Freitag, 7. März 2014

[Rezension] Ghostwalker: Die Spur der Katze – Michelle Raven



Titel: Ghostwalker – Die Spur der Katze
Autor: Michelle Raven
Verlag: Egmont LYX
Erscheinungsdatum: 13. Juli 2009
Einband: Softcover
Seiten: 512
ISBN: 978-3-802582-22-6
Preis: 9,95 € [D]

Klappentext:
Die Journalistin Marisa Pérèz lebt nach einem Skandal zurückgezogen in den Bergen Kaliforniens. Eines Nachts findet sie einen verletzten nackten Mann auf ihrer Veranda. Sie nimmt sich seiner an und versorgt seine Wunden. Am nächsten Morgen steht die Polizei vor der Tür – in der Nachbarschaft wurde ein Mord verübt. Marisa ahnt nicht, dass der faszinierende Fremde ein Geheimnis hütet, das ihre Welt erschüttern wird ...

Einordnung:
- Die Spur der Katze (Teil 1)
- Pfad der Träume (Teil 2)
- Fluch der Wahrheit (Teil 4)
- Ruf der Erinnerung (Teil 5)
- Tag der Rache (Teil 6)

Rezension:
Bevor ich angefangen habe, das Buch zu lesen, hatte ich weder von der Autorin noch von der Reihe jemals etwas gehört. Um zu wissen, auf welches Niveau ich mich einstellen muss, habe ich die durchschnittliche Bewertung auf diversen Seiten nachgesehen. Letztendlich hat das Buch meine Erwartungen dann aber doch übertroffen.

Die Geschichte beginnt am späten Abend, als der sonst so faule Bloodhound Angus plötzlich aufgeregt an der Tür kratzt und sich durch nichts beruhigen lässt. Damit erspart sich die Autorin langes Vorgeplänkel, weshalb Marisa nach Kalifornien gezogen ist, und steigt direkt in die Handlung ein. Trotzdem wird im Laufe der Geschichte aufgeklärt, welcher Skandal sie aus New York hat flüchten lassen und woher ihre Abneigung gegenüber der Polizei und Männern im Allgemeinen kommt.
Das gilt jedoch nicht für Marisa. Auch Charaktere wie der Wissenschaftler Henry Stammheimer und die Gestaltwandler Amber, Melvin, Keira und Coyle, der männlicher Protagonist ist, haben eine erwähnenswerte Vergangenheit, die erst nach und nach gelüftet wird. Wann immer ein Detail in den aktuellen Handlungsstrang passt, wird von einer gescheiterten Ehe, einer verschmähten Liebe oder einem lebensgefährlichen Unfall berichtet. So ziehen sich die Charakterbeschreibungen nicht ewig hin, es gibt immer wieder etwas Neues an den Figuren zu entdecken und mehrfach werden die Konsequenzen gezeigt, die es haben kann, wenn einen die eigene Vergangenheit einholt.

Insgesamt hat Michelle Raven viele sympathische Charaktere erschaffen. In ihren Handlungen bleiben sie sich und ihren Motiven stets selbst treu, sodass ich sogar mit einem Verräter fast Mitleid hatte. Am meisten habe ich mit dem jungen Bowen gelitten, der von einem erfolglosen und von seinen Kollegen nicht geachteten Wissenschaftler entführt wurde, um durch DNA-Analysen und Videoaufzeichnungen nachzuweisen, dass es Gestaltwandler gibt. Trotz seiner Jugend ist er unglaublich zäh. Bei jeder neuen Foltermethode, die der Wissenschaftler sich ausgedacht hat, habe ich gebangt, ob er weiterhin widerstehen kann.

Nicht nur der Handlungsstrang um Bowen ist spannend, sondern auch die weitere Geschichte um Marisa, denn die Mörder ihres Nachbarn stehen irgendwann auch vor ihrer Tür. Es gibt immer wieder entspannte Momente zum Aufatmen, doch die meiste Zeit fliegt die Geschichte nur so dahin. Ich bin durch die Seiten gehastet, um den Verfolgern zu entkommen, habe den Atem angehalten, um den Schmerz zu ertragen und die halbe Nacht durch gelesen, weil ich vor Neugier nicht schlafen konnte. An Spannung mangelt es dem Buch auf jeden Fall nicht.

Leider mangelt es auch nicht an Erotik. Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden, zumal bis auf Bowen und Isabel alle Charaktere erwachsen sind. Doch gerade in der ersten Hälfte des Buches nimmt es ein wenig Überhand. In den unmöglichsten Situationen reißen die Charaktere sich die Kleider vom Leib und anscheinend kann keine weibliche Gestalt auftauchen, ohne dass die männlichen Herrschaften gleich eine Erektion bekommen. Das wird dann noch dadurch begünstigt, dass Gestaltwandler normalerweise nackt herumlaufen. Ganz besonders befremdlich fand ich es, als dann nicht einmal mehr beide Partner ihre menschliche Gestalt hatten, sondern nur noch einer. Da bleibt es zwar, zum Glück, bei Berührungen der erogenen Zonen, trotzdem fand ich es eher widerlich als anregend.
Ein Zitat, bei dem ich in diesem Zusammenhang trotzdem spontan in Gelächter ausgebrochen bin, ist Marisas entsetzte Frage: „Willst du mir sagen, sie werden gleich alle nackt sein?“

Trotz allem ist die Spezies der Gestaltwandler gut durchdacht. Natürlich wären sie eine wissenschaftliche Sensation, wenn ein Fremder jemals von ihrer Existenz erfahren würde. Sie würden gefangengenommen und bis ins kleinste Detail von Forschern untersucht und analysiert werden. Deshalb habe ich nicht nur gebangt, ob sie Bowen rechtzeitig aus den Fängen des Wissenschaftlers befreien können, der zu Recht davon ausgeht, für seine Forschungsergebnisse einen Nobelpreis zu bekommen. Gleichzeitig kann ich auch voll und ganz verstehen, dass die meisten Gestaltwandler nicht erfreut reagieren, als Marisa in ihr verborgenes Lager weit abseits der Zivilisation kommt.

Am Ende des Buches sind noch sehr viele Fragen offen. Da einige Charaktere ohne genauere Erklärungen ihrer Wege gegangen sind, gibt es viel Potenzial für diverse Fortsetzungen. Das ist natürlich geschickt gemacht, aber andererseits wären die weiteren Geschichten der einzelnen Charaktere viel zu umfangreich, um sie noch in diesem Buch unterzubringen. Der Stoff reicht schließlich offenbar noch für fünf weitere mehr als 400 Seiten starke Bände. Es ist zwar schade, dass in dieser Geschichte so viele Fragen ungeklärt bleiben, doch ich hoffe, dass in den Fortsetzungen jede Figur die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient hat.

Fazit:
Obwohl ich Romanzen zwischen unterschiedlichen Spezies eher kritisch gegenüber stehe, hat mich das Buch sehr überzeugt. Die Charaktere sind liebevoll gestaltet und handeln nach starken Motiven, denen sie immer treu bleiben. Über fast die ganze Geschichte hinweg ist die Spannung greifbar und manchmal wirklich atemberaubend. Wegen der etwas übertriebenen und teilweise befremdlichen Erotikszenen vergebe ich an „Ghostwalker: Die Spur der Katze“ allerdings nur vier Schreibfedern.


Kommentare:

  1. Heisser Typ auf dem Cover =P
    Nein, echt ansprechend find ich.. der Gesamteindruck =)

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    1. Ich finde ihn jetzt nicht so heiß... :D
      Aber das ist immer Geschmackssache.
      Mit den Haaren sieht er irgendwie komisch aus.
      Wenn du mehr von ihm willst, dann lies mal das Buch. ;)

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