:
Auch dies ist ein Buch, bei dem der Klappentext nicht mit dem Inhalt übereinstimmt beziehungsweise sehr ungeschickt formuliert ist. Der eben erwähnte Onkel Manlius wird während der Geschichte immer Onkel Marius genannt. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass er Marius Dimitius Manlius heißt. Außerdem ist der 16-jährige Drusus in der Geschichte bereits 17 Jahre alt.

Das Buch ist generell in vielerlei Hinsicht merkwürdig. Es beginnt an den Iden des März mit der Nachricht der Ermordung Caesars. Obwohl er selbst keines der Messer geführt hat, ist Marius, der Onkel des Ich-Erzählers Drusus, einer der Verschwörer. Da das Recht in Rom außer Kraft gesetzt ist und die Verschwörer gejagt und ermordet werden, beschließt Marius, sich das Leben zu nehmen, um nicht unehrenhaft zu sterben.
In einer feierlichen Zeremonie möchte er sich die Pulsadern aufschneiden. Porcia, Drusus‘ dreizehnjährige Schwester, muss ihm Gift verabreichen, um die Prozedur zu beschleunigen und ihrem Onkel die Schmerzen zu nehmen. Drusus selbst muss das Messer führen, sobald das Gift Wirkung zeigt. Und das in einem Kinderbuch.

Eben weil es eine Geschichte für Kinder ist, finde ich auch, dass zu viele römische Gebäudeteile und Kleidungsstücke, von denen ich auch in fünf Jahren Lateinunterricht noch nie gehört habe, als bekannt vorausgesetzt oder nur unzureichend beschrieben sind. Unter dem Wust von lateinischen Begriffen konnte ich mir teilweise gar nichts vorstellen. Zwar finden sich im Anhang, den man nach dem Lesen des ganzen Buches vielleicht zufällig noch entdeckt, einige Erklärungen, doch die reichen bei Weitem nicht aus.

Schon eher angepasst ist da die Vorhersehbarkeit der Geschichte. Vor seinem Tod überreicht Marius ein Dokument an Drusus. Dieses Dokument kann, weise eingesetzt, eines Tages sein Leben retten. Schon bevor wegen des Dokuments die ersten Menschen ermordet werden, ist offensichtlich, worum es sich bei dem Dokument handelt. Der Moment, in dem es dem Leser schlussendlich wirklich offenbart wird, ist ganze zwei Seiten lang und bildet den einzigen, trotzdem ziemlich vagen Zusammenhang zum Titel.
Wofür sich die einzelnen Charaktere zum Schluss der Geschichte entscheiden, ist ebenfalls vorhersehbar. In einem Kapitel wird aus Porcias Tagebuch zitiert. Darin wird deutlich, dass sie den Wunsch hat, sich niemals dem Willen eines Mannes zu unterwerfen. Im alten Rom gibt es jedoch nur eine Möglichkeit für Frauen, ihr eigener Herr zu bleiben.
Mehr als offensichtlich ist ebenfalls, welches Schicksal Valeria, die Enkelin des Senators Flavius Valerius Arrius, bei dem Drusus nach dem Tod seines Onkels Schutz sucht, erwartet. Schon nachdem die Perspektive das erste Mal urplötzlich auf das 16-jährige Mädchen gelenkt wurde, wusste ich, wie ihr Handlungsstrang mit Drusus‘ Erlebnissen verschmelzen wird.

Positiv zu erwähnen bleibt nur, dass die Unterschiede zwischen der Welt der reichen Patrizier und der Armen sehr schön dargestellt wird. Auf seiner Flucht versteckt sich Drusus, der aus der adeligen Oberschicht stammt, in den Vierteln der Armen. An die neuen Lebensumstände muss er sich zunächst einmal gewöhnen. Seine Verwirrung ob der vielen neuen Dinge, die er dort erfährt, schildert der Autor sehr liebevoll.
Ich mag außerdem den Umstand, dass Drusus die Illusion genommen wird, die Reichen hätten alles in der Hand. Er muss erfahren, dass das Netz an Beziehungen zwischen den Dienern sehr viel dichter ist. In seinem bisherigen Leben hat er nur die Oberfläche von allem gesehen, während die Unterschicht eigentlich den wahren Kern der Stadt ausmacht und dort die Möglichkeiten zum Unmöglichen liegen.

Fazit:
Irgendwo hatte die Geschichte schon ihren Reiz. Zumindest habe ich kein einziges Mal gehofft, es möge doch endlich vorbei sein. Das Buch war also keine vollkommene Verschwendung von Papier und Tinte. Aufgrund der vielen Kritikpunkte bekommt „Hüte dich vor Caesars Rache“ jedoch nur zwei Schreibfedern.

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