Dienstag, 11. März 2014

[Rezension] Ghostwalker: Pfad der Träume – Michelle Raven



Titel: Ghostwalker – Pfad der Träume
Autor: Michelle Raven
Verlag: Egmont LYX
Erscheinungsdatum: 08. Februar 2010
Einband: Softcover
Seiten: 448
ISBN: 978-3-802582-25-7
Preis: 9,95 € [D]

Klappentext:
Die Leopardenwandlerin Kainda hat einen Traum: Sie will zurück in ihr Heimatland Afrika. Doch der Weg dahin ist gefährlich. Auf der Flucht vor unbekannten Verfolgern wird sie von einem Lastwagen angefahren und schwer verletzt. In der Tierklinik des San Diego Wild Animal Parks kümmert sich der Tierarzt Ryan Thorne aufopferungsvoll um sie und weckt Gefühle in ihr, die sie längst vergessen glaubte. Doch kann sie ihm vertrauen? Nur im Schutz der Nacht wagt sie es, sich ihm in Menschengestalt zu nähern, und lässt Ryan in dem Glauben, die leidenschaftliche Begegnung fände nur in seinen Träumen statt. Als Kaindas Verfolger ihre Spur wieder aufnehmen, muss sie eine Entscheidung treffen ...

Einordnung:
Die Spur der Katze (Teil 1)
- Pfad der Träume (Teil 2)
- Fluch der Wahrheit (Teil 4)
- Ruf der Erinnerung (Teil 5)
- Tag der Rache (Teil 6)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Nachdem die direkte Bedrohung für das Lager der Berglöwenwandler im ersten Band abgewendet ist, widmet sich der zweite Teil den beiden Leopardenwandlern. Hauptsächlich wird berichtet von Kainda, der älteren Schwester, die sich schon am Ende des ersten Teils auf die Suche nach einem Weg zurück nach Afrika gemacht hat. Damit greift die Autorin diesen offenen Handlungsstrang wieder auf und führt ihn zu Ende.

Schon der Einstieg in die Geschichte ist rasant. Drei Monate ist Kainda bereits unterwegs und nun hat sie das Gefühl, verfolgt zu werden. In den ersten zwei Kapiteln wechselt die Perspektive von der Leopardenwandlerin Kainda zum Trucker Cal Rivers zum Verfolger Fred Edwards zum Tierarzt Ryan Thorne. Diese Hektik ist ansteckend und so steckt der Leser bereits nach den ersten beiden Kapiteln voll in der Geschichte drin, die danach erst einmal ein wenig ruhiger wird. Doch der Einstieg ist auf jeden Fall gelungen.

Obwohl Kainda eine ganze Weile in der Tierklinik behandelt wird und dort praktisch nur als Leopardin in ihrem Käfig hockt, wird es auch auf Dauer nicht langweilig. Die Geschehnisse werden abwechselnd aus Kaindas und Ryans Perspektive geschildert, sodass während einer Szene schöne Einblicke in beide Köpfe entstehen. Es ist faszinierend und berührend, wie sich die beiden langsam näher kommen, obwohl sich Kainda gegen ihre Gefühle wehrt und Ryan glaubt, verrückt zu werden, weil er Gefühle für eine Leopardin entwickelt.
Doch Kainda kann nicht widerstehen, seine Nähe wenigstens einmal als Mensch zu spüren. Ryan erlebt ein erotisches Abenteuer mit der der geheimnisvollen, fremden Frau, ohne zu wissen, dass die Frau Kainda und die Leopardin Etana, wie er sie nennt, ein und dasselbe Wesen sind. Diese Gradwanderung hat mich besonders fasziniert. Immer muss sich Kainda so wenig menschlich verhalten wie möglich, obwohl sie zur Hälfte Mensch ist, während Ryan sie fast wie einen Menschen behandelt, so mit ihr spricht und Gefühle für sie entwickelt, obwohl er glaubt, sie sei nur eine Leopardin.
Ich muss gestehen, dass mir die Zuneigung zwischen dem Tierarzt und der Leopardin ‚Etana‘ sogar besser gefällt als die Anziehung zwischen ihm und der Frau Kainda.

Allerdings geht es in diesem Teil nicht bloß um den weiteren Weg von Kainda und Jamila, sondern auch um ihre Vergangenheit. Die Fragen, wie sie überhaupt in Gefangenschaft geraten und aus Afrika herkommen konnten, weshalb sie Gowans Anweisungen ausgeführt haben und warum die Gefühle für einen Mann Kainda so verletzen, werden nach und nach geklärt. Das Geheimnis um die düstere Vergangenheit der beiden Leopardenwandlerinnen wird Stück für Stück gelüftet. Das finde ich wirklich gut gemacht. Der Leser bekommt nicht sofort die ganze Geschichte an den Kopf geklatscht, sondern kann jeden einzelnen Schritt, mit dem sich Kainda und Jamila weiter öffnen, langsam und in aller Ruhe nachvollziehen.

Zusätzlich zu der Spannung, ob Kainda ihren Verfolgern entkommen kann, tritt auch der geheimnisvolle Auftraggeber von Gowan, Edwards, Stammheimer und den anderen Verbrechern selbst aktiv auf. Viel wird nicht über ihn verraten, doch die Ungewissheit, ob er nun auf der Seite der Wandler steht oder nicht, hat mich noch schneller durch das Buch getrieben. Ihn umgeben viele Rätsel von teils gruseligem Ausmaß.

Neben der direkten Handlung spricht das Buch auch noch generelle Themen an wie die Probleme aussterbender Arten. Da die Menschen nichts von den Wandlern wissen dürfen und diese isoliert in ihren verborgenen Lagern leben, wird ihre Population immer kleiner. Es gibt kaum noch Partner im richtigen Alter, von denen auch wieder einige dadurch herausfallen, dass die Blutsverwandtschaft zu eng ist.
Der Rat der Berglöwenwandler muss also schleunigst entscheiden, wie es weiter gehen soll. Wollen sie verantworten, dass ihre Gruppe spätestens in ein paar Generationen ausgestorben ist, oder machen sie sich auf die Suche nach anderen Wandlergruppen und hoffen, dass sie ihre Spezies dadurch retten können? Da sie immer vollkommen abgeschottet gelebt haben und der Rat verständlicherweise hauptsächlich aus älteren Gruppenmitgliedern besteht, kann ich verstehen, dass ihnen diese Entscheidung nicht leicht fällt. Und selbst wenn sie sich für den Kontakt zu anderen Wandlern entscheiden, heißt das noch lange nicht, dass diese auch daran interessiert sind.

Als wäre das nicht schon genug Potenzial für das nächste Buch, endet dieser Teil mit der Nachricht, dass ein Adlerwandler gerade den schwer verletzten Conner ins Lager trägt – den Vater des Verräters Melvin, der im ersten Buch aus der Gruppe ausgeschlossen wird. Noch mehr Anreiz, auch den folgenden Band zu lesen, konnte die Autorin kaum geben.

Fazit:
Dieses Buch ist wirklich von vorne bis hinten spannend. Immer, wenn ich gerade durchatmen wollte, tauchte die nächste Gefahr auf. Besonders die Zärtlichkeit und Zuneigung zwischen der Leopardin ‚Etana‘ und dem Tierarzt Ryan haben es mir sehr angetan. Dadurch, dass Kainda die meiste Zeit als Leopardin agiert, gibt es in diesem Buch auch nicht so viele Erotikszenen. Mich stört nach wie vor, dass scheinbar alle Männer mit einer Erektion herumlaufen, aber wenigstens bleibt es die meiste Zeit dabei. Insbesondere wegen des aufopferungsvollen Tierarztes bekommt „Ghostwalker: Pfad der Träume“ fünf Schreibfedern.

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