Samstag, 22. März 2014

[Rezension] Die Legende der Wächter: Die Bewährung – Kathryn Lasky



Titel: Die Legende der Wächter – Die Bewährung
Autor: Kathryn Lasky
Verlag: Ravensburger Buchverlag
Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2011 (4. Auflage)
Einband: Hardcover
Seiten: 192
ISBN: 978-3-473368-35-8
Preis: 14,99 € [D]

Klappentext:
Sorens Schwester schwebt in höchster Gefahr: Eine dunkle Macht dringt in Eglantines Träume ein und steuert alles, was sie tut. Als sie dann auch noch spurlos verschwindet, herrscht im Ga’Hoole-Baum Alarmstufe Rot. Wird es Soren und seinen Freunden gelingen, Eglantine zu retten?

Einordnung:
- Die Entführung (Teil 1)
- Die Wanderschaft (Teil 2)
- Die Rettung (Teil 3)
- Die Belagerung (Teil 4)
- Die Bewährung (Teil 5)
- Die Feuerprobe (Teil 6)
- Der Verrat (Teil 7)
- Die Flucht (Teil 8)
- Das Vermächtnis (Teil 9)
- Der Auserwählte (Teil 10)
- Das Königreich (Teil 11)
- Der Zauber (Teil 12)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten vier Teile enthalten!

Prinzipiell hat mir dieses Buch wieder gut gefallen, nur hege ich leider keinerlei Sympathien für die Hauptfigur. Die verweichlichte Eglantine ging mir mit ihrer unglaublichen Naivität schon in den letzten Teilen der Reihe auf die Nerven. Dass ich sie, ihre Gedanken und ihre Gefühle näher kennen gelernt habe im Laufe dieses Buches, ändert da leider auch nichts dran. Zwar entwickelt sie in dieser Geschichte einen starken eigenen Willen, aber der Schritt von Leichtgläubigkeit, Egoismus und Manipulierbarkeit zu Selbstlosigkeit und absolutem Durchblick geht deutlich zu schnell.

Ein Glück, dass es die Sperlingskäuzin Primel gibt. Eglantines beste Freundin ist mir richtig ans Herz gewachsen und mit ihr habe ich viel gelitten. Es ist nicht leicht für sie, als Eglantine immer mehr von ihr entfernt und stattdessen Zeit mit Ginger verbringt, der Schleiereule, die den Reinen angehört hat und im letzten Band von den Netzen verletzt wurde, sodass sie medizinisch versorgt werden musste. Doch trotz zahlreicher Zurückweisungen unterstützt Primel ihre beste Freundin, als sie merkt, dass diese immer häufiger merkwürdiges Verhalten zeigt. Vor dem Hintergrund von Eglantines Gleichgültigkeit ihr gegenüber ist diese Loyalität noch beeindruckender.

Die Verwirrung, mit der Eglantine zu kämpfen hat, beschreibt die Autorin sehr ausführlich. Schon seit sie von dem Tod ihrer Eltern gehört hat, vermisst sie die beiden und hofft darauf, sie noch einmal wiederzusehen. Als sie in einem Traum ihre Mutter wartend in einer Baumhöhle sitzen sieht, ist sie nur zu gern bereit zu glauben, dass ihre Eltern noch am Leben sind. Wie gefährlich solch eine Hoffnung ist, wird deutlich, als Eglantine beginnt, jedes Geschehnis so auszulegen, dass es ein Beweis für das Überleben ihrer Eltern ist. Wie sie sich an jeden Strohhalm klammert und alle Tatsachen so dreht, dass sie ihre Hoffnung bestätigen, zeigt eindrucksvoll, dass starke Emotionen eine objektive Beurteilung von Fakten beinahe unmöglich machen.

Natürlich spielen auch die Reinen wieder eine Rolle. Neben dem Anführer Kludd und seiner Gefährtin Nyra werden nun auch diverse Leutnants und Unterleutnants vorgestellt. Diese nehmen Befehle entgegen, führen sie aus und erstatten Bericht. Ähnlich wie im Sankt Ägolius Internat für verwaiste Eulen ist jedoch auch ihnen das eigenständige Denken untersagt. Zwar steht es scheinbar nicht unter Strafe, es ist jedoch offensichtlich, dass vor allem Nyra die Denkarbeit leistet. Von ihrer Armee fordert sie einzig und allein Disziplin. Doch lassen sich plötzliche Ideen kaum unterdrücken, sodass sich einer ihrer Unterleutnants zu fragen beginnt, ob Sieg oder Niederlage in einer Schlacht wirklich nur von der Disziplin abhängen. Dass er sich fragt, wann er das letzte Mal selbstständig seinen Verstand benutzt hat, macht Hoffnungen für die folgenden Teile. Nicht nur in einer Gemeinschaft mit offenem Geist kann es Verräter geben, gerade in Systemen, die eigenes Denken unterdrücken, gibt es Rebellen. Zumindest könnte der Unterleutnant ein erster Hinweis darauf sein.

Da die Eulenritter von dieser Entwicklung natürlich nichts ahnen, aber durchaus bemerkt haben, dass die Reinen niemals aufgeben werden, bis sie ihr Ziel erreicht haben, beschließt das Parlament, Verbündete aus den Nordlanden anzuwerben. Dieser Ausblick auf die zukünftige Handlung deutet an, dass frischer Wind in die Geschichte kommen wird. Das hat die Autorin gut gelöst, denn die Situation ist eindeutig festgefahren und das Gebiet, in dem sich die Eulen bisher bewegt haben, ist inzwischen hinlänglich bekannt und beschrieben. Das etwas platte Ende dieses ziemlich kurzen Buches wird damit noch mal ein bisschen aufgelockert.

Wie in jedem Band findet sich auch hier wieder ein Anhang, in dem die wichtigsten Eulen, ihre Gattung, ihr wissenschaftlicher Name und praktisch ihr erster Auftritt aufgelistet sind. Das ist zwar schön und lehrreich, allerdings wäre ein Wörterbuch im Anhang deutlich hilfreicher. Es gibt nicht viele Begriffe, die die Autorin für ihre Welt neu geschöpft hat. Doch die wenigen Kreationen sind so weit von unseren menschlichen Wörtern entfernt, dass sich die Bedeutung allein aus dem Wort überhaupt nicht ergibt. Zwar wird das Wort im Text erklärt, wenn es das erste Mal auftaucht, aber ich musste schon intensiv nachdenken, worum es sich bei einem „Williwurm“ (zumindest glaube ich, dass das Wort so heißt, nicht einmal das kann ich mir merken) noch mal handelt, obwohl ich die fünf bisherigen Bücher an fünf aufeinander folgenden Tagen gelesen habe. Die Erklärungen zu „Gollimop“ beispielsweise konnte ich außerdem überhaupt nicht nachvollziehen. Das ist zwar ein schönes Wort, aber wenn ich nicht weiß, was es heißt, hilft mir das wenig.

Fazit:
Dieses Buch hat für mich leider die falsche Hauptfigur. So kam keine richtige Spannung auf, weil sich die Handlung trotz der Kürze des Buches immer noch gezogen hat. Kleine Details wie Nyras Unterleutnant, Primels Loyalität und die weitere Erkundung der Wirkung von Tupfen sind es, die die Hochpunkte dieser Geschichte markieren. Dafür ist es inzwischen so weit, dass ich beginne, an der Sprache der Eulen zu scheitern. Für Fans von Eglantine ist dieses Buch vermutlich großartig, für mich leider nicht. Daher gibt es für „Die Legende der Wächter: Die Bewährung“ nur drei Schreibfedern.


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