Sonntag, 18. Januar 2015

[Rezension] Schöne neue Welt – Aldous Huxley



Titel: Schöne neue Welt
Autor: Aldous Huxley
Verlag: Fischer Verlag
Erscheinungsdatum: 10. März 2014
Einband: Softcover
Seiten: 368
ISBN: 978-3-596905-73-3
Preis: 9,99 € [D]

Klappentext:
1932 erschien eines der größten utopischen Bücher des 20. Jahrhunderts: ein heimtückisch verführerischer Aufriss unserer Zukunft, in der das Glück verabreicht wird wie eine Droge. Sex und Konsum fegen alle Bedenken hinweg und Reproduktionsfabriken haben das Fortpflanzungsproblem gelöst. Es ist die beste aller Welten – bis einer hinter die Kulissen schaut und einen Abgrund aus Arroganz und Bosheit entdeckt.

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Das Buch hält sich nicht groß mit einer Einleitung auf, sondern lässt den Leser direkt in die Handlung einsteigen. Eine Gruppe Studenten wird gerade vom Brut- und Normdirektor durch die Zentrale begleitet und die Geschichte beginnt mitten in dieser Führung. Nach und nach passieren die Studenten, die im späteren Verlauf des Buches keinerlei Rolle mehr spielen, die unterschiedlichen Räume. Sie können bei der Befruchtung der Eizellen zusehen, die im Brutofen aufbewahrten Ovarien betrachten und Mitarbeiter bei der Befüllung der Flaschen beobachten, in denen die künstlich gezeugten Kinder heranwachsen werden, bevor sie im Entkorkungszimmer das Licht der Welt erblicken. Im Normungssaal wird den Kleinkindern Angst vor Büchern und der Natur ankonditioniert und im Freien rennen die Kinder allesamt nackt herum und verbringen die Zeit mit Doktorspielen.
Über das ganze Buch hinweg hält sich die Handlung auf diesem Niveau. Es ist ein träges Gleiten, das nirgendwo anfängt und nirgendwo endet. Der Leser steigt auf der ersten Seite in die Handlung ein und auf der letzten Seite wieder aus, aber es führt nirgendwo hin. Es entsteht keine Geschichte in dem Buch, weil es keinerlei Entwicklung gibt. Die Seiten sind gefüllt mit aneinander gereihten Szenen, die scheinbar willkürlich ausgewählt sind und kein Ziel verfolgen.

Zudem hat das Buch keinen eindeutigen Protagonisten, sondern mehrere erzählende Figuren, die manchmal nach einem Szenenwechsel einfach nicht mehr auftauchen. Gerade zu Beginn der Geschichte gibt es extrem schnelle Perspektivenwechsel. Teilweise wird aus drei Perspektiven nur je ein halber Satz berichtet, wodurch ziemliche Verwirrung entsteht, zumal der Wechsel der Perspektive (zumindest in meiner Ausgabe) auch nicht markiert ist. Einige Stellen musste ich drei- bis viermal lesen, bevor ich die Satzfragmente dem jeweiligen Schauplatz zuordnen konnte. Das macht das Lesen unnötig anstrengend.
Dieser schnelle Perspektivenwechsel hat jedoch auch sein Gutes. Wenn vom Direktor, der die Theorie der Massenproduktion der nächsten Generation erklärt, zu einem Mitarbeiter in der entsprechenden Abteilung und dann weiter zu einem anderen Menschen, der diesen Schritt der Normung durchlaufen hat, gesprungen wird, ist die Wirkung der Methode direkt beobachtbar. Beispielsweise werden den Kindern die Regeln der Gesellschaft mit einer Methode, die Schlafschule genannt wird, noch vor der Geburt beigebracht. Für eine bestimmte Anzahl von Nächten wird den Kindern eine Tonbandaufnahme in hundertfacher Wiederholung vorgespielt, sodass sich die Gebote tief in ihrem Kopf festsetzen. Der Direktor erklärt den Studenten die Theorie hinter der Methode, während die die Mitarbeiterin gerade das Tonband für diese Nacht einschaltet und irgendein anderer Mensch bei seiner normalen Arbeit dieselben Wörter vor sich hin murmelt. Nichtsdestotrotz ist es anstrengend, dem schnellen Wechsel zu folgen.

Des Weiteren verstehe ich jetzt, warum „Schöne neue Welt“ (Originaltitel: Brave new world) so eine beliebte Schullektüre für den Englischunterricht ist. Das Buch bietet unglaublich viel Material für diverse Analysen. Das Hauptthema ist natürlich Gentechnik, aber auch Wahrheit und Gleichheit werden thematisiert. In einer Welt, die komplett der Wissenschaft gehorcht, gibt es außerdem keine Religion mehr, durch die Normung und Einflüsterungen noch vor der Geburt werden der freie Wille und das unabhängige Denken eingeschränkt. Für den Schulunterricht bietet das natürlich jede Menge Material, als Freizeitlektüre hat mir das Buch entschieden zu wenig Handlung und beschäftigt sich zu viel mit Philosophie.

Fazit:
Trotz anfänglich extrem schneller und ordentlich verwirrender Perspektivenwechsel ist das Buch an sich langatmig und die Handlung äußerst träge. Weder die Welt noch die Protagonisten entwickeln sich, sodass die gesamte Geschichte kein Ziel hat und auf nichts hinausläuft. Als Schullektüre mag das Buch gut geeignet sein, für die Freizeit ist es mir zu unzusammenhängend, ziellos und philosophisch. Daher kann ich „Schöne neue Welt“ nur zwei Schreibfedern geben.


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