Freitag, 26. September 2014

[Rezension] Die Bestimmung: Letzte Entscheidung – Veronica Roth



Titel: Die Bestimmung – Letzte Entscheidung
Autor: Veronica Roth
Verlag: cbt
Erscheinungsdatum: 24. März 2014
Einband: Hardcover
Seiten: 506
ISBN: 978-3-570161-57-9
Preis: 17,99 € [D]

Klappentext:
Die Fraktionen haben sich aufgelöst und Tris und Four erfahren, dass ihr ganzes Leben eine Lüge ist: Es gibt eine Welt außerhalb ihrer Stadt, außerhalb des Zauns. Für Tris und Four steht fest, dass sie diese neue Welt erkunden wollen. Gemeinsam. Doch sie müssen erkennen, dass die Lüge hinter dem Zaun größer ist, als alles, was sie sich vorstellen konnten, und die Wahrheit stellt ihr Leben völlig auf den Kopf. Als Tris dann auch noch die letzte Entscheidung treffen muss, kommt alles ganz anders als gedacht ...

Einordnung:
- Die Bestimmung (Teil 1)
- Die Bestimmung: Letzte Entscheidung (Teil 3)
- Die Bestimmung: Fours Geschichte (Bonus)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten beiden Teile enthalten!

Anders als die beiden bisherigen Bände ist dieser Teil abwechselnd aus der Perspektive von Tris und Four geschrieben. Das ist gerade zu Beginn ziemlich gewöhnungsbedürftig, da der Leser schon seit fast 1.000 Seiten in Tris‘ Kopf steckt, von Fours Gedanken jedoch nicht besonders viel Ahnung hat. Beide berichten abwechselnd aus der Ich-Perspektive, sodass es jedes Mal wirklich einen starken, spürbaren Wechsel gibt statt eines sanften Umschwenkens der Perspektive. Zu Beginn jedes Kapitels wird aber immer darauf hingewiesen, in wessen Kopf der Leser auf den nächsten Seiten eintauchen wird. Leichter wurde es für mich, weil ich Four wirklich gerne mag, trotzdem hat es sich in den ersten Kapiteln ziemlich falsch angefühlt.

Das tut der Geschichte jedoch keinen Abbruch. Der Schock über die Erkenntnis, dass es eine Welt außerhalb des Zauns gibt, sitzt tief. Leider kam das für mich nicht so überraschend wie für die Charaktere, da Tris, anders als in diesem Band behauptet, schon im ersten Teil einmal darüber nachgedacht hat, dass sie anscheinend in der Stadt eingesperrt sind und nicht die Außenwelt aussperren. Trotz allem stellt sich mir natürlich auch die Frage, wie es außerhalb der Stadt aussieht und ob es dort noch Leben gibt. Um das zu erkunden, verlassen Tris und Four mit einigen anderen die Stadt.
Doch schon bald müssen sie erkennen, dass das Leben außerhalb der Stadt kein Stück besser ist. Auch hier gibt es eine Unterteilung der Menschen in verschiedene Gruppen, doch diese ist gewissermaßen noch drastischer als in der Stadt, in der jeder Bewohner seine Fraktion wenigstens selbst wählen konnte. Denn außerhalb der Stadt erfolgt diese Unterteilung aufgrund der Gene. An dieser Stelle verdeutlicht die Geschichte ganz unaufdringlich die Tatsache, dass es überall Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Intoleranz gegenüber Minderheiten gibt, dass die Gesellschaft jedoch gleichzeitig ohne eine Unterteilung in Klassen und Gruppen nicht überlebensfähig ist. Für Analytiker bietet der dritte Band viel Stoff zur Interpretation, es ist jedoch auch leicht, darüber hinweg zu lesen, wenn man bloß die Geschichte genießen möchte. Damit stellt das Buch zumindest in diesem Punkt wohl jeden zufrieden.
Tris und Four gewinnen jedoch nicht nur eine Menge Eindrücke über die Welt außerhalb des Zauns, sie erkennen auch, dass ihre bisherige Welt viel mehr Lügen aufbaut als sie dachten. Hinter die Wahrheit bin auch ich erst gemeinsam mit Tris und Four gekommen. Die Idee ist wirklich großartig und je weiter die Geschichte fortschreitet, desto deutlicher wird, dass alle drei Bücher bis ins letzte Detail durchdacht sind. Alle Unstimmigkeiten der bisherigen Geschichte werden ausgebügelt und ergeben einen Sinn. Mich haben die Erkenntnisse, die die Charaktere außerhalb der Stadt gewinnen, vollkommen auf dem falschen Fuß erwischt. Die ganze Zeit hatte ich einen Fantasy-Gedanken im Hinterkopf. Doch eigentlich sind es eiskalte Science-Fiction-Bücher. Die Autorin versteht es wirklich gut, die Wahrheit zu verschleiern.

Dramatisch sind die Geschehnisse aber nicht nur außerhalb der Stadt, sondern auch innerhalb. Denn es haben sich zwei Parteien gebildet, die nach Jeanines Tod die Regierung übernehmen wollen. Besonders detailliert wird das aus Fours Perspektive beschrieben, denn die Führer der beiden Parteien sind seine Mutter Evelyn auf der Seite der Fraktionslosen und sein Vater Marcus auf der Seite der Getreuen. Die Situation eskaliert immer mehr und es gibt mehr als nur einmal ein Blutbad.
Das große Charaktersterben geht also auch in diesem Teil noch weiter. Natürlich können nicht am Ende alle wohlauf und zufrieden sein, aber manchmal fand ich es doch etwas übertrieben, dass sowohl alte als auch neu auftauchende Charaktere in so großer Zahl verheizt werden, dass teilweise totgeglaubte Figuren wieder auferstehen müssen, damit mehr als eine Handvoll wichtiger Personen übrig bleibt.

Insgesamt habe ich das Gefühl, das dieses Buch auf Messers Schneide tanzt. Es gibt viele Ereignisse, die mich als Leser haben leiden lassen. Ich war traurig, ich habe mich unendlich aufgeregt, ich habe mir die Haare gerauft. Schlussendlich muss ich aber sagen, dass ich die Entscheidungen der Autorin wirklich mutig finde. So aufgebracht ich auch wegen einiger Dinge bin, habe ich doch das Gefühl, dass sie genau so in der Geschichte passieren mussten, damit es nicht unglaubwürdig wird.
Und weil ich die Sache, die mir am besten gefällt an der Geschichte, unbedingt erwähnen möchte, sie aber Personen spoilern könnte, die sich mit Stilmitteln auskennen, maskiere ich die Stelle sicherheitshalber. Wer es lesen will, muss einfach den Textabschnitt markieren, dann wird die Schrift sichtbar: Es ist ein sehr, sehr wichtiges Stilmittel, wenn Geschichten im Präsens geschrieben sind. Da achtet nur leider kaum jemand drauf. Veronica Roth gilt mein größter Respekt, weil sie diese Zeitform tatsächlich als Stilmittel nutzt und sich nicht einfach ohne Hintergedanken dafür entschieden hat.

Fazit:
Dieses Buch kann man nur hassen oder lieben. Bei mir ist der Sturz von Messers Schneide schlussendlich positiv ausgefallen, aber ich habe vollstes Verständnis für alle Leser, denen es nicht so geht. In diesem finalen Teil erfolgt die Auflösung, was es mit der Stadt eigentlich auf sich hat. Diese gut durchdachte Idee bietet viel Interpretationsstoff für Analytiker, aber auch spannende Szenen für Leser, die einfach die Geschichte genießen möchten. Obwohl das übermäßig Charaktersterben mir die Haare vom Kopf gefressen hat, bekommt „Die Bestimmung – Letzte Entscheidung“ alle fünf Schreibfedern von mir, vor allem für Klugheit und Mut der Autorin.


Dienstag, 23. September 2014

[Rezension] Die Bestimmung: Tödliche Wahrheit – Veronica Roth



Titel: Die Bestimmung – Tödliche Wahrheit
Autor: Veronica Roth
Verlag: cbt
Erscheinungsdatum: 10. Dezember 2012
Einband: Hardcover
Seiten: 506
ISBN: 978-3-570161-56-2
Preis: 17,99 € [D]

Klappentext:
In einer ungewissen Zukunft, in der die Fraktionen zerfallen, gibt es keine Sicherheiten mehr. Außer der einen: Wo auch immer ich hingehe – ich gehe dorthin, weil ich es will…
Drei Tage ist es her, seit die Ken mithilfe der ferngesteuerten Ferox-Soldaten unzählige Altruan umgebracht haben. Drei Tage, seit Tris' Eltern starben. Drei Tage, seit sie selbst ihren Freund Will erschossen hat – und aus Scham und Entsetzen darüber schweigt. Mit den überlebenden Altruan haben Tris und Tobias sich zu den Amite geflüchtet – doch dort sind sie nicht sicher, denn der Krieg zwischen den Fraktionen hat gerade erst begonnen. Wieder einmal muss Tris entscheiden, wo sie hingehört – selbst wenn es bedeutet, sich gegen die zu stellen, die sie am meisten liebt. Und wieder einmal kann es nur Tris in ihrer Rolle als Unbestimmte gelingen, die Katastrophe abzuwenden...

Einordnung:
- Die Bestimmung (Teil 1)
- Die Bestimmung: Tödliche Wahrheit (Teil 2)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Das Buch schließt nahtlos an die Stelle an, an der das letzte Buch aufgehört hat, sofern die letzten neun Zeilen, die dadurch noch weniger Sinn machen, gekonnt ignoriert werden. Es gibt also keine neuen Gegebenheiten, in die der Leser erst eingeführt werden muss, sodass die Handlung direkt fortgeführt wird und nicht schleppend anläuft. Das ist besonders angenehm, weil ich den zweiten Band der Reihe direkt nach Beenden des ersten Teils angefangen habe und mir so nicht erneut schildern lassen musste, was ich gerade erst gelesen hatte.

Obwohl Tris die Simulation erfolgreich beendet hat, sodass die Ferox nicht weiter ferngesteuert unschuldige Menschen töten, kommt es im Verlaufe des Buches weiterhin zu vielen Todesfällen. Die Ken plädieren inzwischen offen für eine Machtübernahme und haben eine Menge Ferox an ihrer Seite, die alle Unbestimmten und alle Altruan, die sie finden können, töten. Da im vorangegangenen Teil eine ganze Menge Charaktere gestorben sind, gibt es viele Rollen, die ersetzt werden müssen. Doch auch von ihnen bleiben einige nicht lange, denn jetzt, wo die Fraktionen sich aufgelöst haben, sind die Feinde überall zu finden, nicht bloß in ihrem Hauptquartier.
Morde und tödliche Zwischenfälle sind jedoch nicht die einzigen Vorkommnisse, die für eine ziemlich harte Geschichte sorgen. In den Straßen der Stadt treffen Tris und Tobias auf die Fraktionslosen, die ganz anders leben als man sie im Fraktionssystem hat glauben machen. Doch die vermeintlich positiven Absichten erscheinen Tris nicht ganz aufrichtig, Tobias dagegen hat keine Zweifel. Der Konflikt, der sich daraus für Tris ergibt, ist authentisch beschrieben und heizt die Geschichte mit Verrat und Schmerz noch weiter an.

Aber nicht nur diese Situation fordert ihren Tribut von Tris. Die Stadt ist in viele Teile zerfallen und jeder verfolgt eine eigene Strategie. So kommt es, dass alle Tris für ihre Ziele einspannen wollen. Da sie eine Unbestimmte ist, steht sie zunächst einmal natürlich auf der Seite der Candor, der Amite und der friedlichen Ferox. Doch die Ken sind Wissenschaftler und Tris‘ Fähigkeit, den Simulationen zu widerstehen, macht sie auch zu einem interessanten Forschungsobjekt. Andererseits ist sie jedoch als Altruan aufgewachsen und diese haben die Fraktionslosen immer unterstützt, die nun möglicherweise die einzigen Menschen sind, die die Ken noch aufhalten können. Und jeder erzählt eine andere Geschichte der Wahrheit, die doch alle irgendwo einen Haken haben, sodass Tris nicht weiß, wem sie wirklich glauben soll, wer die Wahrheit sagt und vor allem, welche Alternative die Beste ist. Das kann ich auch gut nachvollziehen, denn da die Geschichte auch dieses Mal in der Ich-Form aus Tris‘ Perspektive geschildert wird, kommt es auch dem Leser vor wie eine Wahl zwischen Pest und Cholera.

Das alles sorgt für eine wirklich spannende Fortsetzung der Geschichte. Alle Befürchtungen, der zweite Band könnte bloß ein Übergang zwischen Einleitung und Finale sein, sind unbegründet. Zwar bleiben viele Handlungsstränge für den letzten Teil offen, doch der Kampf um die Informationen der Altruan, der den Simulationsangriff durch die Ken und die Ferox im ersten Teil erst ausgelöst hat, findet in diesem Band sein fulminantes Ende, sodass der Haupthandlungsstrang dieses Buches in sich abgeschlossen ist. Dabei geht es wirklich hoch her und immer, wenn der höchste Spannungsgipfel scheinbar erreicht ist, setzt die Autorin noch eins oben drauf, sodass selbst in den allerletzten Zeilen noch eine wirklich große Bombe platzt.

Fazit:
Das Buch ist eine gelungene Fortsetzung, in der Tris natürlich mit den Folgen des zerbrochenen Fraktionssystems zu kämpfen hat, in der aber doch auch ihre privaten Probleme immer wieder in den Vordergrund rücken und sie so menschlich und realitätsnah erscheinen lassen. Der Kampf um die Führung der Stadt zeigt, dass die Unterdrückung von Menschen Kräfte freisetzt, die kaum zu kontrollieren sind, und dass Macht für viele eine Versuchung darstellt, nicht bloß für die Ken. Für die „Tödliche Wahrheit“ gibt es von mir vier Schreibfedern.


Montag, 22. September 2014

Neuzugänge #29

Da ab Ende nächsten Monats der Film "Maze Runner" im Kino läuft und ich den Trailer wirklich ansprechend fand, habe ich beschlossen, dass ich die zugehörigen Bücher vorher lesen muss, damit mir nicht der Film schon wichtige Dinge verrät. Es war aber gar nicht so einfach, an den dritten Teil der Reihe zu kommen, weil dieser aus irgendeinem Grund nirgendwo vorrätig war, weder in Buchläden noch bei Online-Verkäufern und auch beim Verlag selbst nicht. Da musste ich dann natürlich zuschlagen, als ich vor ein paar Tagen gelesen habe, dass das Buch demnächst wieder auf Lager ist. Also habe ich schon wieder Neuzugänge...

Neu im Regal ist die Trilogie "Die Auserwählten" von James Dashner mit "Im Labyrinth" (Teil 1), "In der Brandwüste" (Teil 2) und "In der Todeszone" (Teil 3).


Klappentext "Im Labyrinth":
Er heißt Thomas. An mehr kann er sich nicht erinnern. Und er ist an einem seltsam bizarren Ort gelandet - einer Lichtung, umgeben von einem riesigen Labyrinth, in dem mörderische Kreaturen lauern. Gemeinsam mit fünfzig anderen Jungen sucht Thomas den Weg in die Freiheit. Doch dafür bleibt ihnen nicht viel Zeit...


Klappentext "In der Brandwüste":
Sie haben einen Ausweg aus dem tödlichen Labyrinth gefunden und geglaubt, endlich wären sie frei. Doch auf Thomas und seine Freunde wartet das Grauen: sengende Hitze, verbranntes Land und Menschen, die mit einem tödlichen Virus infiziert sind. Und die undurchsichtigen Schöpfer halten noch immer die Fäden in der Hand. Damit steht den Jungen die nächste Prüfung bevor. Innerhalb von zwei Wochen müssen sie die Brandwüste durchqueren - sonst sind sie verloren.


Klappentext "In der Todeszone":
Thomas wird sich auf keinen Fall den Kopf aufschneiden lassen! Auch wenn er durch diese Operation sein Gedächtnis zurückbekommen soll. Denn den Wissenschaftlern von ANGST darf man nicht trauen. Nicht nach all den grausamen Prüfungen, die Thomas und seine Freunde durchstehen mussten. Nicht nach all den Versprechen, die gebrochen worden sind. Thomas muss endlich dafür sorgen, dass ANGST ihn nie wieder kontrollieren und manipulieren kann.


Zugegeben, der Klappentext von "In der Todeszone" ist wegen des Wortwitzes mit ANGST schon fast wieder lustig, trotzdem glaube ich, dass die Geschichte wirklich spannend wird. Mich ärgert nur ein bisschen, dass das Cover des letzten Bandes anders aussieht als die der ersten beiden Teile. Laut der Bestellung sollten sie alle im Stil des letzten Buches gemacht sein. Aber da sieht man wieder, warum es besser ist, Bücher in einem Laden vorher in die Hand zu nehmen. Ich werde mich damit arrangieren.

Achtet ihr auf, ob eine Reihe stimmige Cover hat?
Lest ihr erst das Buch oder schaut ihr erst den Film?


Montag, 15. September 2014

[Rezension] Die Bestimmung – Veronica Roth



Titel: Die Bestimmung
Autor: Veronica Roth
Verlag: cbt
Erscheinungsdatum: 19. März 2012
Einband: Hardcover
Seiten: 475
ISBN: 978-3-570161-31-9
Preis: 17,99 € [D]

Klappentext:
Fünf Fraktionen, fünf völlig verschiedene Lebensformen sind es, zwischen denen Beatrice, wie alle Sechzehnjährigen ihrer Welt, wählen muss. Ihre Entscheidung wird ihr gesamtes künftiges Leben bestimmen, denn die Fraktion, der sie sich anschließt, gilt fortan als ihre Familie. 
Doch der Eignungstest, der über Beatrices innere Bestimmung Auskunft geben soll, zeigt kein eindeutiges Ergebnis. Sie ist eine Unbestimmte, sie trägt mehrere widerstreitende Begabungen in sich. Damit gilt sie als Gefahr für die Gemeinschaft.
Beatrice entscheidet sich, ihre bisherige Fraktion, die Altruan, zu verlassen, und schließt sich den wagemutigen Ferox an. Dort aber gerät sie ins Zentrum eines Konflikts, der nicht nur ihr Leben, sondern auch das all derer, die sie liebt, bedroht…

Einordnung:
- Die Bestimmung (Teil 1)

Rezension:
Der Einstieg in die Geschichte ist mir ein wenig schwer gefallen. Teilweise liegt das an der Tatsache, dass das Buch im Präsens geschrieben ist. Da das kaum vorkommt, ist es jedes Mal wieder gewöhnungsbedürftig. Zum Teil sind dafür aber auch die Gewohnheiten der Altruan verantwortlich, deren Mitglied Beatrice ist, sodass bereits zu Beginn deren Lebensart relativ ausführlich wiedergegeben wird. Es ist befremdlich, über das Leben von Menschen zu lesen, denen es verboten ist, in den Spiegel zu schauen, die ihre Schönheit verstecken müssen und die gezwungen sind, ihre eigenen Bedürfnisse immer hinten anzustellen und freiwillig die schwersten Arbeiten zu verrichten. Vor allem, solange noch unklar ist, wie die restliche Welt aussieht, in der die Geschichte spielt.

Glücklicherweise haben sich die Probleme bald gelegt, denn die Geschichte kommt schnell ins Rollen und es werden viele verschiedene Charaktere eingeführt. Die Protagonistin ist Beatrice Prior, die als Ich-Erzählerin das Geschehen wiedergibt. Obwohl ich es weder mit Protagonisten noch mit weiblichen Charakteren sehr habe, ist sie mir wirklich sympathisch. Der Identitätskonflikt, in dem sie steckt, da sie nicht weiß, für welche Fraktion sie sich entscheiden soll, ist einfühlsam beschrieben. Auch der Test, der ihre Eignung ermitteln soll, liefert mehrdeutige Ergebnisse und identifiziert sie als eine Unbestimmte. Ihr bleibt also nichts anderes übrig, als sich frei zu wählen. Und das tut sie entsprechend ihres Charakters, ihrer Wünsche und Wertvorstellungen, denen sie die ganze Geschichte über treu bleibt.
Mir persönlich gefällt die Entscheidung, die sie trifft, wirklich sehr, denn ich hätte die gleiche Wahl getroffen. Da Beatrice eine Ich-Erzählerin ist, werden nur ihre Erlebnisse geschildert. Einen Einblick in das Leben und die Aufnahme die Fraktion gibt es somit nur von der von ihr gewählten Fraktion. Das ist nicht ausschlaggebend dafür, ob die Geschichte als gelungen empfunden wird, doch es trägt mit Sicherheit seinen Teil dazu bei – bei mir in positiver Weise.

Beatrice ist allerdings nicht der einzige Charakter, der sich selbst treu ist. Alle Charaktere, die nicht bloß einen Kurzauftritt haben, werden detailliert einführt und bekommen dadurch eine Tiefe, die es möglich macht, sie zu lieben oder auch zu hassen. Four, beispielsweise, denkt vorausschauend, verfügt über eine große Selbstbeherrschung und ist in jeder Situation in der Lage, so zu handeln, dass es für ihn und die Menschen, die ihm wichtig sind, nützlich ist, so sehr er sich in Moment der Handlung auch dafür verachtet. Peter dagegen ist eine völlig eigennützige Figur, die andere zu manipulieren weiß und selbst um jeden Preis an erster Stelle stehen will.
Dass die meisten Charaktere so weit eingeführt werden, dass der Leser Gefühle mit ihnen in Verbindung bringen kann, sorgt außerdem dafür, dass die Geschichte unheimlich packend wird, denn die Autorin geht nicht gerade sparsam mit ihren Charakteren um. Eine ganze Menge Charaktere sterben im Verlauf des Buches, sodass es viele Situationen zum Mitleiden gibt, denn natürlich erwischt es nicht immer nur die Bösen. Es ist überraschend, wie schnell die Figuren verheizt werden, aber dadurch entwickelt das Buch insofern ein Eigenleben als dass es eine wichtige, eigenständige Geschichte ist und nicht bloß zur Vorbereitung auf den finalen Teil dient.

Spannung kommt aber auch ohne die zahlreichen Todesfälle auf. Das Buch bietet eine Fülle von überraschenden Wendungen und Offenbarungen. Jedes Mal, wenn eine dramatische Situation geklärt ist, passiert erneut etwas Unvorhergesehenes, wodurch die Spannung wieder in die Höhe getrieben wird. Doch es wirkt nicht unrealistisch und überreizt die Nerven auch nicht, denn oft ist dieses neue Ereignis eine direkte Folge des vorher gelösten Problems, über die sich die Charaktere nicht im Klaren gewesen sind.

Nicht besonders gelungen finde ich dagegen das ziemlich abgehackte Ende des Buches. Es bricht mitten in der Szene ab und hat bloß noch neun Zeilen als eine Art Epilog hinten dran gehängt, der aber nicht wirklich irgendwelche noch offenen Fragen beantwortet und genauso gut weggelassen werden könnte. Meine Empfehlung lautet daher, das Buch nur zu lesen, wenn man den zweiten Teil schon zur Hand hat, ansonsten lässt einen die Geschichte einfach mitten in der Luft hängen.

Fazit:
Sowohl der Anfang als auch das Ende des Buches sind nicht optimal gelungen. Dafür stimmt der Rest vollständig. Die Charaktere sind vielschichtig und bleiben sich treu. Dadurch lösen die zahllosen Todesfälle im Verlauf der Geschichte beim Leser dieselben Emotionen aus wie bei den anderen Charakteren. Außerdem ziehen sich verschiedene Spannungsbögen durch die Geschichte, die kaum Luft zum Atmen lassen. Insgesamt bekommt „Die Bestimmung“ deshalb vier Schreibfedern von mir.



Anmerkung zum Schluss: Die Verfilmung ist in Ordnung und durchaus sehenswert. Allerdings lautet meine dringende Empfehlung, zuerst die Reihe vollständig zu lesen, weil der größte Knaller des dritten Teils nicht nur in der Beschreibung des ersten Films, sondern auch in der ersten Filmminute schon verraten wird. Das ist wirklich absolut daneben und nimmt den weiteren Büchern einiges an Effekt.

Sonntag, 14. September 2014

Neuzugänge #28

Wenn die Bibliothek ihre Regale ausmistet, dann steh ich natürlich ganz vorne in der Schlange, um neue Bücher zu erwerben. Obwohl für mich nur der "Teens Point" und der Kasten mit den Romanen interessant war, habe ich doch einige neue Exemplare abstauben können. Und eine Kugel Eis gab's noch gratis dazu. Was will man mehr?

"Die Flammende" von Kristin Cashore und "Winterlicht" von Melina Marchetta verstärken mein Fantasy-Regal.
"Intrige" von Robert Harris und "Outlaw" von Lee Child ergänzen mein Thriller-Regal,
während ich "Niemandsland" von Watt Key und "Die inneren Werte von Tanjas BH" von Alex Haas nicht so richtig einordnen kann.


Klappentext "Die inneren Werte von Tanjas BH":
Ben ist dreizehn, ein richtiger Skater-Gott und schreibt für seine Angebetete unwiderstehliche Liebesgedichte. Denkt er. Doch Tanja kriegt er einfach nicht rum. Und es kommt noch schlimmer: Bens Eltern wollen Urlaub machen, mitten in der dänischen Pampa. Und er soll mit! Das kann ja nur in einer Katastrophe enden...


Klappentext "Die Flammende":
'Fire'. Er sagte ihren Namen und sandte ihr ein Gefühl. Es war Mut und Stärke und noch etwas anderes, als hätte er sie in sich aufgenommen und ließe ihren ganzen Körper einen Moment an seinem Rückgrat ausruhen, ihren Verstand in seinem Verstand, ihr Herz im Feuer seines Herzens. Das Feuer in seinem Herzen war erstaunlich. Fire begriff und konnte kaum glauben, dass das Gefühl, das er ihr sandte, Liebe war.


Klappentext "Winterlicht":
'Wie ist sie, diese Evanjalin aus den Bergen?', fragte Lucian. 'Sie ist stark - hier drin', antwortete Finnikin und klopfte sich zweimal gegen die Brust. 'Respekt einflößend. Mitleidlos. Listig. Sie kann einen Menschen so heftig lieben, wie ich es noch nie erlebt habe.' Er lächelte, weil er sich dabei ertappte, dass er viel zu viel ausplauderte. 'Und sie ist wunderschön.' - 'Ist sie dir versprochen, Finnikin?', fragte die weise Frau. 'Nein', antwortete er nach kurzem Zögern. 'Aber sie ist in meinem Herzen.'


Klappentext "Intrige":
Ein Geheimdienst, der außer jegliche Kontrolle gerät, eine korrupte Justiz, die alles im Namen der nationalen Sicherheit rechtfertigt, eine parteiische Presse, die ein Kesseltreiben gegen eine Minderheit veranstaltet, der angeborene Instinkt aller Mächtigen, ihre Verbrechen erfolgreich zu vertuschen...
Paris, 1894. Alfred Dreyfus soll ein Spion sein und wird wegen Landesverrat zu lebenslanger Haft verurteilt und verbannt. Geheimdienstchef Picquart hegt Zweifel und rollte den Fall neu auf. In den Wirren der Dreyfus-Affäre, die ganze Europa erschüttert, wird der Jäger schließlich selbst zum Gejagten.


Klappentext "Outlaw":
Zwei Nachbarkäffer in Colorado. Hope und Despair. Hoffnung und Verzweiflung. Dazwischen nichts weiter als meilenweit Niemandsland.
Jack Reacher, per Anhalter unterwegs, strandet ausgerechnet in Despair. Er will nur einen Kaffee trinken und dann weiterziehen, doch vier düstere Gesellen wollen ihn wegen Landstreicherei von der Gemarkung verweisen. Reacher geht die Freiheit zwar über alles, aber einen Platzverweis lässt er sich nicht bieten. Und sein untrüglicher Instinkt sagt ihm, wenn jemand etwas zu verbergen hat...


Klappentext "Niemandsland":
Der 14-jährige Hal wird dazu verurteilt, in Hellenweiler einzusitzen, einem gefährlichen Jungenheim, das einem knallharten Gefängnis gleicht. Über seinen Anwalt erfährt Hal, dass er in nur wenigen Wochen wieder entlassen wird - vorausgesetzt er macht keinen Ärger und gerät nicht in Schwierigkeiten. Doch je mehr er versucht, den beiden dominierenden Banden, den Hounds und den Ministers, aus dem Weg zu gehen, desto tiefer gerät er in einen Strudel aus Gewalt und Brutalität. Die Aufseher und alle anderen Jungen scheinen sich gegen ihn verschworen zu haben und so hat Hal nur ein einziges Ziel: überleben!


Von den Büchern von Robert Harris und Alex Haas habe ich sogar schon gehört, nur deshalb sind sie in meiner Tüte gelandet. "Die Flammende" ist (natürlich) Band 2 der Trilogie, sodass ich mir jetzt die andere beiden Teile natürlich auch noch zulegen werde. Aber dieses Buch war ein absoluter Cover-Kauf, es sieht richtig schön aus! Die anderen drei Bücher sind mehr oder weniger zufällig in meiner Tasche gelandet, eigentlich hätte ich fast den halben Stand leerräumen können.

Kauft ihr auf Trödelmärkten Bücher?
Lest ihr Reihen immer vollständig oder nur solange sie euch gefallen?

Donnerstag, 4. September 2014

Neuzugänge #27

Diesmal ist es wirklich nicht meine Schuld, dass ich Bücher gekauft habe! Eigentlich war ich in der Stadt, um bei einem Umzug zu helfen. Leider hat das dann aber doch alles nicht funktioniert. Und es wäre Verschwendung, umsonst in die Stadt gefahren zu sein. Also war ich Bücher kaufen. Zwar schon wieder nicht die Reihe, die ich haben wollte, weil die schon wieder nicht da war, aber ich bin natürlich trotzdem fündig geworden.

Mit "Die Vernichteten" haben ich jetzt auch Teil 3 der Reihe von Ursula Poznanski.
Außerdem stehen "Weil ich Layken liebe" und "Weil ich Will liebe" von Colleen Hoover jetzt in meinem Regal.


Klappentext "Die Vernichteten":
Vertrieben aus der Stadt unter der Stadt, gejagt und dem Tode nah, zwingt ihr Wissen zwei Studenten dazu, Verantwortung zu übernehmen. Doch mit einem Mal überschattet ein vernichtendes Geheimnis alle unternommenen Anstrengungen.


Klappentext "Weil ich Layken liebe":
Nach dem Tod ihres Vaters zieht die 18-jährige Layken mit ihrer Mutter und ihrem Bruder von Texas nach Michigan. Nie hätte Layken gedacht, dass sie sich dort bereits am ersten Tag Hals über Kopf verliebt. Und dass diese Liebe mit derselben Intensität erwidert wird. Es sind die ganz großen Gefühle zwischen Layken und Will. Das ganze große Glück - drei Tage lang. Denn dann stellt das Leben sich ihrer Liebe mit aller Macht in den Weg...


Klappentext "Weil ich Will liebe":
Niemals zuvor war Will so verliebt wie in Layken. Nie zuvor hat er für jemanden solche tiefen Gefühle verspürt. Und ihre Liebe scheint täglich stärker zu werden. Doch dann begeht Will einen fatalen Fehler - und riskiert damit unwissentlich alles, was er und Layken sich gemeinsam aufgebaut haben.


Da ich die Reihe von Ursula Poznanski jetzt vollständig habe, kann ich sie dann auch demnächst lesen. Ich mag es nämlich nicht besonders, auf die Fortsetzung warten zu müssen. Zum Glücken wurden ja ziemlich viele Reihen in letzter Zeit fertig gestellt. Nur komme ich mit dem Lesen jetzt kaum hinterher.

Lest ihr immer sofort die aktuellen Bestseller?
Wie häufig kauft ihr euch neue Bücher?

Dienstag, 2. September 2014

[Statistik] August 2014

Diesen Monat habe ich es sogar geschafft, alle Bücher auch zu rezensieren, die ich gelesen habe. Und die beiden aus dem Juli gleich mit. Trotzdem ist die Liste der Neuzugänge mal wieder länger als die der gelesenen Bücher. Ob sich das jemals ändern wird?

Neuzugänge:
- "Flammenmond" von Rebekka Pax [neu]
- "Winston - Agent auf leisen Pfoten" von Frauke Scheunemann [neu]
- "Engelspakt" von Alex Thomas [neu]
- "Pretty" von Scott Westerfeld [neu]
- "Special" von Scott Westerfeld [neu]
- "Extra" von Scott Westerfeld [neu]
- "Gelöscht" von Teri Terry [neu]
- "Zersplittert" von Teri Terry [neu]
- "Vernichtet" von Teri Terry [neu]

Gesamtanzahl: 9 Bücher



Gelesen und rezensiert:
- "Elijah" von Jacquelyn Frank (399 Seiten) [5/5]
- "Damien" von Jacquelyn Frank (397 Seiten) [3/5]
- "Noah" von Jacquelyn Frank (518 Seiten) [5/5]
- "Adam" von Jacquelyn Frank (328 Seiten) [3/5]
- "von Bitterweg. Das DuneburgDebakel" von Platti Lorenz (347 Seiten) [4/5]

Bücher insgesamt: 5 Bücher
Seiten insgesamt: 1989 Seiten
durchschnittliche Bewertung: 4 von 5 Schreibfedern