Donnerstag, 21. Januar 2016

[Rezension] Das Labyrinth erwacht – Rainer Wekwerth



Titel: Das Labyrinth erwacht
Autor: Rainer Wekwerth
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 01. Januar 2013
Einband: Hardcover
Seiten: 406
ISBN: 978-3-401067-88-9
Preis: 16,99 € [D]

Klappentext:
Das Labyrinth. Es denkt. Es ist bösartig. Sieben Jugendliche werden durch Raum und Zeit versetzt. Sie wissen nicht mehr, wer sie einmal waren. Aber das Labyrinth kennt sie. Jagt sie. Es gibt nur eine einzige Botschaft an jeden von ihnen: Du hast zweiundsiebzig Stunden Zeit, das nächste Tor zu erreichen, oder du stirbst. Problem Nummer eins, es gibt nur sechs Tore! Problem Nummer zwei, ihr seid nicht allein!

Einordnung:
- Das Labyrinth erwacht (Teil 1)

Rezension:
Das Buch ist vom ersten Moment an spannend, denn schon bevor alle sieben Protagonisten vorgestellt wurden, weiß der Leser, dass einer von ihnen in diesem Buch sterben wird. Nach und nach treffen dann Jeb, Jenna, Tian, Mary, Kathy, León und Mischa aufeinander. Doch mögliche erste Sympathien des Lesers spielen schnell keine Rolle mehr, denn die erschreckende Nachricht lautet: Es gibt sechs Welten, die die Charaktere durchqueren müssen. In jeder Welt gibt es ein Tor weniger, sodass am Ende nur noch einer von ihnen leben wird.
Es ist jedoch auch mit diesem Wissen unmöglich, nur eine Figur zu mögen und ihr die Daumen zu drücken. Der Autor stellt auf geschickte Weise sicher, dass allen sieben Charakteren ein gewisses Maß an Sympathie entgegen gebracht wird. Da die Jugendlichen schnell feststellen, dass sie in dieser scheinbar verlassenen Welt und ohne Erinnerungen an ihr früheres Leben den Schutz der Gruppe brauchen, brechen sie gemeinsam auf, um die Tore zu suchen. Sie sind aufeinander angewiesen, auch weil jeder von ihnen ein anderes nützliches Hilfsmittel wie ein Feuerzeug, ein Seil, einen Verbandskasten oder ein Messer bekommen hat. Dadurch sind sie viel gemeinsam unterwegs und versuchen sich, aus Mangel an anderen Gesprächsthemen, gegenseitig kennen zu lernen. Noch näher wird dem Leser allerdings jeder Charakter gebracht, indem ständig die Perspektive wechselt. Das Buch wird immer in der dritten Person erzählt, aber der Fokus wechselt stetig zwischen den Charakteren hin und her, sodass der Leser jede Figur bis zu den intimsten Gedanken und Gefühlen kennen lernt. Das macht es beinahe unmöglich, einen von ihnen nicht zu mögen.

Diese dauerhaften Wechsel, die trotz der zahlreichen Perspektiven aber nie für Verwirrung sorgen, machen dem Leser die Eintönigkeit der Wanderung durch die Steppe erträglicher als den Figuren. Durch die Vielzahl an unterschiedlichen Gedanken und Erinnerungsfetzen scheint das Buch mehr und längere Handlung zu haben als das bei genauerem Nachdenken tatsächlich der Fall ist. Besonders wird das an den Gefühlen deutlich, die die Charaktere nach und nach füreinander entwickeln. Es entsteht Freundschaft, Kameradschaft, Respekt, Liebe, aber auch Neid, Hass und Sehnsucht. Durch die vielen Perspektivenwechsel wirken all diese Gefühle nicht übereilt, sondern scheinen sich erst allmählich einzuschleichen. Die Entwicklung lässt sich nachverfolgen und es gibt viel Raum, um darüber nachzudenken. Erst im Nachhinein fällt auf, dass die Charaktere sich in der ersten Welt nur drei Tage lang aufhalten und sich dementsprechend erst seit drei Tagen kennen.

Dass den Charakteren nur so kurze Zeit bleibt, um die einzelnen Welten zu durchqueren, zerrt ordentlich an den Nerven. Alle wissen, dass jemand zurückbleiben muss, sobald sie ein Tor erreichen. Dennoch können sie nichts anderes tun als von Tor zu Tor zu rennen, denn es bleibt keine Zeit für Erholung oder zum Nachdenken, wie diese Situation anders gemeistert werden kann. Die meisten Figuren wollen nicht, dass ihre Freunde und Kameraden sterben, und doch rennen sie alle um ihr Leben, obwohl sie genau wissen, dass das für einen der anderen den Tod bedeuten wird.
Unterstützt wird die Spannung außerdem dadurch, dass weder die Charaktere noch der Leser auch nur eine vage Ahnung haben, wer oder was genau die Jugendlichen verfolgt. Durch die wechselnde Perspektive werden die Verfolger immer anders wahrgenommen. Zu der akuten wirklichen Bedrohung gesellen sich damit auch noch die Ängste der verschiedenen Charaktere, denn das Labyrinth spielt mit diesen Ängsten. Schlussendlich führt das dazu, dass der Leser sich genauso gehetzt fühlt wie die Charaktere, ebenso viel Angst empfindet und um alle sieben Leben kämpft.

Fazit:
Das Buch zerrt wirklich an den Nerven. Obwohl der Leser von Anfang an weiß, dass es am Ende der Reihe nur eine einzige überlebende Figur geben wird, sind alle sieben Charaktere schnell zumindest zum Teil sympathisch. Da das Buch aus allen sieben Perspektiven geschildert wird, lernt der Leser die Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und Ängste jeder Figur kennen. Das steigert die Sympathie, lässt das Buch viel handlungsreicher erscheinen als es eigentlich ist und raubt den Atem. Denn am Ende ist der Leser genauso gehetzt wie die Charaktere und kämpft mit ihnen um ihr Leben, obwohl alle wissen, dass sie nacheinander sterben werden. „Das Labyrinth erwacht“ hat mich so gepackt, dass ich auf jeden Fall alle fünf Schreibfedern vergebe.


Kommentare:

  1. Huhu, Jennifer!

    Eine wirklich tolle und ausführliche Rezi. Die Trilogie zählt zu meinen Lieblingen, da auch echt alle 3 Teile gleichbleibend spannend und nervenzerfetzend sind. Ich wünsche dir schon einmal viel Spaß mit den restlichen Büchern!

    LG, Claudia:)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey Claudia,

      den zweiten Teil habe ich auch schon gelesen, muss aber gestehen, dass ich da ziemlich enttäuscht war. Wird in meiner Rezension auch noch zu lesen sein, aber ich frage mich langsam, ob es in dieser Reihe irgendeinen größeren Sinn gibt oder ob da tatsächlich nur beschrieben wird, bis nur noch einer lebt. Und im zweiten Teil mochte ich auch die Charaktere nicht mehr wirklich. Plötzlich waren sie alle Arschlöcher oder Weicheier... (Okay, und meine beiden Lieblingscharaktere sind drauf gegangen, aber da mochte ich sie eigentlich schon gar nicht mehr wirklich...) Hoffentlich gefällt mir der letzte Teil wieder besser und es passiert etwas anderes als dass sie durch noch zwei Welten rennen und noch zwei von ihnen sterben...

      Liebe Grüße zurück,
      Jenny

      Löschen