Sonntag, 9. November 2014

[Rezension] Die Auserwählten: In der Todeszone – James Dashner



Titel: Die Auserwählten – In der Todeszone
Autor: James Dashner
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: Mai 2013
Einband: Hardcover
Seiten: 455
ISBN: 978-3-551520-36-4
Preis: 19,99 € [D]

Klappentext:
Thomas wird sich auf keinen Fall den Kopf aufschneiden lassen! Auch wenn er durch diese Operation sein Gedächtnis zurückbekommen soll. Denn den Wissenschaftlern von ANGST darf man nicht trauen. Nicht nach all den grausamen Prüfungen, die Thomas und seine Freunde durchstehen mussten. Nicht nach all den Versprechen, die gebrochen worden sind. Thomas muss endlich dafür sorgen, dass ANGST ihn nie wieder kontrollieren und manipulieren kann.

Einordnung:
- Kill Order (Prequel)
- Phase Null (Prequel 2)
- Im Labyrinth (Teil 1) 
- In der Brandwüste (Teil 2) 
- In der Todeszone (Teil 3)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten beiden Teile enthalten!

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr enttäuscht mich dieses Buch. Eigentlich sollte ich wohl mit den Charakteren leiden und ANGST dafür hassen, dass ihre Arbeit immer mehr Jugendliche das Leben kostet. Leider geht nur das nur bei meinen beiden Lieblingscharakteren so, ansonsten interessiert mich mehr die wissenschaftliche Arbeit, die ANGST leistet. Wie schon im letzten Buch, arbeitet die Organisation auch in diesem Teil wieder sehr sauber, da sie beispielsweise eine Kontrollgruppe gemeinsam mit der Experimentalgruppe untersucht. Wie sich herausstellt, sind einige Lichter immun gegen den Brand, mit dem sie infiziert wurden. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass diejenigen Lichter, die der Kontrollgruppe zugeordnet sind, nicht immun sind. Während es mich bei einem meiner Lieblingscharaktere wirklich getroffen hat, obwohl es von Anfang an offensichtlich war, dass er wohl nicht immun sein würde, hat mich ansonsten eher fasziniert, dass der Autor an solch banale Dinge wie eine Kontrollgruppe gedacht hat. Obwohl ich die meisten Charaktere schon 900 Seiten lang begleitet habe, konnte ich noch immer keinerlei Bindung zu ihnen aufbauen, sodass sie mir im Endeffekt gleichgültig waren.
Aber auch das Leiden mit dem nicht-immunen Charakter fiel mir schon bald nicht mehr leicht, weil er wirklich extrem rapide abbaut. Die Erklärung dafür lautet, dass sich die vielen Entscheidungen, die er treffen muss, und die ständige hohe Hirnaktivität für den Brand förderlich auswirken. Mir stellt sich dabei allerdings die Frage, warum das erst jetzt der Fall ist und nicht schon die ganze Zeit vorher, die er bereits infiziert war. Für sehr lange Zeit ist sein Verhalten absolut normal gewesen und plötzlich baut er so schnell ab, dass er von einem Moment auf den anderen nicht mehr zurechnungsfähig ist. Das sollte vermutlich das Drama erhöhen, für mich klingt es aber eher als hätte der Autor sich das beim Schreiben spontan überlegt und den Würfel entscheiden lassen, wer nicht immun sein soll.

Doch auch andere Szenen lassen die mühsam aufgebaute Spannung platzen. Gemeinsam mit einigen Freunden flieht Thomas aus dem Quartier von Angst und landet in der Stadt Denver, die eigentlich eine Quarantänezone frei von Infizierten darstellen soll. Es wird jedoch schnell klar, dass das nicht funktioniert hat. Ab da besteht der Aufenthalt in Denver scheinbar nur noch aus langatmigen Szenen, die sich immer wieder im Kreis drehen. Verschiedene Charaktere tauchen auf und wieder unter, ohne dass so recht deutlich wird, welcher Sinn ihr Auftreten hat.
Auch steckt viel mehr Potenzial in dem Buch als genutzt wird. Plötzlich scheint sich von allen Seiten Widerstand gegen ANGST und deren Experimente aufzutun. Doch alles wird nur über ein paar Seiten kurz erwähnt, um den Charakteren aus der Patsche zu helfen, wenn es anders nicht mehr weiter geht. Jeder macht sein eigenes Ding oder auch nicht und es ist völlig unklar, was aus den einzelnen Parteien (abgesehen von Thomas und seinen Freunden) eigentlich wird.
ANGST selbst scheint aber auch ein bisschen den Faden verloren zu haben. Ein Großteil der Geschichte besteht aus Handlung, die nichts mit ANGST zu tun hat. Überhaupt scheint ihnen das ganze Experiment nicht mehr wichtig zu sein. In den vorherigen Teilen haben sie jedes Detail penibel geplant, extremen Aufwand nicht gescheut und sogar ihre eigenen Regeln gebrochen, wenn etwas unerwartet schief gelaufen ist. Aber plötzlich tun sie gar nichts mehr und überlassen alles dem Zufall. Ich hatte erwartet, dass sie ihren Plan mit Gewalt durchsetzen würden, doch für so eine große, mächtige Organisation ist es fast schon armselig, Thomas einen einzigen Mann auf den Hals zu hetzen. Der einzige wirkliche Kampf, den Thomas noch führt, ist der mit seinem Gewissen.

Zum Ende hin bessert sich das Buch noch einmal und es wird wirklich spannend. Ich habe Schreckliches vermutet, das jedoch einen absolut passenden Schluss dargestellt hätte bei der Menge an Dingen, die misslungen sind. Stattdessen versucht der Autor auf den allerletzten Seiten, das Ruder noch schnell herum zu reißen und ganz fix in ein harmonisches Happy End zu steuern. Dafür zaubert er sogar einen ganz wundervollen, friedlichen Ort aus dem Hut. Ein unpassenderes Ende hätte die Geschichte kaum haben können. Es steht von jetzt auf gleich im krassen Gegensatz zum Zustand der Welt und zu allen bisherigen Geschehnissen. Ich mag Happy Ends, aber nicht so.

Fazit:
Der Abschluss der Trilogie hat mich fast durchgehend enttäuscht. Viele Szenen sind langatmig, Charaktere tauchen ohne ersichtlichen Grund auf und verschwinden ins Nichts, Andeutungen mit viel Potenzial werden einfach links liegen gelassen und ANGST verliert die eigenen Ziele irgendwie aus den Augen. Ansprechend ist nur, dass viele Charaktere ihr gerechtes Schicksal erwartet. Obwohl das Ende sehr unpassend ist, bauen die Szenen zuvor aber noch einmal enorme Spannung auf und reißen richtig mit, sodass „In der Todeszone“ so gerade noch auf drei Schreibfedern kommt.


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