Dienstag, 4. März 2014

[Rezension] Sherlock Holmes: Die Abenteuer des Sherlock Holmes – Sir Arthur Conan Doyle


 Titel: Sherlock Holmes – Die Abenteuer des Sherlock Holmes
Autor: Sir Arthur Conan Doyle
Verlag: Insel Verlag
Erscheinungsdatum: 26. November 2007 (6. Auflage)
Einband: Softcover
Seiten: 432
ISBN: 978-3-458350-17-0
Preis: 10,00 € [D]

Klappentext:
Baker Street 221b: Geheimnisvolle Besucher erscheinen bei Sherlock Holmes und haben Merkwürdiges zu berichten... Erst die kriminalistische Präzision des Meisterdetektivs bringt Licht in zwölf verworrene Fälle.

Einordnung:
Eine Studie in Scharlachrot (Roman 1)
Das Zeichen der Vier (Roman 2)
Die Abenteuer des Sherlock Holmes (Kurzgeschichten Band 1)
- Die Memoiren des Sherlock Holmes (Kurzgeschichten Band 2)
- Der Hund von Baskerville (Roman Nummer 3)
- Die Rückkehr des Sherlock Holmes (Kurzgeschichten Band 3)
- Das Tal der Angst (Roman Nummer 4)
- Seine Abschiedsvorstellung (Kurzgeschichten Band 4)
- Sherlock Holmes' Buch der Fälle (Kurzgeschichten Band 5)

Rezension:
Nicht alle Fälle, die Sherlock Holmes mit Dr. John Watsons Hilfe oder vermutlich eher im Beisein des Arztes löst, sind kompliziert und langwierig genug, um einen Roman aus ihnen zu machen. So finden sich in diesem Buch zwölf Kurzgeschichten, in denen die verschiedenen Gegebenheiten näher erläutert werden. Trotzdem wird fast jeder Fall so ausführlich beleuchtet wie nötig, sodass Kurzgeschichten eindeutig die bessere Wahl sind als aus jedem Rätsel einen ganzen Roman zu machen.

Im gesamten Überblick fällt auf, dass viele der Geschichten sich nicht um ein Verbrechen im rechtlichen Sinne drehen. Viermal wird Sherlock Holmes in dieser Sammlung konsultiert, ohne dass es einen Täter im herkömmlichen Sinne gibt und ohne dass die Polizei einen Verbrecher verurteilen kann. Dadurch wird ziemlich deutlich, dass Sherlock nicht bloß ein Helfer der Polizei, sondern an mysteriösen und rätselhaften Gegebenheiten interessiert ist. Diese Rätsel sind es auch, die die Spannung in Doyles Geschichten ausmachen, nicht die Verhaftung des Bösewichts.

Selbst in den Geschichten, die sich tatsächlich mit Gesetzesverstößen befassen, werden die Verbrecher auch nicht immer verhaftet. Hin und wieder kommt es dazu, dass Sherlock Holmes entweder die Details nicht erschöpfend klären kann oder die Täter ihm durch die Lappen gehen. Es erleichtert ein bisschen, dass er offenbar auch nur ein Mensch ist. Und es macht Sherlock um einiges sympathischer und den Charakter authentischer, denn niemand ist perfekt.
Oftmals handelt er auch lediglich im Interesse seiner Auftraggeber und bügelt nicht die Fehler der Polizei aus. Wenn er der Meinung ist, dass der Täter schon genug gestraft wurde, verschweigt er dessen Identität (Das Rätsel von Boscombe Valley) oder lässt ihn gar laufen (Der blaue Karfunkel). In den jeweiligen Fällen finde ich es nur legitim, dass Sherlock nach moralischen Grundsätzen handelt und sich nicht stur nach dem Gesetz richtet, schließlich stellt er vorher sicher, dass niemand anderes zu schaden kommt.

Ganz unsozialisiert ist er also nicht. Seine Gemütsregungen sind manchmal sogar intensiver als John Watsons frühere Anmerkungen in seinem Journal vermuten lassen. So ist er beispielsweise außerordentlich erschüttert, als sein Klient ums Leben kommt und sieht den Fall ab da als persönlichen Rachefeldzug an (Die fünf Orangenkerne). Ein anderes Mal taucht ein vollkommen aufgelöster Klient in der Baker Street auf und Sherlock muss ihn erst einmal beruhigen, indem er auf seine gelassene und besänftigende Art auf den Mann einredet, worin er, laut John, sehr gut ist (Die Beryll-Krone).

Einzig und allein der Liebe oder auch nur Zuneigung zu einer Frau scheint Sherlock vollkommen abgeneigt zu sein. Ich muss gestehen, dass mir das, im Gegensatz zu John, überhaupt nichts ausmacht. Sherlock ist so sehr ein Kopfmensch, dass die Beziehung zu einer Frau seinen Verstand vermutlich nur beeinträchtigen würde. Zwar ist mir die hübsche, junge Klientin aus „Die Blutbuchen“ sehr sympathisch, trotzdem bin ich froh, dass sich Sherlock nur für sie interessiert, solange sie Teil eines interessanten Problems ist.
Das gilt ebenso für Irene Adler (Ein Skandal in Böhmen). Von ihr ist Sherlock zwar sehr beeindruckt, aber falls er tiefere Gefühle für sie haben sollte, überlässt er sich ihnen nicht. Das ist aber eigentlich auch schon der einzige positive Punkt, den ich zu Irene Adler erwähnen kann. Sie wird immer als wichtige Nebenfigur erwähnt und soll eines der Hauptmotive sein, die mit Sherlock in Verbindung gebracht werden. Dafür finde ich aber, dass ihr Auftreten in einer einzigen Kurzgeschichte viel zu kurz ist. Die Tatsache, dass sie als Frau den brillanten Denker Sherlock Holmes überlistet hat, mag für die damalige Zeit und Rollenvorstellung zwar bemerkenswert sein, doch ist es bei weitem nicht spektakulär genug als dass sich die viele Aufmerksamkeit rechtfertigen ließe.

Die Fälle an sich sind größtenteils wirklich spannend und ich war oft bis zum Ende ebenso ahnungslos wie der arme John. Immerhin habe ich nicht, wie Inspektor Lestrade in „Der adelige Junggeselle“, ständig die falschen Schlüsse aus den Informationen gezogen. Fast jedes Mal hat Sherlock dann aber ausführlich bis zu seinen Ergebnissen deduziert. Lediglich einmal bricht die Geschichte einfach ohne jegliche Erklärung ab (Die fünf Orangenkerne).
Ich kann aber auch mit Stolz berichten, des Rätsels Lösung zweimal vor John gewusst zu haben. Einmal ist das Verbrechen heutzutage ziemlich leicht zu durchschauen und wird nicht nur in Büchern und Filmen, sondern teilweise sogar im echten Leben aufgegriffen (Die Liga der Rotschöpfe). Und einmal war lediglich meine Intuition richtig (Eine Frage der Identität). Die Fälle, die Doyle sich ausgedacht hat, sind so verworren und mysteriös, dass es jedes Mal wieder eine Freude ist, sich an eigenen Deduktionen zu versuchen und mögliche Hinweise aus unwichtigen Details zu quetschen.

Allerdings haben sich auch in diesem Buch wieder ein paar kleinere Fehler eingeschlichen. So heißt die liebe Haushälterin Mrs. Hudson plötzlich Mrs. Turner (Ein Skandal in Böhmen), Mary nennt John Watson, ihren Ehemann, James – wobei das auch ein Spitzname sein könnte (Der Mann mit der entstellten Lippe), und die Beryll-Krone hat abwechselnd 39 und 49 Steine (Die Beryll-Krone).

Fazit:
In Kurzgeschichten lässt sich eindeutig besser mit raten als in Romanen. Die einzelnen Fälle sind ebenso spannend wie faszinierend. Lediglich „Die fünf Orangenkerne“ ist irgendwie ein völliger Aussetzer. Außerdem bin ich enttäuscht davon, wie sehr Irene Adler in diesem Buch unter geht. Das ändert jedoch nichts daran, dass die Länge der anderen Geschichten perfekt gewählt ist und die vielen verschiedenen Rätsel das Hirn auf Trab halten. Deshalb bekommt „Sherlock Holmes: Die Abenteuer des Sherlock Holmes“ trotzdem vier Schreibfedern.


Kommentare:

  1. Oh ja ich liebe diese alten Krimis auch und es stimmt, Kurzgeschichten sind da oft besser zum Miträtseln geeignet. Einen tollen Blog hast du, bin gleich mal Leserin geworden, damit ich keinen Beitrag von dir mehr verpasse ;-)

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    1. Es freut mich, dass es dir gefällt. :)
      Generell kann man ja auch bei den Romanen mit raten, aber da sind die Hintergründe, Motive und Handlungen oft so detailliert dargestellt, dass man eigentlich keine Chance hat, alles zu erraten. Da komme ich mir dann immer so dumm vor. :D

      Liebe Grüße,
      Jenny

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