Donnerstag, 30. April 2015

[Rezension] Interview mit einem Vampir – Anne Rice



Titel: Interview mit einem Vampir
Autor: Anne Rice
Verlag: Goldmann Verlag
Erscheinungsdatum: 1994
Einband: eBook
Seiten: 294
ISBN: 978-3-442469-22-2
Preis: - € [D]

Klappentext:
Er ist so schön wie ein Engel und so unverletzbar wie ein Gott: Lestat de Liancourt, der ewige Rebell unter den Vampiren, Beherrscher der Finsternis und Verführer von großer erotischer Kraft. Mit seinem Schützling Louis macht er sich auf die Reise durch die Nacht – auf der Suche nach anderen Untoten, nach Gefährten und Abenteurern in der ewigen, dunklen Unsterblichkeit.

Einordnung:
- Interview mit einem Vampir (Teil 1)
aus dem zunächst als Einzelband geplanten Buch ist eine Reihe geworden
- Der Fürst der Finsternis (Teil 2)
- Die Königin der Verdammten (Teil 3)
- Nachtmahr (Teil 4)
- Memnoch der Teufel (Teil 5)
- Armand der Vampir (Teil 6)
- Merrick oder die Schuld des Vampirs (Teil 7)
- Blut und Gold (Teil 8)
- Blackwood Farm (Teil 9)
- Hohelied des Blutes (Teil 10)
- Prinz Lestat (Teil 11)

Rezension:
Wer sich den Klappentext ausgedacht hat, hat das Buch offenbar nicht gelesen. Der letzte Satz beschreibt so ziemlich das Gegenteil der Handlung, an der Lestat beteiligt ist. Sie reisen nicht herum, sondern leben lediglich an zwei verschiedenen Orten. Außerdem setzt Lestat alles daran zu verhindern, dass sich Louis, der Erzähler der Geschichte, auf die Suche nach anderen Vampiren macht. Auch nach Abenteuern und Abenteurern sucht Lestat bestimmt nicht, denn eigentlich will er nur Geld mit beiden Händen aus dem Fenster werfen, ohne einen Finger dafür krümmen zu müssen, es zu bekommen. Allerdings hatte ich den Klappentext nicht gelesen, bevor ich das Buch angefangen habe, sodass er zumindest bei mir keine falschen Erwartungen geweckt hat.

Der Titel des Buches hingegen trifft den Inhalt ziemlich genau. Bis auf ganz wenige Sätze handelt es sich fast ausschließlich um einen Dialog zwischen dem Vampir Louis und einem Jungen, der das Interview führt. Allerdings sind die Redeanteile des Vampirs so groß, dass ich zwischendurch immer wieder vergessen habe, dass es nur Erzählungen sind. Dadurch kommt enorme Spannung auf, denn es entsteht der Eindruck als würden die Dinge gerade im Moment geschehen. Das ist wirklich gut gemacht. Immer wieder haben mich dann die Einwürfe des Jungen, der das Interview durchführt, aus dem Konzept gebracht und die Spannung abreißen lassen, nur um sie wenige Sätze später wieder aufzunehmen, weil die Schilderungen spannend genug sind, um den Leser die Unterbrechung beinahe direkt wieder vergessen zu lassen.
Nichtsdestotrotz hat sich das Buch zwischenzeitlich auch sehr gezogen. Es gibt Handlung über Handlung und es passiert immer mehr und mehr, aber die Seiten werden einfach nicht weniger. Und das liegt nicht einfach an meiner Ausgabe, das Buch hat tatsächlich nur knapp 300 Seiten. Daher hatte ich immer wieder das Gefühl, überhaupt nicht vorwärts zu kommen. Vermutlich hat dazu auch beigetragen, dass ich keine Idee hatte, worauf die Geschichte hinauslaufen sollte. Das hat sich leider auch nach dem Beenden des Buches nicht geändert. Ich weiß immer noch nicht, worauf die Geschichte abzielt, außer dass Louis dem Leser seine Lebensgeschichte erzählen konnte.

Zunächst positiv, später allerdings negativ ist mir aufgefallen, dass Homoerotik eine sehr große Rolle einnimmt in diesem Buch. Ich weiß nicht, ob es vielleicht am Wesen der Vampire liegt, aber es gibt mehr gleichgeschlechtliche Bindungen und homoerotische Gefühle als heterosexuelle Charaktere. Im Prinzip stört mich das natürlich nicht, ich finde es beeindruckend, dass das in einem Buch von 1976 (Erscheinungsjahr des englischen Originals) schon so selbstverständlich aufgegriffen wird. Allerdings hat es sich irgendwann so gehäuft, dass ich nach einiger Zeit nur noch „Wie jetzt, der auch?“ denken konnte. Besonders weit ausgeführt wird es nicht, über Umarmungen, Händchen halten und kurzweilige Lustgefühle geht es nie hinaus, aber dafür hatte ich das Gefühl, dass sich nahezu jeder männliche Charakter in fast alle anderen männlichen Charaktere, der er im Laufe der Geschichte trifft, verliebt. Etwas weniger hätte es da durchaus auch getan.

Fazit:
Obwohl es sich bei dem gesamten Buch um ein Interview handelt, ist es wirklich spannend. Die Redeanteile des Vampirs Louis sind so groß, dass ich immer wieder vergessen habe, dass die Ereignisse sich nicht gerade abspielen, sondern bloß berichtet werden. Nichtsdestotrotz zieht sich die Geschichte hin und wieder und hat bis zum Schluss kein erkennbares Ziel. Außerdem scheint beinahe jeder auftauchende Charakter homosexuell zu sein. Anfangs ist das noch beeindruckend, später wirkt es irgendwann unrealistisch. Insgesamt bekommt „Interview mit einem Vampir“ daher vier Schreibfedern von mir.


Mittwoch, 29. April 2015

[Rezension] Winston: Agent auf leisen Pfoten – Frauke Scheunemann



Titel: Winston – Agent auf leisen Pfoten
Autor: Frauke Scheunemann
Verlag: Loewe Verlag
Erscheinungsdatum: 10. März 2014
Einband: Hardcover
Seiten: 264
ISBN: 978-3-785577-81-3
Preis: 12,95 € [D]

Klappentext:
Zufrieden schnurrend auf dem Sofa liegen und sich von Kira kraulen lassen – Winston findet, das sollte für immer so bleiben! Aber dann wird Kiras Klassenkameradin Emilia entführt. Jemand erpresst ihre Eltern und die Polizei tappt völlig im Dunkeln. Ach du heiliges Katzenklo! Jetzt muss Super-Winston wieder ran. Denn ein Geheimagent auf vier Pfoten kennt keine Furcht, wenn es um Verbrecherjagd geht. Na ja, zumindest fast keine. Und immerhin helfen ihm die Hofkatzen-Gang, eine russische Großmutter und sein unbeirrbarer Spürsinn!

Einordnung:
- Agent auf leisen Pfoten (Teil 2)
- Jagd auf die Tresorräuber (Teil 3)
- Im Auftrag der Ölsardine (Teil 4)
- Kater undercover (Teil 5)
- ob weitere Bücher geplant sind, ist unbekannt

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Obwohl es schon eine Weile her ist, dass ich den ersten Teil dieser Reihe gelesen habe, habe ich schlichtweg überhaupt keine Eingewöhnungszeit gebraucht. Der Schreibstil der Autorin hat dafür gesorgt, dass ich direkt mitten in der Geschichte gelandet bin, als hätte ich schon einige Dutzend Seiten gelesen. Dazu trägt auch die Handlung bei, die mit einer spannenden Szene beginnt, in der der Kater Winston seine Katzenfreundin Odette vor einem übelgelaunten Menschen retten muss.

Spannung hält sich überhaupt die ganze Geschichte über. Die Entführung von Kiras Klassenkameradin sorgt dafür, dass Kira mit ihren beiden Freunden wieder Ermittlungen anstellt. Doch auch Winston und die Hofkatzen, die sich zusammen die „vier Muskeltiere“ nennen, eine etwas verunglückte Adaption der Geschichte „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas, werden auf den Plan gerufen. Sie wollen gemeinsam Abenteuer erleben und geraten dabei mehrfach in brenzlige Situationen. Dabei hat die Autorin genau die richtige Mischung aus Realismus und Kinderbuch gefunden. Denn natürlich muss der Fall von den Kindern und den Katzen gemeinsam gelöst werden, gleichzeitig geschieht das jedoch gegen den Willen der Erwachsenen und ohne das Wissen der Polizei. Dabei ist mehrmals fraglich, ob alle dieses Abenteuer unbeschadet überstehen, denn nachdem Winston und Kira zurück in ihre richtigen Körper getauscht haben, funktioniert leider auch ihre gedankliche Kommunikation nicht mehr.

Positiv sind mir außerdem eine Menge Details aufgefallen. Besonders witzig fand ich beispielsweise, dass Winston im Laufe der Geschichte feststellt, dass immer Tiere für die schlechten Eigenschaften der Menschen herhalten müssen. Es heißt, dass Mädchen Ziegen sind. Man sagt, Männer sind Schweine. Jemand schimpft wie ein Rohrspatz. Und die wichtigtuerische Klassenkameradin ist eine doofe Kuh. Bisher ist mir das nie aufgefallen. Heulen wie ein Schlosshund, ein Affentheater machen, der Elefant im Porzellanladen oder ein Hasenfuß sein, sind nur einige weitere Beispiele dafür. Logisch, dass Winston als Kater das bemerkt.
Begeistert hat mich auch Kiras russische Oma, die in diesem Buch ihren ersten Auftritt hat. Es ist mir mehrfach aufgefallen, dass ihre Aussagen in gebrochenem Deutsch selbst in meinem Kopf ganz automatisch einen russischen Akzent hatten. Die Autorin versteht es wirklich, die Leser die Geschichte miterleben zu lassen, statt sie nur zu erzählen.
Außerdem gibt es auch einige kleine Nebenstränge in der Handlung, obwohl die Entführung natürlich den größten Teil des Buches einnimmt. Doch ein Theaterstück, das Kiras Klasse momentan einübt, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte, ebenso wie offensichtliche Zuneigung zwischen Professor Hagedorn und seiner Haushälterin Anna, Kiras Mutter.

Fazit:
Auch der zweite Teil der Krimireihe um den Kater Winston ist gut gelungen. Der Schreibstil zieht den Leser sofort in die Geschichte. Über die ganze Geschichte hinweg halten sich Realismus und Anpassung für ein Kinderbuch die Waage und es ist spannend bis zum Schluss. Viele kleine Details lockern die Handlung immer wieder auf. „Winston – Agent auf leisen Pfoten“ bekommt von mir, wie schon der erste Band, alle fünf Schreibfedern.


Montag, 27. April 2015

[Rezension] Die Roboter im Eis – Wolfgang Bellaire



Titel: Die Roboter im Eis
Autor: Wolfgang Bellaire
Verlag: Nordfriesischer Kinderbuch Verlag
Erscheinungsdatum: 10. Oktober 2012
Einband: Hardcover
Seiten: 194
ISBN: 978-3-944243-12-2
Preis: 17,90 € [D]

Klappentext:
Schiffbruch im Packeis. Der Roboterjunge Jonathan treibt auf einer Eisscholle. Seine Regenerationsmechanismen treten in Kraft. Wie ist er hierhergekommen, wo sind die Wobotniks, seine Familie, und vor allem: Welches düstere Geheimnis birgt das sinkende Schiff?

Einordnung:
- Die Roboter kommen (Teil 1) 
- Die Roboter im Eis (Teil 3)
nach Neuauflage der gesamten Reihe gibt es außerdem demnächst
- Die zweite Schöpfung (Teil 5)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten beiden Teile enthalten!

Auch im dritten Abenteuer der Familie Wobotnik bleibt der Autor dabei, komplizierte Sachverhalte realitätsgetreu darzustellen, statt sie für Kinder zu vereinfachen. Doch so gut mir das Fachvokabular in den beiden vorherigen Bänden noch gefallen hat, nimmt es hier eindeutig Überhand. Beispielsweise gibt es eine so genaue Beschreibung der Stromversorgung auf einem Containerschiff, dass auch ich nicht alles wirklich verstanden habe. So habe ich diese Dinge, deren Details für den Verlauf der Geschichte im Grunde auch unwichtig sind, dann größtenteils überlesen. Gleichzeitig verhindert das aber, dass die Geschichte von Anfang an mitreißend ist, weil die Seiten nur oberflächlich überflogen werden.

Ebenfalls negativ ist mir die viele Gewalt aufgefallen. Natürlich gab es auch schon in den vorherigen Büchern Brandstiftung, bissige Hunde und brutale Detektive, doch in diesem Teil nimmt es ein ganz neues Ausmaß an. Es beginnt damit, dass Jonathan auf dem sinkenden Schiff zwei Kinder findet, die als blinde Passagiere mitgefahren sind. Das Mädchen, Kisi, berichtet davon, wie sie vergewaltigt wurde – von ihrem Onkel und von einem Mann auf dem Schiff. Dann treffen sie mehrfach auf aggressive Eisbären, die Menschen attackieren und töten. Außerdem findet Jonathan auf dem Schiff ein erfrorenes Paar. Im weiteren Verlauf des Buches werden dann noch Leute in die Luft gesprengt, erschossen oder aus dem Fenster geworfen.
Hinzu kommt noch, dass die anderen Kinder, die in der Geschichte auftauchen, eiskalt und gefühllos wirken. Kisi erzählt nicht nur unbeeindruckt, dass sie vergewaltigt wurde, sondern auch davon, dass ihre Eltern gestorben sind. Ein anderer Junge, den sie später aufgreifen, ist völlig ungerührt, dass ein Mensch vor seinen Augen gestorben ist und gibt sogar noch einen Mord in Auftrag. Ich habe mir wirklich den netten, freundlichen Patrick aus den ersten beiden Büchern zurück gewünscht.

Nichtsdestotrotz war das Buch auch spannend, weil die Pickersgill Detektive den Wobotniks noch immer auf den Fersen sind. Außerdem haben es diesmal auch wieder skrupellose Menschen auf sie abgesehen, deren Schiff die Wobotniks stehlen mussten, um vom Unglücksort zu entkommen. Aber die Roboter können nicht einfach untertauchen, denn Mami Hannas Technik funktioniert nicht mehr einwandfrei, sodass sie dringend den Container mit Ersatzmaterial finden müssen. Immer wieder kommt es zu tragischen Momenten, in denen Mami Hanna stundenlang reglos und wie tot verharrt. Darunter leidet besonders Jonathan, der noch immer so sympathisch, ehrlich und einfühlsam ist wie in den vergangenen Teilen.

Fazit:
In diesem Buch nehmen das Fachvokabular und die detaillierte Beschreibung der Technik ein wenig Überhand, sodass ich die Seiten teilweise einfach nur überflogen habe, weil ich die beschriebenen Dinge nicht nachvollziehen konnte. Außerdem gibt es in dem Buch mehr Tote als ich an beiden Händen abzählen kann und mehrfach Berichte von Vergewaltigungen. Für ein Kinderbuch jedenfalls eindeutig zu viel. Dennoch war die Geschichte spannend zu lesen und besonders mit dem einfühlsamen Jonathan habe ich viel gelitten. Daher bekommt „Die Roboter im Eis“ trotzdem noch drei Schreibfedern von mir.


Sonntag, 26. April 2015

[Rezension] Selection: Der Erwählte – Kiera Cass



Titel: Selection – Der Erwählte
Autor: Kiera Cass
Verlag: Fischer Verlag
Erscheinungsdatum: 19. Februar 2015
Einband: Hardcover
Seiten: 367
ISBN: 978-3-737364-98-0
Preis: 16,99 € [D]

Klappentext:
Nur noch vier Mädchen konkurrieren um Prinz Maxon und die Krone von Illeá. America hätte nie zu träumen gewagt, in die engste Auswahl zu kommen. Doch während das Casting sich unaufhaltsam dem Ende nähert, versuch der König mit allen Mitteln America und Maxon zu entzweien. Und zur gleichen Zeit setzen die Rebellen den Palast härter denn je unter Druck. America wird klar, dass sie kämpfen muss – für ihre eigene Zukunft und für die von Illeá.

Einordnung:
- Selection (Teil 1) 
- Selection - Die Elite (Teil 2) 
- Selection - Der Erwählte (Teil 3)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten beiden Teile enthalten.

Auch im dritten Band der Reihe ist das Casting in gewissem Maß immer noch spannend. Die Mädchen, die noch im Rennen sind, sammeln beim Leser immer wieder Sympathiepunkte – selbst Celeste. Allerdings verspielen sie diese auch immer wieder, sodass der Leser im Prinzip in jeder Szene mit einer anderen Figur hoffen kann. Im Grunde ist schon seit dem ersten Teil offensichtlich, dass sich Maxon am liebsten für America entscheiden würde. Trotzdem ist noch immer offen, ob er das denn tatsächlich auch schafft, immerhin ist der König gar nicht angetan von ihr und wie zornig er werden kann, wird im zweiten Teil schließlich erschreckend deutlich. Außerdem schafft es auch America, sich selbst immer wieder aus dem Rennen zu werfen, nicht nur beim König, sondern auch bei Maxon.

Dass sie als künftige Königin jedoch nicht völlig ungeeignet ist, zeigt sich im Handlungsstrang rund um die Rebellen. Immer mehr wird America in politische Intrigen verwickelt, doch das meistert sie ohne größere Probleme. Sie zeigt zwar vor der Königsfamilie keine Demut, ist impulsiv und eindeutig nicht ausreichend zu höflichen Umgangsformen erzogen worden, aber wenn es um Angelegenheiten geht, die ihr am Herzen liegen und die sie wirklich mit vollster Überzeugung vertritt, dann ist sie sehr geschickt und diplomatisch. Zum Glück sind ihre Interessen auch die des Volkes, sodass sie es als Königin nicht schwer haben sollte, Sympathie bei den Bürgern zu wecken. Meine hat sie auf jeden Fall, denn sie kämpft eindeutig für die richtigen Dinge.

Trotz allem bin ich nicht ganz überzeugt von dem Buch. Die ganze Zeit passiert mal mehr, mal weniger, America kann sich nicht entscheiden, Maxon kann sich nicht entscheiden. Plötzlich eskaliert die Situation und totales Chaos bricht aus, wodurch es richtig spannend wurde. Allerdings ist dann genauso plötzlich auch schon das Buch zu Ende und es wird zum Epilog gesprungen. Das wirkt ziemlich abgehackt und ging mir eindeutig zu schnell. Es fehlt auch an einer ganzen Menge Emotionalität. Für das Drama, das sich auf den letzten 30 Seiten abspielt, ist America viel zu gefasst und Maxon fast schon gefühlskalt. Obwohl die Reihe mit diesem Band nicht endet, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass auf diese Situation im nächsten Buch noch eingegangen wird, immerhin spielt das wohl 20 Jahre später. Trotzdem bin ich gespannt darauf, auch wenn ich überlege, ob es nicht besser gewesen wäre, die Reihe hier zu beenden, bevor es einfach mit der nächsten Generation zu einer Neuauflage der Geschichte kommt.

Fazit:
Obwohl Maxon sich von Anfang an für America entscheiden wollte, ist noch immer nicht klar, ob er das auch tun wird. Der König ist nicht angetan von ihr und auch America selbst schafft es immer wieder, sich selbst aus dem Rennen zu werfen. Ganz anders ist das im Handlungsstrang um die Rebellen, in dem sie ein ungewöhnliches Geschick und viel Diplomatie zeigt, die sie sympathisch machen, denn sie kämpft für die richtigen Dinge. Wenig gelungen fand ich dagegen das Ende. Während fast das ganze Buch leichte Lektüre mit vielen Klischees ist, überschlägt sich die Handlung auf den letzten 30 Seiten und bricht dann plötzlich einfach ab – mit sehr geringen Chancen auf eine Fortsetzung im nächsten Band. Es gibt daher für „Selection – Der Erwählte“ nur vier Schreibfedern.


Samstag, 25. April 2015

[Lesenacht] Fantasy-Lesenacht: Lesen bis die Sterne vom Himmel fallen



Es sind Referate vorzubereiten, Fachbücher zu lesen, Hausaufgaben zu erledigen und Lernzettel zu schreiben. Perfekte Voraussetzungen, um an meiner ersten Lesenacht teilzunehmen. Aber Ines von "The call of freedom and love" hat mich so nett dran erinnert, das wollte ich schon immer mal machen und mein aktuelles Buch will einfach nicht enden. Gemeinsam lies es sich vielleicht besser. Schlechtes Gewissen kann ich auch später noch haben!


Updates

20.50 Uhr: Die Vorbereitungen sind fast abgeschlossen! Noch schnell anmelden (nein, das habe ich nicht fast vergessen, ich doch nicht), dann kann's los gehen!

21.27 Uhr: Meine Tour durch alle teilnehmenden Blogs ist beendet. So komme ich irgendwie nicht zum Lesen. xD Und mein Postfach quillt über vor neuen Benachrichtigungen, dabei habe ich nur kommentiert, wenn ich die Bücher kannte. Und das war erschreckend selten der Fall.

21.48 Uhr: Wenn alle ständig überall kommentieren... Wie soll da denn bitte irgendjemand irgendetwas lesen? :D Ich habe schon ganze vier Seiten geschafft. Bitter. So wird das nichts mit dem Beenden des Buches.

21.59 Uhr: Neun Minuten, um die Fragen zu beantworten. Ich sollte lernen, mich kurz zu fassen!

22.30 Uhr: Huch, schon wieder neue Aufgaben. Diesmal habe ich weniger kommentiert und bin trotzdem nicht vorwärts gekommen. Irgendwie scheint das Buch unendliche Seiten zu haben.

23.29 Uhr: Schon wieder eine Stunde vorbei? o.O Mein Reader hat zwischendurch den Geist aufgegeben. Aber ich habe schon 21 Seiten geschafft heute. Juhu. Wenigstens habe ich inzwischen nur noch eine zweistellige Seitenzahl, die ich noch lesen muss.

23.52 Uhr: Ich glaube, ich muss die letzte Seite noch mal lesen. Sind die jetzt alle schwul? Nicht, dass ich da was gegen hätte, im Gegenteil. :P Vielleicht bin ich einfach nur so müde, dass mein Hirn das automatisch so interpretiert. Aber wenn die sich alle begrapschen und aneinander kuscheln, bleibt das irgendwie nicht aus.

00.38 Uhr: Die Schrift sieht inzwischen lila aus, ich habe Hunger und meine Augen brennen. Ich bin eindeutig zu alt, um so lange auf zu bleiben. xD

01.16 Uhr: Mein PC macht komische Geräusche und die Helligkeit springt hin und her. Das ist definitiv nicht gut. Ich denke, ich begebe mich mal ins Bett und lese da noch ein paar Seiten. Immerhin 43 Seiten habe ich geschafft. Könnte schlimmer sein. Gute Nacht. :)




Fragen

21.00 Uhr
Welches Buch liest du?
Wo hast du das erste Mal von dem Buch gehört?


Ich lese "Interview mit einem Vampir" von Anne Rice. Bis Seite 180 habe ich es inzwischen geschafft. Noch 114 Seiten, dann bin ich durch. Leider habe ich nur das Gefühl, dass die Seiten gar nicht weniger werden, auch wenn ich umblättere. Irgendwie ungut. :D

Wo ich zum ersten Mal von dem Buch gehört habe, weiß ich echt nicht mehr. Als eine Freundin und ich das auf unsere Klassiker-Liste gesetzt haben, ist es mir bewusst wieder in den Kopf gekommen. Aber ich kannte den Titel definitiv vorher schon. Aber woher...?



21.50 Uhr
Welche Genres liest du generell am meisten?
Wie hoch ist dein SuB?
Und wie ist dein Kaufverhalten - kaufst du gerne Neuerscheinungen oder auch viele ältere Bücher und liest du dir immer vor dem Kaufen Rezensionen durch?
Hast du dir wegen einer Rezension schon mal ein Buch gekauft, weil sie dich so überzeugt hat?

Wenn ich mir meine Regale so ansehe, dann lese ich Fantasy, Science-Fiction und Thriller am meisten, glaube ich. Kinder- und Jugendbücher gibt's auch eine Menge. Und meine Sammlung an "Gay Romance" Büchern wächst in letzter Zeit beständig an.

Mein SuB? Beschämt muss ich zugeben, dass er momentan offiziell bei 242 ist. Aber ich glaube, da ist das Buch, was ich aktuell lese, schon raus gerechnet. Und die noch nicht geposteten Neuzugänge sind noch nicht eingerechnet. Einigen wir uns drauf, dass er irgendwo zwischen 240 und 250 liegt. Viel zu hoch!

Mein Kaufverhalten lässt sich nicht beschreiben. Ich kaufe ... alles?! :D Nein, nicht immer. Es gab eine Zeit, da habe ich alles gekauft. Jetzt kaufe ich mir hauptsächlich die Reihen zusammen, die ich noch nicht vollständig habe, aktuelle Fantasy-Reihen und Gay Romance Bücher. Rezensionen lese ich vorher allerdings grundsätzlich nie. Ich bilde mir lieber meine eigene Meinung und ich will auch nicht gespoilert werden, dann kann ich es mir auch sparen, das Buch zu lesen.

Dementsprechend habe ich natürlich auch noch nie ein Buch gekauft, weil mich die Rezension überzeugt hat. Ich gehe nach Cover, Klappentext, ob ich den Autor mag und gerade bei Fantasy-Reihen nach dem Hype. Einfach, um mitreden zu können.



22.40 Uhr
Du bist halb erfroren und mitten in der Walachei! Alles, was du hast, ist die Kleidung, die du anhast, und ein Berg an Büchern, die du wie der Weihnachtsmann in einem Stoffsack hinter dir hergezogen hast. Welches verbrennst du als erstes, damit du dir die Hände wärmen kannst, die kurz davor sind, vor Kälte ab zu fallen?

Also eigentlich würde ich ein Buch zerreißen, die Blätter zerknüllen und sie mir in die Kleidung schieben. Das hält wunderbar warm und zwar länger als ein Feuer - irgendwann ist mein Brennmaterial schließlich weg. Nichtsdestotrotz würde ich ja trotzdem ein Buch zerstören. Aktuell fällt mir zum Beispiel "Barry Trotter" ein, eine Parodie zu Harry Potter. Allerdings frage ich mich, warum ich das überhaupt mitschleppe. :D Sonst wären da noch "Probezeit" und "Hit-Single" von Judith Liere. Aber die geben alle nicht viel Brennmaterial her, fürchte ich... Aus praktischen Gründen sollte ich eigentlich das DSM 5 nehmen (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen), immerhin ist das 8cm dick und 24,5cm hoch. Der Brocken brennt ordentlich. Leider verbrennen damit dann auch 170 Euro...



23.30 Uhr
Bücher oder eBooks?
Wann und wie hat deine Leseliebe so richtig angefangen?

Bücher. Also, ich lese auch eBooks, aber nur als Rezensionsexemplare oder wenn es sie kostenlos gibt. Ich würde niemals Geld für eBooks ausgeben. Bücher gehören deutlich sichtbar für jeden ins Regal. Das verleiht einem Zimmer gleich eine ganz andere Atmosphäre als wenn da nur noch so ein technisches Gerät liegt. Und wenn ich eBooks gelesen und für gut befunden habe, dann kaufe ich mir immer auch die Printausgabe, um sie in mein Regal zu stellen. Ich liebe es, meine Bücher zu sortieren und staunend angesehen zu werden, wenn ich mit einem dicken Wälzer in der Hand in der Straßenbahn sitze.

Ich lese schon, seit ich denken kann. Ganz früher haben mir meine Eltern immer vorgelesen und sich beispielsweise bei "Urmel aus dem Eis" knoten in die Zunge gelesen. "Rapf hinter den Bupf!", sag ich da nur. :D Aber mit fünf Jahren konnte ich auf jeden Fall auch schon selbst lesen. Und da hat dann auch das Sammeln von Büchern angefangen. Erst nur ganz langsam, schließlich bekommt man als kleines Mädchen noch nicht so viel Taschengeld, aber mittlerweile hat sich das (vor allem seit ich blogge) in ein ziemlich extremes Maß ausgewachsen. Also: Intensiv kaufen tue ich seit fast zwei Jahren, aber gelesen habe ich schon immer.



00.20 Uhr
Hattet ihr schon mal einen Traum, in dem ein Buchcharakter vorkommt?
Welchem Buchpaar würdet ihr gerne die Krone als bestes Buchpaar aufsetzen?
Welche übernatürliche Fähigkeit hättet ihr gerne?

Ich träume regelmäßig von den Büchern, die ich gelesen habe. Allerdings fällt mir jetzt spontan kein Traum ein. Das verflüchtigt sich alles so schnell wieder.

Bestes Buchpaar? Das ist schwer. Spontan habe ich an Markus und Alex aus "Irgendwie Top" von Chris P. Rolls gedacht. Die beiden sind einfach perfekt füreinander. Ich werde das Buch garantiert noch häufiger lesen. (Achtung: Spoiler zu Harry Potter!) Wenn ich ein bisschen genauer nachdenke, fallen mir außerdem noch Remus und Tonks aus Harry Potter ein. Bis ich "Irgendwie Top" gelesen habe, mein absolutes Lieblingspaar. Ich habe jede Szene mit den beiden öfter gelesen als alle sieben Bücher zusammen. (Spoiler Ende)

Bei den übernatürlichen Fähigkeiten bin ich immer nicht sicher. Klar, fliegen wäre cool. Gedanken lesen auch. Unsichtbar werden. Aber ich glaube, ich würde am liebsten die Zeit manipulieren können. Zurückdrehen, wenn ich etwas noch einmal erleben will. Anhalten, wenn ich nicht genug Zeit für meine ganzen Aufgaben habe. Vorspulen, wenn ich irgendetwas Unangenehmes zu erledigen habe. Das wäre wirklich genial.



01.10 Uhr
Wie versteht ihr euch gerade mit dem Protagonisten?
Was würdet ihr gerade anders machen als er?

Gerade? Gerade verstehe ich mich ziemlich gut mit ihm. Er ist endlich mal ohne die Kleine unterwegs und tut, wonach ihm ist. Anders machen würde ich nur, dass ich mich nicht so zieren würde. Er gibt zu, dass er auf den Vampir steht und der ist offensichtlich auch nicht uninteressiert. Vielleicht beides nicht im herkömmlichen Sinne, aber es ist mitten in der Nacht und ich bin müde, da könnten sie doch jetzt bitte mal ein wenig knutschen, oder?

Freitag, 24. April 2015

[Rezension] Selection: Die Elite – Kiera Cass



Titel: Selection – Die Elite
Autor: Kiera Cass
Verlag: Fischer Verlag
Erscheinungsdatum: 17. Februar 2014
Einband: Hardcover
Seiten: 376
ISBN: 978-3-737362-42-9
Preis: 16,99 € [D]

Klappentext:
Nur noch sechs Mädchen kämpfen um die Gunst von Prinz Maxon und die Krone und Illeá. America ist eine von ihnen, und sie ist hin- und hergerissen: Gehört ihr Herz ihrer ersten großen Liebe Aspen? Oder doch dem charmanten, gefühlvollen Prinzen? America muss die schwerste Entscheidung ihres Lebens treffen. Doch dann kommt es zu einem schrecklichen Vorfall, der alles ändert.

Einordnung:
- Selection (Teil 1) 
- Selection - Die Elite (Teil 2)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten.

Zu Beginn des Buches sind nur noch sechs Mädchen übrig, zwischen denen sich Maxon entscheiden muss. Wegen der überschaubaren Menge an Charakteren wird nun auch über die übrigen Kandidatinnen detaillierter berichtet. Endlich sind alle mit Namen bekannt und durch Americas Begegnung mit ihnen bekommt der Leser ein Gefühl für ihre Persönlichkeit – zwar ziemlich subjektiv, aber immerhin sind die Mädchen nun mehr als ein schwarzer Name auf weißem Papier. Dadurch wird auch deutlich, dass jede von ihnen ein anderes Motiv hat, um möglichst lange im Casting zu bleiben oder vielleicht sogar zu gewinnen. Während America, sollte sie sich für Aspen entscheiden, sichergehen möchte, dass der Geldregen für ihre Familie anhält, wollen andere Kandidatinnen Außenstehende nicht enttäuschen, weiter im Rampenlicht stehen oder auf bestimmte Annehmlichkeiten nicht mehr verzichten. Aus all diesen Mädchen kann sich der Leser jetzt seine Favoritin aussuchen und mitleiden, wenn sie ausscheidet.

Da nur noch wenige Kandidatinnen übrig sind, die ausscheiden können, wird dieser Handlungsstrang nicht mehr so schnell vorangetrieben wie im ersten Teil. Dafür spielen die Rebellen eine immer größere Rolle. Die Zusammenstöße mit ihnen werden detaillierter und deutlich häufiger beschrieben. Dadurch gibt es noch einen zusätzlichen Spannungsfaktor in der Geschichte. Doch es gibt nicht nur offene, gewaltsame Auseinandersetzungen. Obwohl America nur eine von sechs Kandidatinnen für die Krone ist, wird sie bereits für politische Intrigen eingespannt und findet wertvolle Verbündete für das zukünftige Illeá. Dass ausgerechnet sie dafür ausgewählt wird, finde ich mehr als verständlich,  weil sie offen für das Volk eintritt, gegen die Ungerechtigkeit arbeitet und besonders für Menschen aus den unteren Kasten immer ein offenes Ohr hat. Ihr Herz ist am rechten Fleck, nur hat sie wenig Ahnung von Politik, sodass ihre Herangehensweise nicht besonders subtil ist. Dass sie so ungestüm an Dinge heran geht, die ihr am Herzen liegen, macht sie jedoch auch in diesem Buch wieder sympathisch, denn wenn sie ein Unrecht sieht, katzbuckelt sich nicht einmal vor dem König, sondern geht dagegen vor. Selbst die Obrigkeit muss sich ihren Respekt verdienen.

Gestört hat mich an diesem Buch nur Americas Sprunghaftigkeit bei ihrer Herzensfrage. Mittlerweile habe ich den Eindruck gewonnen, dass es in der Geschichte gar nicht um Maxons Wahl einer zukünftigen Ehefrau, sondern mehr um Americas Entscheidung zwischen Maxon und Aspen geht. Dafür braucht sie mir eindeutig zu lange und entscheidet sich zu häufig um. Es würde mich schon fast nicht mehr wundern, wenn sich am Ende beide Jungs gegen America entscheiden würden. Sie weiß eindeutig überhaupt nicht, was sie eigentlich will. Und es ist nicht fair von ihr, beide jedes Mal wieder zu vertrösten, nur um sich alle Möglichkeiten offen zu halten. Ich bin gespannt, welches Drama im dritten Teil passieren muss, damit sie es schafft, sich zu entscheiden. Zeit hilft ihr ganz offensichtlich überhaupt nicht.

Fazit:
Da nur noch sechs Mädchen im Casting verblieben sind, ändern sich viele Dinge. Zum einen werden die Charaktere genauer beschrieben und entwickeln eigene Persönlichkeiten, statt einfach einige von vielen zu sein. Zum anderen ist der Handlungsstrang ein wenig reduziert und den Rebellen wird mehr und detaillierter Raum gegeben. Beides treibt die Spannung in die Höhe. Einzig Americas ewiges Hin und Her zwischen Aspen und Maxon hat mich gestört, weil sich das nun schon wirklich ziemlich lange zieht. Daher bekommt „Selection – Die Elite“ auch nur vier Schreibfedern von mir.


Donnerstag, 23. April 2015

Neuzugänge #42

Wenn jemand Bücher abzugeben hat, dann schreie ich ganz schnell und ganz laut. Deshalb gibt es bei mir schon wieder Neuzugänge. Außerdem habe ich noch meinen letzten Geburtstags-Gutschein eingelöst. Und Chris P. Rolls hat Rezensionsexemplare verteilt, da konnte ich natürlich auch nicht Nein sagen. Ein gewonnenes Buch ist noch auf dem Weg zu mir, danach versiegt die Quelle hoffentlich erst einmal. Mein SuB ist ganz und gar nicht begeistert.

Mit "Die Buddenbrooks" von Thomas Mann, "Andorra" von Max Frisch, "Vom Winde verweht" von Margaret Mitchell und "Mutter Courage und ihre Kinder" von Bertholt Brecht sind ein paar echte Klassiker in mein Regal gewandert.
Außerdem besitze ich wegen meines Studiengangs jetzt "Irre! - Wir behandeln die Falschen" von Manfred Lütz. Das Rezensionsexemplar von Chris P. Rolls ist "Bodycaught". Und "Wir sind das Folk" von Art Bechstein und Julia Grün habe ich mir von meinem letzten Gutschein gekauft.


Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, auf die Bücher gespannt zu sein. Das trifft im Grunde nur auf "Bodycaught" und "Wir sind das Folk" zu. Nichtsdestotrotz ist es ja nicht schlecht, sich auch mal mit den Klassikern auseinander gesetzt zu haben. Irgendwann werde ich sie wohl auch alle mal lesen. Aber in Anbetracht der Höhe meines SuBs finden sich da bestimmt eine Menge Bücher, denen ich den Vortritt lassen würde...

Besitzt ihr Klassiker?
Lest ihr Comics / Graphic Novels / etc.?

Mittwoch, 22. April 2015

[Rezension] Selection – Kiera Cass



Titel: Selection
Autor: Kiera Cass
Verlag: Fischer Verlag
Erscheinungsdatum: 11. Februar 2013
Einband: Hardcover
Seiten: 366
ISBN: 978-3-737361-88-0
Preis: 16,99 € [D]

Klappentext:
Die Chance ihres Lebens? 35 perfekte Mädchen – und eine von ihnen wird erwählt. Sie wird Prinz Maxon, den Thronfolger des Staates Illeá, heiraten. Für die hübsche America Singer ist das die Chance, aus einer niedrigen Kaste in die oberste Schicht der Gesellschaft aufzusteigen und damit ihre Familie aus der Armut zu befreien. Doch zu welchem Preis? Will sie vor den Augen des ganzen Landes mit den anderen Mädchen um die Gunst eines Prinzen konkurrieren, den sie gar nicht begehrt? Und will sie auf Aspen verzichten, ihre heimliche große Liebe?

Einordnung:
- Selection (Teil 1)

Rezension:
Nachdem so viel Hype um die Serie gemacht wurde, musste ich sie mir dann doch auch mal zulegen. Und der erste Teil hat mir wirklich gut gefallen. Das liegt unter anderem an der sympathischen Protagonistin. America nimmt, wie schon der Klappentext verrät, nur sehr widerwillig an dem Casting teil. Sie liebt Aspen und interessiert sich eigentlich überhaupt nicht für den Prinzen, den sie für oberflächlich und arrogant hält. Sympathisch geworden ist sie mir dadurch, dass sie daraus auch keinen Hehl macht. Während die anderen Mädchen versuchen, sich im besten Licht zu präsentieren, hübsch, charmant und witzig zu sein und nebenbei ihre Konkurrentinnen auszustechen, ist America einfach sie selbst. Sie ignoriert die Regeln, wenn sie es für notwendig hält, sie katzbuckelt nicht vor der Autorität des Prinzen, sie verteidigt ihre Wertvorstellungen und vor allem ist sie ehrlich. Es ist jedes Mal wieder erfrischend und lustig, wie sie mit ihrer frechen, direkten Art auf die steifen Gepflogenheiten des Prinzen reagiert. Obwohl die Möglichkeit besteht, dass sie am Ende die Prinzessin an Maxons Seite sein wird, benimmt sie sich nicht so. Gerade das macht ihren Charme aus.

Um nicht nur eine zukünftige Frau für Maxon zu finden, sondern auch die Bevölkerung mit diesem inszenierten Casting zu begeistern, ist es notwendig, dass Bewegung in der Sache bleibt. Daher muss der Prinz immer wieder Mädchen nach Hause schicken, die er für ungeeignet hält. Da es zahlreiche Regeln für den Auswahlprozess gibt, hat die Autorin Möglichkeiten gefunden, die Mädchen auf unterschiedliche Weise ausscheiden zu lassen. Dadurch bleibt die Geschichte abwechslungsreich und es wird nicht immer der gleiche Zyklus von vorn durchlaufen. Einige Mädchen scheiden beispielsweise schon zu Beginn aus, weil sich Maxon auf seine Intuition beim ersten Treffen verlässt. Andere wiederum wollen aus freien Stücken gehen oder verstoßen gegen die Regeln, indem sie zum Beispiel anderen Kandidatinnen nachweislich Schaden zufügen. Und je kleiner der Kreis wird, desto spannender wird der weitere Verlauf der Geschichte. Als die Zahl der übrigen Mädchen so weit eingeschränkt ist, dass die Autorin alle namentlich erwähnt und sie auch kleinere Auftritte haben lässt, entstehen weitere Sympathien, sodass der Leser nicht mehr nur für America, sondern auch für andere Mädchen hoffen kann. Deshalb bin ich geradezu durch die Seiten des Buches geflogen.

Natürlich ist das Casting das Hauptthema des Buches. Die Mädchen müssen sich in Gesprächen mit dem Prinzen bewähren, den korrekten Umgang mit dem Königspaar lernen, sich mit ihren Zofen arrangieren, immer hübsche Kleider tragen und all die Fähigkeiten erlernen, die für eine künftige Königin wichtig sind. Und ganz nebenbei gibt es auch noch ständig Pressetermine, um das ganze Land über ihre Fortschritte und Ansichten auf dem Laufenden zu halten. Doch trotzdem dreht sich nicht die gesamte Handlung nur darum. Immer wieder haben auch Rebellen einen Auftritt, die mit der Monarchie und dem Kastensystem nicht zufrieden sind. Zwar nimmt dieser parallele Handlungsstrang nur wenig Raum ein, aber es gibt viel Potenzial für die folgenden Bücher. Nichtsdestotrotz sind diese Szenen schon in diesem Buch eine gute Ablenkung, um sich nicht völlig auf das Casting zu versteifen.

Fazit:
Der Hype um die Reihe ist bisher absolut verdient. America ist eine sehr sympathische Protagonistin, die vor allem mit ihrer Ehrlichkeit punkten kann. Das Casting selbst ist abwechslungsreich, da die Mädchen immer auf unterschiedliche Art ausscheiden. Je geringer die Anzahl der übrigen Mädchen wird, desto spannender wird auch die Geschichte. Für weitere Abwechslung sorgt außerdem der Handlungsstrang um die Rebellen, der hoffentlich in den folgenden Teilen noch weiter ausgearbeitet wird. „Selection“ bekommt fünf Schreibfedern für eine Protagonistin, die sich nicht davon beeindrucken lässt, dass sie vielleicht Prinzessin werden könnte.


Dienstag, 21. April 2015

[Rezension] Rot. Grün? Blind! – S. B. Sasori



Titel: Rot. Grün? Blind!
Autor: S. B. Sasori
Verlag: Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 16. Oktober 2014
Einband: Softcover
Seiten: 69
ISBN: 978-1-502809-40-7
Preis: 3,60 € [D]

Klappentext:
Wer ist der smarte Blonde, der mit Frank-Sinatra-Hut und Sonnenbrille aus dem Fond einer Limousine steigt? Finn kann sein Glück kaum fassen, als er erfährt, dass es sich um seinen neuen Nachbarn handelt. Aber warum überquert H. Veller, ohne nach rechts und links zu sehen, die Straße? Und dies zur hektischsten Berliner Rushhour? Finn eilt dem seltsamen jungen Mann zur Hilfe und begreift, warum Rot eine schreckliche Farbe ist und Schatten guttun können.

Einordnung:
Das Buch ist kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Wegen des Wortspiels im Titel ist mir besonders diese Geschichte der Autorin ins Auge gefallen. Und was mich schon als unwissenden Leser begeistert hat, wird in dem Buch dann auch nochmals aufgegriffen und erklärt. Jeder Teil hat eine ganz besondere Bedeutung. So erfährt der Leser beispielsweise schon auf den ersten Seiten, dass Hannes, einer der beiden Protagonisten, ein rotes Motorrad fährt. Anfangs erscheint es noch wie ein Zufall, doch nach und nach wird deutlich, dass der ungewöhnliche Titel perfekt zur Geschichte passt.

Ebenfalls positiv aufgefallen ist mir der Charakter der Figuren. Auch auf so wenigen Seiten hat die Autorin es geschafft, sympathische und unsympathische Charaktere zu erschaffen. Das liegt vor allem an der Art, mit der sie Hannes begegnen, der sich in einer sehr schwierigen Situation befindet. Auf der einen Seite begleitet ihn sein Freund Stefan, dessen von Mitleid getränktes, fürsorgliches Benehmen gemeinsam mit der fast schon unverschämte Behutsamkeit dafür sorgt, dass ich sehr einverstanden damit war, ihn hochkant aus der Wohnung zu werfen. In seinem Übereifer versteckt er nämlich beispielsweise sogar die Küchenmesser vor Hannes. Auf der anderen Seite erscheint Finn auf der Bildfläche, dessen direkte, freche Art genau die Gelassenheit in die Szene bringt, die Hannes braucht. Statt alle gefährlichen Dinge vor ihm zu verstecken, bittet Finn zum Beispiel schon bei der ersten Begegnung darum, Hannes möge ihn vorwarnen, wenn er das nächste Mal mitten im Berufsverkehr einfach über die Straße läuft, damit er seine Kopfhörer aufsetzen kann, um nicht das Quietschen der Reifen zu hören, wenn er überfahren wird. Was hier makaber klingt, ist in der Geschichte genau die Einstellung, durch die Finn zur sympathischsten Figur des Buches wird – nicht nur in meinen Augen.

Der einzige Kritikpunkt an dem Buch ist die Geschwindigkeit, mit der sich die Handlung entwickelt. Abgesehen von den ersten fünf Seiten spielt die gesamte Geschichte an einem einzigen Tag, sodass sich in dem Zeitrahmen auch alle zwischenmenschlichen Beziehungen entwickeln müssen. Da es sich nur um eine Kurzgeschichte handelt, lässt es sich kaum vermeiden, dass die Charaktere direkt mit der Tür ins Haus fallen. Trotzdem hätten sowohl das Thema als auch die Charaktere noch viel Potenzial für ein dickeres Buch hergegeben.

Fazit:
Der Titel des Buches, hinter dem sich eine tiefere Bedeutung versteckt, die jedoch überhaupt nicht erzwungen ist, ist ein echter Glücksgriff – vor dem Lesen der Geschichte auffallend, danach absolut perfekt. Ebenfalls gelungen sind die Figuren. Trotz der wenigen Seiten verschwimmen sie nicht zu einer Masse, sondern besitzen jeweils einen eigenen Charakter, der sie unsympathisch macht oder aber den Leser zum Lachen bringt. Leider handelt es sich bei dem Buch aber nur um eine Kurzgeschichte, sodass viel Potenzial ungenutzt bleibt. Daher bekommt „Rot. Grün? Blind!“ insgesamt vier Schreibfedern von mir.


Sonntag, 19. April 2015

[Rezension] May Bee – Tomas Maidan



Titel: May Bee
Autor: Tomas Maidan
Verlag: Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 08. April 2015
Einband: eBook
Seiten: 264
ISBN: -
Preis: 1,99 € [D]

Klappentext:
Jungkommissarin May bekommt die saure Gurke unter den verzwickten Fällen: Sie muss Konsul Bolaire finden, einen korrupten Widerling, der auf dem Schloss Taubenschlag verschwunden ist. Man sagt, dort draußen würde eine Drogenbaronin ihre letzten Pillen an die Bienen verfüttern. Mysteriös.
Entnervt von Bürokratie und Beamtenmief bricht May nur mit ihrer Freundin Tuh auf; einer durchgeknallten Kioskbesitzerin, die mit bengalischen Experimenten und der Laune einer wandelnden Zitrone dafür sorgt, dass der Fall zum bunten Trip wird. Zwischen bösen Bienen und magischen Pilzen entdecken die beiden Entsetzliches. Zum Glück lernt May den schüchternen Jo kennen, der so romantisch die Krümel der Butter-Hörnchen wegwischen kann. Wird es den Drei gelingen, die Honig-Hölle zu versalzen?
MAY BEE ist Märchen, Krimi, Rock and Roll. In einer Welt voller Bullen machen May und Tuh die Fliege - und entdecken, dass man auch im Alleingang die Richtigen retten kann. Pop-Abenteuer mit schrägen Bienen.

Einordnung:
Das Buch spielt in Kujai-City, einer fiktiven Stadt, in der auch schon die Bücher „Taubenschlag“ und „Im Kessel“ angesiedelt sind, in denen es sich um dieselbe Geschichte dreht. Für das Verständnis ist es jedoch nicht nötig, alle Bücher gelesen zu haben.

Rezension:
Schon auf den ersten Seiten des Buches wird deutlich, dass es sich bei der Protagonistin May und ihrer besten Freundin Tuh nicht einfach um zwei junge Frauen handelt. Die beiden sind, ebenso wie der Rest der Charaktere, auf eine Art und Weise durchgeknallt, die schon nicht mehr sympathisch ist. Besonders Tuh kommen während der ganzen Geschichte nicht mehr als zwei sinnvolle Sätze über die Lippen, dabei redet sie wirklich ununterbrochen. Im realen Leben sind beide genau die Art von Person, um die ich einen weiten Bogen machen würde. Dass sie hier nur auf Papier existieren, hat leider auch nicht geholfen, sodass sie mir spätestens nach einer halben Seite Dialog wirklich auf die Nerven gegangen sind.

Dass mir die Charaktere so suspekt sind, hat sich auch auf den Rest der Geschichte ausgewirkt, die zwar nicht in der Ich-Form, aber dennoch aus Mays Perspektive geschildert ist. Ihre Gedanken sind, gelinde gesagt, merkwürdig. Beispielsweise gibt es ständig Vergleiche mit Gurken und Zitronen. Letztere besonders, wenn Tuh auf der Bildfläche erscheint, der dann direkt auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit ein zitroniges Gesicht attestiert wird.

Hinzu kommt, dass die Geschichte an vielen Stellen unrealistisch ist. Jeder bezeichnet jeden als „Kindchen“, obwohl die meisten im gleichen Alter sein müssten. Außerdem interessiert sich monatelang niemand für den verschwundenen Konsul, den May nun finden soll – selbst noch als sie den Fall engagiert übernimmt. Doch plötzlich greift wegen einer eifrigen Polizistin im Alleingang sogar das Militär ein, um aufzuräumen, wobei allerdings nicht einmal sichergestellt wird, dass sie den Angriff überleben würde. Nichtsdestotrotz ist die Mission insofern erfolgreich als dass sie den Konsul tatsächlich findet. Allerdings in einem Zustand, der sämtlicher Logik entbehrt.
Bei all den Ungereimtheiten und anderen merkwürdigen Gegebenheiten hat es dann auch tatsächlich bis ganz zum Schluss gedauert, bis ich herausgefunden habe, dass das Buch wohl nicht ins Genre Fantasy gehört. Und das, obwohl es vier Meter hohe Pilze gibt, ein Schwarm Bienen sich wie ein Jäger an sein Opfer anschleicht und dieses dann auffrisst (obwohl Bienen Pflanzenfresser sind) und ein Schloss aus Honig ebenfalls eine Rolle spielt.

Leider konnte ich mich bis zum Schluss auch nicht mit dem Schreibstil anfreunden. Hin und wieder, wenn beispielsweise einfach die Einrichtung des Schlosses beschrieben wird, ließ sich das Buch leicht und flüssig lesen. Die übrige Zeit haben der Stil und die ungehobelte Ausdrucksweise der Erzählerin dafür gesorgt, dass es ziemlich anstrengend war. Ein Punkt, der besonders hängen geblieben ist, ist die wiederholte falsche Verwendung des Wortes „Scheitel“, das nur die Trennung des Kopfhaares in zwei Teile beschreibt, in dem Buch aber synonym zu „Strähne“ verwendet wird. Daher kommt es, dass sich Tuh immer wieder ihren Scheitel hinter das Ohr wirft oder ihn im Wind flattern lässt, obwohl das per definitionem unmöglich ist.

Fazit:
Das Buch ist leider bei weitem nicht so witzig gewesen, wie der Klappentext mich glauben machen hat. Hauptsächlich ist das der Protagonistin May und ihrer besten Freundin Tuh geschuldet, die völlig durchgeknallt und leider auch ziemlich nervtötend sind. Während May ständig von Gurken und Zitronen erzählt, bringt Tuh fast keinen einzigen sinnvollen Satz über die Lippen. Insgesamt war die Geschichte dadurch, und weil es immer wieder Ungereimtheiten gibt und überhaupt keine Spannung aufkommt, ziemlich anstrengend zu lesen. Da ich mich fast von Anfang an nur durch das Buch gequält habe, kann ich „May Bee“  auch nur eine Schreibfeder geben.



Auch negative Erfahrungen müssen sein, daher danke ich dem Autor natürlich trotzdem für das Rezensionsexemplar.

Samstag, 18. April 2015

[Rezension] Irgendwie Lions Roar – Chris P. Rolls



Titel: Irgendwie Lions Roar
Autor: Chris P. Rolls
Verlag: Self-Publishing
Erscheinungsdatum: 16. Dezember 2013
Einband: Softcover
Seiten: 383
ISBN: 978-1-494347-79-6
Preis: 13,99 € [D]

Klappentext:
Alex Rotkamp, ehemaliger Pornostar und Model, betreibt Sex als Kunstform, stets auf der Suche nach Perfektion. Er arrangiert die Situationen wie im Film: Inszenierungen aus Licht, Schatten und Lust. Während eines Besuchs im Gaytronic trifft er auf Markus, in dem er einen ebenbürtigen Gegner wittert. Das Spiel der beiden wird jedoch bald intensiver als gedacht, und Alex entgleitet zunehmend die Kontrolle.

Einordnung:
- Irgendwie Anders (Teil 1) 
- Irgendwie Top (Teil 2) 
- Irgendwie Lions Roar (Teil 3)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten beiden Teile enthalten!

Auch der dritte Teil der Irgendwie-Reihe ist wieder absolut mitreißend. Obwohl noch einmal die gleiche Geschichte erzählt wird wie in „Irgendwie Top“, sodass seitens der Handlung keine Überraschung zu erwarten ist, ist das Buch trotzdem spannend. Das Spiel zwischen Alex und Markus ist hier nicht weniger intensiv als im vorherigen Band, weil sich auch Alex, aus dessen Perspektive diesmal berichtet wird, kaum der starken Emotionen erwehren kann und im Rausch immer mehr die Kontrolle verliert. Obwohl ich den Handlungsverlauf kannte, habe ich mehrfach um den sensiblen Markus gebangt, weil Alex anfangs nur ein eiskalter Jäger auf der Suche nach einer neuen Trophäe ist. Immer wieder habe ich mich gefragt, bis zu welchem Punkt er tatsächlich nur sein Spiel mit Markus treibt, immer mit der Angst, es könnte etwas zwischen ihnen zerstören – obwohl ich eigentlich aus dem letzten Teil bereits wusste, dass das nicht der Fall sein würde. Es gelingt der Autorin wirklich, dem Leser trotz bekanntem Handlungsverlauf das Herz vor Nervosität bis zum Hals schlagen zu lassen.

Nichtsdestotrotz ist dieses Buch zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig gewesen, weil sich Alex, ganz im Gegensatz zu Markus, nicht mit Umschreibungen aufhält, sondern die Dinge kurz und knapp auf den Punkt bringt. Das liegt wohl einerseits daran, dass so unnötige Doppelungen mit den Beschreibungen aus „Irgendwie Top“ vermieden werden können, andererseits passt dieser Stil aber auch absolut zu Alex‘ arrogantem Macho-Charakter. Er ist direkt und ziemlich kurz angebunden, um nichts zu nah an sich heran zu lassen. Doch so wie Alex, entwickelt sich auch der Erzählstil im Laufe der Geschichte weiter. Während sich anfangs ein kurzer Hauptsatz an den nächsten reiht, fließen mit der Zeit immer mehr Nebensätze in die Erzählung ein. Letztlich ist dem Buch die nötige Gewöhnungszeit aufgrund des enormen Stilwechsels also eher positiv anzurechnen, denn dadurch unterscheiden sich die Geschichten mehr als durch die verschiedenen Sichtweisen auf diverse Szenen.

Völlig identisch sind die geschilderten Szenen natürlich trotzdem nicht, denn da Alex in diesem Buch als Ich-Erzähler fungiert, werden die Situationen, die ihm wichtig sind, ausführlicher beleuchtet. Beispielsweise beschreibt er seine Versuche, den perfekten Sex zu inszenieren, in mehr Details als Markus, der darin schließlich nur einen weiteren Schachzug in ihrem Spiel sieht. Außerdem enden die Bücher zeitlich nicht parallel, denn für Alex ist auch sein Vater eine wichtige Person, sodass in seine Schilderung der Ereignisse definitiv auch Begegnungen mit ihm hinein gehören. Gleiches gilt für seine Versuche, mit seiner Pornovergangenheit und allen damit verbundenen Erinnerungen abzuschließen. Wie schon „Irgendwie Top“ hat auch dieses Buch einen sehr runden Abschluss, der wohl vor allem dadurch zustande kommt, dass er individuell auf Alex zugeschnitten und nicht einfach aus Markus‘ Erzählungen übernommen ist.

Fazit:
Obwohl das Buch die Geschichte aus „Irgendwie Top“ noch einmal erzählt, ist es wieder spannend und mitreißend. Beschreibungen und Erzählstil sind wunderbar an Alex‘ Charakter angepasst. Der Fokus liegt dementsprechend auf den Details, die für den perfektionistischen Alex wichtig sind, während die kurzen, knappen Sätze seine Unnahbarkeit gut zur Geltung bringen. Außerdem hat die Autorin Doppelungen an allen möglichen Stellen vermieden und für dieses Buch ein individuell passendes Ende gefunden. Obwohl ich Markus nach wie vor noch ein wenig lieber mag, bekommt auch „Irgendwie Lions Roar“ definitiv alle fünf Schreibfedern von mir.