Donnerstag, 13. März 2014

[Rezension] Ghostwalker: Auf lautlosen Schwingen – Michelle Raven



Titel: Ghostwalker – Auf lautlosen Schwingen
Autor: Michelle Raven
Verlag: Egmont LYX
Erscheinungsdatum: 06. Dezember 2010
Einband: Softcover
Seiten: 448
ISBN: 978-3-802583-69-8
Preis: 9,95 € [D]

Klappentext:
Die zurückgezogen lebende Amber wird vom Rat der Berglöwen gebeten, den Adlerwandlern eine Nachricht zu überbringen. Dafür überschreitet sie zum ersten Mal die unsichtbare Grenze zwischen ihr und dem Adler Griffin, der sie als Kind vor den Mördern ihres Vaters gerettet hat. Im Gebiet der Adler wird sie angegriffen, und wieder kommt Griffin ihr in letzter Minute zu Hilfe. Zum ersten Mal begegnen sie sich in ihrer menschlichen Gestalt, und erkennen, dass sie sich noch immer zueinander hingezogen fühlen. Aber können eine Berglöwin und ein Adler ein Paar werden? Während sie nach einem Weg suchen, wie sie ihr Leben gemeinsam gestalten können, wird ein Berglöwenwandler von unbekannten Angreifern schwer verletzt und sie begreifen, dass viel mehr auf dem Spiel steht als nur ihre Liebe.

Einordnung:
- Die Spur der Katze (Teil 1)
- Pfad der Träume (Teil 2)
Auf lautlosen Schwingen (Teil 3)
- Fluch der Wahrheit (Teil 4)
- Ruf der Erinnerung (Teil 5)
- Tag der Rache (Teil 6)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten beiden Teile enthalten!

Bei diesem Buch bin ich wirklich hin und her gerissen. Mir gefällt, wie die Autorin mit den Handlungssträngen spielt, die einzelnen Teile der Reihe miteinander verbindet und mysteriöse Andeutungen über Gefahren für die Wandler macht, sodass ich irgendwann überhaupt nicht mehr wusste, wo mir der Kopf steht. Dafür muss ich zugeben, dass mich die Charaktere immer mehr langweilen.

Die Verknüpfung zu den ersten beiden Teilen beginnt schon im Prolog, denn dort wird von der jungen Amber berichtet, die beinahe von Jägern eingefangen werden wäre, wenn ihr Vater sich nicht für sie geopfert hätte. Die Geschichte wurde bereits mehrfach erwähnt, allerdings nicht bis ins letzte Detail. Und ein besonderes Augenmerk liegt auf der Tatsache, dass Amber damals durch einen jungen Adler gerettet wurde. Griffin hat zuvor auch schon Marisa im Kampf gegen die Leopardinnen und die Menschen unterstützt. Jetzt wird ihm eine größere Rolle zugewiesen.
Außerdem überschneiden sich die ersten Kapitel mit einigen Szenen aus dem vorherigen Band. Da die Autorin fast jede Situation aus zwei Perspektiven schildert, stellt es einen sehr guten Übergang dar, dass der Moment nun aus Ambers Sicht erneut erlebt wird, nachdem im zweiten Band Finns Gedanken im Vordergrund standen.
Und schließlich steht das FBI bei Marisa vor der Tür, da sie verdächtigt wird, etwas mit den Todesfällen aus den ersten beiden Teilen zu tun zu haben. Es ist nur natürlich, dass sie verdächtigt wird, da sie sowohl im Haus von Henry Stammheimer anwesend war als auch ihre Fingerabdrücke auf einer Salbentube in Ryan Thornes Garten hinterlassen hat. Das ist wohl der endgültige Beweis, dass die Autorin nicht einfach abgehackte Bücher hintereinander setzt, sondern die Geschichte bloß in unterschiedliche Teile aufteilt und ihnen verschiedene Hauptcharaktere zuweist. Das gefällt mir sehr gut.

Ich halte es außerdem für eine gute Idee, auch andere Wandlergruppen in die Geschichte einzubeziehen. Die Charaktere aus dem Berglöwenlager und die Struktur der Gemeinschaft sind inzwischen bekannt, sodass die Adlerwandler frischen Wind in die Angelegenheit bringen. Generell bildet diese Gruppe einen gewaltigen Unterschied zu den Berglöwen. Auch sie haben einen Rat, der allerdings an eine Mischung aus Monarchie und Diktatur erinnert, da die drei Oberen grundsätzlich aus den einflussreichsten Familien stammen und nicht demokratisch gewählt werden. Zusätzlich dazu richten sich die anderen Adlerwandler nicht nur nach den Worten der Oberen, sondern haben fast schon verlernt, selbstständig zu denken, da eine eigene Meinung überhaupt nicht geschätzt wird. Da die Oberen an alten Traditionen hängen und zu verbohrt sind, um sich den neuen Gegebenheiten anzupassen, sind Probleme vorprogrammiert.

Worüber ich mir immer noch den Kopf zerbreche, ist die Gefahr für die Wandler. Hinter den Angriffen durch Genry, Gowan, Stammheimer, Edwards und neuerdings auch Jennings steckt ein weiterer Mann, der sich nur Lee nennt. Der beauftragt die Männer, um die Wandler zu fangen. Allerdings gibt es dann auch noch den geheimnisvollen Detective Harken, der in Wirklichkeit auch anders heißt. Außerdem hat ein Mann, vermutlich Harken, Kainda die Ausreise nach Afrika ermöglicht. Und dazu gibt es noch den unsichtbaren Beobachter, dessen Anwesenheit der Berglöwenwandler Torik zwar spürt, jedoch mehr durch einen sechsten Sinn, da er ihn weder riechen noch sehen noch hören kann.
Zu Beginn war ich der festen Überzeugung, das alles wäre ein und derselbe Mann. Mittlerweile bin ich jedoch nicht mehr sicher, ob es nicht vielleicht doch zwei, drei oder sogar vier unterschiedliche Personen sind. Das erhöht die Spannung enorm, da sich bei jeder Erwähnung eines Unbekannten und bei jeder neu auftauchenden Figur die Fragen stellen, ob diese Person ist, wer sie zu sein scheint, ob sie schon einmal unerkannt aufgetaucht ist und wenn ja, als welche Person. Und nicht nur die Anzahl der Personen ist verwirrend, sondern auch ihre Einstellung zu den Wandlern. Es könnten mehrere wichtige Verbündete sein, aber genauso gut mehrere gefährliche Feinde. Dieses Rätsel ist wirklich gut aufgebaut und bleibt durch den ständigen Perspektivenwechsel immer im Hinterkopf.

Leider muss ich in diesem Teil aber auch wieder anmerken, dass die Charaktere viel zu viel Sex haben. Sobald sich zwei Partner, ehemalige Partner oder mehr-oder-weniger Partner treffen, landen sie im Bett, im Schnee, auf dem Krankenlager oder was immer sonst gerade erreichbar ist. Dabei ist vollkommen egal, ob sie wichtige Aufträge haben, schlafende Kinder im Raum liegen oder sie eigentlich schwer verletzt sind. Jedes Mal wird die Szene ausführlich beschrieben. Jedes Mal tun und sagen die Charaktere fast das gleiche, auch wenn es vollkommen verschiedene Paare sind. Und seltsamerweise kann sich nie jemand erklären, warum der Partner jedes Mal eine so extreme Reaktion auslöst, obwohl ihnen der sexuelle Kontakt normalerweise gar nicht so wichtig ist – das gilt vorzugsweise für die Wirkung der Männer auf die Frauen.

Und als wäre die körperliche Ebene nicht schon genug, ist es auch jedes Mal die gleiche dramatische Liebesgeschichte. Beide lieben sich, sagen das aber nicht und glauben gleichzeitig, dass der andere vermutlich nicht so empfindet. Jeder fürchtet sich vor der Reaktion der Gruppe, weil der gewählte Partner entweder ein Mensch, ein ehemaliger Feind oder eine andere Wandlerspezies ist. Alle glauben sie, niemals mit ihrem Geliebten zusammen sein zu können und versuchen das zu akzeptieren, bis ihnen allen gleichzeitig durch ein plötzliches, dramatisches Erlebnis aufgeht, dass sie nicht ohne den anderen leben wollen.
Es ist nicht so als wäre das die letzten beiden Bände nicht auch schon so gewesen, doch dieses Mal fällt es besonders auf, da es nur bloß um die Hauptfiguren Griffin und Amber geht, sondern auch noch um zwei weitere Paare. Zwar sind mir die sechs Charaktere alle sympathisch, besonders Griffin, aber da von ihnen kaum etwas berichtet wird als die dramatische Liebesgeschichte, fällt es mir schwer, wirklich warm mit ihnen zu werden.

Fazit:
Im Prinzip gefällt mir dieses Buch auch wieder sehr gut. Es ist nach wie vor spannend und noch immer ist nicht klar, wer eigentlich hinter den Wandlern her ist und warum. Dafür lösen sich einige vorherige Handlungsstränge auf und werden konsequent zu Ende geführt. Wären da nicht die lästigen Liebesdramen und unzähligen Erotikszenen, bekäme das Buch volle Punktzahl von mir. Da diese aber leider einen Großteil des Buches einnehmen, bekommt „Ghostwalker: Auf lautlosen Schwingen“ wegen mangelnder Variation des immer gleichen Themas nur drei Schreibfedern.


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