Mittwoch, 26. März 2014

[Rezension] Arkadien brennt – Kai Meyer



Titel: Arkadien brennt
Autor: Kai Meyer
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: Februar 2013
Einband: Softcover
Seiten: 416
ISBN: 978-3-551312-10-5
Preis: 8,99 € [D]

Klappentext:
Kämpfe zwischen Mafiaclans. Menschen, die sich in Tiere verwandeln. Die verbotene Liebe zu Alessandro ... Rosa braucht dringend eine Pause von Sizilien. Aber ihr "altes" Leben in New York ist nicht minder kompliziert - auch dort hat sie es jetzt mit mächtigen Vertretern der Mafia zu tun. Außerdem stößt Rosa auf beunruhigende Details über ihren toten Vater. Warum, zur Hölle, spielt dabei immer wieder Alessandro eine Rolle? In Rosa keimt ein schrecklicher Verdacht ...

Einordnung:
- Arkadien erwacht (Teil 1) 
- Arkadien brennt (Teil 2)
- Arkadien fällt (Teil 3)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Nach dem Tod ihrer Tante Florinda und ihrer Schwester Zoe ist nun Rosa das neue Oberhaupt der Familie Alcantara. Das gefällt so natürlich niemandem. Die Geschäftsführer der diversen Firmen, die den Alcantaras gehören, unzählige Berater, der Familienanwalt und alle anderen, die in irgendeiner Art und Weise mit dem Clan verbunden sind, versuchen sie zu beeinflussen und für ihre Zwecke zu nutzen. Mit den Mafiageschäften lässt sich viel Geld verdienen, doch als capo trifft letztendlich Rosa die Entscheidungen und muss diverse Papiere unterschreiben. Ich halte es für sehr realistisch, dass alle versuchen, von dem jungen, naiven Mädchen mehr Befugnisse und Anteile zu erhalten, um ihr persönliches Ansehen und ihren Reichtum zu erhöhen. Zwar geht der Autor nur selten genauer auf die Manipulationsversuche ein, doch es ist mehr als offensichtlich, dass Rosa ständig von Beratern belagert wird, die ihr scheinbar Tipps geben wollen.
Natürlich weiß auch sie, dass niemand sie als capo haben möchte. Und genau deshalb nimmt sie, getreu ihres Charakters, die Herausforderung an. Da sie das letzte Mitglied der Familie Alcantara ist, stürzt sie im Zweifelsfall nur sich selbst und unzählige Männer, die sie ohnehin weder kennt noch mag, in den Ruin. Besonders gefällt mir, dass sich Rosa selbst treu bleibt und sich nicht einschüchtern lässt. Sie war von Anfang an nicht dafür geschaffen, Mitglied der Mafia zu sein. Deshalb gibt sie beispielsweise Anweisungen wie den Handel mit Waffen, Drogen und Menschen zu beenden.
Mich hat allerdings ein bisschen überrascht, dass es im ganzen Buch keine Rolle spielt, dass sie das letzte Mitglied der Familie, also die letzte Lamia ist. Sollte sie keine Kinder bekommen oder diese nicht das arkadische Vermächtnis in sich tragen (wer weiß, welche Folgen es hat, sollte sie ein Kind mit Alessandro bekommen), sind die Lamien ausgestorben, falls es nicht irgendwo eine weitere, bisher nie erwähnte Familie gibt. Natürlich ist das alles neu für Rosa, aber gerade deshalb hätte ich erwartet, dass sie sich da mehr Gedanken drum macht.

Nachdem im letzten Band die Tragödie in Rosas Vergangenheit nur im Hintergrund gestanden hat, spielt sie in diesem Teil eine viel größere Rolle. Um dem ganzen Stress auf Sizilien zu entkommen, flüchtet Rosa zurück nach New York. Eigentlich möchte sie von ihrer Mutter mehr über die mysteriöse Organisation TABULA erfahren, doch da schickt ihr der Familienanwalt ein Video von der Party, auf der sie damals vergewaltigt wurde. Obwohl sie ahnt, dass das alles sie bloß verunsichern soll, beginnt Rosa mit den Nachforschungen. Die Ergebnisse sind wirklich schockierend. Gerade an dieser Stelle war die Geschichte überhaupt nicht vorhersehbar und dem Autor ist es wunderbar gelungen, eine absolute Überraschung in die Handlung einzubauen.

Generell erfährt Rosa in diesem Buch auch viel über ihre Familie. Besonders ihre Großmutter Constanza spielt eine wichtige Rolle. Je genauer sich Rosa mit der Familienvergangenheit beschäftigt, desto grausamer wird es. Es ist wirklich entsetzlich, wie brutal es in der Mafia und besonders bei den Arkadischen Dynastien vorgeht. Mittlerweile ist es wirklich so weit, dass ich mit Rosa leide und die tiefe Abneigung gegenüber ihrer Familie teile.

Nach TABULA, der mysteriösen Verbindung zwischen Lamien und Panthera und den zahlreichen Intrigen, Morden und Verraten innerhalb und zwischen den Clans tritt in diesem Buch zusätzlich ein weiteres Problem auf den Plan – der Hungrige Mann. Die Gerüchte, dass er bald aus dem Gefängnis entlassen wird, mehren sich. Seine Hundiga, Hundemenschen, die ihm treu ergeben sind, tauchen auf Sizilien auf. Und zu allem Überfluss ist Rosa auch noch durch einen Deal an ihn gebunden. Damit spitzen sich die Probleme immer weiter zu, die merkwürdigsten Verbindungen tauchen auf und es ist einfach keine Lösung in Sicht. Dieses Buch ist wirklich zum Haare raufen.

Fazit:
Die Familienkrise kommt langsam richtig in Schwung. Rosa macht eine schockierende Entdeckung nach der anderen, muss nebenbei noch ihren Clan leiten und hat nach wie vor Probleme damit, die Kontrolle über ihre Verwandlungen zu erlangen. Von allen Seiten stürzen Probleme auf sie ein, aber sie nimmt fast trotzig jede Herausforderung an. Auch diesem Buch mangelt es bei weitem nicht an Spannung und diesmal war so gut wie nichts vorhersehbar. Ich bin geradezu durch die Seiten geflogen und kann es kaum erwarten, zu erfahren, wie der Autor die zahlreichen Handlungsstränge auflöst. „Arkadien brennt“ ist noch besser als sein Vorgänger und bekommt daher fünf Schreibfedern.


0 Kommentare

Kommentar veröffentlichen