Freitag, 17. Juni 2016

[Rezension] Chroniken der Unterwelt: City of Glass – Cassandra Clare



Titel: Chroniken der Unterwelt – City of Glass
Autor: Cassandra Clare
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsdatum: 01. Juli 2009
Einband: Hardcover
Seiten: 717
ISBN: 978-3-401061-34-4
Preis: 19,99 € [D]

Klappentext:
In Idris sind düstere Zeiten angebrochen. Als Valentin sein tödliches Dämonenheer zusammenruft, gibt es nur eine Chance, um zu überleben: Die Schattenjäger müsse ihren alten Hass überwinden und Seite an Seite mit den Schattenwesen in diesen Kampf ziehen. Um Clary vor der drohenden Gefahr zu schützen, würde Jace alles tun – doch dafür muss er sie erst einmal verraten ...

Einordnung:
- City of Bones (Teil 1) 
- City of Ashes (Teil 2) 
- City of Glass (Teil 3)
- City of Lost Souls (Teil 5)

Rezension:
Kann Spoiler bezüglich der ersten beiden Teile enthalten!

Der Anfang des Buches hat mich sehr an den Anfang des zweiten Teils erinnert. Auch hier ist es der Autorin nicht gelungen, den Schwung auf den nächsten Band zu übertragen. Es kommt lange keine Spannung auf und vor allem ist die Stimmung so abgekühlt und distanziert, dass ich eine Weile gebraucht habe, um wieder mit den Charakteren zurecht zu kommen. Größtenteils liegt das wohl an Clary, die um jeden Preis unbedingt nach Idris möchte, obwohl das für sie mehr Risiken als Nutzen bringt. Mir erschließt sich ihr Grund nicht, obwohl sie mehrfach versucht, es zu erklären. Den anderen Charakteren geht es wohl genauso, denn auch zwischen den Figuren ist die Stimmung wirklich schlecht. Dadurch macht Clary, die sich zu einer reifen jungen Frau entwickelt hatte, wieder große Rückschritte und verhält sich wie ein trotziger Teenager. Gerade war ich froh, dass sie diese Phase überwunden hatte, da fängt sie wieder von vorne an. Obwohl er es sehr harsch formuliert, hat Jace nicht Unrecht, als er ihr vorwirft, nie nachzudenken und sich und andere ständig in Gefahr zu bringen. Alles in allem hat mir der Start ins dritte Buch überhaupt nicht gefallen.

Zum Glück war das aber nur ein relativ kurzer Aussetzer, denn bald fängt sich Clary wieder und mit der Handlung nimmt auch die Spannung an Fahrt auf. Gerade die Dramatik nimmt ordentlich zu und ist deutlich mehr zu spüren als in den bisherigen Teilen. Obwohl es auch in den bisherigen Kämpfen immer um Leben und Tod ging, sind die Charaktere immer mit blauem Auge davon gekommen. In diesem Band aber haben die Auseinandersetzungen tatsächlich auch tödliche Folgen. Valentin bedroht die gesamte Welt der Schattenjäger, sodass es mehrfach zu einem regelrechten Blutbad kommt. Dabei sterben viele Figuren, die erst mit ihrem Tod vorgestellt werden, doch auch bekannte Gesichter werden nicht verschont. Nachdem diese ‚Hürde‘ einmal überwunden war, wuchs meine Angst um die übrigen Charaktere, weil ihr Tod plötzlich sehr viel realistischer geworden war.

Auch gegenüber dem Rest des Buches habe ich eine zwiegespaltene Meinung. Auf der einen Seite bin ich enttäuscht von den Beschreibungen und Erzählungen von Idris. So oft wurde das Land als wunderschön beschrieben und alle Schattenjäger, die schon einmal dort waren, sehnen sich danach, dorthin zurück zu kehren. Nachdem der Großteil der Handlung dieses Buches nun in Idris spielt, weiß ich immer noch nicht mehr über das Land, als dass es ‚wunderschön‘ ist. Es gibt kaum mehr Beschreibungen als dass es dort grünes Gras, blaue Flüsse und Berge gibt. All diese Dinge waren aber schon seit dem ersten Buch bekannt. Noch enttäuschter war ich dann bei den Szenen, die in Alicante spielen, der Hauptstadt. Abgesehen von den Türmen zur Dämonenabwehr konnte ich nichts Besonderes an der Stadt finden. Der Zauber, den die Charaktere offenbar alle verspürt haben, hat sich überhaupt nicht auf mich übertragen.
Auf der anderen Seite haben mich die vielen Szenen mitgerissen, in denen es für die Charaktere holprig bis gar nicht läuft. Immer wieder stellen die Figuren fest, wie viel Wut, Stolz, Neid und Misstrauen in ihnen und anderen steckt. Das gibt der Geschichte eine sehr authentische Note. Immer wieder brechen sich die wahren Gefühle Bahn, wenn die akute Gefahr beseitigt ist. Dadurch entsteht sehr viel Tiefe und die Charaktere werden noch vielschichtiger. Gleichzeitig strotzen aber insbesondere die Schattenjäger geradezu vor Vorurteilen, sodass sie sich sehenden Auges ihr eigenes Grab schaufeln. Diese Szenen sind wirklich packend und mitreißend.

Fazit:
Ähnlich wie der letzte Teil braucht auch der dritte Band etwas Anlaufzeit. Der Schwung ist verloren gegangen, die Stimmung deutlich abgekühlt und die Spannung verschwunden. Gleichzeitig benimmt sich Clary wieder wie ein trotziger Teenager. Sehr enttäuschend sind außerdem die glanzlosen Beschreibungen von Idris, die keinerlei Zauber vermitteln konnten. Das Buch wird dennoch schnell besser und die Dramatik nimmt immer mehr zu, während in blutigen Schlachten auch schon länger bekannte Charaktere ihr Leben lassen. Mitreißend sind auch viele kleine, authentische Szenen, in denen Misstrauen, Neid und Wut den Charakteren Tiefe geben. Da ich diesmal das komplette Buch zwiegespalten sehe, vergebe ich an „City of Glass“ nur drei Schreibfedern.


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