Dienstag, 18. März 2014

[Rezension] Die Legende der Wächter: Die Wanderschaft – Kathryn Lasky



Titel: Die Legende der Wächter – Die Wanderschaft
Autor: Kathryn Lasky
Verlag: Ravensburger Buchverlag
Erscheinungsdatum: 01. September 2010 (4. Auflage)
Einband: Hardcover
Seiten: 288
ISBN: 978-3-473368-08-2
Preis: 14,95 € [D]

Klappentext:
Die Jungeulen Soren und Gylfie werden in die berühmte Schule der Eulenritter von Ga‘Hoole aufgenommen. Dort bildet man sie zu tapferen Flugkünstlern aus. Die Freude ist groß, als die Schüler bei einer Bergungsaktion Sorens verschollen geglaubte kleine Schwester Eglantine entdecken. Nur Sorens geliebter Lehrer Ezylryb kehrt von der Rettungsmission nicht mehr zurück.

Einordnung:
- Die Entführung (Teil 1)
- Die Wanderschaft (Teil 2)
- Die Rettung (Teil 3)
- Die Belagerung (Teil 4)
- Die Bewährung (Teil 5)
- Die Feuerprobe (Teil 6)
- Der Verrat (Teil 7)
- Die Flucht (Teil 8)
- Das Vermächtnis (Teil 9)
- Der Auserwählte (Teil 10)
- Das Königreich (Teil 11)
- Der Zauber (Teil 12)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Die Reise zum Großen Ga’Hoole Baum geht weiter. Soren, Gylie, Morgengrau, Digger und Mrs. Plithiver sind entschlossen, sich den edlen Rittern anzuschließen. Doch auch, wenn sie den Weg dorthin zu kennen glauben, ist die Reise nicht leicht.

Mir gefallen die verschiedenen Hindernisse, auf die Soren und seine Freunde treffen. Zu Beginn hatte ich die Befürchtung, dass die ganze Wanderung, die abenteuerliche Suche, gar keine Rolle spielen würde. Dann hätte ich nicht nur den Titel des Buches nicht nachvollziehen können, sondern wäre auch ziemlich enttäuscht gewesen, da die Reise am Ende des letzten Teils so groß angekündigt wurde. Zum Glück haben sich meine Befürchtungen nach den ersten beiden Kapiteln als unbegründet erwiesen. Die Freunde werden von Krähen attackiert, treffen auf andere Eulen, die sich über sie lustig machen, weil sie die Legende vom Großen Ga’Hoole Baum nur für eine Legende halten, begeistern sich über alle Maßen für die Spiegelseen und geraten in einen Schneesturm, der sie weit über ihr Ziel hinaus befördert.
Doch es sind nicht nur die Ereignisse, die die Reise spannend machen. Angeblich soll der Große Ga’Hoole Baum von dichtem Nebel umwabert sein, der sich nur für Besucher mit „dem Glauben“ lichtet. Nachdem die jungen Eulen gerade erst dem Bann der Spiegelseen, die auch mich sehr faszinieren, entkommen sind und alle heimlich Sehnsucht nach ihnen haben, war ich nicht sicher, ob sie den Baum überhaupt finden würden. Eine zweite Angst, die nicht schon durch das Lesen der Inhaltsangabe beseitigt werden konnte, war die um Digger und Morgengrau. Digger ist weder besonders kampfstark noch mutig, er kann nicht einmal längere Strecken fliegen. Keine idealen Voraussetzungen für einen Ritter. Bei Morgengrau waren meine Zweifel allerdings noch größer, da er zwar loyal ist und absolut auf der richtigen Seite steht, aber sehr direkt, ungehobelt und über alle Maßen arrogant ist. Alles Eigenschaften, die edle Ritter eher nicht besitzen. Die Unwissenheit, wie es mit den beiden weiter geht, hat mich geradezu durch die Seiten fliegen lassen.

Frischer Wind kommt durch die Gemeinschaft der Eulenritter in die Beschreibung des Lebens der Eulen. Obwohl die fortschrittliche Lebensweise im Großen Ga’Hoole Baum definitiv Fiktion ist, bin ich fasziniert davon. Statt verschiedene Höhlen in verschiedenen Bäumen zu bewohnen, leben die Eulen in einer riesigen, strukturierten Wohnung in diesem einen Baum. Um ihn zu erhalten, hegen und pflegen sie ihn und lernen, jeden Teil zu nutzen. Damit erinnern sie mich ein bisschen an Indianer, die friedlich im Einklang mit der Natur leben. Die Eulen besitzen nicht nur eine große Bibliothek voller Unterhaltungslektüre und wissenschaftlicher Arbeiten, sie haben auch gelernt, das Feuer zu beherrschen. Daher gibt es bei ihnen gebratenes Fleisch und heißen Tee.

Das Wissen um die Nutzung des Feuers bringt jedoch auch Gefahren mit sich. Die grausamen Eulen des Sankt Ägolius Internats für verwaiste Eulen, die im letzten Teil die größte Gefahr für die Eulen zu sein scheinen, rücken in den Hintergrund und werden beinahe schon als unwichtige Unruhestifter abgeschrieben. Denn es gibt noch eine andere, namenlose Gefahr, auf die die vier jungen Eulen von einem sterbenden Kauz aufmerksam gemacht werden. Um den Kauz herum brennt es – und das Feuer könnte nicht nur aus der Höhle der Eule kommen, sondern auch von einem Ritter von Hoole mitgebracht worden sein.

Das Ende hingegen ist fast schon frustrierend. Aus einem unbekannten Grund geraten plötzlich viele junge Schleiereulen in Not, sodass der gesamte Große Ga’Hoole Baum mit der Bergung beschäftigt ist. Doch mit den Eulenküken stimmt etwas nicht, denn keine von ihnen ist ansprechbar und sie alle plappern etwas über den großen, wunderbaren Tytos vor sich hin. Weshalb sie sich so merkwürdig verhalten, wir aber nicht erklärt. Und zu allem Überfluss ist auch noch Ezylryb, Sorens Lehrer und Mentor, der trotz seiner brummigen Art wirklich sympathisch ist, spurlos verschwunden. Noch viel offener hätte das Ende nicht sein können.

Fazit:
Die Wanderschaft zum Großen Ga’Hoole Baum ist wirklich spannend. Die vier jungen Eulen stoßen immer wieder auf neue Hindernisse, bei denen nie feststeht, ob sie sie überwinden können oder nicht. Wichtige neue Charaktere führt die Autorin ausführlich genug ein, um sie schätzen oder missbilligen zu lernen, sie knuddeln oder ihnen die Schnäbel stopfen zu wollen. Außerdem entsteht eine Stimmung, als ob da etwas ganz Großes im Anmarsch wäre. Obwohl ich nichts Spezielles kritisieren kann an diesem Buch, hat es mich nicht vollständig vom Hocker gerissen. Daher bekommt „Die Legende der Wächter: Die Wanderschaft“ vier Schreibfedern.


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