Donnerstag, 20. März 2014

[Rezension] Die Legende der Wächter: Die Belagerung – Kathryn Lasky



Titel: Die Legende der Wächter – Die Belagerung
Autor: Kathryn Lasky
Verlag: Ravensburger Buchverlag
Erscheinungsdatum: 01. Juni 2011 (3. Auflage)
Einband: Hardcover
Seiten: 256
ISBN: 978-3-473368-23-5
Preis: 14,99 € [D]

Klappentext:
Kludd, der Anführer der "reinen" Schleiereulen, schmiedet finstere Pläne: Um die Macht über das Eulenreich an sich zu reißen, zieht er ein riesiges Heer zusammen und belagert den Ga'Hoole-Baum. Soren und die anderen Eulenritter geraten in größte Bedrängnis, denn im harten Winter werden die Vorräte knapp und zu allem Übel scheint es Verräter in den eigenen Reihen zu geben ...

Einordnung:
- Die Entführung (Teil 1)
- Die Wanderschaft (Teil 2)
- Die Rettung (Teil 3) 
- Die Belagerung (Teil 4)
- Die Bewährung (Teil 5)
- Die Feuerprobe (Teil 6)
- Der Verrat (Teil 7)
- Die Flucht (Teil 8)
- Das Vermächtnis (Teil 9)
- Der Auserwählte (Teil 10)
- Das Königreich (Teil 11)
- Der Zauber (Teil 12)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten drei Teile enthalten!

Dieses Buch hat seinen Namen nicht verdient, finde ich. Sowohl der Titel aus auch die Kurzbeschreibung versprechen viel mehr als die Geschichte hält. Die Belagerung des Großen Ga’Hoole Baumes ist nicht das bestimmende Thema, sondern findet überhaupt nur auf den letzten paar Seiten statt. Auch die Ausführlichkeit lässt zu wünschen übrig. Gravierende Auswirkungen einer Belagerung, wie beispielsweise Nahrungsmittelknappheit, sind nicht nur körperlich belastend, sondern können auch die ganze Gruppe demoralisieren. Doch statt genauer darauf einzugehen, welche Auswirkungen es hat, dass die Eulen den Baum nicht verlassen können, erfährt der Leser nur schnell in zwei Sätzen, dass die Eulen alle abnehmen und ständig Hunger haben. Überhaupt wird die Belagerung fast ausschließlich im Zeitraffer und dazu noch ziemlich oberflächlich geschildert. Das hat mich enttäuscht, weil ich so nicht mitfühlen konnte und auch kaum Spannung aufkam.

Erst mit dem finalen Kampf, also im vorletzten Kapitel, wurde die Spannung erhöht. Die Schlacht an sich ist recht kurz und oberflächlich gehalten, schließlich handelt es sich eigentlich immer noch um ein Kinderbuch, aber bei der großen Menge an Gegnern sind Verluste ganz natürlich. Da die Geschichte zu dem Zeitpunkt aus Sorens Sicht geschildert wird und er alle Krallen voll damit zu tun hat, sein eigenes Leben zu retten, werden alle anderen Charaktere stark vernachlässigt, sodass jeder von ihnen, vorerst unbemerkt, sterben könnte. Da war ich wirklich neugierig, wen es wohl erwischt und habe um meine, zugegeben recht wenigen, Lieblingscharaktere gebangt.

Was in der Schlacht noch ein Pluspunkt war, ist danach aber ein weiterer Kritikpunkt. Immer wieder erwähnt die Autorin, dass es zu Verlusten gekommen ist. Doch es werden fast nie Namen genannt, sodass es zwar tragisch ist, mir aber kein bisschen nahe geht. Es kommen nicht nur unwichtige, namenlose Eulen ums Leben, aber bei niemandem hat mich der Tod wirklich berührt. Dadurch wirkt dann auch die Trauer von Soren und seinen Freunden viel zu entfernt. Natürlich ist es eigentlich nur ein Kinderbuch, aber in Anbetracht der extrem blutigen Szenen, die schon mehrfach ausführlich beschrieben wurden, denke ich, dass es dem Buch wirklich besser getan hätte, zumindest einen Charakter ums Leben kommen zu lassen, der die Sympathien der Leser hat.

Hinzu kommt auch noch, dass der groß im Klappentext angekündigte Verräter eigentlich überhaupt keine Rolle spielt. Von Anfang an ist mehr als offensichtlich, um wen es sich handelt. Das empfinden wohl auch die meisten Charaktere so, denn der Spion wird gar nicht erst mit wichtigen Aufgaben oder geheimen Informationen betraut. Ich muss sagen, dass es fast schon der schlechteste Verräter aller Zeiten ist. Falls es den Reinen irgendetwas bringt, jemanden im Ga’Hoole Baum auf ihrer Seite zu haben, außer in einer Schlacht einige namenlose Eulen töten zu können, dann geht das in der Geschichte völlig unter.

Außerdem ist mir der Sinn hinter fast zwei Drittel der Handlung noch nicht wirklich klar. Da das Parlament der Eulenritter glaubt, die Reinen würden die Tupfen aus dem Sankt Ägolius Internat für verwaiste Eulen stehlen wollen, beschließen sie, eine Gruppe Spione einzuschleusen. Dafür werden Soren und seine Freunde ausgewählt, die sich inzwischen die Brigade der Besten nennen. Mit einer wasserdichten Legende und allen möglichen Vorsichtsmaßnahmen schleichen sie sich in das Internat ein. Besonders für Gylfie und Soren ist das belastend, da die ja schon im ersten Teil dort gefangen waren.
Der genaue Auftrag der Brigade der Besten leuchtete mir schon auf ihrem Hinflug nicht ein und das hat sich mit der Ankunft auch nicht geändert. Sie alle werden für verschiedene Arbeiten eingeteilt, verbreiten Lügengeschichten und leben in einem Chaos aus ehrlich mondwirren Schleiereulen, Spionen der Reinen und Doppelspionen der Reinen, die von den Leitern des Sankt Äggie umgedreht wurden. Mitten im Durcheinander diverser Enttarnungen fliehen sie dann wieder. Und ich weiß immer noch nicht, was sie da eigentlich wollen. Es scheint fast als wäre der ganze Handlungsstrang nur darauf ausgelegt, dass die Eulen auf dem Rückweg die Armee der Reinen am Hoolemeer entdecken. Dafür mehr als die Hälfte des Inhalts des Buches zu verbrauchen, ist wirklich unnötig.

Der einzige Teil, der mir wirklich gefallen hat, sind Ezylrybs Ansprachen während der Belagerung. Schon im Vorwort erklärt die Autorin, dass sie sich dabei an den Rundfunkansprachen Winston Churchills während des Zweiten Weltkriegs orientiert hat. Zwar sind die Reden ein bisschen zu kurz, um wirklich vollkommen mitreißend zu sein, aber ein bisschen Kampfgeist habe ich auch gespürt. Der erfahrene Kämpfer weiß wirklich, wie er seine Truppen motivieren kann. Und das, obwohl sie sich bloß verteidigen, da es gegen die Grundsätze der Eulenritter verstößt, andere Eulen anzugreifen!

Fazit:
Der Titel ist so kaum gerechtfertigt und auch der Klappentext verspricht viel zu viel. Die Belagerung nimmt nur einen kleinen Teil der Geschichte ein und ist enttäuschend oberflächlich beschrieben. Den größten Teil der Handlung nimmt die Spionagearbeit der Brigade der Besten in Sankt Äggie ein, die aber weder ein deutliches Ziel noch einen tieferen Sinn hat. An der missglückten Umsetzung dieser Belagerung können auch Ezylrybs feurige Schlachtreden kaum noch etwas retten. Daher bekommt „Die Legende der Wächter: Die Belagerung“ leider nur drei Schreibfedern von mir.



1 Kommentar:

  1. Ich habe dich übrigens getaggt
    http://www.lenasbuecherwelt.blogspot.de/2014/03/3-mal-der-liebster-award.html
    Und würde mich freuen, wenn du mitmachst!
    LG

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