Dienstag, 22. September 2015

[Rezension] Phantasmen – Kai Meyer



Titel: Phantasmen
Autor: Kai Meyer
Verlag: Carlsen Verlag
Erscheinungsdatum: 14. März 2014
Einband: Hardcover
Seiten: 398
ISBN: 978-3-551582-92-8
Preis: 19,90 € [D]

Klappentext:
Eines Tages tauchten sie aus dem Nichts auf - die Geister der Toten. Millionen auf der ganzen Welt, und stündlich werden es mehr. Sie stehen da, bewegungslos, leuchtend, ungefährlich. An der Absturzstelle eines Flugzeugs, mitten in Europas einziger Wüste, warten zwei junge Frauen auf die Geister ihrer verunglückten Eltern. Rain hofft, die Begegnung wird ihrer jüngeren Schwester Emma helfen, Abschied zu nehmen. Auch Tyler, ein schweigsamer Norweger, ist auf seinem Motorrad nach Spanien gekommen, um ein letztes Mal seine große Liebe Flavie zu sehen. Dann erscheinen die Geister. Doch diesmal lächeln sie. Und es ist ein böses Lächeln.

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Die Geschichte wirkt von Anfang an sehr natürlich. Gerade zu Beginn ist jedes Ereignis und jede Handlung begründet. Es wirkt daher nicht einmal wie ein Klischee, dass ein attraktiver junger Mann in der Wüste auftaucht, der Rain und ihre Schwester Emma dann natürlich auf seinem Motorrad mitnimmt. Der Autor lässt die Charaktere immer zu den gleichen Schlüssen kommen und die gleichen Entscheidungen treffen wie den Leser, wodurch die Geschichte authentischer und greifbarer wird. Es entsteht das Gefühl, dass die Handlung wirklich so abgelaufen sein könnte, weil die konstruierten Szenen und gestelzten Dialoge fehlen.

Mir gefällt außerdem der große Fantasy-Anteil sehr gut. Für mich ist es eine neue Art von Fantasy, da ich noch kein Buch mit Geistern gelesen habe, vor allem, weil sich zwar alles um sie dreht, sie aber nicht aktiv in die Handlung eingreifen. Damit einher geht ein extrem geringer Romantik-Anteil, was für ein Jugendbuch nicht selbstverständlich ist. Hier ist es aber sehr authentisch, denn die Protagonisten jagen von einer lebensbedrohlichen Szene in die nächste und sind immer auf der Flucht vor der Apokalypse. Das Buch legt den Fokus auf die für die Geschichte relevanten Aspekte, auch wenn die Details am Rande natürlich vollkommen fehlen.
Dadurch wird die Handlung stetig vorangetrieben und eine enorme Spannung aufgebaut. Dem Leser bleibt kaum Zeit zum Durchatmen zwischen den einzelnen Szenen. Das Buch ist so spannend, dass ich teilweise einige Absätze oder Seiten weiter nach vorne gesprungen bin und schon einmal einen Blick darauf geworfen habe, weil ich nicht abwarten konnte zu erfahren, wie es weiter geht. Und das liegt nicht etwa daran, dass die Geschichte langatmig zu lesen ist, sondern eher daran, dass das Tempo den Leser in einen Rausch versetzt, indem es gar nicht schnell genug weiter gehen kann.

Trotzdem habe ich auch Kritikpunkte an der Geschichte. Ich verstehe, was die Geister tun und kann mir vorstellen, welche Auswirkungen das hat, aber irgendwann waren es mir dann doch ein bisschen zu viele Leichenberge. Und das ist jetzt durchaus wörtlich zu verstehen, denn Rain und ihre Begleiter rennen oder klettern mehrfach über aufgetürmte tote Körper. Das geht so weit, dass Emma auf dem Rücken eines toten Mannes einen Leichenberg hinunter surft. Innerhalb der Handlung ist das keinesfalls übertrieben, aber der Autor hätte es nicht jedes Mal so ausführlich darstellen müssen.
Außerdem dünnen sich die Begründungen zum Ende hin immer mehr aus. Während am Beginn der Geschichte noch alles logisch ist, wird am Ende nicht mehr so richtig erklärt, was da eigentlich vor sich geht. Irgendwie hat alles angefangen und irgendwie geht die Geschichte dann auch zu Ende, ohne dass die Gründe dafür wirklich erklärt werden. So spannend sich die Handlung auch entwickelt hat, am Schluss läuft es auf keine sinnvolle Erklärung hinaus. Das Buch endet einfach.

Fazit:
Von Anfang an hat die Geschichte ein unglaubliches Tempo. Rain, Emma und Tyler stolpern von einer gefährlichen Situation in die nächste und haben ebenso wenig Zeit zum Durchatmen wie der Leser. Dadurch ist der Romantik-Teil des Buches auch sehr begrenzt und dem Fantasy-Aspekt wird mehr Platz eingeräumt. Trotzdem wirkt die Geschichte gerade zu Beginn sehr natürlich und realistisch, denn konstruierte Dialoge und Szenen fehlen. Leider verlieren sich Erklärungen und Begründungen gegen Ende in immer makabreren Beschreibungen von Klettertouren über Leichenberge. Insgesamt bekommt „Phantasmen“ daher vier Schreibfedern von mir.

Kommentare:

  1. Antworten
    1. War es auch, auch wenn ich schon Bücher von Kai Meyer gelesen habe, die mir besser gefallen haben.

      Grüße zurück,
      Jenny

      Löschen