Sonntag, 3. November 2013

[Rezension] Rückkehr in das Tal der Silberwölfe - Alfons Th. Seeboth



Titel: Rückkehr in das Tal der Silberwölfe
Autor: Alfons Th. Seeboth
Verlag: Wölfchen Verlag
Erscheinungsdatum: 18. Mai 2012
Einband: Softcover
Seiten: 197
ISBN: 978-3-943406-13-9
Preis: 12,90 € [D]

Klappentext:
Sehe die Welt durch die Augen der Tiere. Dann wirst du erkennen, dass deine Taten oftmals nicht im Einklang mit dem Geist der Natur sind.

Die junge Silberwölfin Naika und die Indianerin Topsannah teilen das gleiche Schicksal: Man verbietet ihnen die Unabhängigkeit. Die beiden teilen jedoch auch ein Geheimnis. Nachts schleichen sich die Freundinnen aus dem großen Tal, um sich das Jagen beizubringen. Bis sie in die Fänge von Wilderern geraten, die sie verschleppen. Dadurch bricht jedoch der Winter erstmalig über das Tal herein. Werden Naika und Topsannah rechtzeitig entkommen, bevor ihr Tal im ewigen Eis versinkt?

Einordnung:
"Rückkehr in das Tal der Silberwölfe" ist eine abgeschlossene Geschichte, zu der es durchaus eine Fortsetzung geben könnte, die momentan allerdings nicht geplant ist, soweit ich weiß.

Rezension:
Das Buch besitzt ein Inhaltsverzeichnis. Allein dafür bekommt es schon einen Pluspunkt von mir. Die Kapitel sind passend betitelt und somit lässt sich jede Szene recht schnell finden, selbst wenn die genauen Seitenzahlen nicht mehr bekannt sind. Das finde ich unglaublich entspannend.

Die meisten Charaktere der Geschichte sind Tiere, es tauchen jedoch auch Indianer, Afrikaner und weiße Menschen auf. Während sich die Tiere – hauptsächlich Silberwölfe und Bären – untereinander verstehen, gibt es zwischen den meisten Indianern und den Weißen Verständigungsschwierigkeiten. Zwar verstehen die Silberwölfe die jeweilige Sprache der Menschen, in deren Nähe sie aufgewachsen sind, doch Topsannah ist der einzige Mensch, der die Silberwölfe verstehen kann. Anfangs dachte ich, dass es so natürlich sehr praktisch ist, aber das Ende der Geschichte liefert eine authentische Begründung dafür.

Ebenfalls positiv aufgefallen ist mir die Ausdrucksweise der Tiere, wenn sie über Menschen sprechen. Insbesondere die Bären haben mich zum Schmunzeln gebracht, wenn sie über die Donnerstöcke, die Steine spucken, sprechen. Die Zeit wird gemessen in Sonnen und Monden und Haare beschreiben die Silberwölfe als Fell auf dem Kopf. Diese Details lockern Gespräche immer unheimlich auf.

In Naikas und Topsannahs abenteuerlicher Reise zurück in das große Tal sind viele verschiedene Motive verarbeitet. Es beginnt mit der Entwicklung von Naika, die von einer verspielten Jungwölfin zu einer verantwortungsbewussten Rudelführerin heranwächst. In Gefangenschaft trifft Naika auf andere Silberwölfe. Die Umstände bringen es mit sich, dass eine starke Führungspersönlichkeit notwendig ist. Zu Beginn zögert Naika immer wieder, Entscheidungen zu treffen, doch im Laufe der Reise wird sie deutlich reifer.

Auch die Umwelt wird deutlich thematisiert. Immer wieder schildert der Autor eindrucksvoll, welchen Schaden die Weißen anrichten. Auf ihrer Reise durchqueren die Freunde einen vollkommen abgeholzten Wald. Außerdem stolpern sie über viele Fallen, die Wilderer aufgestellt haben. Im starken Kontrast dazu wird die Jagd der Indianerin Topsannah dargestellt. Der Tradition nach verwendet sie jedes Teil eines getöteten Tieres, wohingegen die Weißen teilweise die kompletten Kadaver zurücklassen. Diese und weitere unnötige Eingriffe in die Natur kritisiert der Autor auf einer Ebene, die auch für Kinder leicht verständlich ist.

Gestört haben mich persönlich manchmal die überzogenen Reaktionen der Charaktere. Natürlich können und sollen Emotionen und Gedankengänge in Kinderbüchern nicht so ausführlich dargestellt werden, aber komplette Gefühlswendungen in einem halben Satz sind doch etwas extrem. Teilweise sind die Reaktionen nicht bloß überraschend heftig, sondern auch vollkommen unbegründet. Daran habe ich mich mehrmals gestoßen.

Fazit:
Der Autor hat eine schöne Tiergeschichte konzipiert, die das Bewusstsein weckt für die Natur und den Schaden, den die Menschen darin anrichten. Die meisten Charaktere sind schön gestaltet. Allerdings wirken einige Szenen ziemlich abgehakt, sodass Handlungen und Emotionen der Charaktere überzogen erscheinen. Daher vergebe ich für „Rückkehr in das Tal der Silberwölfe“ insgesamt vier Schreibfedern.



Vielen Dank an den Wölfchen Verlag und Lovelybooks für das Bereitstellen dieses Rezensionsexemplars.

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