Freitag, 31. Juli 2015

[Rezension] Gelöscht – Teri Terry



Titel: Gelöscht
Autor: Teri Terry
Verlag: Coppenrath Verlag
Erscheinungsdatum: Juni 2013
Einband: Hardcover
Seiten: 429
ISBN: 978-3-649611-83-7
Preis: 17,95 € [D]

Klappentext:
Kylas Gedächtnis wurde gelöscht, ihre Persönlichkeit ausradiert, ihre Erinnerungen sind für immer verloren. Kyla wurde geslated. Aber die Stimmen aus der Vergangenheit lassen die Sechzehnjährige nicht los – hat sie wirklich unschuldige Kinder bei einem Bombenanschlag getötet? Zählte sie zu einer Gruppe von gefährlichen Terroristen? Und warum steht ein Bild von ihr auf einer geheimen Webseite mit vermissten Kindern? Kyla wird immer wieder von Flashbacks aus ihrem früheren Leben eingeholt und begreift allmählich, dass ihre wahre Identität ein großes Geheimnis birgt. Gemeinsam mit Ben, einem anderen Slater, in den sie sich verliebt, begibt sie sich auf die Suche nach der Wahrheit – doch wem kann sie überhaupt noch vertrauen?

Einordnung:
- Gelöscht (Teil 1)
- Zersplittert (Teil 2)
- Bezwungen (ehem. Vernichtet) (Teil 3)

Rezension:
Die Welt, die die Autorin erschaffen hat, ist realistisch konzipiert. Die Geschichte spielt im Jahr 2054 in England, das sich von der EU distanziert und alle Grenzen geschlossen hat. Daraufhin hat sich immer mehr Terrorismus ausgebreitet und selbst für Jugendliche wurden Todesstrafen verhängt. Um das Problem einzudämmen, ist das Slating erfunden worden: Den Jugendlichen werden sämtliche Erinnerungen genommen und ein Gerät, das Levo genannt wird, überwacht ihre Emotionen und setzt sie außer Gefecht, wenn die Gefahr besteht, dass sie anderen Menschen Schaden zufügen.
Mitten in diese Welt wird die 16-jährige Kyla gesetzt, nachdem sie geslated wurde. An ihrer Seite erfährt der Leser, wie es momentan in England aussieht, welche Konflikte und welche Fronten es gibt. Dadurch erspart sich die Autorin eine lange Einleitung und beginnt stattdessen direkt mit der Geschichte. Je länger Kyla aber bei ihrer neuen Familie lebt, desto deutlicher wird, dass das Slating nicht so gut ist wie es zu sein scheint. Immer wieder werden Andeutungen gemacht, dass das Levo nicht nur daran hindert, starke negative Gefühle zu empfinden, sondern die Slater auch von ihrer Familie, ihren Lehrern, ihren Ärzten und Betreuern überwacht werden, dass ihr Gehirn manipuliert wurde, um sie die meisten Zeit über fröhlich und glückselig sein zu lassen, und dass sie bei nachdrücklichen Argumentationen kaum einen eigenen Willen besitzen.
All diese Dinge sind wichtige Grundsteine, um die Konflikte in der Geschichte voranzutreiben und die Handlung rasant zu gestalten. Leider geschieht weder das eine noch das andere in diesem Buch. So nachvollziehbar und realistisch die Geschichte auch ist, sie nimmt nie richtig Fahrt auf, sondern plätschert immer nur munter vor sich hin. Wer auf Actionszenen oder große Verschwörungen hofft, wird enttäuscht werden. Unterschwellig sind die Konflikte zu spüren, doch keiner kommt wirklich zum Tragen.

Eine bessere Spannungsquelle sind die Charaktere. Von Anfang an ist unklar, wer auf welcher Seite steht. Im Laufe der Geschichte wird dann deutlich, dass überhaupt niemand ist wie er zu sein scheint: Fürchterlich nette Menschen werden plötzlich angsteinflößend oder distanzierte, herablassende Betreuer „vergessen“ offensichtlich absichtlich sensible Details in ihren Berichten über Kyla. Und wenn es endlich aussieht als hätte Kyla eine Person durchschaut, ändert sich plötzlich wieder alles. Es entsteht große Spannung dadurch, dass weder Kyla noch der Leser weiß, welcher Figur Vertrauen geschenkt werden kann und welcher nicht. Das wird noch dadurch verstärkt, dass Kyla trotzdem ziemlich leichtfertig einer ganzen Menge von Personen Dinge anvertraut, die niemand wissen dürfte. Und das könnten sich jeden Moment rächen.

Obwohl mir das Buch insgesamt gefällt, fehlt ihm doch das gewisse Etwas. Obwohl ich Kyla mag, habe ich emotional nicht mit ihr gefühlt, weder wenn sie glücklich war noch wenn der Kummer ihren Levo-Wert beinahe auf eine tödliche „2“ hätte sinken lassen. Sie ist die einzige Erzählerin der Geschichte, die außerdem noch in der Ich-Perspektive erzählt, trotzdem wirkt sie nicht greifbar und relativ oberflächlich. Hinzu kommt die im Klappentext erwählte Liebesgeschichte, die platt von oben herab in ein paar Sätzen geschildert wird. Wenn sich Kyla und Ben nicht geküsst hätten, wäre vermutlich vollkommen an mir vorbei gegangen, dass sie verliebt sind. Die Emotionen wirken aus der Luft gegriffen, setzen viel zu plötzlich ein und sind gleich darauf wieder nebensächlich, sofern sie nicht benötigt werden, um die Geschichte voranzutreiben. An dieser Stelle hätte das Buch gerne etwas ausführlicher sein können, vor allem, weil Kyla nach dem Slating keinerlei Erinnerungen daran hat, wie es ist, zu lieben oder geliebt zu werden.

Fazit:
Die Autorin hat eine realistische Welt konzipiert, in die sie eine logisch begründete Geschichte gesetzt hat. Gemeinsam mit der Ich-Erzählerin Kyla kann der Leser immer neue Aspekte entdecken und sich ein Bild über das Ausmaß des Slatings machen. Leider werden die angedeuteten Konflikte, die sich daraus ergeben, in diesem Buch nicht aufgegriffen, sodass die Handlung vor sich hin plätschert. Spannung entsteht nur dadurch, dass von Anfang bis Ende unklar ist, welche Charaktere vertrauenswürdig sind. Da außerdem die Protagonistin kaum greifbar und die Liebesgeschichte platt und schnell abgehandelt ist, bekommt „Gelöscht“ nur vier Schreibfedern, obwohl es mir gefallen hat.

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