Dienstag, 21. April 2015

[Rezension] Rot. Grün? Blind! – S. B. Sasori



Titel: Rot. Grün? Blind!
Autor: S. B. Sasori
Verlag: Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 16. Oktober 2014
Einband: Softcover
Seiten: 69
ISBN: 978-1-502809-40-7
Preis: 3,60 € [D]

Klappentext:
Wer ist der smarte Blonde, der mit Frank-Sinatra-Hut und Sonnenbrille aus dem Fond einer Limousine steigt? Finn kann sein Glück kaum fassen, als er erfährt, dass es sich um seinen neuen Nachbarn handelt. Aber warum überquert H. Veller, ohne nach rechts und links zu sehen, die Straße? Und dies zur hektischsten Berliner Rushhour? Finn eilt dem seltsamen jungen Mann zur Hilfe und begreift, warum Rot eine schreckliche Farbe ist und Schatten guttun können.

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Wegen des Wortspiels im Titel ist mir besonders diese Geschichte der Autorin ins Auge gefallen. Und was mich schon als unwissenden Leser begeistert hat, wird in dem Buch dann auch nochmals aufgegriffen und erklärt. Jeder Teil hat eine ganz besondere Bedeutung. So erfährt der Leser beispielsweise schon auf den ersten Seiten, dass Hannes, einer der beiden Protagonisten, ein rotes Motorrad fährt. Anfangs erscheint es noch wie ein Zufall, doch nach und nach wird deutlich, dass der ungewöhnliche Titel perfekt zur Geschichte passt.

Ebenfalls positiv aufgefallen ist mir der Charakter der Figuren. Auch auf so wenigen Seiten hat die Autorin es geschafft, sympathische und unsympathische Charaktere zu erschaffen. Das liegt vor allem an der Art, mit der sie Hannes begegnen, der sich in einer sehr schwierigen Situation befindet. Auf der einen Seite begleitet ihn sein Freund Stefan, dessen von Mitleid getränktes, fürsorgliches Benehmen gemeinsam mit der fast schon unverschämte Behutsamkeit dafür sorgt, dass ich sehr einverstanden damit war, ihn hochkant aus der Wohnung zu werfen. In seinem Übereifer versteckt er nämlich beispielsweise sogar die Küchenmesser vor Hannes. Auf der anderen Seite erscheint Finn auf der Bildfläche, dessen direkte, freche Art genau die Gelassenheit in die Szene bringt, die Hannes braucht. Statt alle gefährlichen Dinge vor ihm zu verstecken, bittet Finn zum Beispiel schon bei der ersten Begegnung darum, Hannes möge ihn vorwarnen, wenn er das nächste Mal mitten im Berufsverkehr einfach über die Straße läuft, damit er seine Kopfhörer aufsetzen kann, um nicht das Quietschen der Reifen zu hören, wenn er überfahren wird. Was hier makaber klingt, ist in der Geschichte genau die Einstellung, durch die Finn zur sympathischsten Figur des Buches wird – nicht nur in meinen Augen.

Der einzige Kritikpunkt an dem Buch ist die Geschwindigkeit, mit der sich die Handlung entwickelt. Abgesehen von den ersten fünf Seiten spielt die gesamte Geschichte an einem einzigen Tag, sodass sich in dem Zeitrahmen auch alle zwischenmenschlichen Beziehungen entwickeln müssen. Da es sich nur um eine Kurzgeschichte handelt, lässt es sich kaum vermeiden, dass die Charaktere direkt mit der Tür ins Haus fallen. Trotzdem hätten sowohl das Thema als auch die Charaktere noch viel Potenzial für ein dickeres Buch hergegeben.

Fazit:
Der Titel des Buches, hinter dem sich eine tiefere Bedeutung versteckt, die jedoch überhaupt nicht erzwungen ist, ist ein echter Glücksgriff – vor dem Lesen der Geschichte auffallend, danach absolut perfekt. Ebenfalls gelungen sind die Figuren. Trotz der wenigen Seiten verschwimmen sie nicht zu einer Masse, sondern besitzen jeweils einen eigenen Charakter, der sie unsympathisch macht oder aber den Leser zum Lachen bringt. Leider handelt es sich bei dem Buch aber nur um eine Kurzgeschichte, sodass viel Potenzial ungenutzt bleibt. Daher bekommt „Rot. Grün? Blind!“ insgesamt vier Schreibfedern von mir.


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