Samstag, 19. April 2014

[Rezension] Radibutz im Hut – Helmut Glatz



Titel: Radibutz im Hut
Autor: Helmut Glatz
Verlag: Wolfgang Hager Verlag
Erscheinungsdatum: 03. Dezember 2012
Einband: Hardcover
Seiten: 147
ISBN: 978-3-902879-39-4
Preis: 19,90 € [D]

Klappentext:
Erziehung ist keine einfache Sache. Und die Erziehung einer kleinen Maus ist doppelt schwierig. Was aber bleibt dem Widiwondel Radibutz anderes übrig, als sich der hilflosen Waisenmaus anzunehmen, die ihm da am Flussufer zugeschwommen kommt!
Er versucht ihr beizubringen, was man im Wald von Wackelstein alles wissen muss: Warum die Bäume nicht gehen können. Wie das Echo aussieht. Worin das Geheimnis der Freundschaft besteht. Wie die Stille riecht. Warum ich ich bin. Fragen, die nicht nur ein Mäusekind bewegen.

Einordnung:
„Radibutz im Hut“ ist eine einzelne Geschichte und kein Teil einer Reihe, obwohl es zu den Widiwondeln generell noch weitere Geschichten gibt.

Rezension:
Zunächst muss ich anmerken, dass es sich bei dem Buch weniger um eine zusammenhängende Geschichte handelt, sondern vielmehr um einzelne Szenen, die in den Kapiteln dargestellt werden. Nur selten gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen aufeinanderfolgenden Szenen. Die Kapitel sind zwischen zehn Zeilen und zweieinhalb Seiten lang. Als Gute Nacht-Geschichte für jüngere Kinder oder Erstleser eignet sich das Buch daher wirklich gut. Für mich war es allerdings recht anstrengend, weil der Lesefluss ständig unterbrochen wird.
Begleitet wird die Geschichte von wirklich schönen, farbigen Zeichnungen auf mindestens jeder zweiten Seite. Die Bilder sind so eingebracht, dass sie tatsächlich das gerade ablaufende Geschehen untermalen und damit bei jüngeren Kindern das Lesen unterstützen.

Bei einigen versteckten Witzen bin ich mir aber nicht sicher, ob Kinder diese wirklich schon verstehen. Beispielsweise gibt es die chaotische Mäusefamilie, deren Kindern alle Namen aus drei Silben des Wortes „Tohuwabohu“ haben. So gibt es beispielsweise Tohuwa, Huwabo und Wabohu. Die Erklärung der Namen, die in dem Kapitel noch erfolgt, ist für Kinder wohl notwendig, aber ich glaube kaum, dass sie den Witz im Nachhinein noch lustig finden. Und mir hat diese Erklärung leider so ein bisschen die Pointe versaut.

Tatsächlich witzig und gelungen finde ich dagegen einige andere Beschreibungen. Als Radibutz beispielsweise versucht, Mimi das ABC beizubringen, sieht sie in den Buchstaben nur hässliche Tiere. Unter anderem ist das „B“ also „ein Tier mit einem dicken Bauch und einem aufgeblasenen Kopf“ (Seite 17). Noch lustiger ist die Beschreibung der Menschenwelt. In Autos sieht Mimi zum Beispiel Tiere, die Menschen fressen und sie wieder ausspucken, wenn sie ihnen nicht schmecken.

In vielen Ausflügen, die Mimi und Radibutz machen, ist eine Menge Wissen versteckt. Immer wieder besuchen sie das Eichhörnchen Knisper, den Frosch Quasimodo, den Maulwurf Schweineschnauze, den Mistkäfer Kusebauch und viele, viele andere Tiere. Jedes Mal gibt es dabei etwas Neues zu lernen. Dabei hilft sehr, dass das Buch praktisch in fünf Teile aufgeteilt ist: Herbst, Winter, Frühling, Sommer und wieder Herbst. Dadurch kann der Leser das Verhalten der Tiere über das ganze Jahr hinweg verfolgen und erfährt nicht nur, welche Tiere wasserscheu sind, sondern auch, wie Frösche, Regenwürmer und Mistkäfer den Winter überleben. Neben dem Wissen über verschiedene Tierarten werden aber auch unterschiedliche Feste wie Halloween und Fasching angesprochen.

Leider verstecken sich in den unzähligen Kapiteln aber auch einige Fehler bzw. Wiederholungen. Zu Beginn (Kapitel 5) versucht Radibutz, Mimi das Alphabet beizubringen, scheitert aber (bzw. gibt eigentlich erschreckend früh entnervt auf – ob das so ermutigend ist für Kinder, die noch Schreiben, Lesen und Rechnen lernen müssen?), einige Kapitel später (Kapitel 38) schreibt sie dann aber alle Namen nieder, die sich aus dem Wort „Tohuwabohu“ bilden lassen. Wieder kurze Zeit darauf (Kapitel 45) möchte Mimi eine „baumlange Baumgeschichte“ schreiben, wenn sie das Schreiben erst einmal gelernt hat. Da die Kapitel in chronologischer Reihenfolge erzählt werden, müsste Mimi das Schreiben zwischenzeitlich wieder verlernt haben.
Außerdem doppeln sich die Szenen gegen Ende manchmal und widersprechen sich dabei sogar teilweise. Besonders hängen geblieben ist mir die Sprache der Steine. Am Anfang ist Mimi der festen Überzeugung, dass Steine nicht sprechen können, aber Radibutz schlägt trotzdem vor, dass sie die Steine erzählen lassen. Gegen Ende stellt Mimi dann plötzlich die Frage, ob Steine sprechen können. Und diesmal weiß Radibutz die Antwort nicht. Das hat mich ein wenig verwirrt.

Das Ende kommt überraschend plötzlich. Gerade eben war Mimi noch die kleine Maus, der so viel beigebracht werden musste und die Fragen über Fragen gestellt hat. Und dann ist sie plötzlich erwachsen. Auch wenn das letzte Kapitel die Geschichte abrundet und zu einem guten Ende bringt, finde ich es nicht authentisch.

Fazit:
Als erwachsenem Leser fallen mir bei diesem Buch eher die Ungereimtheiten auf. Die Geschichte ist manchmal anstrengend zu lesen, es gibt inhaltliche Fehler und Dopplungen. Für jüngere Leser dürfte das Buch aber sehr entspannt zu lesen sein. Es enthält viel Wissen, lustige Beschreibungen, schöne Bilder und die kurzen Kapitel eignen sich gut für Erstleser. Daher bekommt „Radibutz im Hut“, obwohl es mich nicht wirklich überzeugen konnte, noch drei Schreibfedern von mir.


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