Donnerstag, 21. August 2014

[Rezension] Schattenwandler: Damien – Jacquelyn Frank



Titel: Damien
Autor: Jacquelyn Frank
Verlag: Egmont LYX
Erscheinungsdatum: 01. November 2010
Einband: Softcover
Seiten: 397
ISBN: 978-3-802583-29-2
Preis: 9,95 € [D]

Klappentext:
Der mächtige Vampirprinz Damien hat sein Leben dem Schutz aller Schattenwandler verschrieben. Als die Prinzessin der Lykanthropen entführt wird, riskiert Damien alles, um sie zu retten. Nichts hat ihn jedoch auf die Leidenschaft vorbereitet, die Syreena in ihm entfacht. Aber diese Liebe darf nicht sein, bringt sie doch die Welt der Schattenwandler in höchste Gefahr...

Einordnung:
- Jacob (Teil 1) 
- Gideon (Teil 2) 
- Elijah (Teil 3) 
- Damien (Teil 4)
- Noah (Teil 5)
- Adam (Teil 6)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten drei Teile enthalten!

Zum ersten Mal ist der Protagonist des Buches kein Dämon, sondern ein Vampir. Das gibt viel Raum, um mehr über diese Spezies zu erfahren. Die Autorin nutzt die Gelegenheit, um viele interessante Informationen in die Geschichte einzubauen. Nach den drastischen Veränderungen im Volk der Dämonen und den auch nicht ganz unwesentlichen Neuerungen bei den Lykanthropen, gibt es jetzt auch bei den Vampiren eine dramatische Weiterentwicklung. Doch diese betrifft nicht nur die Vampire, sondern alle Schattenwandler, denn es geht um das Gesetz, dass es Vampiren verbietet, das Blut anderer Schattenwandler zu trinken.
Als ich gelesen habe, aus welchem Grund das Gesetz erlassen wurde, konnte ich nur stumm fluchen. Und dass ich mich so in eine Geschichte einfühle, passiert nicht häufig. Es spielt keine Rolle, wie mächtig Ruth bisher durch die schwarze Magie geworden ist, mich lässt das Gefühl nicht los, dass sie in Zukunft das kleinere Problem sein wird. Diese Ablenkung tut der Geschichte sehr gut, denn würde sich der Teil des Buches, der sich nicht um die Liebesgeschichte dreht, schon wieder nur mit Ruth, ihren Plänen und ihren Angriffen beschäftigen, würde der Spannungsbogen in naher Zukunft in sich zusammen fallen. Doch statt die Hauptcharaktere der bisherigen Bücher weiter von einer wahnsinnigen Verräterin bedroht werden zu lassen, hat Jacquelyn Frank eine neue, noch viel größere Gefahr geschaffen. Das ist ein Grund, warum ich so durch das Buch geflogen bin.

Dieses Buch führt aber nicht nur weiter in das Volk der Vampire ein, sondern erklärt auch viele noch fehlende Details zu den Schattenwandlern im Allgemeinen. Es beginnt damit, dass sich Ruth und ihre Gefolgsleute zu Beginn der Geschichte auf dem Gebiet der Mistrale aufhalten. Die einzige Mistralsirene, die bisher in Erscheinung getreten ist, ist Windsong. Außer den Tatsache, dass Mistrale betörende Stimmen haben, alle Krankheiten heilen und sich in Vögel verwandeln können, ist jedoch noch nichts über sie bekannt. Da ich diese Art von Fantasywesen bisher noch nicht kannte, finde ich die Fähigkeiten der Mistrale sehr beeindruckend. Die ungewöhnlichen Ideen machen das Buch an dieser Stelle sehr leicht zu lesen.
Doch neben den Mistralen gibt es noch eine weitere Spezies, die bisher überhaupt keine Beachtung in den Büchern gefunden hat. Das sind die Schattenbewohner. Sie treten zum ersten Mal in Erscheinung bei einem historischen Ereignis – dem Treffen aller Anführer aller Schattenwandler. Es hat mehr als tausend Jahre gedauert, doch aufgrund der akuten Bedrohung aller Schattenwandler durch Ruth finden sich der König der Dämonen, die Königin der Lykanthropen, der Prinz der Vampire, die Ältesten der Mistrale, die erste Druidin und der Kanzler und die Kanzlerin der Schattenbewohner zu einem Treffen zusammen. Ich habe die Macht in dem Raum gespürt. Es war wirklich ein beeindruckender Gänsehautmoment, etwas, das ich in der bisherigen Geschichte vermisst habe.

Es werden jedoch nicht nur Spezies der Schattenwandler neu oder genauer eingeführt, sondern auch weitere Charaktere. Diesen stehe ich ein bisschen zwiespältig gegenüber. Auf der einen Seite gibt es Jasmine, die seit fünfhundert Jahren in Damiens Gefolge lebt, sehr eng mit ihm vertraut ist und jede Gefahr gemeinsam mit ihm überstanden hat. Sie ist sehr stark, doch ihre Zuneigung zu Damien ist ihre größte Schwachstelle. So ist es ziemlich verständlich, dass sie Syreena gegenüber sehr abgeneigt ist. Anders als bei den meisten andere Charakteren sind ihre Gedanken und Beweggründe nicht leicht zu durchschauen, wodurch sie geheimnisvoll wirkt und die Aufmerksamkeit des Lesers mehr weckt als andere Charaktere. Als ihr dann die Möglichkeit offen steht, sich Syreena vom Hals zu schaffen, hat die Autorin mit einem gemeinen Cliffhanger die Szene so wirkungsvoll unterbrochen, dass ich mit der Angst weiterlesen musste, Jasmine könnte ebenfalls zu einer Verräterin werden.
Auf der anderen Seite gibt es natürlich die Protagonisten Syreena und Damien. Obwohl sie mir im letzten Teil noch gut gefallen hat, entwickelt sich Syreena jetzt eindeutig in eine negative Richtung. Ihre Harlekingestalt und ihr unnatürlichen Kräfte können noch so faszinierend sein, es lenkt nicht davon ab, dass sie fast die gesamte Geschichte über trotzig, anstrengend und bisweilen nervtötend wie ein kleines Kind ist. Sie hat bisher fast ihr gesamtes Leben im Kloster gelernt, immer bevormundet und ohne Liebe und Zuneigung, aber diese Entschuldigung ist für mich nicht gut genug, um darüber hinwegzusehen, dass die Szenen mit ihr wirklich nicht schön zu lesen waren.
Damien mag ich nach wie vor. Seine Besonnenheit, seine Kraft und seine Selbstlosigkeit sind beeindruckend. Er ist meist die Ruhe selbst und ein würdiger Prinz der Vampire. Aber er ist auch ein absoluter Einzelgänger. Das ist, neben dem Herrscherstatus, die einzige Gemeinsamkeit, die er mit Syreena teilt. Beide sind so sehr Einzelgänger, dass ihre Liebe es nicht leicht hat. Grundsätzlich ist das eine gute Idee, doch im Verlauf der Geschichte sorgt das dafür, dass beinahe sämtliche Authentizität verloren geht. Die Zuneigung wirkt nicht echt, die Beziehung gespielt. Das nimmt der Liebesgeschichte sämtlichen Reiz und ich konnte nur noch um Damiens willen hoffen, dass Jasmine Syreena nicht irgendwann an die Kehle geht.

Fazit:
Eine neue Gefahr bedroht die Schattenwandler, die sogar noch gefährlicher ist als die wahnsinnige Ruth. Dadurch wird der Spannungsbogen weiter aufgebaut und die Geschichte nimmt gerade noch rechtzeitig eine Wendung, um nicht langweilig zu werden. Außerdem hat die Autorin es endlich geschafft, Gänsehautmomente unterzubringen. Doch das hilft nicht darüber hinweg, dass die Protagonistin mit ihrem kindischen, sehr anstrengenden Verhalten ziemlich daneben ist und die gesamte Liebesgeschichte vollkommen aufgesetzt und gestellt wirkt. Leider kann ich „Damien“ daher trotz der wunderbaren restlichen Handlung nur drei Schreibfedern geben.


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