Montag, 11. Mai 2015

[Rezension] Bodycaught – Chris P. Rolls



Titel: Bodycaught
Autor: Chris P. Rolls
Verlag: Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 01. November 2013
Einband: eBook
Seiten: 936
ISBN: 978-1-492940-54-8
Preis: 8,49 € [D]

Klappentext:
Alecs Traum von Liebe und Zuneigung scheint sich zu erfüllen, als er dem attraktiven Adrian Adson begegnet. Doch schnell wird aus dem erotischen Spiel bitterer Ernst. Gefangen wie ein Tier, ist Alec Adrian hilflos ausgeliefert, bis ein Polizeieinsatz ihn und den Polizisten Mike zusammenführt. Mike muss sich bald fragen, ob seine Gefühle für den jungen Mann mehr als nur Beschützerinstinkte sind. Zudem ist Adrian noch immer auf freiem Fuß ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Der Einstieg in das Buch ist mir wirklich schwer gefallen. Das liegt hauptsächlich, wenn nicht sogar ausschließlich, an der Perspektive, aus der erzählt wird. Zu Beginn ist der Erzähler der 20jährige Alec, der zum ersten Mal in seinem Leben einen Schwulenclub besucht. Normalerweise mag ich es, wenn nicht alle Männer in einer Geschichte steinhart und eiskalt sind, aber Alec ist so schrecklich naiv und weinerlich, dass ich seine Perspektive sehr gewöhnungsbedürftig fand. Gegen Ende bin ich doch noch warm mit ihm geworden, auch wenn ich nach wie vor lieber in Mikes Kopf gesteckt habe. Nichtsdestotrotz hat mich der Anfang des Buches daher nicht sonderlich fesseln können.

Nach diesen Anfangsschwierigkeiten hat das Buch dafür umso mehr Emotionen wecken können – besonders negative. Selten habe ich beim Lesen einer Geschichte einen so tiefen Hass für einen Charakter empfunden. Aber Adrian toppt alle anderen Bösewichte. Er hat mich so aggressiv gemacht, dass ich Mike nur für seine Professionalität bewundern kann, mit der er einen kühlen Kopf bewahrt, denn ich bin mir sicher, dass ich Adrian schon bei unserer ersten Begegnung gnadenlos erschossen hätte. Gleichzeitig hat mich das aber auch wahnsinnig gemacht. So gerne wollte ich auf Adrian einschlagen und ihn windelweich prügeln, aber letztlich hatte ich ja nur das Buch in der Hand und Mike wollte meinen Anweisungen einfach nicht folgen. Da gilt mein ganzer Respekt der Autorin, die die Charaktere gut unter Kontrolle hat und sie und sich nicht gehen lässt.
Eine Szene, die mir (leider?) mit besonderer Intensität hängen geblieben ist, spielt sich gegen Ende der Geschichte ab. Alles steuert auf den Höhepunkt zu und die Handlung wird immer dramatischer, sodass Herzrasen ohnehin vorprogrammiert ist. Mitten in diesen Szenen gibt es dann einen Moment, in dem sich Alec notgedrungen selbst den Daumen bricht. In diesem Augenblick ist mir wirklich richtiggehend übel geworden. Ich bin sicher, in dieser Geschichte kann jeder Leser eine Szene finden, die ihn persönlich an seine Grenze bringt.

Doch obwohl es viele gewaltreiche Szenen, schockierende Momente und traumatische Erlebnisse gibt, hat die Autorin diese Themen sehr sensibel angefasst. Besonders dem psychischen Zustand der Charaktere sind sehr viele Seiten gewidmet. Jede Gewalterfahrung hinterlässt Spuren und beschert den Charakteren Angst und Albträume. Manchmal befinden sie sich am Rand des Nervenzusammenbruchs oder schon darüber hinaus. Kein Ereignis, kein Tag zieht einfach an ihnen vorbei. Das hat mir sehr gut gefallen, denn sexuelle Gewalt und Freiheitsberaubung sind keine leichten Themen, die nebenbei passieren. Alles wird, teilweise mit psychologischer Hilfe, ordentlich und sorgfältig aufgearbeitet. Außerdem sind die meisten Dinge so gut recherchiert, dass nicht ein einziges Mal der Eindruck entsteht, dass die Autorin leichtfertig mit dem Thema umgeht.

Fazit:
Dieses Buch ist wirklich nichts für schwache Nerven, aber dafür umso authentischer. Es gibt gewaltreiche und verstörende Szenen, doch jedes Mal wird dem psychischen Zustand der Charaktere ausreichend Platz eingeräumt, um einen sensiblen Umgang mit den Themen sexuelle Gewalt und Freiheitsberaubung zu sichern. Die Geschichte weckt eine ganze Menge Emotionen, besonders beim immer dramatischer werdenden Finale. Einzig der Beginn des Buches hat mir nicht gefallen, weil ich eine ganze Weile gebraucht habe, um mit dem unglaublich weinerlichen und naiven Protagonisten Alec warm zu werden. Insgesamt gibt es daher für „Bodycaught“ vier Schreibfedern von mir.




Ich bedanke mir herzlich bei der Autorin Chris P. Rolls für das Rezensionsexemplar!

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