Montag, 29. Juni 2015

[Rezension] Ghostwalker: Ruf der Erinnerung – Michelle Raven



Titel: Ghostwalker – Ruf der Erinnerung
Autor: Michelle Raven
Verlag: Egmont LYX
Erscheinungsdatum: 08. Dezember 2011
Einband: Softcover
Seiten: 425
ISBN: 978-3-802585-08-1
Preis: 9,99 € [D]

Klappentext:
Isabel Kerrilyan verfügt über eine besondere Verbindung zu den Gestaltwandlern und kann deren Gefühle spüren. Als sie von dem zwielichtigen Geschäftsmann Lee entführt wird, folgen die beiden Berglöwenwandler Keira und Sawyer ihrer Spur. Auch der junge Wandler Bowen, dem Isabel einst das Leben rettete, setzt alles daran, sie zu befreien. Doch der Entführer ist weit skrupelloser als angenommen, und es beginn ein Wettlauf gegen die Zeit ...

Einordnung:
- Die Spur der Katze (Teil 1) 
- Pfad der Träume (Teil 2) 
- Fluch der Wahrheit (Teil 4) 
- Ruf der Erinnerung (Teil 5)
- Tag der Rache (Teil 6)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten vier Teile enthalten!

Im fünften Teil der Reihe liegt der Fokus nicht nur auf neu vorgestellten Charakteren, sondern auch auf schon bekannten Figuren. Zum einen wird die Beziehung von Bowen und Isabel wieder beleuchtet, die sich seit einem Jahr nicht mehr gesehen haben, zum anderen tauchen mit dem mysteriösen Caruso und der Polizistin Dawn vollkommen neue Figuren auf. Eine der Hauptfiguren ist außerdem die Wandlerin Keira, die in dieser Geschichte begleitet wird von Sawyer, einem Wandler, der im vierten Band bereits kurz in Erscheinung getreten ist.
Während mir Caruso und Dawn bis zum Schluss nicht besonders sympathisch geworden sind, gefallen mir die anderen Handlungsstränge umso mehr. Die eigenwillige Keira wehrt sich mit allen Mitteln gegen ihre Zuneigung für Sawyer, den ihr Widerstand wiederum überhaupt nicht interessiert. Anders als in den bisherigen Bänden begründet sich ihre Gegenwehr aber nicht verzweifeltem, selbstmitleidigem Gejammer in ihren Gedanken, sondern vor allem in ihren Handlungen. Sie benimmt sich wie eine verärgerte Wildkatze, kratzt und faucht und wenn sie sich gerade in Menschenform befindet, sagt sie meist nicht besonders nette Dinge. Dadurch wird sie nicht nur Sawyer, sondern auch dem Leser immer sympathischer.
Im Gegensatz dazu sind Isabel und Bowen umso sanfter, obwohl sie sich der Gefühle des jeweils anderen nicht sicher sind. Dadurch, dass sie um einiges jünger sind als die anderen Charaktere, stehen hier auch ausnahmsweise Zuneigung und Zärtlichkeit im Vordergrund statt Leidenschaft und Besitzansprüche. Das zieht den Leser emotional in die Geschichte und stellt ein schönes Gegengewicht zu den übrigen Beziehungen dar. Wann immer es um die beiden Figuren geht, ist der Romantic-Teil der Geschichte auch tatsächlich mal romantisch und nicht bloß erotisch.

Generell nimmt der Romantic-Teil in diesem Buch aber auch nur wenig Platz ein. Die Nebenhandlung der ersten vier Bände wird hier schon auf den ersten Seiten wieder aufgegriffen und weiter ausgeführt. Die Geschehnisse spitzen sich immer weiter zu, sodass der Fantasy-Anteil hier sehr hoch ist und außerdem viel Spannung entsteht. Das liegt aber nicht nur daran, dass die Handlung generell endlich weiter vorangetrieben wird, sondern auch daran, dass viele Handlungsstränge halb aufgelöst werden, der Leser aber vor dem kompletten Durchbruch in der Luft hängen gelassen wird. Diese Spannung, weil genau zu spüren ist, dass nur noch eine kleine Information fehlt, um alles zu verstehen, lässt geradezu durch die Seiten fliegen.

Trotz allem habe ich auch Kritik an diesem Buch. Um alle Charaktere glücklich zu machen, ist noch ein sechster Band notwendig, für die Handlung wäre er das aber eigentlich nicht. Immer wieder wird betont, dass es darauf hinauslaufen wird, dass die Wandler und ihre Verbündeten ihren Feind Lee töten. Mehrfach entzieht er sich dem, gegen Ende dieses Buches wird es allerdings ziemlich unrealistisch. Er liegt bewusstlos auf dem Boden und zwei geladene, entsicherte Pistolen sind in Reichweite, trotzdem wird Lee nicht erschossen, weil angeblich keine Möglichkeit besteht, das schnell zu erledigen. Auf den nächsten Seiten wird deutlich, dass die Autorin die Schusswaffen scheinbar völlig vergessen hat. Das ist ziemlich ungeschickt gemacht und reißt damit am Ende ein bisschen aus der Geschichte.

Fazit:
Das Buch ist sehr gelungen. Fast alle Charaktere, aus deren Perspektive geschildert wird, sind sympathisch. Generell nimmt der Romantic-Teil in diesem Buch nur einen geringen Teil ein. Die Handlung wird spannend vorangetrieben und es zeigen sich erste Lösungsansätze. Wann immer es aber um die Beziehung der Charaktere geht, gibt es deutliche Unterschiede zu den vorherigen Büchern. Zwar wehrt sich die aufmüpfige Keira ebenfalls gegen ihre Gefühle, aber sie jammert nicht nur in Gedanken, sondern verhält sich wie eine Wildkatze, wovon sich Sawyer überhaupt nicht beeindrucken lässt, sondern es mit Humor nimmt. Und bei Isabel und Bowen steht nicht die Leidenschaft, sondern die Zuneigung im Vordergrund. Einziger Kritikpunkt ist das unrealistische Ende, das auf ein eigentlich überflüssiges sechstes Buch vorbereitet. Insgesamt bekommt „Ruf der Erinnerung“ aber trotzdem fünf Schreibfedern von mir.


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