Samstag, 28. Juni 2014

[Rezension] Schattenwandler: Jacob – Jacquelyn Frank



Titel: Jacob
Autor: Jacquelyn Frank
Verlag: Egmont LYX
Erscheinungsdatum: 17. August 2009
Einband: Softcover
Seiten: 375
ISBN: 978-3-802582-36-3
Preis: 9,95 € [D]

Klappentext:
Seit Anbeginn der Zeiten gibt es die geheimnisvollen Schattenwandler. Die Liebe zu Sterblichen ist ihnen verboten, und ein Mann wacht darüber, dass dieses Gesetz niemals gebrochen wird: Jacob. Jahrhundertelang widerstand er jeglicher Versuchung. Doch als er die schöne Bibliothekarin Isabella rettet, flammt ein Begehren in ihm auf, das er nie zuvor gekannt hat. Und nun ist es Jacob selbst, der das eherne Gesetz der Schattenwandler bricht.

Einordnung:
- Jacob (Teil 1)
- Gideon (Teil 2)
- Elijah (Teil 3)
- Damien (Teil 4)
- Noah (Teil 5)
- Adam (Teil 6)

Rezension:
An diesen Romantic-Fantasy-Roman bin ich mit der Erwartung herangegangen, zwischen ziemlich viel Sex und Romantik eine lockere, anspruchslose Geschichte erzählt zu bekommen. Das bringt den Aufbau des Buches tatsächlich ziemlich auf den Punkt. Allerdings ist das wohl dem Genre geschuldet, denn die Welt und die Wesen, die die Autorin geschaffen hat, sind für einen Authentizitäts- und Logikfanatiker wie mich durchaus beeindruckend.

Der Einstieg in die Geschichte ist ein bisschen holprig, weil der Schreibstil gewöhnungsbedürftig ist. Besonders anstrengend zu lesen ist der Anfang, weil die Erzählperspektive mit jedem Absatz wechselt. Die Geschichte hat keinen Ich-Erzähler, doch die Szenen werden abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Der Leser springt so schnell zwischen den Gedanken der Charaktere hin und her, dass es ziemlich verwirrend wird. Nach einigen Kapiteln wird es noch schlimmer, als die Perspektive nun sogar teilweise nach jedem Satz wieder gewechselt wird. Es scheint als würde die Autorin versuchen, jede einzelne Sekunde durch die Augen aller Anwesenden darzustellen. Das bringt nicht nur Hektik und Verwirrung mit sich, sondern ist auch noch vollkommen unnötig, weil die Gefühle aller Charaktere auch so mehr als deutlich sind.
Im Laufe der Geschichte wird es allerdings leichter, dem Geschehen zu folgen. Es ist wohl einfach eine Gewöhnungssache, den schnellen Wechseln hinterher zu kommen. Da das Buch auch nicht die volle Aufmerksamkeit erfordert, um es zu verstehen, macht es auch nichts, wenn verwirrende Stellen einfach überlesen werden. Es ist in der Tat eine ziemlich leichte und anspruchslose Lektüre, die kaum Konzentration bedarf und gut nebenbei zu lesen ist, ohne dass der rote Faden verloren geht.

Dass kaum Verständnisprobleme entstehen, auch wenn die Geschichte bruchstückhaft nebenbei gelesen wird, liegt wohl auch an den zahlreichen Sexszenen, die immer wieder ausführlich erzählt werden. Das ist bei dem Genre natürlich zu erwarten und die Autorin schafft es auch, tatsächlich immer wieder neue Dinge einzubauen, trotzdem haben mich zwei Sachen ganz besonders gestört.
Die erste Sache ist die Wortwahl, an der allerdings auch die deutsche Übersetzerin schuld sein könnte. Wann immer die Charaktere ihren Höhepunkt erreichen, „explodieren“ sie. Ich finde es in Ordnung, es einmal als Metapher für die Heftigkeit zu benutzen, beim fünften Mal dachte ich mir dann allerdings, dass es ein ziemliches Wunder ist, dass immer jemand alle Einzelteile wieder zusammenflicken kann. Etwas mehr Variation hätte da auf jeden Fall geholfen – oder zumindest ein passenderes Wort.
Außerdem hat mich inhaltlich extrem gestört, dass Safer Sex scheinbar vollkommen unwichtig ist. Nicht ein einziges Mal kommt jemand auf die Idee, ein Kondom zu benutzen. Es mag für Schattenwandler normal sein, allerdings kommt Isabella aus einer menschlichen Kultur, wo es meist doch die Norm ist, sich darüber Gedanken zu machen. Statt mit gutem Beispiel voranzugehen, werden mögliche Krankheiten und eine ungewollte Schwangerschaft nicht mit einem Wort erwähnt. Ein deutlicher Widerspruch zu Isabellas vernünftigem Charakter.

Sehr gut gefallen hat mir aber die Fantasy, die die Autorin in das Buch eingebaut hat. Im ersten Moment habe ich befürchtet, dass Jacob ein Vampir ist. Doch obwohl Vampire in dieser Geschichte ebenso existieren wie Lykanthropen (gemeinhin bekannt als Werwölfe), handelt es sich bei Jacob um einen Dämon. Allerdings sind die Dämonen vollkommen anders als sie in den Mythen dargestellt werden. Es handelt sich um eine hochzivilisierte Spezies mit hohen moralischen Ansprüchen. Zu den hässlichen, grausamen Monstern, die eigentlich als Dämonen bekannt sind, werden sie erst durch die schwarze Magie der Menschen.
Außerdem sind die Dämonen nicht alle gleich, denn jeder von ihnen wird in Verbundenheit mit einem Element geboren. Durch die Evolution gibt es aktuell sechs verschiedene Elemente: Erde, Feuer, Wasser, Luft, Geist und Körper. Mir hat besonders die Tatsche gefallen, dass beispielsweise ein Erddämon nicht einfach das Element Erde beherrscht, sondern viel mehr kann. Er lebt in Einklang mit der Natur und kann sie sich zunutze machen, er kann seine molekulare Struktur verändern und als Staubwolke schnell weite Entfernungen zurücklegen und er kann fliegen, indem er die Erdanziehungskraft verändert. Gleiches gilt auch für die anderen Dämonenarten. So kann ein Geistdämon falsche Eindrücke in den Kopf anderer setzen und ein Körperdämon die Körperchemie oder den Hormonhaushalt verändern, um die Reaktionsbereitschaft zu erhöhen oder Schmerzen zu lindern.
Dass nicht jeder Dämon das gleiche kann, aber auch nicht bloß mit Kugeln aus seinem Element herumwirft, finde ich erfrischend neu. Zudem bleibt es nicht bei Vampiren, Lykanthropen und Dämonen, es gibt auch noch weitere Schattenwandler.

Die Handlung an sich steht durch diese ganzen Einführungen in eine neue Welt ziemlich im Hintergrund. Leider sind gerade die Momente, in denen tatsächlich etwas geschieht, häufig nicht besonders gelungen. Es will nicht in meinen Kopf dass es einem so mitfühlenden Wesen wie Isabella nichts ausmacht, töten zu müssen. Es ist allerdings ohnehin Isabella, an der meine Liebe zu diesem Buch scheitert. Sie wird schnell nervenaufreibend, ist bezüglich ihrer Ängste und Schwächen extrem unrealistisch konstruiert und hat außerdem die fast schon krankhafte Angewohnheit, ständig die Fäuste in die Hüfte zu stemmen. Wenn ich gezählt hätte, wie oft sie das tut, wäre die Zahl bestimmt dreistellig geworden – und das bei einem Buch, das nur 375 Seiten hat.
Obwohl ich es geschafft habe, trotz Werwölfen, Vampiren, Prägung, Jacob und Isabella, die Bella genannt wird, nur ganz selten an die Bi(s)-Saga von Stephenie Meyer zu denken, konnten die Hauptcharaktere meine Sympathie einfach nicht gewinnen.

Fazit:
Das Buch enthält ein wunderbares Stück Fantasy, sympathische Nebencharaktere, zu viele Sexszenen, zu wenig überzeugende Handlung und nervtötende Protagonisten. Die Welt der Dämonen und die Dämonen selbst gefallen mir außerordentlich gut, aber die Idee wäre in einem anderen Genre besser aufgehoben gewesen, in dem die zahlreichen Möglichkeiten in spannende Handlung umgesetzt worden wären und nicht in dauerhaften, ungeschützten Geschlechtsverkehr zwischen zwei ziemlich anstrengenden Protagonisten. Leider schafft es „Jacob“ daher nur auf drei Schreibfedern.


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