Freitag, 28. Februar 2014

[Rezension] Timmy und die Allergomörder – Cornelia Franke



Titel: Timmy und die Allergomörder
Autor: Cornelia Franke
Verlag: Papierfresserchens MTM-Verlag
Erscheinungsdatum: 12. Dezember 2010
Einband: Softcover
Seiten: 252
ISBN: 978-3-861960-19-5
Preis: 11,50 € [D]

Klappentext:
Timmy hat es satt, weiterhin wie ein Kind behandelt zu werden! Daher schwindelt er bei seinem Alter, als er zu seinem Onkel in das ferne Onnipolis zieht. Leider hat er nicht geahnt, dass dort jeder ab vierzehn per Gesetz einen Beruf haben muss. Egal ob Laternenauspuster, Briefmarkenkleber oder Bettler.
Doch was genau steckt hinter den Allergomördern, die die Onnipolianer mit ihren Allergie-Attentaten in Aufruhr versetzen? Ihre Geheimnisse zu ergründen, wird zum aufregendsten Abenteuer, das Timmy und seine neuen Freunde bisher erlebt haben.

Einordnung:
„Timmy und die Allergomörder“ ist eine abgeschlossene Geschichte und kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Onnipolis, die Sternenstadt, ist eine Hafenstadt im Haberland, in der alles möglich ist. Ein Flyer behauptet, dass dort jeder sein Glück findet. Das erscheint bei den Schilderungen der Autorin auch nicht unmöglich. Denn obwohl dort jeder ab 14 Jahren arbeiten muss, steht es demjenigen frei, sich seinen Wunschberuf auszusuchen. Sollte es diesen Beruf noch nicht geben, muss er bei den Akkuraten Ämtern angemeldet werden. So gibt es neben den Uhrenstellern und Laternenauspustern auch Glaspolierer, Obst- und Gemüseübersetzer, Briefmarkenkleber, Postkartenschreiben, die Zweite Meinung und jeden anderen vorstellbaren Beruf. In Onnipolis können alle Träume wahr werden.
Doch damit nicht genug, auch viele Namen sind amüsant gewählt. So heißt der Arzt etwa Doktor Wu Doo, der Bestatter Daun Ander, die Kopiererin Kate Dupli und für das Steuerwesen sind die Beamten Böhse, Macht, Uns und Fröhlich zuständig. Ich finde es aber fraglich, ob Kinder ab zwölf Jahren den Humor schon verstehen.

Neben diesen wirklich gelungenen Beschreibungen und Details gibt es auch noch weitere kindgerechte Erklärungen. So erfährt Timmy beispielsweise, was Allergien und Allergene sind und wie das Immunsystem funktioniert. In der Geschichte ist also auch ganz geschickt ein bisschen Wissen untergebracht.

Die Figur, die ich am meisten ins Herz geschlossen habe, ist Beth. Sie ist ein sehr nettes, aufgeschlossenes Mädchen, das auch bei den Onnipolianern sehr beliebt ist. Wann immer jemand Hilfe braucht, springt sie ein, ob es nun der Bäcker oder ein Glaspolierer ist. Wenn sie unterwegs ist, braucht sie zwei- bis dreimal so lange für den Weg, weil sie immer wieder einer ihrer Hilfe-Anfälle überkommt. Das alles tut sie unentgeltlich, dafür bekommt sie oft etwas von den Menschen geschenkt, denen sie hilft. Beth ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie jemand in der Gegenwart leben und das Leben genießen kann.

Gestört hat mich, dass das Rätsel um den Verbleib von Timmys Eltern erst sehr spät aufgelöst wird. Es gibt immer wieder Anspielungen auf sie, denen ich aber nicht entnehmen konnte, ob sie gestorben sind oder ob Timmy einfach nicht mehr bei ihnen leben möchte oder darf. Jedes Mal, wenn sie erwähnt wurden, hat sich meine Vermutung geändert. Dass das Rätsel erst auf Seite 170 aufgelöst wird, finde ich persönlich ein bisschen spät. Es war nicht spannend, auf diese Auflösung zu warten, sondern hat einen unangenehmen Beigeschmack hinterlassen. Je länger die Wahrheit unklar geblieben ist, desto mehr hat es mich gestört, da die Geschichte um seine Eltern ziemlich wichtig ist, um Timmy als Person einschätzen zu können.

Ebenfalls negativ anmerken muss ich, dass ich bis jetzt noch nicht verstanden habe, ob die Allergomörder nun tatsächlich die Mörder der 43 Menschen sind, die an Allergieschocks gestorben sind, oder ob diese Menschen einfach ihre Allergien unterschätzt haben. Abgesehen von der Tatsache, dass ich den ganzen Handlungsstrang um diesen Beruf für das empfohlene Mindestalter von zwölf Jahren viel zu heftig finde, verstehe ich nach wie vor nicht, was die Allergomörder eigentlich machen und wer sie beauftragt. Damit geht wohl die gesamte Grundidee der Geschichte an mir vorbei.

Fazit:
Attentäter, die Allergien ihrer Opfer nutzen, um sie zu töten, sind definitiv mal eine neue Idee. Mit Onnipolis hat Cornelia Franke eine fantastische Stadt erschaffen, in denen sich jeder seine Träume erfüllen kann. Das Haberland mit seinen Bewohnern gefällt mir gut, leider verstehe ich nur den wichtigsten Handlungsstrang der Geschichte nicht. Da die Welt mich aber verzaubert hat, bekommt „Timmy und die Allergomörder“ noch drei Schreibfedern, obwohl das Buch mich mit dicken Fragezeichen im Gesicht zurücklässt.


Mittwoch, 26. Februar 2014

[Rezension] Die Roboter auf der Flucht – Wolfgang Bellaire



Titel: Die Roboter auf der Flucht
Autor: Wolfgang Bellaire
Verlag: Nordfriesischer Kinderbuch Verlag
Erscheinungsdatum: 10. Oktober 2012
Einband: Hardcover
Seiten: 247
ISBN: 978-3-944243-11-5
Preis: 17,90 € [D]

Klappentext:
Die skrupellosen Pickersgill Detektive suchen nach den Wobotniks. Sie stecken einen Zirkus in Brand, um die menschenähnlichen Roboter in ihre Gewalt zu bekommen. Kann der 12-jährige Patrick seinen Freunden helfen? Können die Wobotniks ihm helfen? Denn auch Patrick hat ein riesengroßes Problem: Ältere Mitschüler erpressen und hetzen einen bissigen Hund auf ihn.

Einordnung:
Die Roboter kommen (Teil 1)
Die Roboter auf der Flucht (Teil 2)
- Die Roboter im Eis (Teil 3)
nach Neuauflage der gesamten Reihe gibt es außerdem demnächst
- Die zweite Schöpfung (Teil 5)

Rezension:
Der Aufbau des Buches ist im Grunde identisch zum ersten Teil der Reihe. Auch in diesem Buch erzählt der Prolog von Oberst Hickman. Dass die Wobotniks in „Die Roboter kommen“ nicht nur als Kampfroboter ungeeignet, sondern auch der Schrottpresse entkommen sind, bringt nicht nur einen Milliardenverlust für das amerikanische Militär mit sich, sondern auch ein Ermittlungsverfahren wegen Veruntreuung. Um seine Unschuld zu beweisen, braucht der Oberst die Emotionschips der Roboter. Der Rest von ihnen soll endlich in der Schrottpresse landen. So ist der zweite Teil der Roboter-Saga im Grunde eine direkte Konsequenz aus dem ersten Band.
Um die Wobotniks aufzuspüren und zu vernichten, lässt Oberst Hickman von dem amerikanischen Unternehmen Rotmatdom Corp. neue Kampfroboter bauen. Diese haben keinen Emotionschip, sodass sie skrupellos, gewissenlos und grausam sind. Zusätzlich dazu hat der Erfinder der Pickersgill Detektive ihre Programmierung so verändert, dass die Robotergesetze für sie nicht gelten. Deshalb können sie auch Menschen ohne Probleme verletzen, wenn sie der Durchführung einer Mission im Weg stehen. Wie problematisch solche Roboter sind, zeigt sich sehr schnell, denn um die Wobotniks in ihre Gewalt zu bekommen, zünden die Pickersgill Detektive kurzerhand ein Zirkuszelt an – in dem sich 6.760 Menschen befinden. Hier wird schon deutlich, dass die Gefahr für die Wobotniks dieses Mal sehr viel größer ist.

Das gilt auch für die Probleme, die Patrick mit seinen Mitschülern hat. Während das Mobbing durch Sven im ersten Band nur eine nebensächliche Erwähnung war, wird in diesem Teil ein kompletter Handlungsstrang darum aufgebaut. Eine Gang erpresst Schutzgeld von den Schülern und hetzt einen schwarzen, bissigen Rottweiler auf sie, wenn sie nicht zahlen.
Obwohl die beiden Handlungsstränge nie parallel, sondern immer abwechselnd ablaufen, gibt es verbindende Elemente. Ein kleiner Sender samt Empfangsgerät spielt beispielsweise in beiden Fällen eine große Rolle. Trotzdem ist es schade, dass immer eines dieser beiden wirklich großen Probleme ausgeblendet wird und plötzlich scheinbar keine Bedeutung mehr hat, bis Patrick und die Wobotniks gerade wieder keine Beschäftigung haben.

Gefallen hat mir, dass auch die Roboter nicht immer perfekt sind. Selbst Jonathan und seine Familie werden manchmal überwältigt. Und das nicht nur von anderen Robotern, sondern beispielsweise auch von Zirkustieren.
Allerdings ist mir in dem Zusammenhang aufgefallen, dass die Wobotniks scheinbar die einzige glückliche und harmonische Familie sind. Alle menschlichen Familien, die in der Geschichte vorgestellt werden, sind durch und durch kaputt. Immer leben die Eltern getrennt und das alleinerziehende Elternteil ist ein Workaholic, gewalttätig oder psychisch gestört. Es hat mich ein bisschen schockiert, wie häufig die Kinder in diesem Buch von den diversen Erwachsenen geschlagen werden. Natürlich gibt es nicht nur funktionierende Familie in Deutschland, aber dass hier anscheinend nur die Roboter zu einem anständigen Familienleben und einem liebevollen Umgang miteinander imstande sind, gibt mir doch zu denken.

Außerdem habe ich das Gefühl, dass am Ende des Buches beinahe die Rollen vertauscht sind. Dass Patrick ein Roboter ist, der Befehle von Jonathan entgegen nimmt. Er schließt sich ihm nicht nur im Laufe der Geschichte immer wieder an und folgt den Anweisungen, gerade am Ende setzt er viele Dinge um, die Jonathan ihm mit auf den Weg gegeben hat. Es ist zwar ein guter Tipp, sich von den Mitschülern nicht ängstigen zu lassen und Selbstbewusstsein zu zeigen, doch es nimmt ein wenig Überhand. Wenn ich mir ansehe, wie oft Patrick auf den letzten Seiten „Jonathan hat gesagt“, „Jonathan hatte diese Idee“, „Jonathan hat dies und das und jenes“ sagt, habe ich das Gefühl, dass er kaum noch selbst denkt und handelt. Sehr bezeichnend ist dafür auch der letzte Satz des Buches: „Jonathan kann mit mir zufrieden sein.“ (Seite 247)

Trotzdem muss ich sagen, dass ich die Wobotniks wirklich ins Herz geschlossen habe. Dass sie vor den Pickersgill Detektiven fliehen müssen und dafür Hamburg verlassen wollen, sorgt für viele Tränen bei Patrick, der in ihnen eine Art zweite Familie sieht. Auch mich hat er berührt, wie emotional der Abschied ausfällt.

Wie auch schon im ersten Teil gefällt mir wieder, dass der Autor nicht an Fremdwörtern spart. Auch komplexe Sachverhalte sind detailreich dargestellt und, wenn nötig, mit Erklärungen versehen, schließlich versteht Patrick mit seinen zwölf Jahren auch noch nicht alles. So bekommt der Leser ganz nebenbei neues Wissen über die Vorgänge an einem Hafen, lernt etwas über japanische Traditionen und erfährt, warum Schiffscontainer begast werden. Und all diese Informationen sind wunderbar in die Handlung integriert, sodass es einfach nur Unterhaltungen nebenbei sind und aus dem Zusammenhang gerissenen Dialoge, um ein wenig Wissen zu vermitteln.

Fazit:
Auch dieses Abenteuer der Wobotniks ist wieder sehr spannend. Der Schreibstil ist sehr angenehm, das Buch lässt sich flüssig lesen und dass nicht immer alles so funktioniert, wie es soll, macht die Handlung authentisch. Die Wobotniks sind einfach eine Familie zum Gernhaben. Wegen der kleinen Kritikpunkte bekommt „Die Roboter auf der Flucht“ schlussendlich vier Schreibfedern.


Vielen Dank an Wolfgang Bellaire für dieses Rezensionsexemplar.

Sonntag, 23. Februar 2014

[Challenge] Find the Cover 2014




Auch dieses Jahr gibt es wieder eine Challenge von Martina Bookaholic, bei der es darum geht, für jeden Buchstaben des Wortes "2014" einen Gegenstand auf einem Cover zu finden. Dabei darf pro Cover nur ein Gegenstand genutzt werden. Vielleicht schaffe ich es dieses Jahr, das Wort zu vervollständigen.

Z W E I T A U S E N D V I E R Z E H N



Z - Zähne

Titel: Ghostwalker - Die Spur der Katze
Autor: Michelle Raven
Rezension: 4 von 5 Schreibfedern


W - Wimpern

Titel: Mercy - Gefangen
Autor: Rebecca Lim
Rezension: 2 von 5 Schreibfedern


E - Eule

Titel: Die Legende der Wächter - Die Entführung
Autor: Kathryn Lasky
Rezension: 4 von 5 Schreibfedern


I - Insekten

Titel: Radibutz im Hut
Autor: Helmut Glatz
Rezension: 3 von 5 Schreibfedern


T - Top

Titel: Ghostwalker - Pfad der Träume
Autor: Michelle Raven
Rezension: 5 von 5 Schreibfedern


A - Adler

Titel: Ghostwalker - Auf lautlosen Schwingen
Autor: Michelle Raven
Rezension: 3 von 5 Schreibfedern


U - unruhiges Meer

Titel: Die Legende der Wächter - Die Belagerung
Autor: Kathryn Lasky
Rezension: 3 von 5 Schreibfedern


- Spalt in der Wand

Titel: Mauszeiten
Autor: Boris Schneider
Rezension: 5 von 5 Schreibfedern


E - eingefallene Burgmauern

Titel: Die Legende der Wächter - Die Rettung
Autor: Kathryn Lasky
Rezension: 5 von 5 Schreibfedern


N - Nase

Titel: Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele
Autor: Suzanne Collins
Rezension: 5 von 5 Schreibfedern


D - Dunkelheit

Titel: Sherlock Holmes - Die Abenteuer des Sherlock Holmes
Autor: Sir Arthur Conan Doyle
Rezension: 4 von 5 Schreibfedern


V - violetter Himmel

Titel: Timmy und die Allergomörder
Autor: Cornelia Franke
Rezension: 3 von 5 Schreibfedern


I - Internationaler Flughafen

Titel: Die Bestimmung - Letzte Entscheidung
Autor: Veronica Roth
Rezension: 5 von 5 Schreibfedern


E - entfernte Skyline

Titel: Die Bestimmung
Autor: Veronica Roth
Rezension: 4 von 5 Schreibfedern


R - Raubkatze

Titel: Arkadien erwacht
Autor: Kai Meyer
Rezension: 4 von 5 Schreibfedern


Z - Zirkuszelt

Titel: Die Roboter auf der Flucht
Autor: Wolfgang Bellaire
Rezension: 4 von 5 Schreibfedern


E - Elementkugeln

Titel: Purlunas - Der letzte Fluch
Autor: Cathrin Kühl
Rezension: 4 von 5 Schreibfedern


H - Hohe Gebäude

Titel: Arkadien brennt
Autor: Kai Meyer
Rezension: 5 von 5 Schreibfedern


N - Nebelige Nacht

Titel: Die Legende der Wächter - Die Wanderschaft
Autor: Kathryn Lasky
Rezension: 4 von 5 Schreibfedern




Samstag, 22. Februar 2014

[Rezension] Mauszeiten - Boris Schneider



Titel: Mauszeiten
Autor: Boris Schneider
Verlag: Papierfresserchens MTM-Verlag
Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2013
Einband: Softcover
Seiten: 288
ISBN: 978-3-861962-60-1
Preis: 12,90 € [D]

Klappentext:
Als Flitz dem am Rande der Mäusegesellschaft lebenden Veteran Furchtsam hilfreich zur Seite steht und sich für ihn stark macht, gerät plötzlich die Ordnung in der Mäusekolonie außer Kontrolle. Erklärter Feind der beiden ist Blacksix, eine Maus, deren Herz so schwarz ist wie ihr Fell.
Blacksix schreckt selbst vor brutaler Gewalt nicht zurück. Als sich dann noch das Mäuseweibchen Stummel gegen ihn und für Flitz entscheidet, geht es plötzlich um Leben und Tod.
Sind Flitz und sein Mentor Furchtsam wirklich an den rätselhaften Todesfällen am Marienplatz schuld? Gut, dass die beiden Freunde haben, die ihnen bei der haarsträubenden Jagd durch die U-Bahn-Schächte unter München beistehen.

Einordnung:
"Mauzeiten" ist ein in sich abgeschlossener Roman und kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Direkt zu Beginn des Buches fällt auf, dass die Mäuse als Charaktere nicht einfach nur eine vereinfachte Darstellung von menschlichen Protagonisten sind. Bei ihren gibt es eigene Regeln und Gesetze und sie haben ihre eigenen Bezeichnungen für Dinge. Während „Zweibeiner“ ( = Mensch) ziemlich eindeutig und „Viellager“ ( = Hamburger) aus dem Zusammenhang zu erschließen ist, hat es Spaß gemacht, die Bedeutung von „Hrududu“ ( = U-Bahn) und „Frith“ ( = Gott und Schöpfer der Mäuse, eigentlich die Sonne) zu erraten. Für alle, denen das nicht so behagt, gibt es am Ende des Buches einen Anhang, in dem alle Namen und Mäusewörter erklärt werden.
Die Gesetze der Mäuse am Marienplatz besagen beispielsweise, dass sich eine männliche Jungmaus im „Lichtdom“ ( = Noteinstieg zur U-Bahn, in den manchmal die Sonne scheint) einer Prüfung unterziehen muss, um erwachsen zu werden. Erst danach darf sie sich paaren. Zu Beginn des Buches entscheidet sich Flitz, dass er die Prüfung an diesem Tag ablegen möchte, um sich endlich nicht mehr von Stummel fernhalten zu müssen.

Im Laufe der Geschichte werden viele unterschiedliche Motive aufgegriffen, die auch in der menschlichen Welt und ihrer Geschichte zu finden sind. Es beginnt damit, dass die Mäuse diejenigen ausstoßen, die die Prüfung im Lichtdom nicht bestehen. Sie müssen den Marienplatz verlassen und werden praktisch Unberührbare. Auch der alte Furchtsam ist an seiner Prüfung gescheitert und wurde zu einer frithlosen ( = gottlosen) Maus. Dennoch sucht Flitz ihn auf, um sich einen Rat für seine eigene Prüfung zu holen. Zwischen den beiden Mäusen entsteht eine Freundschaft, die es nicht geben dürfte.

Diese Situation nutzt Blacksix aus, der mit der Zeit immer mehr von Hass und Bosheit zerfressen wird. Als die ersten Mäuse am Marienplatz qualvoll sterben, hetzt er die Menge gegen Flitz und Furchtsam auf. Die gesamte Gemeinschaft verfällt in eine Raserei, selbst Freunde und Bekannte von Flitz können sich der Manipulation nicht erwehren und schließen sich der Menge an, um die beiden zu töten. Ich finde es interessant, wie Boris Schneider diese Faszination der Masse vom Menschen auf die Mäuse übertragen hat und habe gebangt, ob alle heil aus der Situation entkommen können.

Die Flucht führt Flitz, Stummel, Furchtsam, Stony und den verletzten Kasta, der angeblich „von oben“ stammt, durch unterschiedliche Mäusekolonien und immer wieder auch durch Rattengebiete. Gemeinsam suchen sie einen Weg hinauf in Kastas Welt und zetteln dabei eine Rebellion gegen einen Diktator an, dessen Soldaten nur halbherzig kämpfen, da sie nicht einmal richtig wissen, wofür sie ihre ehemaligen Freunde eigentlich verletzen.
Sie treffen auf die schlausten Mäuse, deren wissenschaftliche Untersuchungen unvereinbar sind mit dem Glauben der Marienplätzler und deren Wissen ein guter Anfang, jedoch bei weitem nicht vollständig ist. (Das erinnert mich stark an die Erkenntnis, dass die Erde sich um die Sonne dreht und nicht andersherum, wobei die angenommenen Kreisbahnen allerdings trotzdem nicht korrekt waren.)
Die Mäuse gewinnen in ihren ehemaligen Feinden neue Freunde, die doch noch den richtigen Weg eingeschlagen haben, und verlieren dafür andere Kameraden, die ihre Lebensaufgabe endlich gefunden haben.

Ein bisschen überrascht hat mich das hohe Maß an Gewalt und blutigen Auseinandersetzungen. Neben den Versuchen der Menschen, die Mäuse auszurotten, gibt es auch Opfergaben an Ratten, tödliche Kämpfe und gezielte und lang geplante Morde, die in aller Ausführlichkeit beschrieben werden. Das empfohlene Mindestalter für dieses Buch, das ich daraufhin nachgeschlagen habe, liegt zu Recht bei 14 Jahren, denn ohne diese Gewalt würde das Buch nicht auskommen. Die beschriebenen Todesfälle sind für den Verlauf und die Atmosphäre wichtig und haben mich teilweise wirklich berührt. Es ist nur empfehlenswert, nicht mit zu niedrigen Erwartungen an dieses Buch heranzugehen.

Einen gelungen Abschluss für die Geschichte bildet die Erkenntnis, dass das, wonach wir suchen, meist unmittelbar vor unserer Nase liegt. Das finden die Mäuse erst sehr spät heraus, doch auch hier gilt: Besser spät als nie.
Ich hätte mir noch gewünscht, dass sich Kasta auf die Suche nach seiner Mutter macht, damit wirklich jede Maus der Gruppe dieses Abenteuer für sich abschließen kann. Aber wer weiß, vielleicht tut er das ja heimlich und es weiß nur keiner davon?

Fazit:
Das Buch ist wirklich spannend und behandelt verschiedenste Themen, die gut in die Haupthandlung integriert sind. Wann immer die Situation festgefahren scheint, fügt Frith der Geschichte eine neue Komponente hinzu (manchmal sogar wörtlich), um die Handlung wieder anzutreiben. Ich habe zwar fast das halbe Buch gebraucht, um mich an Mäuse als Hauptcharaktere zu gewöhnen, aber das macht der Rest des Buches allemal wett. Dank des guten Schreibstils lässt sich die Geschichte außerdem auch noch flüssig lesen und es hat mich viel Überwindung gekostet, nicht die ganze Nacht durchzumachen. Daher bekommt „Mauszeiten“ auf jeden Fall alle fünf Schreibfedern von mir.


Vielen Dank an den Autor Boris Schneider für dieses Rezensionsexemplar.

Donnerstag, 20. Februar 2014

Neuzugänge #11

Als Belohnung dafür, dass ich all meine Prüfungen hinter mich gebracht habe, habe ich mal wieder eine Bestellung bei reBuy in Auftrag gegeben. Der Zeitpunkt war ziemlich günstig, es waren nämlich einige Bücher auf Lager, die ich noch brauche, um Reihen zu vervollständigen. Da habe ich gleich zugeschlagen.


"Erebos" von Ursula Poznanski, "Tote Mädchen lügen nicht" von Jay Asher und "Timmy und die Allergomörder" von Cornelia Franke standen bis heute auf meinem Wunschzettel. "Ritus" von Markus Heitz, "Elfenritter - Die Ordensburg" von Bernhard Hennen und "Laura und der Fluch der Drachenkönige" von Peter Freund vervollständigen drei Buchreihen in meinem Regal.


Klappentext "Erebos":
Nick ist süchtig nach Erebos, einem Computerspiel, das an seiner Schule von Hand zu Hand weitergereicht wird. Die Regeln sind äußerst streng: Jeder hat nur eine Chance, Erebos zu spielen. Er muss dabei immer allein sein und darf mit niemandem über Erebos reden. Wer dagegen verstößt oder seine Aufgaben nicht erfüllt, fliegt raus und kann das Spiel auch nicht mehr starten. Was aber am merkwürdigsten ist: Erebos erteilt Aufträge, die nicht in der virtuellen Welt, sondern in der Wirklichkeit ausgeführt werden müssen. Fiktion und Realität verschwimmen auf irritierende Weise. Und dann befiehlt das Spiel Nick, einen Menschen umzubringen ...


Klappentext "Ritus":
Frankreich im Jahre 1764. Die Menschen leben in Angst und Schrecken - denn ihre Kinder werden gehetzt und getötet. Was ist das für eine Bestie, die kein Jäger stellen kann? Unter den vielen Männern, die sich auf die Jagd begeben, ist auch der Wildhüter Jean Chastel. Er selbst birgt ein dunkles Geheimnis - und niemand ahnt, dass der gnadenlose Ritus der Bestie auch zweihundert Jahre später noch Opfer fordern wird ...


Klappentext "Tote Mädchen lügen nicht":
Als Clay aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit 13 Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf "Play" - und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat.
Mit Hannahs Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben.
Clay ist einer davon ...


Klappentext "Laura und der Fluch der Drachenkönige":
Seit vielen Zeitaltern ist kein menschliches Wesen leben aus dem Reich der Drachen zurückgekehrt. Doch allein die Drachen besitzen Sterneneisen, ein kostbares Metall, das die dreizehnjährige Laura benötigt, um das zerbrochene Schwert Hellenglanz neu zu schmieden. Nur mit Hilfe dieses Schwertes kann es ihr gelingen, den Dunklen Fürsten Borboron zu besiegen, der ihren Vater gefangen hält. Aber die Drachenkönige verteidigen ihren Schatz erbittert, und Borboron hat Gurgulius den Allesverschlinger auf Laura gehetzt. Schon glaubt das Mädchen sich rettungslos verloren ...


Klappentext "Timmy und die Allergomörder":
Timmy hat es satt, weiterhin wie ein Kind behandelt zu werden! Daher schwindelt er bei seinem Alter, als er zu seinem Onkel in das ferne Onnipolis zieht. Leider hat er nicht geahnt, dass dort jeder ab vierzehn per Gesetz einen Beruf haben muss. Egal ob Laternenauspuster, Briefmarkenkleber oder Bettler.
Doch was genau steckt hinter den Allergomördern, die die Onnipolianer mit ihren Allergie-Attentaten in Aufruhr versetzen? Ihre Geheimnisse zu ergründen, wird zum aufregendsten Abenteuer, das Timmy und seine neuen Freunde bisher erlebt haben.


Klappentext "Elfenritter - Die Ordensburg":
Seit fast eintausend Jahren währt der Bund zwischen der Elfenkönigin Emerelle und den Menschen des Fjordlands. Einst besiegten sie gemeinsam die Trolle, doch nun ist den Fjordländern ein Feind erwachsen, gegen den selbst Elfenmagie machtlos ist: Die Haare der Tjuredkirche, deren Ordensritter geschworen haben, das Heidentum und mit ihm alle Völker Albenmarks für immer zu vernichten. In dieser dunklen Zeit tragen zwei ungleiche Kinder das Licht der Hoffnung: Luc, ein Waisenjunge und der einzige Überlebende aus einem Pestdorf, dessen magische Begabung auf der sagenumwobenen Ordensburg von Valloncour ausgebildet werden soll. Und Gishild, die temperamentvolle Prinzessin des Fjordlands, die entführt wird, um ihren Vater, den König, zur Kapitulation zu zwingen. Während sich Elfen, Kobolde und Fjordländer unter der Führung des Schwertmeisters Ollowain zur letzten großen Schlacht rüsten, wird Luc in der Ordensburg zum Schlüssel zu Gishilds Herz - nicht ahnend, dass er ein Werkzeug der mächtigsten Kirchenfürsten ist.


Die Bücher haben alle eine gute Qualität, nur bei einem einzigen ist der Rücken leicht angeknickt. Ich bin schon gespannt, was die neuen 20 Zentimeter Lesestoff so hergeben. Da ich auch zweimal Teil eins gekauft habe, kann ich die Reihen jetzt auch endlich lesen.

Habt ihr schon mal versehentlich nicht den ersten Teil einer Romanreihe gekauft?
Wie viele Bücher legt ihr euch pro Monat neu zu?



Dienstag, 18. Februar 2014

[Vorstellung] Gedankenwildwuchs – 10 Autoren, 10 Bücher, 1 Ziel

Diesen Monat stelle ich euch nicht nur einen Verlag und nicht nur einen Autor vor, sondern zwei Verlage und zehn Autoren. Es geht um das Crowdfunding-Projekt Gedankenwildwuchs.

  


 Betreut wird das Projekt von Schemajah Schuppmann vom Papierverzierer Verlag und von Steffen Janssen vom Luzifer Verlag. Gemeinsam haben sie sich überlegt, wie die Veröffentlichungen von Verlagen mehr an die Wünsche der Leser angepasst werden können.



Worum geht es?

Zehn Autoren haben ihre Manuskripte eingereicht, um an diesem Projekt teilzunehmen. Nun können die Leser entscheiden, welches Manuskript als Buch veröffentlicht wird. Durch Spenden für den Favoriten wird dieser unterstützt. Ist die Zielsumme von 2.500 Euro erreicht, wird der Titel, für den am meisten gespendet wurde, produziert. Doch es kann noch bis zum 27. April weiter gespendet werden, denn wenn die Zielsumme ein zweites Mal erreicht wird, veröffentlichen die Verlage auch den zweiten Titel.


Welche Autoren nehmen teil?


Daniel Wyke mit Sun City

Nina Egli mit Das letzte Artefakt

Jan Reschke mit Die Ummauerte Stadt

Veronika Serwotka mit Wyvern – Das Streben des Jägers

Bettina Ferbus mit Spiegelzauber

Maja Loewe mit Die Augen der Iriden

Melanie Vogltanz mit Maleficus

Nika S. Daveron mit Vermillion

A. P. Glonn mit Im Bann der Magie


Was haben die Unterstützer davon?

Je nach Höhe der Spende gibt es ein unterschiedliches Dankeschön. Schon bei der kleinsten Spende von nur fünf Euro gibt es jedes produzierte Projekt als E-Book. Im günstigsten Fall also zehn neue Bücher für nur fünf Euro. Für höhere Spenden gibt es beispielsweise auch ein Printexemplar, ein signiertes Printexemplar, ein Cover, eine Widmung oder eine Werbeseite.
Zusätzlich dazu hat jeder Leser durch die Unterstützung die Chance, ein klein wenig auf die Angebote des Buchmarkts einzuwirken. Durch dieses Projekt ist es möglich, mitzubestimmen, welche Geschichten veröffentlicht werden.


Wie kann der Favorit unterstützt werden?

Auf der Seite Gedankenwildwuchs kann sich jeder über das Projekt, die Autoren, die Geschichten und das aktuelle Ranking informieren. Auch Hintergrundinformationen zum Projekt und genauere Erläuterungen lassen sich dort finden.


Ist ein Favorit gefunden, geht es weiter auf der Startnext-Seite von Gedankenwildwuchs. Dort finden sich auf der rechten Seite die Auswahlmöglichkeiten für die Höhe der Spende. Nach einem Klick auf „Jetzt unterstützen“ ist alles selbsterklärend. Aber nicht vergessen, den Namen des Favoriten anzugeben!

Danach bleibt nicht mehr als zu hoffen, dass sich noch mehr Menschen für dieses Projekt begeistern lassen und das Herz in den verbleibenden Tagen mindestens einmal vollständig rot wird.



Zusammenfassung




Also ran an die Leseproben!
Helft dabei, einem Autor seinen Traum von einer Veröffentlichung zu erfüllen.
Nutzt die Chance, den Buchmarkt ganz individuell ein wenig zu verändern.
Die Autoren zählen auf euch.

Samstag, 15. Februar 2014

[Statistik] Januar 2014

Ein wirklich trostloser Monat. Vor lauter Lernerei für meine Prüfungen an der Uni habe ich nichts gelesen, nichts rezensiert, nichts gekauft und nichts geschrieben. Es kam nur ein einziges Rezensionsexemplar zur Tür herein geschlüpft. Wirklich traurig.

Neuzugänge:
- "Mauszeiten" von Boris Schneider [Rezensionsexemplar]