Samstag, 27. Juli 2013

[Rezension] Die Krimizimmer(ei) Band 2 – Martina Meier [Hrsg.]



Titel: Die Krimizimmer(ei) Band 2 [Anthologie]
Herausgeberin: Martina Meier
Verlag: Papierfresserchens MTM-Verlag
Erscheinungsdatum: Juni 2013
Einband: Softcover
Seiten: 160
ISBN: 978-3-86196-221-2
Preis: 10,90 € [D]

Klappentext:
Inspektor Papierfresserchen ermittelt zum zweiten Mal! Und auch jetzt stößt er wieder auf mordsmäßig spannende und knifflig-aufregende Ungereimtheiten.
Wer hat wohl die goldene Uhr von Frau Schröder gestohlen? Welche unheimlichen Gestalten streichen durch das nächtliche London? Wo ist Svenjas Handy abgeblieben und wer hat Oma Meier entführt?
Auf diese und tausend andere Fragen versuchen kleine und große Ermittler, die Antworten zu finden, und werden dabei so manches Mal von der verblüffenden Wahrheit überrascht.
Für die zweite Krimianthologie des Papierfresserchens MTM-Verlags wurden 31 der eingereichten Kurzkrimis ausgewählt, um Kindern und Jugendlichen eine tolle Zeit mit fesselnden und überraschenden Geschichten zu bereiten.

Einordnung:
"Die Krimizimmer(ei) Band 2" ist eine Anthologie und daher kein Teil einer Reihe. Dass es der zweite Band ist, liegt daran, dass die Ausschreibung zum zweiten Mal lief. Es ist nicht erforderlich, den ersten Teil gelesen zu haben.

Rezension:
Als ich diese Anthologie beim Büchertausch mit einer Freundin, deren Beitrag darin abgedruckt ist, erstanden habe, musste ich doch gleich mal schauen, wie die Autoren es geschafft haben, einen Krimi in weniger als 7.500 Zeichen zu schreiben – eine Aufgabe, an der ich gescheitert bin. Zu meiner Überraschung habe ich festgestellt, dass mir dreizehn Autoren und Autorinnen schon aus der Anthologie „Es war einmal im Sommer“ bekannt waren. Eigentlich dachte ich, ich wüsste nun, worauf ich mich einstellen muss. Doch meine Erwartungen sind übertroffen worden.

Auch diesmal habe ich wieder jede einzelne Geschichte bewertet. Zwischen einer und fünf Schreibfedern war alles dabei, wobei letzteres deutlich überwiegt. Nur selten war ich so verwirrt (im negativen Sinne) von den Geschehnissen, dass ich froh war, dass der Protagonist den Fall zur Zufriedenheit aller klären konnte, sodass ich nicht selbst denken musste. Es wäre sonst reichlich kompliziert geworden, da ich nicht nur vollkommen ratlos nachschlagen musste, mit welchen mystischen Wesen oder seltsamen gestohlenen Gegenständen der Protagonist es denn jetzt eigentlich zu tun hatte, sondern manchmal nicht einmal wusste, wie viele Helfer ihm in seiner Bande denn jetzt eigentlich zur Verfügung standen.
Noch seltener war die Handlung zu vorhersehbar. Nur einmal wusste ich schon nach den ersten Sätzen, wer der Täter war. Ab dem Punkt war die Geschichte ein wenig langweilig zu lesen. Besonders gegen Ende zieht sich das ganze Buch, da sich die Verbrechen doppeln und die überraschenden Wendungen schon so oft hin und her gewendet wurden, dass sie nicht mehr überraschend sind. Daher ist es vielleicht empfehlenswert, nicht die gesamte Anthologie an einem Tag zu lesen.

Insgesamt überwiegen die positiven Aspekte der Anthologie jedoch deutlich. Geniale Namen wie „der Fensterbohrer“ („Der Fensterbohrer ist unterwegs“ von Inga Kess) und „der Dienstagsdieb“ (von Britta Voß) geben den Verbrechern Persönlichkeit. So sind auch nicht alle Beiträge aus der Perspektive der Detektive geschrieben, sondern auch aus der Sicht der Einbrecher und „der Auftragsmörder“ (von Antje Haugg).
Geschichten, die angesiedelt sind zwischen 1894 und 2082, handeln von Erpressung, Mord und Diebstählen. Besonders begeistert hat mich die Vielfalt an gestohlenen Gegenständen, denn es geht nicht immer nur um Schmuck oder Bargeld, sondern auch um „die verschwundene Ikone“ (von Gabriela Rodler), „die verschwundene Speerspitze“ (von Markus Erhorn) und entwendete Fotos („Wo sind die Fotos?“ von Michaela Secklehner). Die Beiträge drehen sich um Entführungen, die nie stattfanden, Diebstähle, die nie geschahen, Mörder, die keine sind, und teuflische Gestalten, die nicht existieren. Und manchmal, da sind auch die Ermittler und/oder Finder nicht ganz so ehrlich – da hatte ich den alten Herrn jedoch schon so ins Herz geschlossen, dass es mich nicht gestört hat.

Im Kopf geblieben sind mir vor allem zwei Geschichten. Bei dem Beitrag „Neffe in Not“ von Sissy Schrei wird ein Thema angesprochen, mit dem vor allem ältere Menschen heutzutage immer häufiger zu kämpfen haben. Ich muss zugeben, dass die Entwicklung nicht ganz unvorhersehbar war, doch ich finde es wichtig, dass auch so eine Geschichte einen Platz in der Anthologie erhalten hat. Vielleicht erinnern sich die einen oder anderen Leser daran, wenn die eigenen Großeltern von so etwas betroffen sind.
Große Augen habe ich außerdem bei „Stadt – Land – Hamstertod“ von Carina Troxler gemacht. Das liegt weniger an der Geschichte, wie ich eingestehen muss, sondern viel mehr an dem überaus lustigen Spiel, von dem ich noch nie zuvor gehört habe. Sich mögliche Gründe für den Tod eines Hamsters auszudenken, mag ziemlich makaber sein, aber die Erläuterung hat mich derart zum Lachen gebracht, dass ich versucht war, es gleich einmal selbst auszuprobieren.

Fazit:
Diese Sammlung an Kriminalgeschichten ist wirklich gelungen. Die Beiträge sind überwiegend von so guter Qualität, dass ich inhaltlich im Durchschnitt mit gutem Gewissen vier Schreibfedern vergeben kann. Es gibt Momente zum Lachen und zum Gruseln, zum Quietschen und zum Nägelkauen. Eine sehr schöne Anthologie, die nur leider in mehreren Etappen genossen werden muss. Daher bekommt „Die Krimizimmer(ei) Band 2“ insgesamt vier Schreibfedern von mir.

[Veröffentlichung] Es war einmal im Sommer



Titel: Es war einmal im Sommer [Anthologie]
Herausgeber: Martina Meier
Verlag: Papierfresserchens MTM-Verlag
Erscheinungsdatum: Juni 2013
Seiten: 170 Seiten
ISBN: 978-3-86196-220-5
Preis: 11,20 € [D]

Klappentext:
Die Tage werden wieder länger, die Temperaturen steigen stetig und die Sonne zeigt sich immer öfter. Das kann nur eines bedeuten: Der Sommer steht vor der Tür!
Daher hat sich das Papierfresserchen auf die Suche nach allen Geschichten rund um Sommer, Sonne und Strand gemacht. Und es ist fündig geworden! Die Autorinnen und Autoren haben ihrer Fantasie freien Lauf gelassen oder ihre schönsten Erlebnisse aus Urlaub oder Freizeit geschildert.
Eine wundervolle Einstimmung auf die sonnigste, heißeste und schönste Zeit des Jahres!

Meine Geschichte:
„Sommer im Marmeladenglas“ handelt von der kleinen Lina, die den Tod ihrer Großmutter und den schwindenden Sommer betrauert, bis ihr ein Geschenk wieder einfällt, das Oma Erna ihr kurz vor ihrem Tod gemacht hat – ein Geschenk voller magischer Erinnerungen an einen wunderschönen, gemeinsamen Sommer.

[Veröffentlichung] Abgefahren



Titel: Abgefahren [Anthologie]
Herausgeber: „Edition Anderswo“ der copy-us Verlags GmbH
Erscheinungsdatum: Oktober 2010
Seiten: 131 Seiten
ISBN: 978-3-935861-27-4
Preis: 9,80 € [D]

Klappentext:
„Abgefahren.“ – Das war das Thema des 4. Wettbewerbs „Tom-Sawyer-Preis der Stadt Rees“ für die Klassen 5-13, den die Stadt Rees gemeinsam mit der Stadtsparkasse Emmerich-Rees, dem Duden-Verlag, dem Deutschen Jugendherbergswerk, dem RWE, dem Studienkreis und der edition anderswo (Buchreihe der copy-us Verlags GmbH) veranstaltet hat.
40 herausragende Schülertexte sind in diesem Band abgedruckt. Sie handeln von Menschen in Grenzsituationen, von Eisenbahnen, Bussen und U-Bahnen, von bitteren Realitäten und merkwürdigen Träumen. Es sind Texte, die berühren, neugierig machen und manchmal auch auf falsche Fährten locken – allesamt raffinierte Variationen über ein abgefahrenes Thema.

Meine Geschichte:
„Wettlauf gegen die Zeit“ handelt von einem Mädchen, das mitten in der Nacht durch den Wald rennt und versucht, den Zug zu erreichen, in dem der Junge sitzt, den sie liebt und der aus Deutschland abgeschoben werden soll.

Freitag, 26. Juli 2013

[Rezension] Es war einmal im Sommer – Martina Meier [Hrsg.]



Titel: Es war einmal im Sommer [Anthologie]
Herausgeberin: Martina Meier
Verlag: Papierfresserchens MTM-Verlag
Erscheinungsdatum: Juni 2013
Einband: Softcover
Seiten: 170
ISBN: 978-3-86196-220-5
Preis: 11,20 € [D]

Klappentext:
Die Tage werden wieder länger, die Temperaturen steigen stetig und die Sonne zeigt sich immer öfter. Das kann nur eines bedeuten: Der Sommer steht vor der Tür!
Daher hat sich das Papierfresserchen auf die Suche nach allen Geschichten rund um Sommer, Sonne und Strand gemacht. Und es ist fündig geworden! Die Autorinnen und Autoren haben ihrer Fantasie freien Lauf gelassen oder ihre schönsten Erlebnisse aus Urlaub oder Freizeit geschildert.
Eine wundervolle Einstimmung auf die sonnigste, heißeste und schönste Zeit des Jahres!

Einordnung:
Da es sich um eine Anthologie handelt, ist "Es war einmal im Sommer" ein einzelnes Buch und nicht Teil einer Reihe.

Rezension:
Nachdem das Buch es dann doch noch in meinen Briefkasten geschafft hat, dachte ich mir, ich packe es gleich mal ein und nehme es mit in meinen Kurzurlaub an den holländischen Strand. Da hat sich dann herausgestellt, dass das genau die richtige Entscheidung war. Die Poesie aus dem Gedicht „Meeresrauschen“ von Liliana Kremsner und die Atmosphäre der „Sonnentage am Meer“ von Annette Paul wurden umso greifbarer. Und auch sonst haben sich die kurzen Beiträge wunderbar dazu geeignet, zwischen dem Baden, einer Runde Frisbee und dem neuerlichen eincremen mit Sonnencreme gelesen zu werden.

In meinem Leseprozess habe ich jede einzelne Geschichte bewertet. Und ich muss sagen, dass wirklich alles dabei war. Einige Kurzgeschichten sind über eine oder zwei Schreibfedern nicht hinaus gekommen, da das Thema Sommer zwar immer erkennbar und der Stil meist noch recht angenehm zu lesen war, die Protagonisten jedoch schneller mit ihrer großen Liebe, die sie übrigens zwei Stunden vorher kennen gelernt haben, zusammen gekommen sind als ich „unrealistisch“ sagen konnte.
Auch die Gedichte sind zum Großteil nicht sonderlich gut weggekommen, fürchte ich. Mir hat sich der Sinn manchmal auch nach dreimaligem Lesen und intensiver Beratung mit meinen Freunden immer noch entzogen, sodass mein einziger Kommentar auf meinem Notizzettel ein großes Fragezeichen ist.

Viele der abgedruckten Beiträge sind eindeutig Sommererlebnisse der jeweiligen Autoren gewesen. So spielt die Geschichte „Die Jauchengrube“ von Waltraud Klaukin (*1939) an einem warmen Sonntag im Sommer 1949. Die Protagonistin ist zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre alt. Es hat mich gleichzeitig überrascht und berührt, wie viele Autoren und Autorinnen ihre eigenen Erinnerungen niedergeschrieben haben. Jedoch waren es gerade diese Geschichten, bei denen mir manchmal das Interesse und die Begeisterung fehlten. Für den jeweiligen Autoren mag es eine schöne Erinnerung an die Zeit gewesen sein, doch ich als unbeteiligte Leserin habe bemerkt, wie viel uninteressanter das Leben eines normalen Menschen im Vergleich zu dem einer Romanfigur ist.
Außerdem war ich mehr als einmal ordentlich verwirrt, als Joschi beim Gedanken an Louise ein Kribbeln im Bauch hat und sein Liebesbrief später aber plötzlich an deren Freundin Sophie gerichtet ist („Joschi und die Liebe“ von Klaudia Gräfin von Rank). Oder als Melissa mit Tom ein Eis essen geht, das dann plötzlich sie und Chris, in den sie eigentlich ziemlich unglücklich verliebt ist, bezahlen („Der fremde Hund im Teich“ von Dani Lorenz).

Doch natürlich gab es auch Höhepunkte, an denen ich sehr gerührt war oder herzlich lachen musste. So hat sich „Die Katze mit der grünen Sonnenbrille“ von Anne Reinéry als eine Frau herausgestellt, der eine Nachwuchsdetektivin einen Decknamen gegeben hat. Bei der Geschichte „Stille auf dem See“ von Thorsten Redlin bin ich mir auch nach mehrmaligem Lesen nicht sicher, ob die Protagonistin eine Frau oder ein schwuler Mann ist.
Durch die Vielzahl an abgedruckten Beiträgen entsteht außerdem eine ganz eigene Mischung aus Menschen und Emotionen. Neben einer Menge Liebesgeschichten gibt es philosophische und poetische Text, phantastische Ausflüge um die Welt und Begegnungen mit Göttern, sprechende Tiere, Urlaubsreisen im Kopf und jede Menge Sonne, Strand und Meer. Es gibt Momente zum Lachen, zum Weinen und zum Aufatmen, vorhersehbaren Kitsch und überraschende Wendungen, stilistische Meisterwerke und wahre Marathonsätze.

Kurzum, hier findet jeder eine Geschichte, die ihn anspricht.

Meine Top 3:
Die genaue Reihenfolge der Beiträge, die es auf mein persönliches Siegertreppchen geschafft haben, kann ich unmöglich festlegen. Es waren viele gute Geschichten und Gedichte, sodass es schon schwer genug war, aus den zwölf Kandidaten, denen ich fünf Schreibfedern verliehen habe, die besten drei Beiträge auszusuchen.

Daher hier meine Favoriten chronologisch nach ihrem Platz in der Anthologie:

Das Ömel und der Heldenspecht (Boris Schneider)
Die neuen ersten Sommerferien (Carina Troxler)
Flucht & Flut (Lena Schätte)

Fazit:
Es handelt sich wahrhaft um eine gute Sommerlektüre. Auch wenn die unterschiedliche Qualität der ausgewählten Geschichten und Gedichte der Grund dafür ist, dass diese Anthologie inhaltlich im Durchschnitt nur 3,5 Schreibfedern bekommt, ist die Vielfalt an Ideen und geschilderten Erlebnissen ganz klar ein Grund, auf jeden Fall aufzurunden. Insgesamt bekommt „Es war einmal im Sommer“ daher vier Schreibfedern von mir.