Donnerstag, 26. September 2013

[Rezension] Irgendwie Anders - Chris P. Rolls



Titel: Irgendwie Anders
Autor: Chris P. Rolls
Verlag: Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 08. Oktober 2012
Einband: Softcover
Seiten: 145
ISBN: 978-1-480071-12-4
Preis: 6,99 € [D]

Klappentext:
Mark Benedikt ist Spezialist in Sachen One-Night-Stand. Mit seinem Kumpel Alex hat er eine Wette laufen: 30 Typen in 30 Tagen soll er flachlegen. Die Sache lässt sich gut an, bis er bei Nummer fünfzehn auf unerwartete Schwierigkeiten stößt...

Einordnung:
- Irgendwie Anders (Teil 1)
- Irgendwie Top (Teil 2)
- Irgendwie Lions Roar (Teil 3)

Rezension:
Mark lebt nach ziemlich einfachen Prinzipien. Er schläft mit jedem Kerl nur einmal, verzichtet auf jegliche Zärtlichkeiten und Namen interessieren ihn nicht. Daher ist die Wette für ihn absolut machbar. An Tag 13 hat er Nummer 14 schon abgearbeitet und befindet sich nun auf der Suche nach Nummer 15. Er ist fest entschlossen, die Wette zu gewinnen. Immerhin geht es um ein nagelneues Auto.
Doch natürlich kommt ihm etwas dazwischen. Auf einer Jugendparty, auf die ihn sein Kumpel Arne geschleust hat, fällt ihm ein Junge namens Tim ins Auge, der scheinbar mit ansehen muss, wie sein Freund vor seinen Augen einen anderen abschleppt. Tim war mir von Anfang an sympathisch. Er ist noch ziemlich jung, schüchtern und unsicher. Mit genau diesem Verhalten schafft er es auch, etwas in Mark zu bewegen. Als Tim in Marks Wohnung zu weinen beginnt, tut dieser etwas, das er schon sehr lange nicht mehr getan hat: er küsst und streichelt ihn.

Während eines Großteils des Buches schwebt die Frage im Raum, wer Tims geheimnisvoller Freund ist. Beide sind schwul, beide treffen sich mit anderen Männern und doch küssen und umarmen sie sich immer wieder. Die ganze Zeit habe ich der Auflösung dieser Frage entgegen gefiebert. Für eine Beziehung gehen sie zu viel fremd, für eine offene Beziehung ist Markus zu eifersüchtig, für Brüder sind ihre Berührungen zu intim. Das war wirklich ein Spannungsfaktor an der Geschichte.

Es hat mir sehr gefallen, dass immer Hintergründe für bestimmte Verhaltensweisen angeführt werden. Und das nicht nur, als offenbart wird, in welcher Beziehung Tim und Markus zueinander stehen. Woher Marks Prinzipien stammen, erklärt er als Ich-Erzähler auch während der Geschichte. Spätestens zu dem Zeitpunkt, als er von seiner enttäuschten Liebe und gescheiterten Beziehung erzählt, hatte er mich endgültig für sich gewonnen. Es ist mir wirklich positiv im Gedächtnis geblieben, dass er nicht einfach aus Prinzip nur One-Night-Stands hat, sondern dass eine schlüssige Begründung hinter seiner Abneigung gegen eine neuen Beziehung steckt.

Wie der Zusatz „Eine schwule, erotische Romanze“ auf der Buchrückseite schon ankündigt, finden sich ziemlich viele explizite Beschreibungen in der Geschichte. Die Betonung muss hier eindeutig auf ‚erotisch‘ liegen. Doch trotzdem wird die Ausdrucksweise nicht vulgär. Ich war mir die ganze Zeit bewusst, eine erotische Romanze und kein schmutziges Erotikbuch zu lesen.

Allerdings fehlt mir ein bisschen die Romantik. Es ist schon vor dem Lesen offensichtlich, auf welche unerwarteten Schwierigkeiten Mark bei Nummer 15 stößt. Trotzdem finde ich, dass die Beschreibungen in diese Richtung noch ein bisschen genauer hätten sein können. Mir sind alle Charaktere sympathisch und natürlich habe ich mit ihnen gehofft und gelitten, doch die Momente, in denen ich als Leserin einfach nur glücklich seufzen konnte, haben eindeutig gefehlt.

Diesem Anspruch nach Kitsch und Schmalz ist dann das Ende aber gerecht geworden. Es handelt sich eindeutig um ein Happy End. Ich erzähle nicht, wie genau das Buch endet, doch ich kann verraten, dass alle Charaktere, die genauer vorgestellt werden – Mark, Arne, Alex, Tim und Markus –, ihr Glück finden.

Fazit:
Die Seiten mit expliziter Erotik haben fast einen größeren Umfang als die Seiten mit Handlung, doch feinfühlige Beschreibungen sorgen dafür, dass es nicht stört. Die Charaktere sind glaubwürdig und sympathisch. Endlich habe ich mal eine schwule Romanze gefunden, die ein Happy End hat. Einzig wegen der mangelnden Romantik bekommt „Irgendwie Anders“ nur vier Schreibfedern.


0 Kommentare

Kommentar veröffentlichen