Samstag, 26. April 2014

[Rezension] Arkadien fällt – Kai Meyer



Titel: Arkadien fällt
Autor: Kai Meyer
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: 25. Juli 2013
Einband: Softcover
Seiten: 464
ISBN: 978-3-551312-43-3
Preis: 8,99 € [D]

Klappentext:
Rosa und Alessandro wollen ihre Gefühle füreinander nicht länger verbergen. Doch wie vermutet bringt ihre Liebe die Clans der Gestaltwandler gegen sie auf. Erst nach einer wilden Jagd durch die Weiten Siziliens erkennt Rosa, wer hinter dem Komplott gegen sie steckt: der, den alle nur den Hungrigen Mann nennen, der Herrscher aller Dynastien. Er ist nach Sizilien zurückgekehrt – und die Welt der Arkadier wird niemals mehr sein wie zuvor.

Einordnung:
- Arkadien erwacht (Teil 1)
- Arkadien brennt (Teil 2)
- Arkadien fällt (Teil 3)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten beiden Teile enthalten!

Das Buch ist wirklich ein fulminanter Abschluss der Arkadien-Reihe. Die Ereignisse überschlagen sind, während die Handlungsorte in rascher Folge unaufhörlich wechseln. Die Luft für Rosa und Alessandro wird derweil immer dünner. Zur Flucht gezwungen hetzen sie durch ganz Sizilien, sind nirgendwo willkommen, nirgendwo sicher und gleichzeitig absolut machtlos, denn egal, was sie auch tun, es gibt immer jemanden mit mehr Macht, Geld und Einfluss, der in das Geschehen eingreift.

In den letzten beiden Bänden sind mehr Rätsel aufgetaucht als gelöst wurden - wer hinter der gefährlichen Organisation TABULA steckt und was die Familie Alcantara mit ihnen zu schaffen hat, ob Davide Alcantara tatsächlich noch lebt, was es mit den geheimnisvollen Löchern in der Menge auf sich hat und welches Geheimnis sich hinter den Statuen verbirgt, die vom Meeresgrund gestohlen wurden. Das dritte Buch nun findet auf all diese Fragen eine Antwort. Manchmal ist es recht simpel, manchmal wirklich komplex, doch die Hauptsache ist, dass tatsächlich alle losen Handlungsstränge zu einem zufriedenstellenden Ende geführt werden. Denn ich hasse offene Enden.

Nach dem Bruch des Konkordats und den diversen gewaltsamen Todesfällen bei den Alcantaras und Carnevares scheint es nicht noch schlimmer kommen zu können. Doch die verfeindeten Clans, die sich seit Urzeiten gegenseitig bekämpfen, haben plötzlich einen gemeinsamen Feind: Rosa und Alessandro. So schließen sie sich zusammen, um die beiden zu töten. Dadurch gibt es noch mehr Tote als in den Büchern zuvor und vor allem breitet sich das Sterben jetzt in eine andere Richtung aus, denn natürlich hat auch die Anti-Mafia-Einheit da noch ein Wörtchen mitzureden. Die einzigen, denen Rosa und Alessandro noch zu vertrauen wagen, sind ein leicht zurückgebliebenes Mädchen, eine schrullige Lehrerin und eine eiskalte Anwältin. So kommt es, dass plötzlich jeder in Gefahr schwebt und ich auch um das Leben eigentlich unwichtiger Nebencharaktere bangen musste. Es sterben wichtige wie unwichtige Personen, Gute wie Böse. Das steigert die Spannung immer weiter, denn es ist nie klar, wer nach dem Umblättern noch am Leben ist. Und während Sizilien im Chaos versinkt, plant ein alter Mann, ganz Arkadien zu vernichten, um TABULA zu zerstören.

Besonders gefallen hat mir, wie die alten Legenden und Mythen auf die heutige Zeit angepasst sind. In der Zeit, in der die Arkadier frei und offen in Welt gelebt und die normalen Menschen unterdrückt haben, wurde König Lykaons Grab in aller Öffentlichkeit sichtbar und erkennbar erbaut. Doch in der heutigen Zeit, in der sofort das Militär eingreifen würde, sollten die Arkadier blutrünstig wie damals in Erscheinung treten, kann ein solches Denkmal nicht mehr offen zur Schau gestellt werden. Wenn es trotzdem der Gedenkstätte eines Königs angemessen sein soll, dann muss es unter aller Augen versteckt werden.
Doch nicht nur das. Als die Arkadier der damaligen Zeit gegen die Gesetze der Götter verstießen, fielen sie einem gewaltigen Erdbeben zum Opfer, das die Dynastien beinahe auslöschte. Der Hungrige Mann ist nun wieder dabei, gegen ein solches Gesetz zu verstoßen und die Welt ins Chaos zu stürzen. Es gibt nur eine Möglichkeit, um die Katastrophe zu verhindern: Arkadien muss fallen. Die Lösung, die Kai Meyer gefunden hat, um nicht alle stumpf bei einem Erdbeben sterben zu lassen, hat mich beeindruckt. Der Schlag, den er gegen die Dynastien führt, ist eine wirklich grandiose Idee.

Dieses Buch ist ein absolut gelungenes Finale. Und es hat mich so mitgerissen, dass ich mich inzwischen manchmal dabei ertappe, dass ich tatsächlich nach den Löchern in der Menge suche.

Fazit:
Würde ich mehr als fünf Schreibfedern vergeben, dieses Buch würde sie alle bekommen. Es ist nach wie vor unglaublich spannend. An allen Ecken und Enden entstehen Konflikte. Rosa und Alessandro können niemandem mehr vertrauen. Geschickt hat der Autor die zahlreichen Handlungsstränge miteinander verbunden und führt sie zu einem imposanten Finale zusammen. „Arkadien fällt“ mit einer solchen Eleganz, dass das Buch fünf Schreibfedern bekommt.


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