Montag, 30. Dezember 2013

[Rezension] Wünsch dich ins Wunder-Weihnachtsland Band 6 – Martina Meier [Hrsg.]



 Titel: Wünsch dich ins Wunder-Weihnachtsland Band 6 [Anthologie]
Herausgeberin: Martina Meier
Verlag: Papierfresserchens MTM-Verlag
Erscheinungsdatum: 29. Oktober 2013
Einband: Softcover
Seiten: 211
ISBN: 978-3-861962-68-7
Preis: 11,90 € [D]

Klappentext:
Die Geschichten, Gedichte und Märchen von über 40 Autorinnen und Autoren steigern die Vorfreude und verkürzen das Warten auf Weihnachten.
Lustige und besinnliche, kurzweilige und lehrreiche Erzählungen entführen in die abenteuerliche und nicht selten märchenhafte Zauberwelt des Wunder-Weihnachtslandes.

Einordnung:
"Wünsch dich ins Wunder-Weihnachtsland Band 6" ist zwar das sechste Buch mit weihnachtlichen Kurzgeschichten, die Anthologien sind jedoch vollkommen unabhängig voneinander. Lediglich die Ausschreibung findet jedes Jahr erneut statt. Somit müssen die ersten fünf Bände nicht gelesen werden.

Rezension:
Um genau zu sein, sind es sogar 54 Autoren und Autorinnen, die in dieser Anthologie Geschichten und Gedichte rund um die schönste Zeit des Jahres veröffentlicht haben. Da die Kurzgeschichtensammlungen, die ich bisher von Papierfresserchens MTM-Verlag gelesen habe, qualitativ trotz der Vielzahl an Autoren immer gut waren, war meine Erwartung auch entsprechend hoch. Obwohl ich auch zu diesem Buch wieder viele positive Dinge anzumerken habe, hinkt es dennoch etwas hinter meinen Hoffnungen her.

Zunächst einmal hat mir die Vielfalt gut gefallen. Weihnachten wird in den Geschichten in den unterschiedlichsten Formen mit den verschiedensten Merkwürdigkeiten geschildert. So gibt es Weihnachten nicht nur bei den Menschen, sondern in vielen Geschichten auch bei den Tieren auf dem Bauernhof (in „Henne Henni und die Weihnachtsgeister“ von Ann-Kathrin Walz) und den Mäusen in der Speisekammer („Mäuseweihnacht“ von Sieglinde Seiler). Außerdem gibt es Geschichten mit sprechenden Schneeflocken, zum Leben erwachten Schneemännern, traurigen Zuckerstangen und streitenden Rentieren.

Doch auch die vielen Geschichten, die sich um Weihnachtsfeiern bei den Menschen drehen, sind nicht einseitig, denn Weihnachten ist interkulturell. Die Geschichte „Wer besucht dich an Weihnachten?“ (von Hermann Bauer) listet eine Reihe von Kindern aus unterschiedlichen Teilen der Welt auf und lässt sie erzählen, wer dort die Geschenke bringt. Der Weihnachtsmann, das Christkind, Santa Claus und vielleicht auch noch Väterchen Frost sind bekannt, doch dass die Geschenke in Italien von Befana, einer alten Witwe, und in Chile von einem Hirten namens Viejo Pasquero gebracht werden, wussten mit Sicherheit vorher nicht viele. Dagegen hat sich Renate Hemsen in „Mustafa backt Wüstensand“ mit der Türkei auseinander gesetzt, einem Land, in dem Weihnachten überhaupt nicht gefeiert wird.

Obwohl es nur selten der Fall gewesen ist, haben sich einige Geschichten dann doch nicht bloß um die Geschenke, sondern auch um die tatsächliche Weihnachtsgeschichte gedreht. Da ist insbesondere „Tobias geht nach Bethlehem“ (von Andrea Christ) zu erwähnen. Die Geschichte spielt zur Zeit von Jesu Geburt. Tobias ist, gemeinsam mit einem Engel, auf dem Weg nach Bethlehem, um dem Jesuskind Decken, Essen und etwas Geld zu bringen. Unterwegs jedoch trifft er immer wieder auf Menschen, die seine Hilfe nötig haben. Nun steht Tobias vor der Entscheidung, ob er ihnen hilft oder nicht.
Ähnlich ist es auch in Margret Küllmars Geschichte, in der „Der kleine Trommler“ dem Jesuskind eine Freude machen möchte. Ein Mädchen, auf das er trifft, sagt ihm jedoch, dass es Jesus genauso sehr freut, wenn er einem Menschenkind eine Freude macht.

Da es sich um ein Weihnachtsbuch für Kinder handelt, gibt es aber natürlich auch lehrreiche Geschichten, die zum Nachdenken anregen. Seit Jahren nimmt es immer mehr zu, dass Kinder mit ihren Geschenken schon nach wenigen Tagen nicht mehr spielen. Dann landen die Spielsachen in einer Ecke oder verstauben im Regal. „Die Weihnachtssabotage“ (von Oliver Lehnert) durch einen Helfer des Weihnachtsmannes ist da nur logisch.
Die meisten Kinder können Weihnachten auch immer kaum abwarten. Am liebsten würden sie die Geschenke schon vorher auspacken. Doch Brigitte Adam stellt ganz richtig fest, dass der „Blick durchs Schlüsselloch“ die Freude des Auspackens erheblich mildert. Kein Kribbeln mehr und die Überraschung ist auch dahin.
Besonders eindrucksvoll ist auch die Geschichte „Sandra und der Fernseher“ (von Sissi Schrei). Dort wünscht sich Sandra einen Fernseher zu Weihnachten, obwohl sie noch viel zu unvernünftig ist, um ihre Zeit vor dem Gerät zu kontrollieren. Und da das Christkind alles weiß, weiß es auch, dass dieser Fernseher für Sandra ein schlechtes Geschenk wäre, und denkt sich etwas anderes aus.

Diesmal war es leider erstaunlich leicht, die drei Kurzgeschichten zu finden, die mir am besten gefallen, denn so viele standen nicht zur Auswahl. Nur die Entscheidung über die Platzierung auf dem Treppchen ist mir so schwer gefallen, dass ich die Geschichten einfach chronologisch nach ihrem Platz in der Anthologie nennen möchte.

„Die Freude der Weihnacht“ von Renate Handge
„Schneeflöckchen“ von Nadin Hardwiger
„Die Rettung Weihnachtens“ von Astrid Jöll

Trotz allem gibt es auch negative Dinge anzumerken. Zunächst einmal sind es so viele Geschichten, dass es gegen Ende zwingend Wiederholungen gibt. Tiere als Weihnachtswunsch und arbeitslose bzw. verstorbene Eltern spielen immer häufiger eine Rolle. An einer Stelle heißen sogar die beiden aufeinander folgenden Geschichten komplett identisch.

Viele der Dinge, die mich gestört haben, sind nur ein einziges Mal aufgetreten, aber gerade dadurch sind sehr viele Geschichten eben nur durchschnittlich gut. Im Kopf geblieben ist mir ein ziemlich spannender Beitrag recht am Anfang. Ich war wirklich neugierig und habe der Auflösung entgegen gefiebert. Die kam aber leider nicht. In der Geschichte wird ein Rätsel aufgegeben, das nicht gelöst wird. Das finde ich wirklich schade, die übrige Handlung und der Schreibstil sind nämlich wirklich gut.

Im weiteren Verlauf des Buches habe ich dann ein Gedicht gelesen, bei dem ich tatsächlich ein Wörterbuch gebraucht habe. Sprachlich und stilistisch ist es sehr gelungen, allerdings für Kinder nicht nur an den Stellen zu anspruchsvoll, an denen auch ich ein Wörterbuch gebraucht habe.

Zusätzlich dazu finden sich immer wieder inhaltliche Fehler. Nur wenige sind wirklich gravierend, erst recht nicht für Kinder, sodass es durchaus als Fantasie der Autoren anzusehen ist. Irgendwann haben sich die Dinge aber gehäuft und ihren Höhepunkt schließlich in einer zehnmonatigen Schwangerschaft gefunden.

Fazit:
Die Anthologie hat ebenso Höhepunkte wie Tiefpunkte. Sie beinhaltet berührende Geschichten und lehrreiche Gedichte. Die Beiträge behandeln verschiedenste Themen, sind aber leider von sehr unterschiedlicher Qualität. Besonders gegen Ende häufen sich die Wiederholungen. Ich denke, es hätte dem Buch gut getan, nicht ganz so viele Geschichten aufzunehmen, sodass die wenigen sehr guten Beiträge nicht in einem Sog von Durchschnittlichkeit untergehen. Trotz allem und mit besonderem Blick auf die wunderschönen Geschichten bekommt „Wünsch dich ins Wunder-Weihnachtsland Band 6“ drei Schreibfedern von mir.


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