Mittwoch, 26. Februar 2014

[Rezension] Die Roboter auf der Flucht – Wolfgang Bellaire



Titel: Die Roboter auf der Flucht
Autor: Wolfgang Bellaire
Verlag: Nordfriesischer Kinderbuch Verlag
Erscheinungsdatum: 10. Oktober 2012
Einband: Hardcover
Seiten: 247
ISBN: 978-3-944243-11-5
Preis: 17,90 € [D]

Klappentext:
Die skrupellosen Pickersgill Detektive suchen nach den Wobotniks. Sie stecken einen Zirkus in Brand, um die menschenähnlichen Roboter in ihre Gewalt zu bekommen. Kann der 12-jährige Patrick seinen Freunden helfen? Können die Wobotniks ihm helfen? Denn auch Patrick hat ein riesengroßes Problem: Ältere Mitschüler erpressen und hetzen einen bissigen Hund auf ihn.

Einordnung:
Die Roboter kommen (Teil 1)
Die Roboter auf der Flucht (Teil 2)
- Die Roboter im Eis (Teil 3)
nach Neuauflage der gesamten Reihe gibt es außerdem demnächst

Rezension:
Der Aufbau des Buches ist im Grunde identisch zum ersten Teil der Reihe. Auch in diesem Buch erzählt der Prolog von Oberst Hickman. Dass die Wobotniks in „Die Roboter kommen“ nicht nur als Kampfroboter ungeeignet, sondern auch der Schrottpresse entkommen sind, bringt nicht nur einen Milliardenverlust für das amerikanische Militär mit sich, sondern auch ein Ermittlungsverfahren wegen Veruntreuung. Um seine Unschuld zu beweisen, braucht der Oberst die Emotionschips der Roboter. Der Rest von ihnen soll endlich in der Schrottpresse landen. So ist der zweite Teil der Roboter-Saga im Grunde eine direkte Konsequenz aus dem ersten Band.
Um die Wobotniks aufzuspüren und zu vernichten, lässt Oberst Hickman von dem amerikanischen Unternehmen Rotmatdom Corp. neue Kampfroboter bauen. Diese haben keinen Emotionschip, sodass sie skrupellos, gewissenlos und grausam sind. Zusätzlich dazu hat der Erfinder der Pickersgill Detektive ihre Programmierung so verändert, dass die Robotergesetze für sie nicht gelten. Deshalb können sie auch Menschen ohne Probleme verletzen, wenn sie der Durchführung einer Mission im Weg stehen. Wie problematisch solche Roboter sind, zeigt sich sehr schnell, denn um die Wobotniks in ihre Gewalt zu bekommen, zünden die Pickersgill Detektive kurzerhand ein Zirkuszelt an – in dem sich 6.760 Menschen befinden. Hier wird schon deutlich, dass die Gefahr für die Wobotniks dieses Mal sehr viel größer ist.

Das gilt auch für die Probleme, die Patrick mit seinen Mitschülern hat. Während das Mobbing durch Sven im ersten Band nur eine nebensächliche Erwähnung war, wird in diesem Teil ein kompletter Handlungsstrang darum aufgebaut. Eine Gang erpresst Schutzgeld von den Schülern und hetzt einen schwarzen, bissigen Rottweiler auf sie, wenn sie nicht zahlen.
Obwohl die beiden Handlungsstränge nie parallel, sondern immer abwechselnd ablaufen, gibt es verbindende Elemente. Ein kleiner Sender samt Empfangsgerät spielt beispielsweise in beiden Fällen eine große Rolle. Trotzdem ist es schade, dass immer eines dieser beiden wirklich großen Probleme ausgeblendet wird und plötzlich scheinbar keine Bedeutung mehr hat, bis Patrick und die Wobotniks gerade wieder keine Beschäftigung haben.

Gefallen hat mir, dass auch die Roboter nicht immer perfekt sind. Selbst Jonathan und seine Familie werden manchmal überwältigt. Und das nicht nur von anderen Robotern, sondern beispielsweise auch von Zirkustieren.
Allerdings ist mir in dem Zusammenhang aufgefallen, dass die Wobotniks scheinbar die einzige glückliche und harmonische Familie sind. Alle menschlichen Familien, die in der Geschichte vorgestellt werden, sind durch und durch kaputt. Immer leben die Eltern getrennt und das alleinerziehende Elternteil ist ein Workaholic, gewalttätig oder psychisch gestört. Es hat mich ein bisschen schockiert, wie häufig die Kinder in diesem Buch von den diversen Erwachsenen geschlagen werden. Natürlich gibt es nicht nur funktionierende Familie in Deutschland, aber dass hier anscheinend nur die Roboter zu einem anständigen Familienleben und einem liebevollen Umgang miteinander imstande sind, gibt mir doch zu denken.

Außerdem habe ich das Gefühl, dass am Ende des Buches beinahe die Rollen vertauscht sind. Dass Patrick ein Roboter ist, der Befehle von Jonathan entgegen nimmt. Er schließt sich ihm nicht nur im Laufe der Geschichte immer wieder an und folgt den Anweisungen, gerade am Ende setzt er viele Dinge um, die Jonathan ihm mit auf den Weg gegeben hat. Es ist zwar ein guter Tipp, sich von den Mitschülern nicht ängstigen zu lassen und Selbstbewusstsein zu zeigen, doch es nimmt ein wenig Überhand. Wenn ich mir ansehe, wie oft Patrick auf den letzten Seiten „Jonathan hat gesagt“, „Jonathan hatte diese Idee“, „Jonathan hat dies und das und jenes“ sagt, habe ich das Gefühl, dass er kaum noch selbst denkt und handelt. Sehr bezeichnend ist dafür auch der letzte Satz des Buches: „Jonathan kann mit mir zufrieden sein.“ (Seite 247)

Trotzdem muss ich sagen, dass ich die Wobotniks wirklich ins Herz geschlossen habe. Dass sie vor den Pickersgill Detektiven fliehen müssen und dafür Hamburg verlassen wollen, sorgt für viele Tränen bei Patrick, der in ihnen eine Art zweite Familie sieht. Auch mich hat er berührt, wie emotional der Abschied ausfällt.

Wie auch schon im ersten Teil gefällt mir wieder, dass der Autor nicht an Fremdwörtern spart. Auch komplexe Sachverhalte sind detailreich dargestellt und, wenn nötig, mit Erklärungen versehen, schließlich versteht Patrick mit seinen zwölf Jahren auch noch nicht alles. So bekommt der Leser ganz nebenbei neues Wissen über die Vorgänge an einem Hafen, lernt etwas über japanische Traditionen und erfährt, warum Schiffscontainer begast werden. Und all diese Informationen sind wunderbar in die Handlung integriert, sodass es einfach nur Unterhaltungen nebenbei sind und aus dem Zusammenhang gerissenen Dialoge, um ein wenig Wissen zu vermitteln.

Fazit:
Auch dieses Abenteuer der Wobotniks ist wieder sehr spannend. Der Schreibstil ist sehr angenehm, das Buch lässt sich flüssig lesen und dass nicht immer alles so funktioniert, wie es soll, macht die Handlung authentisch. Die Wobotniks sind einfach eine Familie zum Gernhaben. Wegen der kleinen Kritikpunkte bekommt „Die Roboter auf der Flucht“ schlussendlich vier Schreibfedern.


Vielen Dank an Wolfgang Bellaire für dieses Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Britta Hagemann2. März 2014 um 18:51

    Hört sich so an, als ob ichs lesen sollte ... :-)

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    1. Ich wünsche viel Spaß dabei. :)
      Allerdings empfehle ich, den ersten Band zuerst zu lesen.

      Liebe Grüße,
      Jenny

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