Dienstag, 23. September 2014

[Rezension] Die Bestimmung: Tödliche Wahrheit – Veronica Roth



Titel: Die Bestimmung – Tödliche Wahrheit
Autor: Veronica Roth
Verlag: cbt
Erscheinungsdatum: 10. Dezember 2012
Einband: Hardcover
Seiten: 506
ISBN: 978-3-570161-56-2
Preis: 17,99 € [D]

Klappentext:
In einer ungewissen Zukunft, in der die Fraktionen zerfallen, gibt es keine Sicherheiten mehr. Außer der einen: Wo auch immer ich hingehe – ich gehe dorthin, weil ich es will…
Drei Tage ist es her, seit die Ken mithilfe der ferngesteuerten Ferox-Soldaten unzählige Altruan umgebracht haben. Drei Tage, seit Tris' Eltern starben. Drei Tage, seit sie selbst ihren Freund Will erschossen hat – und aus Scham und Entsetzen darüber schweigt. Mit den überlebenden Altruan haben Tris und Tobias sich zu den Amite geflüchtet – doch dort sind sie nicht sicher, denn der Krieg zwischen den Fraktionen hat gerade erst begonnen. Wieder einmal muss Tris entscheiden, wo sie hingehört – selbst wenn es bedeutet, sich gegen die zu stellen, die sie am meisten liebt. Und wieder einmal kann es nur Tris in ihrer Rolle als Unbestimmte gelingen, die Katastrophe abzuwenden...

Einordnung:
- Die Bestimmung (Teil 1)
- Die Bestimmung: Tödliche Wahrheit (Teil 2)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Das Buch schließt nahtlos an die Stelle an, an der das letzte Buch aufgehört hat, sofern die letzten neun Zeilen, die dadurch noch weniger Sinn machen, gekonnt ignoriert werden. Es gibt also keine neuen Gegebenheiten, in die der Leser erst eingeführt werden muss, sodass die Handlung direkt fortgeführt wird und nicht schleppend anläuft. Das ist besonders angenehm, weil ich den zweiten Band der Reihe direkt nach Beenden des ersten Teils angefangen habe und mir so nicht erneut schildern lassen musste, was ich gerade erst gelesen hatte.

Obwohl Tris die Simulation erfolgreich beendet hat, sodass die Ferox nicht weiter ferngesteuert unschuldige Menschen töten, kommt es im Verlaufe des Buches weiterhin zu vielen Todesfällen. Die Ken plädieren inzwischen offen für eine Machtübernahme und haben eine Menge Ferox an ihrer Seite, die alle Unbestimmten und alle Altruan, die sie finden können, töten. Da im vorangegangenen Teil eine ganze Menge Charaktere gestorben sind, gibt es viele Rollen, die ersetzt werden müssen. Doch auch von ihnen bleiben einige nicht lange, denn jetzt, wo die Fraktionen sich aufgelöst haben, sind die Feinde überall zu finden, nicht bloß in ihrem Hauptquartier.
Morde und tödliche Zwischenfälle sind jedoch nicht die einzigen Vorkommnisse, die für eine ziemlich harte Geschichte sorgen. In den Straßen der Stadt treffen Tris und Tobias auf die Fraktionslosen, die ganz anders leben als man sie im Fraktionssystem hat glauben machen. Doch die vermeintlich positiven Absichten erscheinen Tris nicht ganz aufrichtig, Tobias dagegen hat keine Zweifel. Der Konflikt, der sich daraus für Tris ergibt, ist authentisch beschrieben und heizt die Geschichte mit Verrat und Schmerz noch weiter an.

Aber nicht nur diese Situation fordert ihren Tribut von Tris. Die Stadt ist in viele Teile zerfallen und jeder verfolgt eine eigene Strategie. So kommt es, dass alle Tris für ihre Ziele einspannen wollen. Da sie eine Unbestimmte ist, steht sie zunächst einmal natürlich auf der Seite der Candor, der Amite und der friedlichen Ferox. Doch die Ken sind Wissenschaftler und Tris‘ Fähigkeit, den Simulationen zu widerstehen, macht sie auch zu einem interessanten Forschungsobjekt. Andererseits ist sie jedoch als Altruan aufgewachsen und diese haben die Fraktionslosen immer unterstützt, die nun möglicherweise die einzigen Menschen sind, die die Ken noch aufhalten können. Und jeder erzählt eine andere Geschichte der Wahrheit, die doch alle irgendwo einen Haken haben, sodass Tris nicht weiß, wem sie wirklich glauben soll, wer die Wahrheit sagt und vor allem, welche Alternative die Beste ist. Das kann ich auch gut nachvollziehen, denn da die Geschichte auch dieses Mal in der Ich-Form aus Tris‘ Perspektive geschildert wird, kommt es auch dem Leser vor wie eine Wahl zwischen Pest und Cholera.

Das alles sorgt für eine wirklich spannende Fortsetzung der Geschichte. Alle Befürchtungen, der zweite Band könnte bloß ein Übergang zwischen Einleitung und Finale sein, sind unbegründet. Zwar bleiben viele Handlungsstränge für den letzten Teil offen, doch der Kampf um die Informationen der Altruan, der den Simulationsangriff durch die Ken und die Ferox im ersten Teil erst ausgelöst hat, findet in diesem Band sein fulminantes Ende, sodass der Haupthandlungsstrang dieses Buches in sich abgeschlossen ist. Dabei geht es wirklich hoch her und immer, wenn der höchste Spannungsgipfel scheinbar erreicht ist, setzt die Autorin noch eins oben drauf, sodass selbst in den allerletzten Zeilen noch eine wirklich große Bombe platzt.

Fazit:
Das Buch ist eine gelungene Fortsetzung, in der Tris natürlich mit den Folgen des zerbrochenen Fraktionssystems zu kämpfen hat, in der aber doch auch ihre privaten Probleme immer wieder in den Vordergrund rücken und sie so menschlich und realitätsnah erscheinen lassen. Der Kampf um die Führung der Stadt zeigt, dass die Unterdrückung von Menschen Kräfte freisetzt, die kaum zu kontrollieren sind, und dass Macht für viele eine Versuchung darstellt, nicht bloß für die Ken. Für die „Tödliche Wahrheit“ gibt es von mir vier Schreibfedern.


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