Mittwoch, 9. September 2015

[Rezension] Sturz in die Zeit – Julie Cross



Titel: Sturz in die Zeit
Autor: Julie Cross
Verlag: Fischer Verlag
Erscheinungsdatum: 17. August 2012
Einband: Hardcover
Seiten: 492
ISBN: 978-3-841422-09-5
Preis: 16,99 € [D]

Klappentext:
Jackson Meyer, Student in New York, hält sich für einen ganz normalen Neunzehnjährigen, bis er zufällig feststellt: Er kann für ein paar Stunden in der Zeit zurückreisen. Alles ist nur ein harmloser Spaß, bis eines Tages die Katastrophe passiert: Zwei Fremde überfallen ihn und seine Freundin Holly im Studentenwohnheim – und erschießen Holly. In seiner Panik stürzt Jackson in die Vergangenheit und landet plötzlich zwei Jahre vor dem Ereignis. Von da an hat er nur eines im Sinn: zurückzukommen und Holly zu retten. Er wird ALLES dafür tun. ALLES - für seine große Liebe.

Einordnung:
- Sturz in die Zeit (Teil 1)
- Feinde der Zeit (Teil 2)
- Sturm der Zeit (Teil 3)

Rezension:
Häufig habe ich bei Zeitreise-Geschichten das Problem, dass ich den zeitlichen Zusammenhängen nicht folgen kann. Dem wirkt die Autorin hier entgegen, indem sie zu Beginn jedes Kapitels nicht nur das Datum, sondern auch die genaue Uhrzeit angibt, an der die Handlung des Kapitels beginnt. Dadurch gibt es Kapitel, die nur drei Seiten lang sind, es hilft aber dabei, den Überblick zu behalten. Auch springt Jackson, der Protagonist, bis auf wenige Ausnahmen hauptsächlich in den Jahren 2007 und 2009 herum, sodass die zu betrachtende Zeitspanne nicht übermäßig groß ist.
Außerdem werden die Details der Zeitreise auf unterschiedliche Arten dargestellt. Jacksons bester Freund, Adam, ist ein Physik-Genie und beschäftigt sich mit den wissenschaftlichen Aspekten der Zeitreise, aber um Jackson das alles begreiflich zu machen, muss er es auf einfacherer Sprache herunter brechen. Seine Baseball-Analogien helfen Jackson dabei ebenso wie dem Leser. Beispielsweise wird die Zeit, in der sich Jackson gerade tatsächlich mit seinem gesamten Körper befindet und in der sein Handeln Konsequenzen hat, als seine Homebase bezeichnet. Wenn er bloß als Beobachter durch die Zeit reist, muss er zu seiner Homebase zurückkehren, bevor er weitere Sprünge unternehmen kann. Zwar werden in diesem ersten Band noch nicht alle Rätsel um das Springen in der Zeit gelöst, aber die Grundlagen sind verständlich, ausführlich und nachvollziehbar dargestellt.

Das ist einer der Gründe, weshalb der Leser sich leicht mit Jackson identifizieren kann. So, wie der Leser erst in die Welt und die Geschichte eingeführt werden muss, begreift auch Jackson Zusammenhänge teilweise erst nach ausführlicheren Erklärungen. Das macht ihn ebenso zu einem sympathischen Protagonisten wie die Tatsache, dass er wegen der Manipulationen von allen Seiten entscheidet, einfach niemandem zu trauen, nicht einmal seinem eigenen Vater, und stattdessen versucht, die Wahrheit herauszufinden. Außerdem versucht er zwar immer, das Richtige zu tun, ist dabei aber tatsächlich nicht immer erfolgreich. Hinzu kommen noch seine authentischen Empfindungen: Er trauert um Holly, als sie erschossen wird, er hat Schuldgefühle wegen seiner Flucht, er bekommt Angst, als er auf bewaffnete Männer trifft, er kann Pistolen kaum noch anfassen, nachdem er gezwungen war, eine zu benutzen. Die Autorin schildert dies sehr eindrücklich, ohne dabei die Handlung aus den Augen zu verlieren. Sie hat genau die richtige Mischung aus Details und Weiterentwicklung gefunden, um mich durch die Kapitel fliegen zu lassen.

Dabei hilft auch die Spannung des Buches. Zunächst einmal springt Jackson unbeabsichtigt durch die Zeit, als seine Freundin Holly erschossen wird, und kommt dann nicht mehr zurück. Während er verarbeitet, was geschehen ist, muss er deshalb gleichzeitig sein zwei Jahre jüngeres Ich spielen und dies vor allen anderen verheimlichen. Außerdem stellt sich die Frage, ob Ereignisse, die ein Zeitreiser in der Vergangenheit ändert, in der neuen Zukunft nicht trotzdem auf die eine oder andere Weise geschehen werden. Es offenbart sich zudem immer mehr die gefährliche Seite des Zeitreisens, denn führende Wissenschaftler haben beängstigende Theorien darüber, welche Auswirkungen die Zeitreisen haben könnten. Diese reichen von explodierenden Gehirnen bis hin zum Ende der Welt. Doch niemand weiß, wie schlimm es wirklich werden könnte.

Fazit:
Das Buch ist wirklich gut gelungen. Die Autorin hat mit Jackson einen sehr sympathischen Protagonisten geschaffen, mit dem der Leser sich identifizieren kann und der in den unterschiedlichsten Situationen authentisch empfindet und reagiert. Außerdem erklärt er sich die Details der Zeitreisen mit Baseball-Analogien, die auch der Leser verstehen kann. Zusammen mit den genauen Datums- und Zeitangaben zu Beginn jedes Kapitels beugt das Verwirrung vor und schafft ein konsistentes Verständnis der Zeitreisen. Da sich zwischen diesen Detail und der Handlung auch noch eine Menge Spannung entwickelt, konnte mich das Buch rundum überzeugen. „Sturz in die Zeit“ bekommt alle fünf Schreibfedern.


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