Sonntag, 28. Februar 2016

[Rezension] Alba & Seven: Vertraue niemals der Erinnerung – Natasha Ngan


Titel: Alba & Seven – Vertraue niemals der Erinnerung
Autor: Natasha Ngan
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 01. Januar 2016
Einband: Hardcover
Seiten: 428
ISBN: 978-3-401601-38-0
Preis: 17,99 € [D]

Klappentext:
Alba will nur eins: endlich aus ihrem goldenen Käfig im Nordbezirk Londons ausbrechen. Als Tochter des mächtigsten Mannes des Landes ist ihre Zukunft jedoch längst vorherbestimmt. Die letzte Chance, frei zu sein, kommt in Gestalt eines jungen Diebes: Seven. Und der ist nicht nur total unverschämt, sondern auch Mitglied einer Straßengang, die mit gestohlenen Erinnerungen auf dem Schwarzmarkt handelt. Ausgerechnet ihm folgt Alba zum ersten Mal in den Süden. Doch in einer Welt, in der keine Erinnerung privat ist, bleiben auch Geheimnisse nicht lange verborgen. Geheimnisse, die Albas Leben für immer verändern, und Seven in tödliche Gefahr bringen. Die beiden müssen alles aufs Spiel setzen – ihr Leben … und ihre Liebe.

Einordnung:
Das Buch ist vermutlich kein Teil einer Reihe.

Rezension:
Das Buch wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Protagonisten, Alba und Seven, erzählt. Da sie aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammen, unterschiedliche Ansichten haben und die meiste Zeit an unterschiedlichen Orten verbringen, lassen sie sich aber gut auseinander halten. Da sie jedoch auch die beiden Gegensätze der Gesellschaft repräsentieren, sowohl den reichen Norden als auch den armen Süden, ist es notwendig, detaillierte Informationen zur gesamten Welt zu liefern, die die Autorin sich ausgedacht hat. Da das Buch in sich abgeschlossen und keine Reihe ist, geschieht das aber immer wieder nicht. Die normalerweise heutzutage in drei Bänden erzählte Geschichte ist hier auf 400 Seiten gekürzt, sodass viele Details auf der Strecke bleiben. Beispielsweise wird die eigentliche Idee hinter der Geschichte, nämlich dass Erinnerungen auf Chips gespeichert werden können, so gut wie gar nicht erklärt. Wie die Erinnerungen nochmals durchlebt werden können, wird beschrieben, aber wie sie auf die Chips gelangen und wie das alles überhaupt möglich ist, wird nicht erläutert, sondern muss einfach als gegeben hingenommen werden.

Gleiches gilt für das Ende des Buches, das ziemlich abgehackt ist und einfach nur noch im Epilog als rückblickende Gedanken geschildert wird. Das Buch endet am Höhepunkt der Handlung mit der Flucht der Charaktere. An der Stelle beginnt normalerweise der zweite Band der Reihe, doch hier ist einfach mit „Drei Wochen später“ ein Epilog angeführt, der die weiteren Ereignisse und Lösungen zusammenfasst. Insgesamt ist das zu wenig, um eine Aufteilung in zwei Bände zu fordern, aber gerade das Ende hätte eine detailliertere Beschreibung verdient gehabt.

Nichtsdestotrotz ist das Buch gelungen, denn es verbindet Spannung, Witz und Authentizität. Spannend wird es vor allem dann, wenn neue Charaktere auftauchen, die Alba und Seven direkt oder indirekt helfen, weil sie selten ihre Beweggründe erläutern. Zunächst bleibt so gut wie immer offen, was es mit ihnen auf sich hat. Unter anderem daraus entsteht eine gewisse Authentizität, weil die Planungen und Bewegungen im Hintergrund viel größer und wichtiger als das Befriedigen der Neugierde zweier Teenager sind, sodass es niemand für nötig befindet, den beiden mitzuteilen, worum es geht.
Ebenfalls für sehr authentisch befinde ich die Liebesgeschichte, die das Buch natürlich hat. Sie entwickelt sich ganz langsam und allmählich. Außerdem thematisiert sie ganz nebenbei noch einige Unsicherheiten, über die normalerweise einfach hinweggesehen wird. So macht sich Alba einige Gedanken darüber, ob sie schon bereit ist, jemanden zu küssen, und was sie dabei denn bitte mit der Zunge anstellen soll. Diese für die Geschichte vollkommen irrelevanten Überlegungen wecken Sympathie für die Charaktere. Daraus entsteht aber auch der gewisse Witz des Buches, denn manchmal, wenn es innigere Momente zwischen Alba und Seven gibt, bestehen die zwei Kapitel, die das aus beiden Perspektiven beschrieben, lediglich aus den Gedanken der beiden, zusammengefasst in einem Satz, gedruckt auf eine Doppelseite. Nach vielen längeren Kapiteln war das gleichermaßen überraschend und witzig.

Fazit:
Das Buch ist größtenteils gut gelungen. Die Charaktere und die Liebesgeschichte sind authentisch, die Handlung ist spannend und die Aufmachung und Kapiteleinteilung ist teilweise wirklich witzig. Außerdem ist das Buch in sich abgeschlossen, also kein Teil einer Reihe. Dadurch ist allerdings auch weniger Platz für Details. Es fehlen einige Erklärungen oder Informationen, ohne die einige Dinge einfach hingenommen werden müssen. Besonders deutlich wird das am Ende, als die Handlung am Höhepunkt abbricht und die weitere Entwicklung und Lösung nur im Epilog kurz zusammengefasst wird. Daher bekommt „Alba & Seven“ insgesamt vier Schreibfedern von mir.


1 Kommentar:

  1. Liebe Jenny,

    das Buch hört sich sehr interessant an und ich denke, mit Deinen Kritik-Punkten könnte ich gut leben :-)

    Habe das Buch mal auf meine Wunschliste gesetzt und werde mir bald mal die Leseprobe anschauen und dann entscheiden.

    Vielen Dank für Deine Rezi und liebe Grüße
    Stefanie

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