Mittwoch, 7. Oktober 2015

[Rezension] Sveta und der Junge aus dem Wald – Ramona Mädel und Axel Saalbach



Titel: Sveta und der Junge aus dem Wald
Autor: Ramona Mädel und Axel Saalbach
Verlag: Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 31. August 2015
Einband: Softcover
Seiten: 283
ISBN: 978-1-517040-59-8
Preis: 9,95 € [D]

Klappentext:
In einer fernen und trostlosen Zeit: Die sechszehnjährige Sveta lebt mit ihren Eltern in Berlin. Nachdem ihr boshafter Vater bei seinen Dienstherren in Ungnade fällt, wird er zum Vorsteher eines kleinen Örtchens in der abgelegenen Provinz degradiert und muss die Stadt verlassen. Noch am gleichen Abend kommt es zum Zerwürfnis zwischen Svetas Eltern, woraufhin ihr Vater sofort aufbricht und Sveta gegen ihren Willen mitnimmt. Ohne zu wissen, wohin ihre Tochter verschleppt wird, bleibt die Mutter zurück. In ihrer neuen Heimat „Dunkeltann“ wird Svetas Leben von Tag zu Tag trister, bis es eines Morgens zu einer Begegnung kommt, die ihr Leben verändern wird ...

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe, spielt aber im selben Universum wie „Das Haus Komarow“ von Axel Saalbach.

Rezension:
Obwohl diese Geschichte im Jahre 2193 und damit 15 Jahre vor „Das Haus Komarow“ spielt, sind einige bekannte Charaktere und Orte teilweise auch in dieser Geschichte wieder anzutreffen. Das ruft Erinnerungen an das Universum wach, wodurch ich direkt in die Geschichte hinein gezogen wurde. Alle Charaktere werden aber auch ausführlich eingeführt, sodass es nicht nötig ist, das andere Buch gelesen zu haben. Protagonistin der Geschichte und, wenn ich mich richtig erinnere, eine neue Figur, ist die sechzehnjährige Svetlana, genannt Sveta, die von ihrem Vater aus Berlin nach Dunkeltann entführt und dort als unbezahltes Dienstmädchen missbraucht wird. Während sie für ihren Vater, ihren Bruder und zwei Söldner Aufgaben erledigt, lernt sie das Leben am Existenzminimum und darunter kennen und führt so den Leser in die Zustände der neuen Weltordnung ein. Dort ist Deutschland nur noch ein Verwaltungsbezirk im riesigen Russisch-Europa, Clans wetteifern um die Herrschaft über die Nahrungsmittelherstellung und die Transportwege und die Oberschicht versucht, die hungernde und leidende Unterschicht einfach aussterben zu lassen.
An dieser Stelle hätten allerdings durchaus einige Erklärungen mehr erfolgen können. Die grundlegende Idee der Dystopie ist verständlich erklärt, doch wer „Das Haus Komarow“ nicht gelesen hat, wird hier einige Dinge einfach als gegeben hinnehmen müssen. Es stört das Verständnis der Handlung und der Geschichte nicht, aber für das Verständnis der gesamten Welt fehlen einige Hintergrundinformationen. Nichtsdestotrotz sind die Erklärungen für ein Jugendbuch durchaus ausführlich genug.

Nicht geändert hat sich, trotz Co-Autorin, der unverwechselbare Schreibstil, der den Leser absolut flüssig durch das Buch gleiten lässt. Die Sprache ist, obwohl es ein Jugendbuch ist, an die Welt angepasst, sodass von „Werst“ statt von Kilometern und von „Oblast“ statt von Verwaltungsbezirk gesprochen wird. Dadurch kann der Leser sich besser in die Zeit und den Zustand Deutschlands hineinversetzen und erlebt die Spannung noch intensiver. Das ist den Autoren gut gelungen.

Überhaupt herrscht in dem Buch viel Spannung, da es immer wieder überraschende Wendungen gibt, die sich mit keiner Silbe angekündigt haben, aber dennoch absolut ins Geschehen passen. Das geschieht unter anderem dadurch, dass sich viele Charaktere immerzu weiter entwickeln und lernen, für sich selbst und andere einzustehen. Wenn sie es wagen, über den Tellerrand hinauszublicken, geschehen Dinge, die so nicht vorherzusehen waren. Deshalb gibt es trotz der extremen Umstände, die in Dunkeltann, dem Ort, an dem die Geschichte spielt, herrschen, immer Hoffnung. Und, ganz nebenbei, entsteht natürlich auch eine Liebesgeschichte, die aber absolut unaufdringlich geschildert wird und kaum Platz neben der eigentlichen Handlung einnimmt. So gibt es immer etwas, worum die Geschichte sich drehen kann, ohne dass es hektisch wird.

Fazit:
Die Geschichte ist unglaublich spannend und weist zahlreiche überraschende Wendungen auf, die durch die Entwicklung der Charaktere entstehen und durch die Hoffnung erwächst. Stil und Sprache sorgen dafür, dass das Buch den Leser noch mehr in seinen Bann zieht. Während alle Charaktere, auch diejenigen, die dem Leser möglicherweise schon aus „Das Haus Komarow“ bekannt sind, ausführlich eingeführt werden und das Buch zu einem eigenständigen Werk werden lassen, kommt die Beschreibung des Universums allerdings an einigen Stellen ein bisschen kurz. Da es aber das Verständnis der Geschichte nicht stört, bekommt „Sveta und der Junge aus dem Wald“ trotzdem fünf Schreibfedern von mir.


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