Freitag, 27. Dezember 2013

[Rezension] Verliebte Jungs – Schemajah Schuppmann [Hrsg.]



 Titel: Verliebte Jungs [Anthologie]
Herausgeber: Schemajah Schuppmann
Verlag: Wölfchen Verlag
Erscheinungsdatum: 11. November 2013
Einband: Softcover
Seiten: 169
ISBN: 978-3-943406-45-0
Preis: 11,90 € [D]

Klappentext:
Alle Jungen haben es nicht leicht, besonders in einem Alter, in dem sie weder Mann noch Kind sind. Sie entscheiden sich für eine Liebe, jagen ihr nach oder lernen die Tücken einer Beziehung kennen. Wenn sie Glück haben, dann treffen sie auf ein Mädchen, eine Frau oder einen anderen Jungen, die oder der ihre Liebe erwidern kann.
Wenn nicht, dann lernen sie daraus, manchmal schmerzhaft, manchmal lächeln sie im Nachhinein darüber und manchmal fordert die Liebe das Leben. Doch wenn die Liebe zuschlägt, dann fühlt sie sich oft großartig an, wie Schmetterlinge, wie tausend Federn oder wie Mentos in der Limo. Mal versteckt, mal ganz offen, mal ganz anders nähern sich Jungs ihrer Liebe und stellen sich dabei sehr ungeschickt an. Sie tun es, denn sie sind Verliebte Jungs.

Einordnung:
"Verliebte Jungs" ist eine unabhängige Anthologie und kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Insgesamt 24 sowohl männliche als auch weibliche Autoren aller Altersklassen haben einen Beitrag in dieser Anthologie veröffentlicht. So kommt es zu einer großen Vielfalt an Geschichten mit unterschiedlichem Ausgang.

Einleitend hat der Herausgeber der Anthologie ein Intro für das Buch geschrieben. Es hat ein wenig gedauert, bis ich herausgefunden habe, dass die Titel aller Geschichten in den Text eingebaut sind. Auch wenn die Geschichte an sich nicht herausragen ist, ist es schon nicht so leicht, die einzelnen Bruchstücke auch noch in der richtigen Reihenfolge einfließen zu lassen.

Der Großteil der eigentlichen Geschichten hat mir wirklich ausnehmend gut gefallen. Mit HIV, modernen Medien, Homosexualität und Stalkern werden Themen aufgegriffen, die in klassischen Liebesromanen eher selten eine Rolle spielen. So wundert sich der Junge aus „Liebe und Leere“ von Sabrina Schumacher beispielsweise, weshalb seine Angebetete ihn nicht mag, wo er doch alles über sie herausgefunden hat, selbst die Kontoverbindung. Ein Junge, der dagegen nur noch ein virtuelles und kein „echtes Leben“ (von Antje Haugg) mehr hat, stellt fest, dass die Kommunikation über moderne Medien leichter, aber auch viel weniger persönlich ist.

Auch die Verteilung der Geschichten auf das Buch ist gut gelöst. Gerade zu Beginn wechseln sich die Geschichten mit hetero- und homosexuellen Jungs immer ab, sodass es nicht zu einseitig wird. Manchmal sind die Charaktere noch relativ jung, manchmal schon fast erwachsen. Während „Cheap Charlie“ von Cathrin Kühl im Jahre 1922 spielt, hat Gabriele Schneider in ihrer Geschichte „Lappen!“ die heutige Jugendsprache wunderbar aufgegriffen und auf den Punkt gebracht. Der Klappentext verspricht also nicht zu viel Abwechslung.

Am meisten überrascht hat mich der fast durchweg gute Stil der Autoren. Es gab nur eine einzige Geschichte, die mir in dieser Hinsicht überhaupt nicht gefallen hat. Alle anderen sind sauber formuliert, haben ansprechende Beschreibungen oder verweben die wirklich nervenaufreibende Jugendsprache so eng mit der Handlung, dass anständiges Deutsch die Stimmung zerstören würde. Das habe ich bei einer so großen Anzahl von Autoren selten erlebt.

Mein eindeutiger Favorit in diesem Buch ist die Geschichte „Verschlossen“ von Chris P. Rolls. Der Hauptcharakter ist schwul - wie könnte es bei dieser Autorin auch anders sein. Dass Milo erst zarte dreizehn Jahre alt ist, macht einen besonders sensiblen Umgang mit dem Thema und mit Liebe allgemein notwendig. Chris P. Rolls hat alle Unsicherheiten wundervoll und sehr einfühlsam geschildert und es gleichzeitig nicht verpasst, auch eine Reaktion der Freunde darzustellen, die mich nicht nur zum Lachen gebracht hat, sondern auch wortwörtlich aus dem wahren Leben entnommen sein könnte. Diese Geschichte ist wirklich Gänsehaut pur und ganz großes Kino, auch wenn es nur sechs Seiten sind.

Fazit:
Die Sammlung an Kurzgeschichten zur ersten großen Liebe von Jungs ist gut gelungen. Fast alle Beiträge sind stilistisch sowie inhaltlich ansprechend, die Anthologie selbst ist vielfältig, was das Alter, die sexuelle Orientierung und den Erfolg oder Misserfolg der Annäherung angeht. Es gibt lediglich einige kleinere Dämpfer bei einzelnen Geschichten, bei denen die Formulierungen nicht stimmen oder der Ausgang einer Geschichte, die eigentlich spannend sein soll, schon nach wenigen Sätzen offensichtlich ist. Daher bekommt „Verliebte Jungs“ von mir vier Schreibfedern.


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