Mittwoch, 26. November 2014

[Rezension] Das Haus Komarow – Axel Saalbach



Titel: Das Haus Komarow
Autor: Axel Saalbach
Verlag: Latos Verlag
Erscheinungsdatum: 24. Oktober 2014
Einband: Softcover
Seiten: 447
ISBN: 978-3-943308-58-7
Preis: 12,99 € [D]

Klappentext:
Unzählige Jahre des Krieges lasten auf Deutschland, das nur noch der unbedeutende Teil eines riesigen russisch-europäischen Zarenreichs ist. Technologie ist verschwunden, soziales Leben findet nicht mehr statt und die Bevölkerung leidet. Die Polizeigewalt wird von Söldnern ausgeübt, die im Dienste von Versorgerclans stehen und ihre Macht ausnutzen, um die Menschen zu terrorisieren. Erst als einem dieser Clans, dem Hause Komarow, die Herrschaft über das deutsche Gebiet zugesprochen wird, keimt Hoffnung auf. Nach dem heimtückischen Mord am Oberhaupt der Familie liegt es an einem einzigen Mann, diese Hoffnung nicht sterben zu lassen...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Das Buch spielt im Jahre 2208 im ehemaligen Deutschland. Der Protagonist heißt Anatol Komarow und ist der Bruder des derzeitigen Familienoberhauptes. Er hält sich jedoch nicht mehr in Berlin auf, sondern ist auf der Flucht, da er wegen eines Verbrechens gesucht wird, das er nicht begangen hat. Doch die einzige Möglichkeit, sich zu rehabilitieren und das Leid des Volkes zu beenden, mit dem er ein Jahr lang anonym lebt und leidet, besteht darin, in die Hauptstadt zurückzukehren und seine Unschuld zu beweisen.
Das erweist sich jedoch als schwieriges Unterfangen, denn die Gardisten des Hauses Komarow, die überall im Land die Polizeigewalt ausüben, kennen sein Gesicht. Die sanfte Einführung in die Situation zu Beginn des Buches verdeutlicht ziemlich schnell, wie wichtig es ist, dass Anatol es schafft, seine Unschuld zu beweisen. Dadurch steigert sich die Spannung während seiner Reise immer mehr und erreicht bei jedem Zwischenfall einen neuen Höhepunkt. Denn nachdem er einmal aufgeflogen ist, heftet sich ein machthungriger Gardist namens Timur Kirsipuu an seine Fersen und lässt sich einfach nicht abschütteln. Immer wieder gerät Anatol dadurch in Lebensgefahr und die Umstände zwingen ihn, wirklich kreative Lösungen für seinen Weg zu finden. Und je mehr sich die Geschichte dem Ende nähert, desto mehr steigt die Spannung.

Natürlich bleibt bei so einer Verfolgungsjagd in einem vom Krieg zerfressenen Land, in dem Menschenleben nichts wert sind, die Gewalt nicht aus. Im Laufe der Geschichte gibt es viele Tote und viel Blut, aber das Buch ist nicht unnötig brutal. Gezielte Morde werden zwar explizit beschrieben, aber ohne unnötige Details. Es ist eine ausgewogene Mischung zwischen ermordeten Menschen, die das Leben verdient hätten, und tatsächlichen Überlebenden. Trotz der häufig präsenten Gewalt artet es nie in ein Massengemetzel aus, sodass das Buch seine Authentizität und seine Spannung hält.
Dennoch liegt in den Todesfällen auch eine der Schwächen des Buches, denn meiner Meinung nach gibt es ein bisschen zu viele Kopfschüsse. Es ist nicht nur so, dass die Gardisten und alle anderen Widersacher Anatols eine ziemliche Vorliebe für diese Art der Exekution zu haben scheinen, sondern dass sie darin auch noch verdammt gut sein müssen. Im Grunde ist dieses Detail nicht wichtig, aber es ist mir dennoch aufgefallen, dass die Schützen teilweise sogar bewegliche Ziele in einiger Entfernung noch mit einem Kopfschuss niederstrecken.

Auch einige andere Details sind mir hängen geblieben, ohne allerdings zu sehr zu stören. Zum einen mag ich Anatols Hund Diesel für seine Loyalität und seinen Gehorsam wirklich gern, doch manchmal war er gerade dadurch etwas zu menschlich. Besonders aufgefallen ist mir das in einer Szene, die aus Diesels Perspektive geschildert wird. Zum anderen taucht zwischenzeitlich eine Gruppe Kinder in der Geschichte auf, die mir ein bisschen zu überzeugend und zu schlagkräftig sind. Da es den Menschen in der deutschen Oblast verboten ist, Kinder zu bekommen, ohne eine Abgabe zu verrichten, gibt es viele illegale Kinder. Diese müssen von Geburt an um ihr Leben fürchten und kämpfen täglich ums Überleben. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass die Jüngsten erst drei oder vier Jahre alt und die Ältesten auch kaum zehn Jahre älter sind, sind sie bei ihren waghalsigen Unternehmungen, die eigentlich Kamikazeaktionen sein sollten, einfach zu erfolgreich. Insgesamt sind diese Unstimmigkeiten aber nur geringfügig und lassen sich auch leicht überlesen.

Durchweg positiv ist mir dagegen die Sprache aufgefallen. Sie ist sehr schön an die Zeit und die Umstände angepasst. Der Autor verzichtet nicht nur auf die denglischen Ausdrücke und modernen Wortneuschöpfungen der heutigen Sprache, sondern ersetzt die Begriffe sogar teilweise durch Wörter aus der Zeit, in der Russland noch ein Zarenreich war. Beispielsweise wird der deutsche Verwaltungsbezirk als deutsche „Oblast“ bezeichnet und Entfernungen werden in „Werst“ gemessen. Obwohl ich diese Begriffe nachschlagen musste, hat es nicht gestört, denn es sind der Zeit angepasste Begriffe und nicht bloß ausgefallene und im Grunde unnötige Synonyme. Außerdem erklären sich viele der Begriffe von selbst, sodass der Lesefluss dadurch nur selten unterbrochen wird.

Fazit:
Das Buch ist ein dystopischer Thriller, in dem eine Menge Russen auftauchen – für mich ideal. Die Geschichte ist von Anfang an spannend und hat mit Anatol Komarow einen sehr sympathischen Protagonisten. Außerdem ist die Sprache gut an die Umstände angepasst und obwohl viel Blut fließt, ist das Buch nicht unnötig brutal. Im Detail weist das Buch einige kleine Schwächen auf, insgesamt die Geschichte aber wirklich gelungen. „Das Haus Komarow“ ist ein großartiges Debüt und bekommt daher absolut verdiente vier Schreibfedern von mir.



 Ich bedanke mich ganz herzlich bei Axel Saalbach für dieses Rezensionsexemplar!

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