Dienstag, 13. Oktober 2015

[Rezension] Hard Skin – Chris P. Rolls



Titel: Hard Skin
Autor: Chris P. Rolls
Verlag: Dead Soft Verlag
Erscheinungsdatum: 18. Februar 2013
Einband: Softcover
Seiten: 307
ISBN: 978-3-943678-61-1
Preis: 13,95 € [D]

Klappentext:
Claas steht absolut nicht darauf, dass ihn jemand fortwährend „Homo“ nennt und beleidigt. Und erst recht nicht auf angedrohte Schläge und Demütigungen. Warum zum Teufel er den Skinhead Jockel dennoch faszinierend findet, kann er sich daher nicht erklären. Claas‘ Leben als schwuler Jugendlicher in einer ostdeutschen Kleinstadt ist ohnehin schon schwierig genug. Jockels widersprüchlichstes Verhalten gibt ihm Rätsel auf und plötzlich begegnen sie sich auch noch alleine und im Dunkeln ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Der Skinhead Jockel ist, aus gutem Grund, wie der Leser im Verlauf der Geschichte erfährt, kein besonders gesprächiger Mensch. Er drückt sich fast immer nonverbal aus, sodass am Anfang der Geschichte kaum funktionierende Kommunikation stattfindet. Gemeinsam mit Claas kann der Leser dann langsam und Schritt für Schritt „Jockelsch“ lernen und den schweigsamen Skinhead dabei immer besser einschätzen. Dadurch, dass ein Großteil der Kommunikation ohne Worte verläuft und auch Claas sich erst einmal daran gewöhnen und ihn verstehen lernen muss, entwickeln sich viele Dinge viel langsamer als erwartet. Das hat mir gut gefallen.

Gleichzeitig baut das auch Spannung auf, denn viele Geheimnisse bleiben dadurch lange im Dunkeln. Immer wieder werden neue Fragen aufgeworfen bezüglich Jockels Schweigsamkeit, seines Lebens als Skinhead und seines Schulverweises. Doch Jockel ist lange Zeit nicht bereit, über seine Vergangenheit oder seine Beweggründe zu reden – weder verbal noch nonverbal. Das macht neugierig und animiert zum schnelleren Lesen, gerade weil die Autorin die Auflösung des größten und dunkelsten Geheimnisses fast bis zum Schluss hinausgezögert hat. Die offenen Fragen, die den Leser ebenso beschäftigen wie Claas, sind zum Schluss aber alle zufriedenstellend geklärt. Trotzdem ist das Ende nicht konstruiert, denn nicht für alle Probleme werden tatsächlich Lösungen gefunden.

Nichtsdestotrotz geht die Spannung auf dem Weg zum Ende zwischenzeitlich etwas verloren. Nachdem anfangs mit viel Tempo eine Konfrontation zwischen Claas und den Skinheads auf die andere folgt, verläuft die Geschichte dann zwischendurch kurzzeitig ein wenig eintönig. Als sich Claas und Jockel das erste Mal treffen, Sex haben und Zärtlichkeiten austauschen, ist es noch spannend zu lesen, weil auch der Schauplatz wechselt und neue Charaktere eingeführt werden, doch dann verläuft die Geschichte ein wenig im Kreis. Claas‘ Wochentage sehen immer so gut wie gleich aus, genau wie die Wochenenden. Natürlich hat Claas auch noch ein Leben außerhalb seiner Begegnungen mit Jockel, aber die meisten Szenen werden nur kurz angerissen, sodass es kaum Ablenkung bietet. Glücklicherweise ist dieser Abschnitt dennoch nicht sehr lang, sodass es bald wieder zu neuen Begegnungen und Situationen kommt.

Ein kleiner Nebenaspekt, der mir gut gefallen hat, sind die Kapitelüberschriften, die im gesamten Buch mit „Hard“ beginnen und sich damit auf den Titel beziehen. Nur die Überschrift des letzten Kapitels beginnt mit „Soft“ und läutet damit das Ende der Geschichte ein, das rund und zufriedenstellend ist.

Fazit:
Die Geschichte entwickelt sich ruhig und langsam, denn der Skinhead Jockel bevorzugt es, sich auf nonverbale Art und Weise auszudrücken. Gemeinsam mit Claas kann der Leser im Laufe des Buches immer mehr „Jockelsch“ lernen und so zum Schluss auch die düstersten Geheimnisse lüften. Meist ist die Geschichte spannend und authentisch zu lesen, nur kurzzeitig dreht sich die Handlung ein wenig im Kreis. Daher bekommt „Hard Skin“ insgesamt vier Schreibfedern von mir.


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