Samstag, 28. Februar 2015

[Rezension] Cassia & Ky: Die Ankunft – Ally Condie



Titel: Cassia & Ky – Die Ankunft
Autor: Ally Condie
Verlag: Fischer Verlag
Erscheinungsdatum: 07. Januar 2013
Einband: Hardcover
Seiten: 584
ISBN: 978-3-841421-51-7
Preis: 16,99 € [D]

Klappentext:
Stell dir vor, du konntest fliehen – vor dem System, das dir befohlen hat, wie du leben und wen du lieben sollst. Unter Lebensgefahr hast du deine Liebe wiedergefunden – eine Liebe, die das System töten wollte. Jetzt willst du das System besiegen, doch dafür musst du zurück. Zurück in dein altes Leben. Zurück zu einem Geheimnis, das tief in dir verborgen ist.
Es wird alles verändern. Dein Leben. Deine Liebe.

Einordnung:
- Die Auswahl (Teil 1) 
- Die Flucht (Teil 2) 
- Die Ankunft (Teil 3)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten beiden Teile enthalten!

Nachdem es im ersten Band einen Ich-Erzähler gab und im zweiten Teil schon zwei Protagonisten, wird der Abschluss der Reihe folgerichtig aus drei Perspektiven geschildert. Es erzählen abwechselnd Cassia, Ky und Xander, aber um Verwirrung vorzubeugen, ist auf jeder Seite am Rand angegeben, aus wessen Sicht gerade berichtet wird. Da die drei Charaktere die meiste Zeit der Geschichte nicht gemeinsam verbringen, ist dadurch auch deutlich mehr Handlung zu erkennen als in den vorherigen Bänden.
Es wird aber nicht nur im Schnitt, sondern auch bei den einzelnen Handlungssträngen mehr Wert auf die Handlung gelegt als bisher. Die gesellschaftlichen Umstände werden viel genauer beschrieben, beispielsweise die Arbeit der Rebellion und die der Funktionäre der Gesellschaft. Da Cassia und Xander offiziell in der Gesellschaft leben, aber heimlich der Rebellion zuarbeiten, erfährt der Leser mehr Details über die Funktionsweise der Gesellschaft. Gleichzeitig führt Ky immer wieder Aufträge für die Erhebung aus, sodass auch deren Organisation und Struktur ein wenig näher erläutert wird. Generell tut es der Geschichte gut, dass der Fokus mehr auf der Handlung und den verschiedenen Entwicklungen liegt und weniger darauf, wie sich Cassia und Ky anschmachten und sich gedanklich immer wieder ihre Liebe schwören. Das ist zwar romantisch und nicht unwichtig für die Geschichte, aber auf Dauer auch langweilig. Dem wirkt dieser dritte Band gut entgegen.

Positiv ist mir außerdem aufgefallen, dass viele Details gut recherchiert sind. Beispielsweise bestehen Xanders Kapitel gerade zu Beginn fast ausschließlich aus Beschreibungen seiner Arbeit als Arzt. Da er dabei in direkten Kontakt mit Kranken kommt, ist diese Recherche für die Authentizität sehr zuträglich. Die Autorin hat sich hierbei nicht nur über die Wirkweise eines Virus informiert, sondern auch über wichtige Details der Krankenpflege. Dadurch gewinnt die Handlung neben der Spannung auch noch Tiefe und macht das Buch leichter und schöner zu lesen als die Vorgänger.

Allerdings ist zu erwähnen, dass das Ende der Trilogie nach wie vor noch extrem offen ist und nicht deutlich wird, ob der ganze Aufstand tatsächlich etwas gebracht hat. Es ist von Anfang an recht offensichtlich, worauf die Geschichte hinauslaufen wird, allerdings wird sie dann nicht konsequent zu Ende gebracht. Auch einige Hintergründe der Geschichte werden nicht erläutert und Geheimnisse bleiben ungelöst, sodass viele Gegebenheiten einfach hingenommen werden müssen.

Fazit:
Die Tatsache, dass in diesem Band nun schon aus drei Perspektiven berichtet wird, sorgt dafür, dass es diesmal mehr Handlung gibt. Der Fokus liegt nicht mehr auf den Liebesschwüren von Cassia und Ky, sondern auf den Entwicklungen und der Konfrontation der Gesellschaft mit der Rebellion, die allerdings relativ langweilig verläuft. Leider bleiben am Schluss viele Fragen offen und einige Geheimnisse ungelöst. Umgehauen hat mich das Buch nicht, aber es ist deutlich besser als die Vorgänger, daher bekommt „Die Ankunft“ insgesamt vier Schreibfedern von mir.


Freitag, 27. Februar 2015

[Rezension] Cassia & Ky: Die Flucht – Ally Condie



Titel: Cassia & Ky – Die Flucht
Autor: Ally Condie
Verlag: Fischer Verlag
Erscheinungsdatum: 20. Januar 2012
Einband: Hardcover
Seiten: 455
ISBN: 978-3-841421-44-9
Preis: 16,99 € [D]

Klappentext:
Wie durch ein Wunder gelingt Cassia die Flucht in die Äußeren Provinzen. Sie will nach Ky suchen, ihrer großen Liebe. Dort kämpft Ky als Soldat für die Gesellschaft und ist ununterbrochen brutalen Angriffen ausgesetzt. Als Cassia endlich auf eine Spur von Ky stößt, ist er bereits entkommen und auf dem Weg in die wilden Canyons in den Grenzgebieten. Verzweifelt macht sich Cassia auf den lebensgefährlichen Weg.  Was wird sie am Ende der ihr bekannten Welt finden? Zwischen steinigen Schluchten und staubigen Pfaden sucht Cassia nicht nur nach Ky  –  sondern auch nach sich selbst.

Einordnung:
- Die Auswahl (Teil 1)
- Die Flucht (Teil 2)
- Die Ankunft (Teil 3)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Während der erste Teil der Reihe noch komplett aus Cassias Perspektive geschildert ist, berichten in diesem Band Cassia und Ky abwechselnd als Ich-Erzähler. Für mich war das eine Erleichterung, weil ich mit Cassia nicht zu Recht kam und damit eine andere Perspektive hatte. Allerdings ist das vermutlich auch mit ein Grund, warum sich die Handlung sehr gezogen hat. Es wird nicht nur Kys Flucht durch die Canyons geschildert, sondern auch Cassias Suche nach ihm, wobei sie zwangsläufig den gleichen Weg einschlägt. Die Wanderung wird also im Grund fast zweimal erzählt, wodurch das ganze Buch eine Art Reisegeschichte wird.
Doch selbst, wenn alles nur aus einer Perspektive geschildert werden würde, wäre die Handlung noch sehr ungleich aufgeteilt. Beinahe das ganze Buch über sind die Charaktere unterwegs und laufen hin und her, vor und wieder zurück, Wege mehrfach, wechseln die Schluchten und legen so manche Strecke zurück, die die Autorin durchaus auch hätte abkürzen können, weil sie nichts zur Geschichte beiträgt, außer Zeit tot zu schlagen. Der Teil jedoch, auf den die ganze Zeit hingearbeitet wird und der irgendwann zum Ziel dieser Odyssee wird, wird auf den letzten Seiten einfach kurz und oberflächlich abgehandelt.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich den Eindruck hatte, dass die Autorin sich die Mühe sparen wollte, sich mehr als eine komplizierte Gesellschaftsstruktur auszudenken. Im Arbeitslager, in dem Cassia arbeitet, wird nur das nötigste angesprochen. Alle anderen Ereignisse, bei denen viele Personen anwesend sind, werden übersprungen, kurz zusammengefasst oder gar nicht erst erläutert. Es wäre interessant zu erfahren, wie Gruppen leben, die nicht oder nicht mehr in die Gesellschaft eingegliedert sind. Doch das wird immer nur kurz angerissen. Stattdessen werden die Einzelheiten der Wanderung durch die Canyons wirklich sehr weit ausgedehnt.

Nichtsdestotrotz kommt in der Geschichte durchaus Spannung auf. Unerwartet tauchen Wendungen auf oder Geheimnisse werden erwähnt. Leider werden letztere viel zu häufig schon wenige Seiten später gelüftet, sodass der Spannungsbogen intensiv, aber kurz ist. Das geschieht aber nicht oft genug, um die gesamte Geschichte abzudecken, sodass die Spannung auf den mittleren Teil beschränkt bleibt und nur teilweise über die eintönige Wanderung hinweg hilft.

Fazit:
Das Buch ähnelt eher einer Reisegeschichte. Die Protagonisten sind fast nur unterwegs und legen dabei so manch unnütze Strecke zurück – teilweise sogar mehrfach. In meinen Augen ist das Hauptaugenmerk auf den falschen Teil der Handlung gelegt, sodass die Eintönigkeit der Wanderung bis ins Detail geschildert wird, während zwischenmenschliche Kontakte auf der Strecke bleiben. Darüber kann auch die immer wieder kurzzeitig auftretende Spannung nicht hinweg helfen. Für mich ist dieser Band noch enttäuschender als der erste Teil, sodass „Die Flucht“ nur zwei Schreibfedern bekommt.


Mittwoch, 25. Februar 2015

[Rezension] Cassia & Ky: Die Auswahl – Ally Condie



Titel: Cassia & Ky – Die Auswahl
Autor: Ally Condie
Verlag: Fischer Verlag
Erscheinungsdatum: 26. Januar 2011
Einband: Hardcover
Seiten: 453
ISBN: 978-3-841421-19-7
Preis: 16,99 € [D]

Klappentext:
Stell dir vor, du lebst in einer Welt, die ein absolut sicheres Leben garantiert. Doch dafür musst du dich den Gesetzen des Systems beugen: den Menschen lieben, der für dich ausgewählt wird. Was würdest du tun? Für die wahre Liebe dein Leben riskieren?

Einordnung:
- Die Auswahl (Teil 1)
- Die Flucht (Teil 2)
- Die Ankunft (Teil 3)

Rezension:
Dass es sich bei diesem Buch um eine Dystopie handelt, verrät bereits der Klappentext. Das Gesellschaftssystem, das sich die Autorin ausgedacht hat, ist allerdings ziemlich extrem. Es handelt sich um eine Gesellschaft mit vollständiger Kontrolle. Es beginnt mit der Kleidung und individuell nach dem Kalorienbedarf zusammen gestellten Mahlzeiten und setzt sich fort über die Zuweisung der geeigneten Arbeitsstelle, die Einschränkung des kulturellen Inputs und der Paarung mit dem optimal passenden Menschen bis hin zum kontrollierten Tod am 80. Geburtstag. Es ist faszinierend, dass es trotzdem eine ganze Menge Menschen gibt, die absolut glücklich sind.

Die Protagonistin und Ich-Erzählerin der Geschichte ist Cassia. Leider ist sie einer der plattesten Charaktere und wird oftmals nur oberflächlich beschrieben. Ihre Gefühle spielen während der Handlung dafür, dass sie eine Ich-Erzählerin ist, viel zu selten eine Rolle. Gleiches gilt für ihre Gedanken, die sich zudem meist auch noch im Kreis drehen, sodass ich mich nicht in sie hineinversetzen konnte. Vermutlich liegt das auch mit daran, dass Cassia extrem passiv ist und nur selten selbst etwas tut. Die meiste Zeit geschehen Dinge um sie herum, die sie wahrnimmt und die eine Auswirkung auf sie und ihr Leben haben.
Nichtsdestotrotz gibt es auch wirklich gute Charaktere, wie Cassias Vater, der für die Menschen, die er liebt, die Gesetze auch mal übertritt. Und wie Cassias Mutter, die sich penibel an die Gesetze hält, aber die Verstöße der Menschen, die sie liebt, mit einem Lächeln toleriert. Cassias Beobachtungen werden so ausführlich beschrieben, dass ich manchmal das Gefühl hatte, mich besser in ihre Eltern hineinversetzen zu können als in die Protagonistin.

Ein weiterer Kritikpunkt ist in meinen Augen, dass in dem Buch fast nichts passiert. Zu Beginn werden langsam die Gesellschaft und die wichtigen Charaktere eingeführt, aber die Geschichte nimmt danach einfach keine Fahrt auf. Das ändert sich nicht einmal, als gegen Ende nur noch von einer Szene zur nächsten gesprungen wird. Auch wenn es sich hierbei um den Auftakt einer Trilogie handelt, dann sind 453 Seiten Einleitung doch recht langweilig und vor allem langatmig.
Das ist vor allem unverständlich, weil es sehr viel Konfliktpotenzial gibt. Immer wieder werden Andeutungen gemacht, dass beispielsweise das System nicht so gut funktioniert wie es sollte, und dass es Menschen gibt, die sich Gedanken um den Widerstand machen. Es ist von schweren Auseinandersetzungen an den Grenzen die Rede. Doch all diese Punkt, die für Spannung sorgen könnten, werden nur in einem Satz angerissen und nicht näher erläutert. Es gibt also sehr viel Material für die Fortsetzungen, aber es hätte dem Buch nicht geschadet, wenn zumindest ein bisschen davon auch hier schon verwendet worden wäre.

Fazit:
Die Welt in der Geschichte ist ein extremes Beispiel für vollständige Kontrolle. Doch trotz der offensichtlichen Unterdrückung der Bevölkerung legt die Autorin Wert darauf, darzustellen, dass es trotz allem Menschen gibt, die auch rundum glücklich sind mit ihrem Leben. Sie hat liebenswerte Charaktere erschaffen, auch wenn gerade die Protagonistin relativ platt beschrieben wird. Leider ist die Geschichte sehr langatmig, weil es immer nur kurze Andeutungen zu möglichen Handlungssträngen gibt, diese aber nie ausgeführt werden. Das gesamte Buch macht den Eindruck einer sehr ausführlichen Einleitung. Daher bekommt „Die Auswahl“ nur drei Schreibfedern von mir.


Dienstag, 24. Februar 2015

Neuzugänge #39

Ohne mein Zutun ist mein SuB schon wieder um ein Buch angewachsen. Zum "International Book Giving Day" habe ich den letzten Band der Laura Reihe geschenkt bekommen, sodass ich diese Reihe jetzt auch vollständig besitze.

"Laura und der Kuss des schwarzen Dämons" von Peter Freund ist der siebte und letzte Teil der Reihe.


Klappentext:
Einige Zeit ist vergangen, seit Laura ihr letztes Abenteuer bestehen musste. Sie ist jetzt siebzehn und hat ihre fantastischen Fähigkeiten - Gedankenlesen, Traumreisen und Telekinese - fast zur Vollendung gebracht. Während sie das internationale Schülertreffen aller Wächter-Internate vorbereitet, braut sich eine Katastrophe zusammen: Fünf Jugendliche erwecken einen unglaublich mächtigen Dämon, der in die Gestalt seiner Opfer schlüpfen kann. Er kennt nur ein Ziel: Laura und die Wächter des Lichts endgültig zu vernichten. Doch Laura stellt sich dem Kopf um das Schicksal der Erde und ihres Schwestersterns Aventerra. Es ist ein Kampf um Lauras wahre Bestimmung - und um ihre Liebe.


Ich muss die Reihe noch mal lesen, bevor ich auch den letzten Teil anfangen kann, fürchte ich. Aber ich freue mich darauf. Die Reihe habe ich früher wirklich gern gemocht.

Lest ihr den Anfang von Reihen noch mal, wenn ihr den Folgeband kauft?
Bekommt ihr oft Bücher geschenkt?

Dienstag, 3. Februar 2015

[Rezension] Westside Blvd.: Entführung in L. A. – Torsten Hoppe



Titel: Westside Blvd. – Entführung in L. A.
Autor: Torsten Hoppe
Verlag: Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 26. November 2013
Einband: eBook
Seiten: 473
ISBN: -
Preis: 2,99 € [D]

Klappentext:
Die junge Schauspielerin Heather Simms wird in L.A. auf dem Weg nach Hause entführt. Während die Polizei verzweifelt versucht, Hinweise oder Spuren zu finden, verfolgt der Entführer seine ganz eigenen, ungewöhnlichen Pläne. Unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit stellt er Forderungen, doch Lieutenant Steve Delaney vom LAPD muss schnell feststellen, dass dieser Fall nach keinem gängigen Schema abläuft.
Während die Polizei im Zuge der Ermittlungen zu unkonventionellen Mitteln greifen muss, spürt auch Heather bereits sehr bald, dass sie in den Händen eines unberechenbaren Psychopathen gelandet ist. Sie sieht sich gezwungen, einen gefährlichen Kampf um ihr Leben zu führen. Einen Kampf, für den ihr niemand ein fertig geschriebenes Drehbuch reichen kann und dessen Regeln sie erst erlernen muss... 

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
In diesem Buch steckt eine wirklich gute Idee. Die beiden Protagonisten, die abwechselnd über die Geschehnisse berichten, sind das Opfer Heather Simms und Lieutenant Steve Delaney vom LAPD, dem der Fall zugeteilt wird. Der Klappentext verspricht nicht zu viel, wenn er behauptet, die Entführung würde nach keinem gängigen Schema ablaufen. Der Entführer stellt immer wieder Forderungen, auf die der Lieutenant eingehen muss, um Heathers Leben zu retten. Dabei braucht er tatkräftige Unterstützung der Schauspieler, die momentan mit Heather zusammenarbeiten. Doch jedes Mal, wenn es fast Grund zum Aufatmen gibt, werden die Forderungen des Entführers abstruser. Immer mehr muss die Polizei improvisieren und Heathers Schauspielkollegen sind nicht mehr die einzigen, die um Heathers Leben spielen müssen. Es ist jedoch ein unberechenbares Spiel, in dem es mehrfach überraschende Wendungen gibt. Der Autor hat es geschafft, mich mehr als einmal vollkommen aufs Glatteis zu führen.

Gefallen haben mir auch die ausgearbeiteten Charaktere. Besonders Lieutenant Steve Delaney hat es mir sehr angetan. Immer wieder wird die Handlung unterbrochen durch ausführliche Beschreibungen der Vergangenheit der Charaktere, sodass sie schnell an Tiefe gewinnen und Sympathien entstehen. Dazu trägt auch die Ausführung ihrer Gedanken bei.
Gleichzeitig sorgt das dafür, dass es immer wieder Szenen gibt, an denen der Leser durchatmen kann. Die spannungsgeladenen Szenen jagen sich deshalb nicht. Der Leser muss nicht durch das Buch hetzen, auch weil die Vorbereitungen auf den nächsten Anruf des Entführers oder die Erfüllung seiner Forderung immer dargestellt werden. Spätestens in der Mitte des Buches liegt dort aber auch eine Schwäche, da insbesondere die Ausführungen der zu Rate gezogenen Psychologin immer dieselben sind. Es hat mir gefallen, mehr über die einzelnen Charaktere zu erfahren und mich mehr in sie hinein versetzen zu können, doch unter anderem die Kapitel, in denen Heather erzählt, drehen sich immer mehr im Kreis. So hatte ich zwischen Seite 250 und 400 das Gefühl als würde die Geschichte gar nicht mehr enden wollen, weil sie sich unglaublich gezogen hat.

Auch sonst weist das Buch neben einer grandiosen Handlung einige Schwächen auf, vor allem im Ausdruck, aber auch in der Grammatik. Es beginnt mit den extrem vielen Metaphern und Vergleichen. Gerade am Anfang schildert kaum ein Satz einfach normal die Handlung. Alles wird blumig dargestellt, wie beispielweise:Mein Körper zitterte so stark, dass ich in diesem Moment mit einem Cocktail-Shaker in der Hand unfreiwillig die herrlichsten Getränke hätte zaubern können.“
Diese etwas ungeschickte Ausdrucksweise findet sich auch an Stellen, bei denen der Autor im laufenden Text die Worte, die die Erzählerin in einem Hörbuch betonen oder lang ziehen würde, auch mit entsprechend vielen Vokalen schreibt. So ist ein Schauspieler beispielsweise „soooo gut“ und nach ihrer Entführung schreit Heather um „Hiiiiilfe“. Das setzt sich fort, als Heather ihren Schauspielkollegen als „total netten Typen“ beschreibt, schildert wie sie im Bett liegt und „heult“ und dass ihr Leben als Schauspielerin echt „cool“ ist.  Natürlich ist sie die Ich-Erzählerin, aber selbst, wenn die Erzählweise auf das Niveau eines siebzehnjährigen Mädchens angepasst sein soll, ist das extrem anstrengend zu lesen und die ungehobelte Ausdrucksweise stört den Lesefluss gerade zu Beginn extrem.

Im Gedächtnis geblieben ist mir außerdem die zahlreiche Verwendung von Semikolons, die irgendwie willkürlich über den Text verteilt zu sein scheinen. Manchmal trennt das Semikolon zwei Sätze voneinander, manchmal folgt es auf Auslassungspunkte (wahlweise drei oder vier) und manchmal ist es einfach da.
Hinzu kommt, dass der Autor das Wort „apathisch“ in falschem Sinnzusammenhang benutzt. Prinzipiell klingt dieser Einwand nach Erbsenzählerei, allerdings taucht dieser Fehler beinahe jedes Mal auf, wenn aus Heathers Perspektive berichtet wird. Apathie bedeutet Teilnahmslosigkeit und Unempfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen. Der Autor benutzt es jedoch als Synonym für Schockstarre, sodass Heather gleichzeitig Todesangst hat und apathisch auf ihrem Bett sitzt. Das widerspricht sich aber und ist gleichzeitig nicht möglich, sodass ich mich ein ums andere Mal daran gestoßen habe.

Fazit:
Die Geschichte ist unglaublich spannend und gut konzipiert. Einblicke in das Leben der Protagonisten verleihen den Charakteren Tiefe und verschaffen Zeit zum Durchatmen, allerdings sorgen einige dieser Szenen auch dafür, dass sich die Geschichte irgendwann in die Länge zieht. Leider lässt die sprachliche Umsetzung einiges wünschen übrig, vor allem beim Ausdruck und beim Erzählstil, was nicht zuletzt bestimmt auch der Tatsache geschuldet ist, dass der Thriller per Self-Publishing erschienen ist. Daher kann ich „Westside Blvd.“ trotz grandioser Idee mit absolut passendem Abschluss nur drei Schreibfedern geben.



Vielen Dank an den Autor Torsten Hoppe für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars.

Montag, 2. Februar 2015

[Statistik] Januar 2015

Der erste Monat meiner SuB-Abbau-Challenge ist erstaunlich gut verlaufen. Ich habe fleißig abgebaut und mir nur ein einziges Buch gekauft. Hinzu kommt noch ein Rezensionsexemplar, aber ich habe zum ersten Mal seit einer Ewigkeit wieder mehr Bücher gelesen als bekommen.

Neuzugänge:
- "Drahtseiltänzer" von S. B. Sasori [neu]
- "Westside Blvd. - Entführung in L. A." von Torsten Hoppe [Rezensionsexemplar]

Gesamt: 2 Bücher



Gelesen und rezensiert:
- "Mord im Orientexpress" von Agatha Christie (256 Seiten) [4/5]
- "Schöne neue Welt" von Aldous Huxley (368 Seiten) [2/5]
- "Ein unmöglicher Weihnachtswunsch" von Nele Betra (114 Seiten) [4/5]
- "Seelen" von Stephenie Meyer (912 Seiten) [5/5]
- "3096 Tage" von Natascha Kampusch (288 Seiten) [2/5]
- "Bang" von James Lu Dunbar (49 Seiten) [4/5]
- "It's alive" von James Lu Dunbar (44 Seiten) [5/5]
- "Great apes" von James Lu Dunbar (38 Seiten) [5/5]
- "Drahtseiltänzer" von S. B. Sasori (309 Seiten) [5/5]

Bücher insgesamt: 9 Bücher
Seiten insgesamt: 2378 Seiten
durchschnittliche Bewertung: 4 von 5 Schreibfedern