Dienstag, 20. Januar 2015

[Rezension] Seelen – Stephenie Meyer



Titel: Seelen
Autor: Stephenie Meyer
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: 26. Mai 2011
Einband: Softcover
Seiten: 912
ISBN: 978-3-551310-36-1
Preis: 9,99 € [D]

Klappentext:
Planet Erde, irgendwann in der Zukunft. Fast die gesamte Menschheit ist von sogenannten Seelen besetzt. Diese nisten sich in die menschlichen Körper ein und übernehmen sie vollständig - nur wenige Menschen leisten noch Widerstand und überleben in den Bergen, Wüsten und Wäldern. Eine von ihnen ist Melanie. Als sie schließlich doch gefasst wird, wehrt sie sich mit aller Kraft dagegen, aus ihrem Körper verdrängt zu werden und teilt ihn fortan notgedrungen mit der Seele Wanda. Verzweifelt kämpft sie darum, ihren Geliebten Jared wiederzufinden, der sich mit anderen Rebellen in der Wüste versteckt hält - und im Bann von Melanies leidenschaftlichen Gefühlen und Erinnerungen sehnt sich auch Wanda mehr und mehr nach Jared, den sie nie getroffen hat ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Nach der Bis(s)-Reihe bin ich skeptisch an dieses Buch herangegangen, weil mir Stephenie Meyers Stil dort überhaupt nicht zugesagt hat. Aber „Seelen“ hat mich rundum positiv überrascht. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich so leicht lesen, dass es einfach ist, durch die Seiten zu fliegen. An den richtigen Stellen sind die Szenen gestreckt oder gekürzt, sodass die Geschichte nie langatmig wird, aber auch nicht hetzt. Und auch die Beschreibungen der Landschaft, Gedanken und Gefühle sind realistisch und nur dann durch die rosarote Blümchenbrille, wenn es der Gemütszustand der Protagonistin das erfordert.

Aber auch inhaltlich hat das Buch viel zu bieten. Es beginnt mit den Charakteren, die glaubwürdig ausgearbeitet sind. Melanie ist eine Widerstandskämpferin, die die Seelen hasst und sich vor ihnen versteckt. Sie hat einen starken Willen und vertritt ihre Sachen entschlossen genug, um den Tod der Ergreifung durch die Seelen vorzuziehen. Doch der Plan misslingt und die sanfte Seele Wanderer, später Wanda genannt, wird in ihren Körper verpflanzt. Doch Melanie ist stark und will sich nicht einfach geschlagen geben. So beginnt ein erbitterter Kampf um den Körper, in dem sie beide stecken. Was leicht in einen Zickenkrieg ausarten könnte, hält die Autorin aber auf einem der Geschichte dienlichen Niveau. Während Wanda versucht, aus Melanies Erinnerungen alles über den menschlichen Widerstand zu erfahren, nutzt Melanie ihre Erinnerungen an ihren Freund Jared als Waffe und überflutet Wanda mit für Seelen völlig unbekannten Gefühlen. Immer wieder flammen die Auseinandersetzungen auf und der Konflikt ist allgegenwärtig, doch in der Geschichte bleibt auch genug Platz für andere Handlung.
Besonders erwähnenswert finde ich dabei die Reifung, die die beiden durchmachen. So untrennbar verbunden, erfährt Melanie Dinge von Wanda, die ihre Sicht auf die Seelen in Frage stellen. Und Wanda lernt, was es heißt, ein Mensch zu sein. Und trotz des ständigen Konflikts gibt es auch Situationen, in denen sie zusammenarbeiten, um den Körper zu retten, in dem sie gemeinsam stecken. Das führt unvermeidlich zu Veränderungen und denen wird in diesem Buch viel Raum gegeben.

Der Kampf um den Körper ist jedoch nicht der einzige Konflikt, denn außer Melanie gibt es noch weitere Widerstandskämpfer. Die Seelen kommen ihrem Versteck immer näher und werden wachsamer, sodass es schwieriger für sie wird, an Nahrungsmittel und andere wichtige Dinge zu kommen. Die verschiedenen Auseinandersetzungen treiben die Spannung in der Geschichte immer wieder in die Höhe und erleichtern es dadurch noch mehr, durch die Seiten zu fliegen. Wenn sich die Auseinandersetzung im Körper für einen Moment beruhigt hat, droht Gefahr von den Seelen. Das Meistern dieser Situation führt wiederum zu Streits unter den wenigen Menschen, die noch verblieben sind. Diese Kombination hält den Spannungsbogen immer aufrecht.

Schade finde ich bloß, dass die Autorin ihrer eigenen Geschichte nicht vertraut. Eigentlich ist genug Potenzial umgesetzt worden, um ein so gutes Buch entstehen zu lassen, dass auch ein nicht vollständig zufrieden stellendes Ende für jeden Leser in Ordnung sein müsste. Aber wie um sicher zu gehen, hat Stephenie Meyer noch ein zweites Ende geschrieben, das ein fast schon übertriebenes Happy End ist. Leider ist dieses Alternativende nicht als solches markiert. Hätte ich das gewusst, dann hätte ich nicht weiter gelesen, denn für mich war die Geschichte nach dem eigentlichen Ende besser und runder abgeschlossen.

Fazit:
Das Buch hat mich rundum positiv überrascht. Die Charaktere sind vielschichtig konzipiert und reifen während der Geschichte mit ihren Aufgaben und miteinander. Die Handlung ist geprägt durch unterschiedliche Konflikte, die den Spannungsbogen aufrechterhalten. Doch nicht nur deshalb, auch wegen des flüssigen Schreibstils ist es leicht, durch die vielen Seiten des Buches zu fliegen. „Seelen“ bekommt von mir eindeutig alle fünf Schreibfedern.




Anmerkung zum Film: Die arme Frau hat einfach kein Glück mit den Verfilmungen ihrer Bücher. Auch dieser Film ist völlig fehlbesetzt, die gesamte Emotionalität geht verloren und die Computeranimationen sind wirklich schlecht ins Bild montiert. Der einzig positive Punkt an der Verfilmung ist der Soundtrack, der wirklich viel Stimmung transportiert hat.


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