Mittwoch, 21. Oktober 2015

[Rezension] Das Juwel: Die Gabe – Amy Ewing



Titel: Das Juwel – Die Gabe
Autor: Amy Ewing
Verlag: Fischer Verlag
Erscheinungsdatum: 20. August 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 445
ISBN: 978-3-841421-04-3
Preis: 16,99 € [D]

Klappentext:
Violet Lasting ist etwas Besonderes. Sie kann durch bloße Vorstellungskraft Dinge verändern und wachsen lassen. Deshalb wird sie auserwählt, ein Leben im Juwel zu führen. Sie entkommt bitterer Armut und wird auf einer großen Auktion an die Herzogin vom See verkauft, um bei ihr zu wohnen. Eine faszinierende, prunkvolle Welt erwartet sie. Doch das neue Leben fordert ein großes Opfer von ihr: Gegen ihren Willen und unter Einsatz all ihrer Kraft soll sie der Herzogin ein Kind schenken.
Wie soll Violet in dieser Welt voller Gefahren und Palastintrigen bestehen? Als sie sich verliebt, setzt sie nicht nur ihre eigene Freiheit aufs Spiel.

Einordnung:
- Die Gabe (Teil 1)
- The White Rose (Teil 2, dt. Titel unbekannt)
- vermutlich noch mindestens ein dritter Teil

Rezension:
Nachdem so ein großer Hype um das Buch veranstaltet wurde und so viele Leser sich begeistert geäußert haben, wollte ich die Geschichte unbedingt auch lesen. Jetzt muss ich gestehen, dass ich die Zeit auch sinnvoller hätte nutzen können. An diesem Buch gefällt mir so gut wie gar nichts.
Es beginnt schon mit der merkwürdigen Welt, die die Autorin sich ausgedacht hat. Diese besteht nur aus einer einzigen Stadt, die passenderweise „Die Einzige Stadt“ heißt. Um die Stadt herum tobt angeblich das Meer, das nur durch eine Mauer zurückgehalten wird. Bis jetzt weiß ich noch nicht, ob das der Wahrheit entspricht und ob es überhaupt eine Bedeutung hat, oder ob die Autorin sich das bloß als Grenze ausgedacht hat, an der ihre Welt endet. Die Stadt selbst ist in fünf Ringe unterteilt. Im Zentrum befindet sich „Das Juwel“, die Wohngegend der Adeligen. Als die verschiedenen Adelsfamilien zumindest zum Teil genauer eingeführt werden, habe ich mich wie in einem Kinderbuch gefühlt, da die verschiedenen Familien die kreativen Namen „Haus vom See“, „Haus vom Stein“, „Haus vom Glas“, „Haus von den Daunen“, „Haus von der Rose“ und so weiter tragen.

Die Protagonistin, Violet, gelangt ins Juwel, weil sie eines der unzähligen Mädchen aus dem äußersten Ring ist, die aus einem unbekannten Grund über die besondere Gabe verfügen, Dinge zu verfärben, zu verändern oder wachsen zu lassen. Immer wieder beteuert Violet, dass sie dieses prunkvolle Leben nicht will, aber gleichzeitig genießt sie trotzdem alle Annehmlichkeiten. Sie sagt immer wieder, dass sie gerne fliehen würde, und irgendwann gibt dann es auch einen Plan dafür. In diesem Zusammenhang wird immer wieder davon gesprochen, dass sie Teil von etwas Größerem ist, doch was genau das ist, wird nie erwähnt. Violet weiß es ebenso wenig wie der Leser. Daher geht es im Grunde im ganzen Buch nur darum, dass Violet ihr eigenes Leben zwar schon gerne retten würde, aber keinen einzigen Finger dafür rührt.

In der Mitte des Buches kommt zur Abwechslung dann noch eine Liebesgeschichte hinzu, die ich persönlich absolut furchtbar finde. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Obwohl beide keine Beziehung haben dürfen, schon gar nicht miteinander, lieben sie sich nach Treffen schon so sehr, dass sie die drohende Exekution ignorieren und dass ihnen alles andere gleichgültig ist. Das ging so schnell, dass ich nicht einmal den Hauch einer Emotion abbekommen habe. Doch Violet beschreibt sie beide als absolut glücklich, weil sie Seelenverwandte sind. Sie wissen beide, welche Arbeit der jeweils andere im Juwel verrichten und akzeptieren es. Zumindest tun sie das, bis Violet plötzlich der Überzeugung ist, er würde sie hassen, wenn sie ihm erzählt, welchen Job sie hat. Da er das aber schon von Anfang an weiß, dauert das Streitgespräch ungefähr ein halbe Seite, bevor alles wieder in bester Ordnung ist. Kurz darauf geschieht dasselbe andersherum. Auch dieses Streitgespräch besteht wieder aus drei Wortwechseln, bevor die beiden wirklich glücklich sind. Diesmal sind sie so glücklich, dass Violet als Erzählerin einfach sämtliche Ereignisse und Geschehnisse der nächsten vier Wochen unter der Zusammenfassung „Wir sind so glücklich.“ überspringt. Die Liebesgeschichte entwickelt sich so schnell und die beschriebenen Szenen sind so abgehackt und kitschig, dass überhaupt keine Stimmung aufkommt. Es wirkt oberflächlich und unemotional, obwohl die Beziehung der beiden eine ganze Menge Raum einnimmt.

Während sich die Liebesgeschichte geradezu überschlägt vor Geschwindigkeit, plätschert der Rest der Handlung das ganze Buch über einfach so vor sich hin. Es ist kein Ziel erkennbar. Wirklich detaillierte, ausführliche Beschreibungen gibt es nur von jedem einzelnen wunderschönen, umwerfenden, grandiosen Kleid, in das Violet im Laufe des Buches gesteckt wird, und von den dazugehörigen Schminkorgien. Spannung kommt erst ganz am Ende auf. Und mit „ganz am Ende“ meine ich die letzte Seite, die schon nur noch mit acht Zeilen bedruckt ist. Dort kommen Schwung und Überraschung ins Spiel. Diese eine Wendung, die wirklich aus dem Nichts kommt, lässt mich die Reihe vermutlich weiter verfolgen, in der Hoffnung, dass im nächsten Band irgendetwas geschieht. Kaufen werde ich mir die Bücher allerdings nicht mehr, das Geld ist es mir nicht wert.

Fazit:
Ich kann den Hype um das Buch überhaupt nicht verstehen. Die Welt ist merkwürdig und die Namen klingen als würden sie aus einem Kinderbuch stammen. Violet jammert ständig über ihr Schicksal und will das ganze Buch über einfach nur ihr eigenes Leben retten, rührt dafür jedoch nicht einen Finger. In der zweiten Hälfte des Buches kommt noch eine Liebesgeschichte hinzu, die sich so schnell entwickelt, dass bei mir nicht der Hauch einer Emotion geweckt wurde, und die nur aus aufgesetzter Dramatik und Kitsch besteht. Der Rest der Handlung plätschert vor sich hin, ohne dass etwas geschieht. Da ich die Geschichte wegen der letzten acht Zeilen aber vermutlich trotzdem weiterverfolgen werde, bekommt „Das Juwel – Die Gabe“ gerade noch zwei Schreibfedern von mir.

0 Kommentare

Kommentar veröffentlichen