Samstag, 25. Juli 2015

[Rezension] Leben und Liebe – Juli D. Finn



Titel: Leben und Liebe
Autor: Juli D. Finn
Verlag: Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 11. Januar 2014
Einband: Softcover
Seiten: 136
ISBN: 978-1-493772-30-8
Preis: 6,96 € [D]

Klappentext:
Ich bin schwul!
Während des Flo seinen besten Freunden irgendwie schonend mitteilen muss, um die peinlichste Situation ever zu beenden, hat Matti mit den harten Vorurteilen der Schulkameraden zu kämpfen. Milan und Stellan dagegen wissen genau was sie wollen, doch leider müssen sie es auch irgendwann den erzkonservativen Eltern mitteilen. Dass Julian schwul ist, weiß er, doch was er tatsächlich begehrt, wissen nur die Wenigsten. Und Sandro und Marek müssen erst noch herausfinden, was sie wirklich wollen.

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Das Buch besteht aus sechs Kurzgeschichten, die sich alle sehr voneinander unterscheiden, obwohl es in allen um Outings geht. Die Autorin hat die Thematik immer auf eine andere Art und Weise angefasst und auch die trotz der Kürze gut ausgearbeiteten Charaktere sorgen dafür, dass die Geschichten voneinander unterscheidbar sind. Sympathische und eher weniger sympathische Figuren treffen in unterschiedlichen Settings aufeinander und trotzdem bleibt immer auch Zeit, Details zu beschreiben, die für die Geschichte an sich vollkommen irrelevant sind. So entstehen trotz des gleichen Themas sechs vollkommen unterschiedliche Umsetzungen, die sich durch den schönen Schreibstil sehr gut lesen lassen und für kurze Szenen immer wieder wirklich packende Emotionen vermitteln.

Lediglich die Enden der Geschichten haben mir manchmal nicht so richtig gefallen. Es liegt wohl mit daran, dass es sich um Kurzgeschichten handelt, aber hin und wieder kommen die Wendungen zum (Happy) End zu schnell und wirken daher gekünstelt. Die Geschichten  hätten fast alle vielleicht nicht ein eigenes Buch, aber zumindest mehr Seiten verdient, schon allein, um die Problematiken weiter ausführen zu können und sie nicht durch die schnelle Lösung als nichtig darzustellen. Inhaltlich hat mir eigentlich immer gefallen, wie die Handlung endet, es kam nur zu plötzlich, dass die Lösung schon da ist, nur ein oder zwei Seiten, nachdem das Problem geschildert wurde.

Zum Abschluss habe ich noch einen Lacher: Mich haben die Titel der Geschichten mitten im Buch plötzlich ziemlich verwirrt. Während die erste Geschichte „Lapdance für Lars“ und die zweite Geschichte „Geheime Gefühle für Nicholas“ heißt, passt der Titel der dritten Geschichte („Amore Italiano für Carolin“) gar nicht – weder sinngemäß noch bezüglich des Namens, schließlich geht es in dem Buch um das Outing schon schwulen Männern. In dem Moment ging mir dann auf, dass „für X“ die Widmung der Geschichte ist und nicht Teil des Titels. Das fand ich im Nachhinein doch sehr witzig, vor allem, weil mir irgendwie gar nicht aufgefallen war, dass in den ersten beiden Geschichten weder ein Lars noch ein Nicholas vorkommen.

Fazit:
Die Konzeption der Kurzgeschichten ist der Autorin gut gelungen. Trotz der Kürze weisen die Charaktere Tiefe auf, die Settings unterscheiden sich deutlich voneinander und immer wieder haben auch unwichtige Details Einzug in die Geschichte erhalten. Dank des schönen Schreibstils und einiger wirklich packender, emotionaler Szenen ließ sich das Buch wunderbar lesen. Lediglich die ziemlich plötzlichen und daher manchmal etwas gekünstelt wirkenden Lösungen der Geschichten haben mir nicht immer gefallen. Insgesamt bekommt „Leben und Liebe“ daher vier Schreibfedern von mir.


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