Samstag, 18. April 2015

[Rezension] Irgendwie Lions Roar – Chris P. Rolls



Titel: Irgendwie Lions Roar
Autor: Chris P. Rolls
Verlag: Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 16. Dezember 2013
Einband: Softcover
Seiten: 383
ISBN: 978-1-494347-79-6
Preis: 13,99 € [D]

Klappentext:
Alex Rotkamp, ehemaliger Pornostar und Model, betreibt Sex als Kunstform, stets auf der Suche nach Perfektion. Er arrangiert die Situationen wie im Film: Inszenierungen aus Licht, Schatten und Lust. Während eines Besuchs im Gaytronic trifft er auf Markus, in dem er einen ebenbürtigen Gegner wittert. Das Spiel der beiden wird jedoch bald intensiver als gedacht, und Alex entgleitet zunehmend die Kontrolle.

Einordnung:
- Irgendwie Anders (Teil 1) 
- Irgendwie Top (Teil 2) 
- Irgendwie Lions Roar (Teil 3)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten beiden Teile enthalten!

Auch der dritte Teil der Irgendwie-Reihe ist wieder absolut mitreißend. Obwohl noch einmal die gleiche Geschichte erzählt wird wie in „Irgendwie Top“, sodass seitens der Handlung keine Überraschung zu erwarten ist, ist das Buch trotzdem spannend. Das Spiel zwischen Alex und Markus ist hier nicht weniger intensiv als im vorherigen Band, weil sich auch Alex, aus dessen Perspektive diesmal berichtet wird, kaum der starken Emotionen erwehren kann und im Rausch immer mehr die Kontrolle verliert. Obwohl ich den Handlungsverlauf kannte, habe ich mehrfach um den sensiblen Markus gebangt, weil Alex anfangs nur ein eiskalter Jäger auf der Suche nach einer neuen Trophäe ist. Immer wieder habe ich mich gefragt, bis zu welchem Punkt er tatsächlich nur sein Spiel mit Markus treibt, immer mit der Angst, es könnte etwas zwischen ihnen zerstören – obwohl ich eigentlich aus dem letzten Teil bereits wusste, dass das nicht der Fall sein würde. Es gelingt der Autorin wirklich, dem Leser trotz bekanntem Handlungsverlauf das Herz vor Nervosität bis zum Hals schlagen zu lassen.

Nichtsdestotrotz ist dieses Buch zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig gewesen, weil sich Alex, ganz im Gegensatz zu Markus, nicht mit Umschreibungen aufhält, sondern die Dinge kurz und knapp auf den Punkt bringt. Das liegt wohl einerseits daran, dass so unnötige Doppelungen mit den Beschreibungen aus „Irgendwie Top“ vermieden werden können, andererseits passt dieser Stil aber auch absolut zu Alex‘ arrogantem Macho-Charakter. Er ist direkt und ziemlich kurz angebunden, um nichts zu nah an sich heran zu lassen. Doch so wie Alex, entwickelt sich auch der Erzählstil im Laufe der Geschichte weiter. Während sich anfangs ein kurzer Hauptsatz an den nächsten reiht, fließen mit der Zeit immer mehr Nebensätze in die Erzählung ein. Letztlich ist dem Buch die nötige Gewöhnungszeit aufgrund des enormen Stilwechsels also eher positiv anzurechnen, denn dadurch unterscheiden sich die Geschichten mehr als durch die verschiedenen Sichtweisen auf diverse Szenen.

Völlig identisch sind die geschilderten Szenen natürlich trotzdem nicht, denn da Alex in diesem Buch als Ich-Erzähler fungiert, werden die Situationen, die ihm wichtig sind, ausführlicher beleuchtet. Beispielsweise beschreibt er seine Versuche, den perfekten Sex zu inszenieren, in mehr Details als Markus, der darin schließlich nur einen weiteren Schachzug in ihrem Spiel sieht. Außerdem enden die Bücher zeitlich nicht parallel, denn für Alex ist auch sein Vater eine wichtige Person, sodass in seine Schilderung der Ereignisse definitiv auch Begegnungen mit ihm hinein gehören. Gleiches gilt für seine Versuche, mit seiner Pornovergangenheit und allen damit verbundenen Erinnerungen abzuschließen. Wie schon „Irgendwie Top“ hat auch dieses Buch einen sehr runden Abschluss, der wohl vor allem dadurch zustande kommt, dass er individuell auf Alex zugeschnitten und nicht einfach aus Markus‘ Erzählungen übernommen ist.

Fazit:
Obwohl das Buch die Geschichte aus „Irgendwie Top“ noch einmal erzählt, ist es wieder spannend und mitreißend. Beschreibungen und Erzählstil sind wunderbar an Alex‘ Charakter angepasst. Der Fokus liegt dementsprechend auf den Details, die für den perfektionistischen Alex wichtig sind, während die kurzen, knappen Sätze seine Unnahbarkeit gut zur Geltung bringen. Außerdem hat die Autorin Doppelungen an allen möglichen Stellen vermieden und für dieses Buch ein individuell passendes Ende gefunden. Obwohl ich Markus nach wie vor noch ein wenig lieber mag, bekommt auch „Irgendwie Lions Roar“ definitiv alle fünf Schreibfedern von mir.


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