Montag, 25. August 2014

[Rezension] von Bitterweg. Das DuneburgDebakel – Platti Lorenz



Titel: von Bitterweg. Das DuneburgDebakel
Autor: Platti Lorenz
Verlag: neobooks Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 18. August 2014
Einband: eBook
Seiten: 347
ISBN: -
Preis: 5,99 € [D]

Klappentext:
Aiden Wirket weiß, wer er ist. 
Er ist Aiden Wirket aus Dormizien, dem unbedeutendsten Landstrich mitten im tiefsten Nirgendwo. Niemand geht dort hin. Niemand kommt von dort. Niemand kennt es. Nur die Bewohner haben die Angewohnheit, dort zu bleiben. Nun ja, alle bis auf Aiden.
Wie gesagt: Aiden Wirket weiß, wer er ist. Gut, zumindest wissen es die Leute, denen er in und auf seinem Weg nach Duneburg begegnet. Fern seiner Heimat ist er demnach Kopfgeldjäger, Aushilfe, öffentliches Ärgernis, Begleitung, Ordnungshüter, Auslöser ... Tja, bis er sich schließlich als Hauptverdächtiger in einem städtischen Debakel mit übernatürlichen Akteuren wiederfindet.

Einordnung:
- Das DuneburgDebakel (Teil 1)
- zwei weitere Teile sind geplant

Rezension:
Aiden Wirket ist ohne Zweifel ein faszinierender Protagonist. Er gehört zu den Menschen, die Dinge erst für unmöglich halten, wenn sie selbst daran gescheitert sind. Außerdem ist er sich seiner Fähigkeiten meistens sehr bewusst und geht entsprechend entspannt und ausgeglichen durch das Leben. Wenn er weiß, dass er nichts daran ändern kann, dass er zum Tode verurteilt in einer Arrestzelle sitzt, dann nimmt er die Situation hin. Diese Ruhe ist sein beeindrucktester Charakterzug, finde ich. Insgesamt ist er durchaus sympathisch, allerdings fehlt ihm meiner Meinung nach in einigen Szenen die Ausstrahlung, die bei den anderen Charakteren deutlich anzukommen scheint, wodurch sie in Angst und Schrecken versetzt werden.
Mein Lieblingscharakter ist eindeutig Nitja Belting. Der junge, mysteriöse Mann legt einen so geheimnisvollen ersten Auftritt hin, dass die Geschichte deutlich an Spannung zulegt und ich sehr neugierig war, was es mit ihm auf sich hat. Gleichzeitig ist sein Auftauchen das erste Anzeichen dafür, dass in diesem Buch übernatürliche Kräfte am Werk sind.

Diese Kräfte sind eine tolle Idee der Autorin. Mir gefallen die grundlegenden Fantasyaspekte des Debakels in Duneburg. Immer wieder werden in der Stadt mysteriöse Runen an Wände und Mauern geschmiert. Niemand scheint zu wissen, woher sie kommen und wozu sie gedacht sind. Doch es ist ganz offensichtlich, dass in Duneburg etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Als Aiden die Stadt betritt, hört er in allen Straßen einen merkwürdigen Gesang. Die Menschen sind geistig abwesend und sammeln sich immer wieder in Scharen auf dem Marktplatz, wo sie anscheinend ein merkwürdiges Gebilde anbeten. Das tempelähnliche Gebäude scheint die Gedanken der Menschen zu kontrollieren und ihr Verhalten zu steuern. Und diese Magie streckt ihre Finger auch nach Aiden aus.
So sehr ich die spezielle Idee, die hinter dem Tempel steckt, auch mag, so verwirrt bin ich bezüglich der Welt, in der diese Geschichte spielt. Offenbar gibt es Magie, Zauberbanne und magische Wesen, doch der Rahmen der Möglichkeiten wird in diesem Buch kein bisschen abgesteckt. Im Laufe der Handlung werden viele Dinge deutlich, die in der von der Autorin erschaffenen Welt möglich sind, allerdings gibt es keinerlei Einschränkungen, welche Dinge nicht möglich sind. Ich bin gespannt, ob die beiden noch folgenden Teil den Rahmen etwas enger setzen werden.

Auch einige andere Dinge sind teilweise merkwürdig. Beispielsweise wird Aiden zu Beginn des Buches, als er in einer Herberge um ein Zimmer bittet, von den Anwesenden für einen Kopfgeldjäger gehalten. Doch statt sich bedeckt zu halten, erzählen ihm viele Männer, dass ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt ist und wie hoch es ist. Das hat mich so verwirrt, dass ich tatsächlich nachgeschlagen habe, was ein Kopfgeldjäger ist. Auch mit dem Hinweis im Hinterkopf, dass es sich um das Genre Funny Fantasy handelt, kann ich das nicht ganz nachvollziehen, auch wenn sich das daraus entstehende Gespräch durchaus einen Lacher verdient hat – obwohl meine humoristische Ader nicht besonders ausgeprägt ist.

Positiv hervorheben kann ich aber auf jeden Fall das Ende des Buches. Die Auflösung der merkwürdigen Geschehnisse in Duneburg ist nicht nur sehr gelungen, sondern rundet diesen Haupthandlungsstrang auch gut ab. Damit ist diese Geschichte in sich abgeschlossen und nicht einfach willkürlich unterbrochen, um sie im nächsten Teil fortzusetzen. Nichtsdestotrotz gibt es auch Anspielungen, die neugierig auf den zweiten Teil machen, denn Aiden wird nun unter anderem von Nitja begleitet werden. Außerdem sind in einem Gespräch ein paar Anmerkungen zu Aiden gefallen, die viel Potenzial für die Fortsetzungen bieten und definitiv noch geklärt werden müssen.

Fazit:
Das Debüt ist Platti Lorenz gut gelungen. Die Charaktere sind sympathisch und vielfältig, auch wenn hin und wieder ein Stück Ausstrahlung auf der Strecke bleibt. Gemeinsam mit dem Protagonisten Aiden lernt der Leser Schritt für Schritt mehr über die merkwürdigen, übernatürlichen Vorkommnisse. Hinter der Geschichte steckt ein wunderbares Stück Fantasy, auch wenn die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten in der Welt im Allgemeinen durchaus eine nähere Erläuterung vertragen könnten. Trotz einiger Ungereimtheiten bekommt „von Bitterweg. Das DuneburgDebakel“ solide vier Schreibfedern von mir.


An dieser Stelle möchte ich mich für das Rezensionsexemplar herzlich bei der Autorin Platti Lorenz bedanken.

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