Samstag, 15. März 2014

[Vorstellung] Boris Schneider


Diesen Monat möchte ich euch wieder einen Autor vorstellen. Boris Schneider hat mir in einem Interview Rede und Antwort gestanden.


Dr. Boris Schneider wurde 1971 im Süden Nordrhein-Westfalens geboren. Der Diplombiochemiker hat zwei Kinder und ist Autor des Romans „Mauszeiten“, zu dem ihr am Ende des Interviews noch ein paar Informationen findet. Er hat mir nicht nur ein Rezensionsexemplar zukommen lassen, sondern sich auch all meinen Fragen gestellt.


Jenny: Um den Lesern einen ersten Eindruck zu vermitteln, beschreiben Sie sich selbst doch einmal in drei kurzen Sätzen.

Dr. Schneider: Ich liebe meine Familie. In der freien Natur kann ich am besten entspannen. Glaube, Verlässlichkeit und eine Portion Humor (oft Ironie) sind meine weiteren Stützen im Alltag.


Jenny: Vor nicht einmal einem halben Jahr haben Sie mit „Mauszeiten“ Ihren ersten Roman veröffentlicht. Der Weg dahin war doch bestimmt nicht leicht. Wie sahen denn Ihre ersten Schritte Richtung Autorendasein aus?

Dr. Schneider: Das begann, wie bei so vielen, schon während der Schulzeit. In der Projektwoche war ich gerne in der Video-AG. Der Lehrer wollte immer wieder Dokumentationen drehen – wir aber lieber einen Krimi. „Machen wir“, hat er da gesagt, „wenn einer ein Drehbuch schreibst!“. Der Eine war dann ich. Aus dem Drehbuch ist später mein erstes Manuskript „Tote Schüler fliegen nicht“ entstanden. Obwohl es wohl nie veröffentlicht werden wird – habe handwerklich zwischenzeitlich doch Einiges dazugelernt – bin ich noch immer stolz darauf und halte es als „Zeitdokument“ in Ehren.


Jenny: „Mauszeiten“ ist nach vielen Anthologiebeiträgen nun Ihr erstes Buch. Woher kam die Idee, nicht mehr nur Kurzgeschichten für Anthologien zu schreiben, sondern gleich einen ganzen Roman?

Dr. Schneider: So ganz stimmt das nicht. 2004/2005 sind schon ein Fantasy-Romänchen (Aroshs Blatt, 93 Seiten, ISBN 1-933-14004-6) und eine mehr oder weniger gruselige Kurzgeschichtensammlung (Schlechte Nacht Geschichten, 131 Seiten, ISBN 1-933-14003-8) von mir erschienen. „Mauszeiten“ kann man aber sicherlich getrost als meinen ersten veröffentlichten Roman bezeichnen.
Kurze Geschichten für Anthologien sind – große Überraschung – deutlich schneller geschrieben als ein Roman und erfordern nicht unbedingt die Notwendigkeit sich im Vorfeld ein Konzept zu erstellen. Anthologiebeiträge liefern schneller ein Erfolgserlebnis. Man hat ein Buch mit einer eigenen Geschichte in der Hand. Hier aufgenommen zu werden ist auch deutlich leichter als einen Verlag für einen Roman zu finden. Außerdem kann man durch das Lektorat immer wieder etwas dazulernen. Was aber, glaube ich, jeder Autor sehen will, ist sein Name nicht nur in sondern auf einem Buch.

Flitz bringt Stummel eine Gurkenscheibe, gezeichnet von Dr. Boris Schneider

Jenny: Obwohl es mittlerweile eine Vielzahl von Autoren gibt, ist die Wahrscheinlichkeit, jemanden persönlich zu kennen, der tatsächlich ein Buch veröffentlicht hat, nicht unbedingt groß. Was sagen denn Ihre Freunde, Kollegen und auch Ihre Kinder dazu, dass Sie ein Buch veröffentlicht haben?

Dr. Schneider: Meine Frau hat mich beim Schreiben immer unterstützt. Sie ist in der Regel die Erste, die eine Geschichte zu sehen bekommt. Meine Kinder sind – zumindest im momentanen Alter (6 und 10 Jahre) – mit mir stolz auf meine Veröffentlichungen. Oft helfen sie mir bei der Ideensuche („Papa schreib doch mal eine Geschichte über einen Pirat mit einer Wurst-Augenklappe“; Ergebnis nachzulesen in der Anthologie „Die Piraten und ihre legendären Geschichten“ Seiten 165-168, ISBN 3-942229-74-6). Mit Freunden und Kollegen habe ich bislang nur positive Erfahrungen gemacht. Viele haben mich mit Vorbestellungen unterstützt, die ja notwendig waren, damit „Mauszeiten“ erscheinen konnte.


Jenny: Gerade für Debütautoren ist es nicht leicht, einen Verlag zu finden und die Geschichte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie haben es trotzdem geschafft. Was war es für ein Gefühl, als Ihr Buch dann endlich für die Leser zu erwerben war?

Dr. Schneider: Man steckt viel Herzblut in ein Buch. Es ist nicht nur die Zeit und die Arbeit – man gewinnt die Helden mit ihren Stärken und Schwächen lieb. Es fließt auch viel Persönliches, wie Ereignisse, Gedanken oder Einstellungen, mit in die Geschichte ein. Für lange Zeit begleitet einen ein Manuskript in Gedanken. Es ist ein unvergleichliches Gefühl, dann das Buch das erste Mal in den Händen zu halten.


Jenny: Die Hauptcharaktere in Ihrem Roman sind, wie der Name schon sagt, Mäuse. Wie kam es dazu? Warum ausgerechnet Mäuse?

Dr. Schneider: Die Idee kam mir – wen wundert’s – als ich 2001 nach München gezogen bin und dort am Marienplatz das erste Mal bewusst die U-Bahn-Mäuse gesehen habe. Zu der Zeit hatte ich als Wissenschaftler in einer Biotechnologie-Firma beruflich viel mit Mäusen zu tun. Da gab es immer jemanden den ich fragen konnte („Haben Mäuse Tränendrüsen?“, „Wie hoch kann eine junge Maus springen?“). In dieser Zeit ist „Mauszeiten“ gewachsen und viele Kollegen haben an der Entstehung Anteil genommen. Wichtig ist sicherlich auch noch, dass ich selbst sehr gerne Tierfantasy lese. Eines meiner absoluten Lieblingsbücher ist „Unten am Fluss“ von Richard Adams. Jeder braucht schließlich Vorbilder.

Woher Kasta seinen Namen hat, gezeichnet von Dr. Boris Schneider

Jenny: In der Geschichte hat Flitz sehr viele unterschiedliche Wegbegleiter und Feinde, die immer wieder auftauchen. Gibt es eine Maus oder vielleicht sogar eine Ratte, die Sie besonders ins Herz geschlossen haben?

Dr. Schneider: Das ist interessant. Genau diese Frage hat mir meine Tochter gestellt, nachdem ich ihr Mauszeiten vorgelesen hatte – „Papa, welche Maus würdest du am liebsten sein?“. Ich habe mich für Kasta entschieden. Er hat mit seiner ironischen Art meinen Humor und man kann auf ihn zählen, wenn es drauf ankommt.


Jenny: Und wie steht es andersherum mit der Abneigung? Irgendwo müssen doch alle Charaktere mühsam ausgestaltet werden. Ist es da überhaupt möglich, einen Charakter nicht zu mögen oder gar zu hassen?

Dr. Schneider: Da ist etwas Wahres dran. Natürlich braucht ein Roman auch Antagonisten, die der Leser „hassen“ soll. Letztens sagte mir eine Leserin „Und dann dachte ich, wenigstens ist dieser Blacksix jetzt endlich weg, aber dann taucht der ja immer wieder auf!“ Da wusste ich, dass es mir gelungen war, einen Widersacher zu schaffen, der den Leuten nahe geht. Natürlich mag ich andere Mäuse lieber, aber einen wie Blacksix muss es – zumindest in Büchern – auch geben.


Jenny: Sie sprechen in Ihrem Buch von Gewalt bis zum Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion unglaublich viele Themen und Probleme an. Ist Ihnen die Moral von der Geschicht‘ tatsächlich wichtig oder nutzen Sie diese allgegenwärtigen Probleme bloß, um die Erlebnisse der Mäuse realistischer und glaubwürdiger zu machen?

Dr. Schneider: Teils, teils. Einige Dinge habe ich bewusst eingebaut, um meine persönliche Meinung zu Fragen wie Glauben oder Umgang mit der Wissenschaft kundzutun und eventuell zum Nachdenken anzuregen. An erster Stelle stand aber immer das Ziel, „Mauszeiten“ zu einem Buch zu machen, das spannend und mit „Kopfkino“ zu lesen ist. Andere Themen, wie beispielsweise den Umgang mit Gewalt, den der Verlag in der Pressemitteilung zu „Mauszeiten“ stark hervorgehoben hat, habe ich nicht bewusst eingebaut, sondern verwendet, um dem Leser den Charakter der Mäuse getreu dem Schriftsteller-Motto „show, don’t tell“ nahezubringen.

Blacksix, flankiert von Stink und Stonk, gezeichnet von Dr. Boris Schneider

Jenny: Haben Sie für die Zukunft schon weitere Projekte geplant, möglicherweise sogar mit Flitz und seinen Freunden?

Dr. Schneider: Natürlich; ich wäre ein schlechter Autor, wenn nicht ständig irgendwo Ideen in meinem Kopf herumspuken würden. Eine davon hat tatsächlich mit dem weiteren Schicksal von Flitz und Kasta zu tun. Aber ein Roman ist für einen Hobbyautor wie mich ein Mammutprojekt und nimmt viele Jahre in Anspruch. Mein derzeitiges Ziel ist es, pro Jahr einige Beiträge in Anthologien unterzubringen. Besonders schön finde ich dabei die „Märchen für Erwachsene-Reihe“ des Machandel-Verlags. Nach Grimm und Andersen ist dieses Jahr Musäus dran und ich hoffe, auch hier wieder mit einer Geschichte dabei zu sein.


Jenny: Was bedeutet das Schreiben für Sie?

Dr. Schneider: Irgendwann so um die Zeit des Abiturs saßen wir auf einer Party zusammen und überlegten, was wir im Leben später mal erreichen wollten. Meine Antwort war damals, eine Familie mit Kindern gründen und ein Buch veröffentlichen. Gemeinsamer Beweggrund war, dass etwas von mir bleibt, wenn es mich irgendwann nicht mehr gibt. Daneben ist Schreiben natürlich ein wunderbarer, kreativer Ausgleich bei meiner ansonsten eher rationalen Arbeit als Referent oder früher als Wissenschaftler. Ich liebe außerdem das Gefühl, etwas geschaffen zu haben, auf das man stolz ist.


Vielen Dank für dieses ausführliche Interview!


Wer möchte, kann sich Flitz, Stummel, Kasta, Blacksix und all die anderen auch selbst nach Hause holen. Es lohnt sich auf jeden Fall! Die wichtigsten Informationen habe ich hier für euch zusammen getragen:







Titel: Mauszeiten
Autor: Boris Schneider
Verlag: Papierfresserchens MTM-Verlag
Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2013
Einband: Softcover
Seiten: 288
ISBN: 978-3-861962-60-1
Preis: 12,90 € [D]








„Als Flitz dem am Rande der Mäusegesellschaft lebenden Veteranen Furchtsam hilfreich zur Seite steht und sich für ihn stark macht, gerät plötzlich die Ordnung in der Mäusekolonie außer Kontrolle. Erklärter Feind der beiden ist Blacksix, eine Maus, deren Herz so schwarz ist wie ihr Fell. Blacksix schreckt selbst vor brutaler Gewalt nicht zurück. Als sich dann noch das Mäuseweibchen Stummel gegen ihn und für Flitz entscheidet, geht es plötzlich um Leben und Tod. Sind Flitz und sein Mentor Furchtsam wirklich an den rätselhaften Todesfällen am Marienplatz schuld? Gut, dass die beiden treue Freunde haben, die ihnen bei der haarsträubenden Jagd durch die U-Bahn-Schächte unter München beistehen.


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