Sonntag, 8. Mai 2016

[Rezension] Element8: Das Flüstern der Erde – Wolfgang Kirchner



Titel: Element8 – Das Flüstern der Erde
Autor: Wolfgang Kirchner
Verlag: Shadow Press
Erscheinungsdatum: 16. März 2016
Einband: Softcover
Seiten: 424
ISBN: 978-3-950422-31-3
Preis: 7,90 € [D]

Klappentext:
Rätselhafte Dinge geschehen im Flüsterwald, der Heimat der jungen Erdläuferin Narna Feuervogel. Eine uralte Prophezeiung scheint sich zu erfüllen, die von finsteren Zeiten kündet. Als Narna aus ihrem Dorf verstoßen wird, beginnt eine schicksalhafte Reise für sie. Kann sie das Erdvolk vor der dunklen Bedrohung bewahren?
Auch Kreton Morgenwasser, ein pedantischer Vikar mit gespaltener Lippe, hat in einer Vision die Zeichen erkannt. Zusammen mit seinem Gehilfen Talias und dem schrulligen Forscher Kornilius macht er sich auf die Suche nach einem verschollenen Artefakt, das ihm die Macht verleihen soll, die Welt zu retten.
Doch die Schatten sind näher, als er glaubt ...

Einordnung:
- Das Flüstern der Erde (Teil 1)
- bei genug Interesse am ersten Band erscheinen weitere Teile

Rezension:
Ich bin kein Leser von High Fantasy Romanen, aber das Buch klang spannend, also habe ich mich trotzdem um ein Rezensionsexemplar beworben. Nach den ersten 100 Seiten war mir klar, dass ich das doch nicht hätte tun sollen. Ich habe das Buch schlichtweg nicht verstanden. Zum Teil liegt das an den vielen Namen für Charaktere, Völker, Städte und Gebiete, die sich der Autor ausgedacht hat. Über einen anderen Leser bin ich zufällig darauf gestoßen, dass es für diese Begriffe ein Glossar im Anhang gibt, sodass ich zumindest dieses Hindernis aus dem Weg räumen konnte. Doch es sind nicht nur die Namen, sondern auch die Handlung, die ich bis jetzt zum Teil nicht nachvollziehen kann. Die Kapitel werden abwechselnd aus den Perspektiven der Erdläuferin Narna und des Vikars Kreton erzählt, aber selbst innerhalb eines Kapitels hatte ich häufig das Gefühl, dass ich ganze Abschnitte verpasst habe. Es gab Sprünge in den Erzählungen und vollkommen wirre Aneinanderreihungen von Ereignissen, die nicht allein durch Narnas halluzinogene Pilze zu erklären sind. Noch weit über die Mitte des Buches hinaus habe ich mich gefragt, worum es in der Geschichte eigentlich geht. Daher habe ich die meisten Seiten eher überflogen.

Auch die Charaktere haben mir nicht geholfen, mich mit der Geschichte anzufreunden. Bis auf eine Ausnahme sind sie mir allesamt unsympathisch. Mit weiblichen Protagonisten habe ich generell häufig ein Problem, doch Narna erschien mir im Klappentext wie eine starke Frau. Letztendlich agiert sie aber meist eher wie ein pubertierender Teenager und ging mir damit relativ bald auf die Nerven. Sie ist impulsiv und lässt sich häufig von ihren Gefühlen leiten, um immer das zu bekommen, wonach ihr gerade ist: Rache, Sex und ihre Pilze sind nur einige Beispiele. Ihre Gedanken und Gefühle springen so schnell hin und her, dass es regelrecht anstrengend ist, dem zu folgen.
Die andere Hälfte der Geschichte erzählt der Geistliche Kreton Morgenwasser, dessen Abstammung ich dem Buch nicht entnehmen konnte, auch wenn er enge Verbindungen zum Lichtvolk zu haben scheint. An ihm ist absolut alles unsympathisch und mir zum Teil auch völlig unverständlich. Beispielsweise hat er nachts immer wieder erotische Träume von einer Frau, worin er eine Sünde sieht, sodass er sich dafür selbst auspeitscht – mit seiner Peitsche, die er Isolde getauft hat. Außerdem manipuliert er seine Mitmenschen, wo immer es ihm möglich ist oder Vorteile bringt. Er lügt und betrügt und besticht und behandelt diejenigen, die für ihn arbeiten, wie den letzten Dreck, allen voran seinen Gehilfen Talias.
Dieser ist mir als einzige Figur des Buches sympathisch. Er lässt sich durch die herablassende, verachtende Art Kretons und die ständige Schinderei, die ihm nie auch nur ein Wort des Lobes einbringt, nicht unterkriegen. Er ist intelligent und freundlich und ohne Vorurteile. Sein Herz ist am rechten Fleck, sodass er Mitgliedern jedes Volkes freundlich gegenüber tritt und erkennt, wann er einschreiten muss, um dunkle Machenschaften zu verhindern.

Außer Talias konnte mich auf den letzten Metern nur noch der Grundgedanke der Geschichte überzeugen. In Artei, der Welt, in der das Buch spielt, gibt es acht Elemente, denen jeweils ein Volk zugeordnet wird: Erde, Licht, Erz, Luft, Feuer, Wasser, Zeit und Schatten. Die Völker der ersten sieben Elemente leben in Artei, das nun durch Schatten bedroht wird. Um dieser Bedrohung Herr zu werden, sucht Kreton Morgenwasser nach einem mächtigen Artefakt. Leider hat sich mir dieser Erkenntnis erst auf den letzten 50 Seiten offenbart. Obwohl sich, rückblickend, die ganze Geschichte darum dreht, ist der Weg zum Ziel viel zu umständlich und ereignislos als dass ich ihm Spannung oder Leselust hätte abgewinnen können. Die letzten Seiten beinhalten Handlung, Spannung, Wendungen und vor allem Informationen, während bis dahin nur zwei Charaktere und ihre Freunde oder Gehilfen durch die Gegend zogen, sich im Kreis drehende Gedanken hatten und völlig unzusammenhängende oder sinnfreie Dinge taten. Leider kam die Wende erst, nachdem ich mich mühsam durch 350 Seiten gequält hatte.

Fazit:
Obwohl ich kein Leser von High Fantasy Romanen, hat mir die grundsätzliche Idee der Geschichte gefallen. Leider wurde diese erst auf den letzten Seiten deutlich. Bis zu dem Zeitpunkt habe ich mich durch die Seiten gequält und sie eher überflogen, während ich darauf gewartet habe, den Sinn der Geschichte zu verstehen. Viele Dinge sind mir nach wie vor unklar, aber das Grundkonzept habe ich jetzt im Nachhinein verstanden. Da die Charaktere bis auf eine Ausnahme allesamt extrem unsympathisch sind, haben sie auch nicht geholfen, mir die Geschichte schmackhaft zu machen. Obwohl mich das Buch am Ende doch irgendwie noch ein bisschen packen konnte, werde ich die Reihe wohl nicht weiterverfolgen und vergebe an „Element8 – Das Flüstern der Erde“ auch nur zwei Schreibfedern.


Vielen Dank an den Verlag Shadow Press und Bloggdeinbuch für das Rezensionsexemplar.

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