Mittwoch, 3. Februar 2016

[Rezension] Das Labyrinth jagt dich – Rainer Wekwerth



Titel: Das Labyrinth jagt dich
Autor: Rainer Wekwerth
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 01. August 2013
Einband: Hardcover
Seiten: 344
ISBN: 978-3-401067-89-6
Preis: 16,99 € [D]

Klappentext:
Fünf Jugendliche. Sie haben gekämpft, sich gequält und zwei Welten durchquert, um die rettenden Tore zu erreichen. Und wieder stellt sie das Labyrinth vor unmenschliche Herausforderungen, denn auch in der neuen Welt ist nichts, wie sie es kannten. Sie sind allein mit ihrer Vergangenheit, ihren Ängsten, ihren Albträumen. Neue Gefahren erwarten sie, aber letztendlich entpuppt sich etwas Unerwartetes als ihr größtes Hindernis: die Liebe. Jeder von ihnen mag bereit sein, durch die Hölle zu gehen, doch wer würde das eigene Leben für seine Liebe opfern?

Einordnung:
- Das Labyrinth erwacht (Teil 1) 
- Das Labyrinth jagt dich (Teil 2)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich des ersten Teils enthalten!

Nachdem ich sie im letzten Teil noch so gelobt habe, sind mir in diesem Band selbst meine Lieblingscharaktere unsympathisch geworden. Natürlich entwickeln sie sich die Jugendlichen alle weiter und die schrecklichen Erlebnisse, die das Labyrinth sie zu durchleben zwingt, hinterlassen Spuren, aber nun verschwinden sich bei allen Figuren, die ich vorher mochte, die Eigenschaften, für die ich sie mochte.
León ist ein Beispiel für einen enormen Wandel. Im ersten Band noch Einzelgänger, der sich nur auf die Gruppe eingelassen hat, weil sie ihn schützen kann, übernimmt er in diesem Buch mehr Verantwortung für andere und lernt die Gesellschaft der anderen zu schätzen. Das hat mir noch gut gefallen, aber leider machen ihn seine Gefühle für Mary im weiteren Verlauf zu einem totalen Weichei. Von dem harten Kämpfer bleibt nichts mehr übrig, weil er ständig damit beschäftigt ist, ihr zu gefallen.
Einen fast gegenteiligen Wandel macht dagegen Mischa durch. Nachdem er im vorherigen Band noch immer freundlich war, sich in den Dienst der Gruppe gestellt hat und für seine offensichtlich unerwiderten Gefühle für León mein ganzes Mitleid hatte, wird er in diesem Buch ein gefühlloser Mistkerl. Er lügt und betrügt und sieht plötzlich die gesamte Gruppe als seine Gegner an.
Den besonnenen, ruhigen, optimistischen Jeb erwischt es in der ersten Welt in diesem Buch besonders heftig. Obwohl die Veränderungen, die er zum Glück nur vorübergehend durchmacht, für mich am nachvollziehbarsten sind, ging mir sein Jammern relativ bald trotzdem auf die Nerven. Aus seiner Perspektive hätte durchaus seltener berichtet werden können.
Jenna und Mary waren mir im ersten Teil noch am wenigsten sympathisch. Da Jenna die einzige Figur ist, die sich auch im zweiten Teil kaum verändert, mag ich sie in diesem Buch jetzt aber fast am liebsten. Mit Mary weiß ich dagegen inzwischen gar nichts mehr anzufangen. Sie wechselt ständig zwischen dem zerbrechlichen Mädchen und der zähen jungen Frau hin und her. Häufig kämpft sie, bricht dann aber genau im richtigen Moment zusammen, dass jemand kommt, um ihr zu helfen. S­ie ist stärker als im letzten Buch, kann aber das Image der zerbrechlichen Heulsuse, die unbedingt beschützt werden will, trotzdem nie ganz ablegen. Daher gefällt sie mir schon besser als im letzten Buch, aber Sympathie ist etwas anderes.

Doch nicht nur die Charaktere, auch die Handlung an sich gefällt mir weniger. Sie gleich den Geschehnissen aus dem ersten Buch viel zu sehr. Grundsätzlich ist das positiv, weil das natürlich für eine Grundspannung sorgt. Auf dem Weg zu jedem Tor stellt sich die altbekannte Frage, wer es dorthin schaffen und in die nächste Welt gelangen wird. Immer ist unsicher, welche Figur diesmal zurückbleiben muss. Und das wird von Tor zu Tor grausamer, weil die bisher Überlebenden immer enger miteinander verbunden sind. Allerdings ist das auch in diesem Buch wieder alles, was passiert. Langsam frage ich mich, ob es in der Reihe überhaupt um etwas anderes geht als darum, um die Charaktere zu bangen und ihnen nach und nach beim Sterben zuzusehen, bis nur noch einer von ihnen übrig ist. Nicht, dass das nicht spannend wäre, allerdings habe ich mehr Hintergrund hinter der Geschichte erwartet.

Mit diesem Hintergrund fehlen auch viele Informationen. Während die Charaktere in jeder Welt immer wieder dem Stern hinterher jagen, geschehen eine Menge merkwürdige, für die reale Welt unlogische Dinge, für die es nach wie vor keine Erklärung gibt. Bereits im ersten Buch sind schon unheimliche Wesen in Erscheinung getreten und Dinge aus dem Nichts aufgetaucht. Da gesellen sich jetzt noch Halluzinationen und andere merkwürdige Ereignisse hinzu, während das Labyrinth und die Realität immer mehr zu verschmelzen scheinen. Doch es gibt nach insgesamt mehr als 700 Seiten noch immer keinen Hinweis darauf, worum es überhaupt geht, wer dahinter steckt und wo sich die Charaktere befinden. Zumindest einige Andeutungen wären schön gewesen, um nicht alle Ereignisse einfach so hinnehmen zu müssen. Vermutlich wird da im dritten Teil noch sehr viel aufgeklärt, allerdings ist es meines Wissens doch eher unüblich, den Leser gleich zwei Bücher lang komplett in der Luft hängen zu lassen. Mir persönlich ist das jedenfalls deutlich zu lang.

Fazit:
Leider ist das Buch ein typischer Mittelteil. Die Charaktere durchqueren zwar auch hier wieder zwei Welten, verlieren Freunde und kämpfen um ihr Leben, es gibt aber nach wie vor keinerlei Informationen über die Hintergründe. Im Grunde ist das Buch bloß eine Neuauflage des ersten Teils mit zwei Charakteren weniger. Weder die Hintergründe noch die widernatürlichen Geschehnisse werden in irgendeiner Weise erläutert. Hinzu kommt, dass so gut wie alle Charaktere alle Eigenschaften verlieren, die ich an ihnen geschätzt habe. Sie werden entweder zu Weicheiern oder zu Mistkerlen der unsympathischen Sorte. Da das Buch aber trotzdem in gewisser Weise immer noch spannend ist, weil die Jagd nach den Toren ungebremst weiter geht, bekommt „Das Labyrinth jagt dich“ noch drei Schreibfedern von mir.

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